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Bistum Trier
Mittwoch, 18. April 2018

„Ihr seid ein Schatz, kostbar und einzigartig“

Selbstversuch Krabbelgottesdienst während der Heilig-Rock-Tage

Trier – „Große Gong!“, sagt meine zwanzig Monate alte Tochter, als wir auf den Trierer Dom zugehen. „Gong“ – damit meint sie den Klang der Kirchenglocken, der für sie untrennbar mit dem Gebäude verbunden ist. „Das ist eine Kirche, da hinein  gehen wir jetzt zum Krabbelgottesdienst“, erkläre ich ihr. „Kiche“ wiederholt sie brav. Das Programm der Heilig-Rock-Tage bietet allen etwas – ob Menschen mit Behinderung, Ordensleuten, Kita-Kindern, Ehejubilaren – oder eben den Allerkleinsten.

Wie ein Krabbelgottesdienst aussehen soll, kann ich mir trotz meiner Arbeit in der Pressestelle des Bistums kaum vorstellen, aber ich möchte mich überraschen lassen – Berichterstattung im Selbstversuch ist heute die Mission. Als wir den Kreuzgang betreten, macht meine Tochter große Augen – die Atmosphäre scheint sie schon mal zu beeindrucken. Willkürlich fange ich an, leise mit ihr zu sprechen und als wir den Dom betreten, flüstert sie ebenfalls: „Rein große Gong, rein.“ Ich versuche mir vorzustellen, wie dieser riesige imposante Raum auf einen so kleinen Menschen wirken muss. Der Krabbelgottesdienst findet im hinteren Teil des Domes statt, ein Stuhlkreis ist dort aufgebaut, eine Stoffdecke mit Kerzen und einer Holztruhe in der Mitte. Organisiert wird der Krabbelgottesdienst regelmäßig von der Familienbildungsstätte (FBS) Trier. Petra Trierweiler und Brunhilde Werner haben bereits Liedzettel verteilt und Diakon Johannes Schaffrath hat seine Gitarre bereit gelegt.

In der Runde sitzen schon über zwanzig Eltern und Großeltern mit ihren Babys und Kleinkindern. Die ganz jungen liegen teils im Wagen oder auf dem Schoß ihrer Eltern, die älteren warten mit Spannung auf dem Boden sitzend auf das, was jetzt passieren wird. Wir setzen uns dazu, meine Tochter – sonst gar nicht schüchtern – bleibt erst einmal auf meinem Schoß und sondiert die Lage. Als ein paar einleitende Worte gesprochen werden, sagt sie laut und deutlich „Hause!“. Das ist ihr Spruch, wenn ihr langweilig ist oder sie an einem Ort nicht bleiben will – ich bin gleichzeitig amüsiert und kurz peinlich berührt. Als dann aber das erste Lied gesungen wird, ist ihr Interesse geweckt – es wird geklatscht, der fröhliche Rhythmus des Liedes zieht mit. Dann wird es spannend: „Was ist wohl in der Truhe“, fragt Werner die Kinder. Die wissen es natürlich: „Ein Schatz!“ Die Mutigen dürfen einen Blick in die Truhe werfen – darin liegt ein Spiegel. Die Botschaft an die Kinder: „Du bist selbst ein Schatz, einzigartig, kostbar und schön“, wie wir im nächsten Lied singen. Meine Tochter hat sich nun zumindest vor meinen Stuhl gestellt, macht beim Lied einige Tanzbewegungen und zeigt auf die Truhe: „Kiste, Kiste“. Diakon Schaffrath erzählt die Bibelgeschichte, in der Jesus die Kinder nach einem langen, anstrengenden Tag zu sich kommen lässt, obwohl seine Jünger sie zunächst wegschicken wollen. „Jesus zeigt damit, dass die Kinder ihm wichtig sind, dass sie für ihn wie ein Schatz sind“, erklärt Schaffrath. Die Geschichte bekommt eine tiefere Bedeutung, wenn man sich die Situation bewusst macht: Es ist nicht leise in der Runde, ein Baby kräht, ein anderes spielt mit dem Schlüssel seiner Eltern, meine Tochter wiederholt unbeirrt „Kiste, Kiste“, die Eltern nicken sich freundlich zu. Aber das wäre Jesus vermutlich herzlich egal gewesen, denn hier wird das gefeiert, was ihm wichtig war: Gemeinschaft. Auch wenn meine Tochter das Geschehen noch nicht begriffen hat, nimmt sie vielleicht ein Gefühl mit nach Hause: Singen, miteinander feiern, und mit anderen ein Erlebnis teilen. Manchmal kann Kirche sehr einfach sein. 

Die Heilig-Rock-Tage dauern noch bis zum 22. April. Das gesamte Programm und unsere Bildergalerie sind unter www.heilig-rock-tage.de zu finden. Der nächste Krabbelgottesdienst der FBS findet übrigens am 8. Juni um 17 Uhr im Dom statt.

(sb)

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