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Bistum Trier
Freitag, 19. Juli 2019

Ein Zeugnis der Ermutigung

Trierer Weihbischof erinnert an „Prediger von Buchenwald“

Dickenschied – Als „einen Zeugen, der ohne Gewalt, aber mit großer Klarheit für die Wahrheit und die Gerechtigkeit eingetreten ist und der sich den Mund nicht verbieten ließ“, hat der Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert den evangelischen Pfarrer Paul Schneider gewürdigt. Schneider wurde vor 80 Jahren im KZ Buchenwald ermordet. Bei einem Gedenkgottesdienst auf dem Friedhof in Dickenschied im Hunsrück, wo Paul Schneider begraben liegt, nannte Gebert das Wirken des „Predigers von Buchenwald“ ein „Zeugnis der Ermutigung“ für alle Christen.

Jesus Christus sende seine Jünger aus, wehrlos, nur mit sich selbst und der Botschaft, dass das Reich Gottes nahe sei, betonte Weihbischof Gebert. „Doch das ist eine Eindeutigkeit der Botschaft, zugleich gekoppelt mit einer Wehrlosigkeit, mit der sich die Boten auf den Weg machen. Und so war es auch bei Paul Schneider, der noch durch die Gitterstäbe seiner Zelle diese Botschaft seinen Mitgefangenen zurief, der auch die Wächter nicht entgehen konnten“, so der katholische Theologe.

Der Herr schicke seine Boten dabei wie Schafe mitten unter die Wölfe, meinte der Weihbischof unter Verweis auf das Lukas-Evangelium. „Wehrlos schickt er seine Jünger aus, aber nicht duckmäuserisch. Denn diese Botschaft eröffnet Räume, und sie gibt Kraft, und sie verändert das Leben, wenn man sie denn annimmt“, machte Gebert mit Nachdruck deutlich.

„Wenn auch uns die Botschaft des Evangeliums bewegt, dann werden dies auch andere spüren. Beim Umgang miteinander, beim Umgang mit Menschen, mit denen wir uns schwertun, oder wie wir streiten“, ist Gebert überzeugt. Und dann würden die Menschen auch heute noch das spüren, was damals als Botschaft den Jüngern mitgegeben worden sei: „Das Reich Gottes ist nahe“.

Rund 100 Menschen waren zum Gedenkgottesdienst auf den Dickenschieder Friedhof gekommen, darunter mit Eva-Marie Vorster und Karl-Adolf Schneider auch zwei der drei noch lebenden Kinder von Paul Schneider, sowie Manfred Rekowski, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Der Dickenschieder Pfarrer Paul Schneider war 1937 verhaftet und ins KZ nach Buchenwald gebracht worden. Schon kurz nach der Machtübernahme Hitlers war er mit dem Regime in Konflikt geraten und mehrfach verhaftet worden. Im KZ Buchenwald rief er aus seiner Zelle heraus den anderen Lagerinsassen immer wieder biblische Trostworte zu, was ihn zum „Prediger von Buchenwald“ machte. Am 18. Juli 1939 wurde er vom Lagerarzt mit einer Medikamentenüberdosis ermordet und wenige Tage später unter großer Beteiligung nicht nur seiner Gemeinden, sondern vieler Menschen aus der Bekennenden Kirche und der Ökumene auf dem Friedhof in Dickenschied beigesetzt.

Papst Johannes Paul II. hatte Paul Schneider 2000 im Rahmen des Märtyrergedenkens als einen von zwei Zeugen Christi namentlich gewürdigt. Papst Franziskus nahm 2017 an einem Wortgottesdienst in der römischen Basilika San Bartolomeo teil, in dem auch Paul Schneider gedacht wurde. In dieser Kirche gibt es eine Märtyrer-Ikone, die in der Bildmitte den „Prediger von Buchenwald“ in seiner Arrestzelle zeigt.

(red)

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