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Bistum Trier
Freitag, 9. Oktober 2020

„Hier kann man lernen, wie diakonische Kirche funktioniert“

Jahrestagung der Krankenhausseelsorger diskutiert über Herausforderungen und Ziele

Trier – Ein alter Patient, der eine erschütternde Diagnose erhält und niemandem seine Ängste anvertrauen kann; Eltern, die ihr chronisch krankes Kind monatelang ins Krankenhaus begleiten und am Ende ihrer Kräfte sind; eine Krankenschwester, die durch das Schichtsystem völlig ausgebrannt ist; ein Arzt, der vor einer ethisch schwierigen Entscheidung steht: All jenen Situationen begegnen Seelsorgerinnen und Seelsorger im Krankenhaus jeden Tag. „Hier spielt sich die gesamte Bandbreite menschlichen Lebens, menschlicher Gefühle ab. Deshalb ist das Krankenhaus auch ein wichtiger Lernort für eine diakonische Kirche“, sagt Esther Braun-Kinnen, im Bischöflichen Generalvikariat Trier zuständig für Krankenhausseelsorge, auf der Tagung der Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger am 7. Oktober im Robert-Schuman-Haus in Trier. Der Einladung der Abteilung „Pastorale Grundaufgaben“ unter Leitung von Ulrich Stinner sind rund 40 Kolleginnen und Kollegen gefolgt, die an Krankenhäusern und Rehakliniken arbeiten. Es geht an diesem Tag darum, welchem Wandel die Krankenhausseelsorge unterworfen ist und wie sie zukunftsfähig bleiben kann.

"Räume, wo der Mensch einfach Mensch sein darf"

Es gehe um das Selbstverständnis der Krankenhausseelsorge in einer sich rasch verändernden Gesellschaft, sagte Referent Professor Traugott Roser von der Universität Münster. Seit Jahren nehme die Bedeutung wirtschaftlicher Faktoren zu, Stichworte seien Ökonomisierung, Fusionsprozesse, Fallpauschalen pro Patient und allgemein knapper werdende Mittel. „Eine wichtige Frage ist, wie unser Gesundheitsverständnis definiert wird: Gibt es nur die Unterscheidung zwischen krank und gesund? Oder gehen wir das ganzheitlicher an und erkennen an, dass auch spirituelle und zwischenmenschliche Bedürfnisse relevant sind?“ Gerade in der Corona-Krise während des Shutdowns sei dies deutlich geworden: „Hier galten Infektionsschutz und Lebensschutz als Leitparadigma, während andere Aspekte von Gesundheit und Würde außen vor blieben.“ Die geistliche Begleitung sei an vielen Orten nicht mehr durch das Seelsorgepersonal erfolgt, sondern habe brach gelegen oder sei so gut es ging vom Pflegepersonal übernommen worden. „Die Langzeitfolgen auch in anderen Lebensbereichen – also nicht stattgefundene Taufen, Trauungen, Erstkommunionen, Sterbebegleitung – werden spürbar bleiben.“ Seelsorge müsse sich ihres Beitrags bewusst sein: „Sie ist ein theologischer Beruf. Dadurch, dass Seelsorger an einem säkularen Ort wie dem Krankenhaus präsent sind, schaffen sie Räume, wo der Mensch einfach Mensch sein darf, wo er spirituelle Bedürfnisse äußern kann. Ob das ein Gespräch ist, ein Gebet, oder einfach gemeinsames Schweigen und auch einmal Ohnmacht zusammen aushalten: Das kann in dieser Art und Weise keine andere Profession leisten. Deswegen ist alles, was Kirche in Seelsorge investiert, auch eine Investition in ihre eigene Zukunftsfähigkeit“, so Roser.

Ideales Lernfeld für diakonische Kirche

Diese dem Menschen zugewandte Seelsorge sei es, die sich das Bistum Trier mit seiner „diakonischen Kirchenentwicklung“ auf die Fahnen geschrieben habe, führten Ulrich Stinner und Stefan Nober vom Arbeitsbereich Diakonische Pastoral aus. Grundlagen dafür seien die Ergebnisse einer Teilprozessgruppe zur Synodenumsetzung, deren Grundkonzeption von Bischof Dr. Ackermann und der Bistumsleitung im Februar 2020 bestätigt wurden. Stinner dankte in diesem Rahmen den Krankenhaus- und Klinikseelsorgenden für ihre verantwortungsvolle Gestaltung und Gewährleistung der Seelsorge in den mitunter schwierigen und für alle Beteiligten belastenden Bedingungen während der Corona-Pandemie. „Sie waren und sind als Seelsorgerinnen und Seelsorger für die Menschen in den Einrichtungen verlässliche Partnerinnen und Partner.“ Diesem Dank schloss sich auch Mechthild Schabo, Direktorin des Bereichs „Pastoral und Gesellschaft“ im Bischöflichen Generalvikariat an, die sich im Plenum mit den Seelsorgenden austauschte.

Eine dieser verlässlichen „Partnerinnen“ ist Ursula Kaspar aus Saarbrücken. Die Pastoralreferentin arbeitet seit 18 Jahren als Klinikseelsorgerin auf der Palliativstation der Caritas-Klinik St. Theresia. Während sich in der Palliativversorgung einiges zum Positiven entwickelt habe, sehe sie den Trend zur Ökonomisierung allgemein in den Kliniken kritisch. „Die Patienten verweilen kürzer hier, es gibt mehr Hektik, Schwerpunkte liegen auf Effektivität und Funktionalität. Auf den anderen Stationen muss heutzutage weniger Personal mehr Patienten durchschleusen – auch wenn Pflegende und Ärzte sich das anders wünschen würden.“ Krankenhausseelsorge stelle da ein Gegengewicht her und stehe für Entschleunigung und Mitmenschlichkeit - nicht nur für Patienten, sondern auch für Mitarbeitende. „Wir würden uns wünschen, dass mehr Raum da ist – zum Abschiednehmen, miteinander Schweigen, Nachdenken, Gefühle zulassen. Außerdem mehr Wertschätzung für unsere Arbeit und für die der Pflegenden.“

Spiritualität und Seelsorge können beim Genesungsprozess helfen

Esther Braun-Kinnen sieht hier ein ideales Lernfeld für diakonische Kirche. „Man kommt nicht als Experte ins Krankenzimmer oder auf Station, sondern als Lernender. Krankenhäuser sind Brenngläser für alle gesellschaftlichen Themen. Man richtet sich nach dem, was der Patient gerade benötigt, nach seinen Fragen.“ Die Wirksamkeit von Spiritualität und Seelsorge beim Genesungsprozess von Patienten sei indessen in verschiedenen Studien nachgewiesen worden; die World Health Organisation (WHO) habe dies in ihren Katalog für das „well-being“ (Wohlbefinden) von Menschen, aufgenommen. Seit Jahren aber dominierten die Fallpauschalen nach erbrachter Leistung den Krankenhausalltag. Das bedeute eben auch, Patienten nach erbrachter Leistung so schnell wie möglich zu entlassen. „Was vor allem fehlt, ist Zeit“, sagt Braun-Kinnen. In der Krankenhausseelsorge komme Kirche in direkten Kontakt mit den Themen und ethischen Fragestellungen der Menschen. „Und Personal und Patienten haben etwas davon, wenn spirituellen Bedürfnissen ein fester Platz im Gesundheitssystem gegeben wird.“

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