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Bistum Trier
Dienstag, 22. September 2020

Gegen Einsamkeit und Isolation

Seelsorge für Menschen mit Behinderung trotzt Corona mit Kreativität

Trier - Not kann erfinderisch machen, auch eine Not, die man eher auf den zweiten Blick wahrnimmt. Am Rande der großen gesellschaftlichen Corona-Diskussionen um Homeschooling, Homeoffice und verschärfte Kontaktbeschränkungen, suchen Menschen mit Beeinträchtigungen ihren Weg im Umgang mit der Pandemie. Unterstützt werden sie von den Seelsorgerinnen und Seelsorgern des Bistums, die in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder in den Gemeinden arbeiten, sowie von den Gehörlosenseelsorgerinnen und -seelsorgern und der Arbeitsstelle ‚Medien für blinde und sehbehinderte Menschen‘. Sie treffen sich heute und morgen zur Diözesankonferenz Behindertenpastoral, um Erfahrungen auszutauschen und mögliche Lösungen zu besprechen.

„Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf Menschen mit Behinderungen und damit auch auf unsere Arbeit“, berichtet Brigitte Scherer. Sie ist im Bischöflichen Generalvikariat zuständig für die Behinderten- und Notfallseelsorge sowie für die Seelsorge in Altenhilfeeinrichtungen. „Wir waren zwar in den Einrichtungen präsent, durften aber nicht in die Gruppen oder zu den Menschen.“ Genau das wäre aber notwendig gewesen: In den ersten Corona-Monaten mussten Werkstätten und Tagesförderstätten geschlossen bleiben, es gab keine Arbeitsmöglichkeit für Menschen mit Behinderungen. Heike Bulle, Pastoralreferentin im Arbeitsfeld ‚Inklusion‘, ergänzt: „Wegen der fehlenden Tagesstruktur war es für einige Bewohner wichtig, darüber zu sprechen, warum sie nicht in die Werkstatt gehen konnten.“ Erklärende Gespräche seien meist sehr hilfreich gewesen. „Das gute Wetter hat dann auch sehr zum Gelingen der Gestaltung dieser Zeit beigetragen, denn so konnte man vieles draußen machen.“

Weniger soziale Kontakte wegen geschlossener Werkstätten

Manche Menschen, die im betreuten Wohnen oder Außenwohngruppen leben, waren zeitweise isoliert. „Der fehlende persönliche Kontakt erschwerte erheblich die seelsorgliche Begleitung“, sagt Heike Bulle. „Die Menschen gingen ganz unterschiedlich mit dieser Situation um. Einige sagten, sie fühlen sich gut beschützt, anderen fiel die Decke auf den Kopf, viele vermissten den Austausch bei den regelmäßigen Treffen.“ Auch die persönlichen Kontakte mit Freunden und Verwandten wurden von vielen vermisst. Familien, deren Sohn oder Tochter in einem Wohnheim leben, konnten nur übers Telefon Kontakt halten oder Karten schreiben. „Viele Bewohner brauchen aber den direkten Kontakt. Bei Telefonaten aber fehlt das visuelle Feedback; bei Gesprächen mit Maske ist das ähnlich“, sagt Heike Bulle.

„Es war auch nicht möglich, einfach mal nach Hause zu fahren, es sei denn, der Betreffende blieb dann auch zu Hause“, erklärt Scherer. Manche Familien hätten so ihre schwer mehrfachbehinderten Angehörigen nach Hause geholt und dort rund um die Uhr betreut, was manche Eltern an ihre Grenzen gebracht habe. „Und wenn die Menschen dann in ihren Familien sind, fehlen dennoch die gewohnten Kontakte und die Abwechslung durch die Arbeit.“ In besonderem Maße betroffen sind Menschen mit psychischen Einschränkungen.

Kreative Seelsorge mit Phantasie und Abstand

„Wir mussten kreative Möglichkeiten für eine seelsorgliche Begleitung entwickeln“, erzählt Scherer. „Materialien wie Texte, Bilder und Gruppenangebote wurden über die Gruppen verteilt und es gab einen guten Austausch der Seelsorger untereinander.“ Auch gab es Gesprächsangebote für Mitarbeiter – per Telefon. „Wenn das Wetter es zuließ, gab es auch Kontakte über Balkone und Gartenanlagen, etwa ein offenes Singen.“ Bulle ergänzt: „Zusammen mit den Mitarbeitern in den Einrichtungen entstanden verschiedene Angebot wie ein Ostergruß für jeden Wohnbereich in Form einer Ostertüte mit Brief, ein Gottesdienst im Innenhof der Einrichtung, an dem die Bewohner von Balkonen und Fenstern aus teilnehmen konnten oder auch das Malen und Basteln von Herzen, die zeigen, was die Menschen denken und fühlen – mit hausinterner Ausstellung.“ Brigitte Scherer betont daher: „Bei all den Einschränkungen wurden mit viel Kreativität andere Formen der Begleitung und Begegnung entwickelt.“

Die Diözesankonferenz Behindertenpastoral wurde 2007 ins Leben gerufen. Sie versteht sich als Anwaltschaft für Menschen mit Behinderung und ihre Familien in Kirche, Verbänden und Gesellschaft. Ihr Auftrag ist es, ein Bewusstsein zu bilden für den seelsorglich-diakonischen Auftrag im Bistum und die Entwicklung einer inklusiven Pastoral.

Weitere Informationen unter: https://www.bistum-trier.de/inklusion/wir-ueber-uns/

(tef)

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