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Bistum Trier
Montag, 19. Juli 2021

Dr. Helene Neis als Schulleiterin der Willi-Graf-Realschule verabschiedet

Vertreter aus Bistum und Politik würdigten Verdienste der 64-Jährigen

Saarbrücken – Helene Neis‘ Weg an die Bischöfliche Willi-Graf-Realschule begann mit Hindernissen: Auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch platzte der Reifen. Zwei Stunden zu spät traf sie 1993 in Trier ein – und stieß zunächst auf Skepsis im Bischöflichen Generalvikariat: 36 Jahre jung, Frau, drei kleine Kinder – wie sie denn da noch eine Schulleitung übernehmen wolle? Doch Helene Neis überzeugte und blieb. Nach 28 Jahren, in denen sie unzählige Schülerinnen und Schüler kommen und gehen sah, ist die 64 Jahre alte, dienstälteste Schulleiterin des Bistums am vergangenen Donnerstag, 15. Juli, in den Ruhestand verabschiedet worden. Bei einem Gottesdienst im Pavillon der Schule mit anschließender Feier haben Vertreter aus Bistum, Politik und Kollegenkreis die Verdienste der scheidenden Rektorin gewürdigt. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers übernimmt der stellvertretende Rektor Klaus Becker kommissarisch die Aufgaben der Schulleitung.

„Wichtig war Dir – gerade an einer Realschule – die ganzheitliche Bildung der Schülerinnen und Schüler. Über die rein kognitive Bildung war es Dir wichtig, dass Schule auch gesellschaftliche Verantwortung und solidarisches Handeln nicht nur thematisiert, sondern auch einübt und erfahrbar macht“, dankte der Leiter der Abteilung Schule und Hochschule des Bischöflichen Generalvikariats, Albrecht Adam. Es sei mit ihr Verdienst, dass die Schule in Saarbrücken und der Region ein hohes Ansehen genieße. Insbesondere in den letzten anderthalb Jahren, angesichts der Herausforderungen der Corona-Pandemie, hätten die Schulleitungen Besonderes geleistet.

„Der saarländischen Schullandschaft geht heute eine Lehrerin verloren, die mit großem Sachverstand und großem pädagogischen Geschickt ihren Beruf als Berufung gelebt hat“, würdigte Ministerialrätin Karin Elsner von der Abteilung Allgemeinbildende und berufliche Schulen des Kultusministeriums. „Mit Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen und Haltung hast Du alles getan, damit es Deiner Schule gut geht und hier Schüler reifen können“, dankte Thomas Schmitz stellvertretend für alle Schulleiterinnen und Schulleiter der katholischen Schulen im Bistum Trier. „Wenn man unter Schülern fragt, wie sie Frau Neis finden, kommt die Antwort: „Man muss sie einfach mögen““, sagte Schülersprecherin Sinah Winter.

„Ich habe sehr gerne unterrichtet mit dem Ziel, dass Schülerinnen und Schüler das Leben verstehen und ihr Leben gestalten können“, sagte die nun pensionierte Religions- und Kunstlehrerin, die aus Lebach-Steinbach stammt. Gerade die Pandemie habe gezeigt, dass Schule mehr ist als der Ort professioneller Wissensvermittlung. „Sie ist auch Ort sozialer Begegnungen, den unsere Kinder und Jugendliche sehr brauchen. Es geht darum, Neugier zu wecken, den Intellekt für Neues öffnen, die Herzen öffnen, Mitgefühl, Empathie.“ Die Langzeit-Folgen der Pandemie seien noch nicht absehbar, aber die Zeit werde ihre Spuren hinterlassen. 

Nach der Gründung der Willi-Graf-Realschule war Dr. Helene Neis als Nachfolgerin von Agnes Bohlen die zweite Rektorin. Dass die Schule so gut dastehe, sei dem besonderen Engagement des Kollegiums zu verdanken, betonte Neis. Ein großes Anliegen sei ihr gewesen, die Erinnerung an den Namensgeber der Schule, den Widerstandskämpfer Willi Graf, lebendig zu halten. Dessen Schwestern besuchten die Schule bis ins hohe Alter und ermutigten die Schüler, für Demokratie, Gewaltfreiheit und Völkerverständigung einzutreten. Zusammen mit dem Adolf-Bender-Zentrum erstellte sie mit einer zehnten Klasse die Willi-Graf-Ausstellung, die heute in der Schule zu sehen ist. „Darauf bin ich sehr stolz“, bekannte Neis. Ebenso stolz blickt Neis auf die zahlreichen sozialen Projekte der Schulgemeinschaft zurück, mit Spenden für Tafel, Kältebus, Wärmestube, Altenheime oder für das Willi-Graf-Haus in Rumänien, den Schulbau in Burundi oder das Collegio San Juanillo in Sucre/Bolivien. Auch mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und mit der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft finden regelmäßig Kooperationen statt.

Unvergessen ist für Helene Neis der Nikolaustag 1996. Nach einem Fehlalarm rief die Polizei am Abend ein zweites Mal an: „Jetzt brennt Ihre Schule.“ Eine Hundertschaft der Feuerwehr rückte an, um die Flammen zu löschen. Monatelang fand der Unterricht in Containern statt.

„Unsere Gesellschaft braucht wertgebundene Schulen und Erziehungseinrichtungen“, hielt Neis zum Abschied ein Plädoyer für Schulen in Trägerschaft der Kirche. Viele Eltern wählten kirchliche Schulen ganz bewusst, „weil sie ihre Kinder dort atmosphärisch gut an- und aufgenommen fühlen, weil ihnen grundsätzliche Haltungen wie Höflichkeit, Rücksichtnahme und Solidarität nahegebracht werden und das soziale Lernen und Miteinander eine große Rolle spielt“. Dies zeigten auch die ungebrochen hohen Anmeldezahlen für die Willi-Graf-Realschule.

Helene Neis freut sich auf die viele Zeit, die sie nun frei gestalten kann. „Vielleicht kann ich jetzt endlich einen Kurs in Keilschrift belegen, was ich schon immer mal machen wollte.“ Ansonsten wolle sie neben Reisen, Kunst, Garten, lesen und Sport auch ihre Fähigkeiten am Klavier erweitern.

(uk)

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