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Bistum Trier
Mittwoch, 15. Juli 2020

Für Flüchtlinge engagiert – auch während der Corona-Pandemie

Willkommensnetz unterstützt auch in der Krisenzeit Ehrenamtliche bei Projekten

Trier/Andernach/Bitburg – Finanzielle Sorgen, Stress und vermehrt Gewalt in Familien, fehlende Kontakte, Einsamkeit: Die Corona-Krise und die damit verbundenen Shutdowns hatten und haben weitreichende Auswirkungen auf die Menschen in Europa und weltweit. Besonders hart traf es geflüchtete Frauen, Männer und Kinder, vor allem jene in den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln, die unter prekären Umständen ohne ausreichende medizinische oder sanitäre Versorgung ausharren müssen. Doch auch die Situation von Geflüchteten in Deutschland ist keineswegs einfach: Viele von ihnen leben in eher beengten Wohnverhältnissen in Gemeinschaftsunterkünften oder Sozialwohnungen, wo die Gefahr einer Ausbreitung des Virus höher ist. Darüber hinaus wurde der Integrationsprozess gravierend erschwert, da Sprach- und Integrationskurse ausfielen und die Kinder zeitweise keine Schulen und Kindergärten besuchen durften. Auf dem fünften katholischen Flüchtlingsgipfel Ende Juni erinnerte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen der Deutschen Bischofskonferenz, an die Worte von Papst Franziskus: „Die Heilige Familie ist eine Flüchtlingsfamilie. Der Einsatz für die Anliegen schutzsuchender Familien ist für Christinnen und Christen daher eine Herzenssache. Familie ist die grundlegende Form der Gemeinschaft, der Ort, an dem wir Menschlichkeit lernen.“

Viele Projekte im Bistum Trier helfen Flüchtlingen während Corona-Isolation

Das vom Bistum und dem Diözesancaritasverband Trier getragene „willkommensnetz“ unterstützt seit fünf Jahren geflüchtete Menschen bei ihrer Ankunft und ihrem Integrationsprozess im Bistum Trier, vor allem durch die Netzwerkarbeit mit Ehren- und Hauptamtlichen in der Flüchtlingshilfe. Auch in der Coronazeit in der Zeit während der Kontaktsperre gab es kreative Ideen und Projekte, die Geflüchteten gesellschaftliche Teilhabe ermöglichten. Die in der Flüchtlingshilfe des Caritasverbands Trier Engagierten beschlossen beispielsweise, die „Zwangspause“ des partiellen Shutdowns zu nutzen und sich im Freien zu betätigen: Gartenarbeit gegen Isolation und Langeweile. Eine Gruppe von Flüchtlingen und ihre Begleiter arbeiteten etwa in einem Garten der Schönstattschwestern im Trierer Stadtteil Heiligkreuz und ab Mai auf einem großen Gartengrundstück im Stadtteil Zewen. Ehrenamtsbegleiterin Martha Byrne erklärt: „Wir wollen einen schönen internationalen Garten herrichten, in dem später einmal Begegnungen stattfinden können.“ Bis dahin steht noch sehr viel Arbeit an: Zunächst muss das Gelände gerodet und vom Unkraut befreit werden, müssen Zäune repariert und Gartenmöbel gestrichen werden. Im Moment fehlt es noch an Geräten und Werkzeug, aber Martha Byrne ist optimistisch, dass der Garten bald einladend und offen für jeden sein wird. Pflanzen und Bäume aus fernen Ländern verleihen exotisches Flair: Aus dem Kosovo soll ein Granatapfelbaum kommen, Chilis aus Syrien und Bohnen aus Südamerika.

Die durch die Corona-Pandemie bedingten Kontaktbeschränkungen brachten auch den im September 2019 gestarteten „interkulturellen Mittagstisch“ in Bitburg zum Erliegen. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der Katholischen Erwachsenenbildung, der Katholischen Familienbildungsstätte Bitburg und der Integrationsförderung des Caritasverbandes. Die Gruppe von rund 20 Frauen aus unterschiedlichen Nationen ließ sich von Corona aber nicht ausbremsen. „Die Frauen wollten helfen, dass gerade in der Zeit, wo viele Familien zu Hause bleiben mussten, etwas Leckeres auf den Tisch kommt“, berichtet Nnennaya Okeke vom Caritasverband Westeifel. So lautete dann auch der Aufruf über die sozialen Medien: ‚Bitte sendet uns schnelle, gesunde Rezepte mit wenigen Zutaten zu‘. Die von den Frauen zusammengestellten Rezepte halfen, dass Familien zwischen Lernen, Homeoffice und Kinderbetreuung Neues ausprobieren und ohne großen Aufwand preisgünstig gute Mahlzeiten zubereiten konnten. Dabei kam besonders die Vielfalt gut an: Es gab russische, türkische, afrikanische und deutsche Kochanleitungen. „Wir hoffen, die vielen Rezepte später in einem Kochbuch veröffentlichen zu können. Das wäre doch ein positives Ergebnis aus der Corona-Krise“, so Nnennaya Okeke.

Fatima Mahko näht 1.000 Masken

Als zu Beginn der Corona-Pandemie eine Maskenpflicht eingeführt wurde, sagte Fatima Mahko auf Anfrage des Caritasverbands Andernach sofort zu, Mund-Nasen-Masken zu nähen. Für die gelernte Schneiderin aus Syrien war und ist es selbstverständlich, in der aktuellen Situation zu helfen. Sie sei glücklich, etwas für die Bewohner der Stadt tun zu können, die sie vor fünf Jahren so freundlich aufgenommen hätten, betont sie. „Außerdem macht es mich froh, wieder in meinem Beruf arbeiten zu können.“ Über 1.000 Masken hat Fatima Mahko inzwischen genäht. Genutzt wurden sie bislang von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Caritasverbands, die beim Essen auf Rädern, im Mobilen Sozialen Dienst und in vielen anderen Bereichen, etwa der Schulsozialarbeit, in direktem Kontakt mit Menschen stehen. „Es ist für mich ein gutes Gefühl, mit meiner Arbeit für Menschen etwas Gutes tun zu können“, so Fatima Mahko. Deshalb wolle sie sich auch weiterhin bei der Caritas ehrenamtlich engagieren. Mahko ist nur eine von vielen Flüchtlingen, die während der Corona-Krise große Mengen an Masken hergestellt haben – ähnliche Projekte gab es im ganzen Bistum.

Trotz der Projekte gestaltete sich die Lage für Flüchtlinge und Helfer schwierig, gerade weil viele Ehrenamtliche altersbedingt zur Risikogruppe gehören, wie Pastoralreferent Günter Leisch aus Andernach berichtet. Das Café der Kulturen und die Kleiderkammer in Plaidt, regelmäßige Anlaufpunkte in der Pellenz, waren geschlossen; Fahrdienste etwa für erkrankte Kinder oder die Begleitung zu Ämtern entfielen, Feste wie das Nouruz-Fest in Weißenthurm oder das Zuckerfest in der Pellenz wurden gestrichen, ebenso Einkehrtage, Stammtische oder Fortbildungen für die Ehrenamtlichen. Für geflüchtete Schulkinder gestaltete sich der Alltag schwieriger als für die meisten Kinder aus deutschen Familien, da die Möglichkeiten, mit eigenem PC und Drucker zu arbeiten, eingeschränkt sind. Leisch fasst die letzten Monate zusammen: „Wir haben die Menschen vermisst, das Lachen, Reden, Feiern, Helfen, Da-Sein. Es ist wie ein Menschenfasten – leider länger als 40 Tage. Aber nach jeder Fastenzeit kommt Ostern!“

Mehr Informationen über das willkommensnetz gibt es unter: www.willkommens-netz.de.

(sb)

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