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Bistum Trier
Freitag, 19. Oktober 2018

Kirchliche Arbeitgeber zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Tag der Mitarbeitervertretungen im Bistum Trier

Es gibt für Bischof Dr. Stephan Ackermann sicher angenehmere Runden als ein Treffen der versammelten insgesamt 180 Mitarbeitervertretungen (MAV) im Bistum Trier. Aber sicher wird er auch selten in einer Runde so direkt zu den Sorgen und Anliegen der Dienstgemeinschaft angesprochen. Alle zwei Jahre ist "Tag der MAVen im Bistum Trier"; diesmal am Donnerstag, 18. Oktober im Eventum in Wittlich. Rund 700 Mitglieder der MAVen waren gekommen, um über das Thema „Kirchlicher Arbeitgeber - Anspruch und Wirklichkeit“ zu debattieren, gemeinsam eben auch mit Bischof Dr. Stephan Ackermann.

Am Vormittag gab es zwei Vorträge: Zunächst sprach Thomas Schwendele, über „Loyalität und Sendungsauftrag“. Schwendele ist Sprecher der Mitarbeiterseite der Zentral-KODA (Kommission zur Ordnung des Arbeitsvertragsrechts im kirchlichen Bereich), also des Gremiums, in dem kirchliche Arbeitgeber und Arbeitnehmer (bei der Kirche heißen sie „Dienstgeber und Dienstnehmer“) zusammenarbeiten, um das Kirchliche Arbeitsrecht zu gestalten und letztendlich auch die Tarife auszuhandeln. Einen Blick in die Praxis boten Cordula Scheich und Konrad Berg, Geschäftsführerin und Geschäftsführer der KiTa gGmbH Trier, mit ihrem Referat „Die Wirklichkeit als Arbeitgeber mit Anspruch gestalten“.

Am Nachmittag sprach Prof. Dr. Georg Cremer; er ist ehemaliger Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes. Sein Thema: „Glaubwürdig handeln im Spannungsfeld von Marktbehauptung und Leitbildauftrag“. Abschließend diskutierten alle Referenten und Bischof Ackermann, mit den Teilnehmern.

Drei Themenkreise schälten sich in allen Vorträge als vordringlich heraus. Zum einen wurde deutlich, wie eine sich wandelnde Gesellschaft sich auf Kirche als „Unternehmen“ auswirkt. So berichten die Geschäftsführer der KiTa gGmbH etwa von der Ausweitung der Betreuungszeiten, der zunehmenden Nachfrage nach Ganztagsplätzen und von wachsenden Ansprüchen der Eltern an die Qualität der Arbeit. Das alles verändere die Arbeit in der Kindertagesstätte; deren Leitung stehe damit in der Spannung, mehr Flexibilität, mehr Transparenz, mehr Leistung anbieten zu müssen und dies alles dann auch von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzufordern.

Noch zugespitzter formulierte es Prof. Dr. Georg Cremer, der etwa bei der Caritas eine unternehmerische Funktion von einer bürgerlich-anwaltlichen Funktion trennte. „Caritas muss sich als Anwalt um die kümmern, die am Rande der Gesellschaft stehen – auch wenn sie weiß, dass das nicht rentabel ist.“ Die Caritas als Unternehmen dürfe aber auch nicht aus dem Blick verlieren, dass sie als Akteur in einer Marktwirtschaft und nach deren Gesetzmäßigkeiten agiere.

Caritas als Anwalt der Armen und als Akteur in der Marktwirtschaft

Dieser gesellschaftliche Wandel und seine Folgen wirkten sich auch aus auf das Binnenverhältnis zwischen Dienstgeber und Dienstnehmer in katholischen Einrichtungen. Das zeige sich etwa in der Zusammensetzung der Belegschaft. „Die Identität der Caritas als katholische Institution“, so Cremer, „ist stark genug, um die unterschiedlichen Identitäten der Mitarbeitenden zu integrieren.“ Kern der Frage sei, ob kirchliche Institutionen nur dann ihren Dienst erfüllen könnten, wenn eine Mehrheit der Beschäftigten diese Arbeit als Teil ihrer persönlichen Glaubensgeschichte erlebe? Das gehe aber an der Realität vorbei: „Eine Caritas, die auf die Zusammenarbeit mit kompetenten Menschen guten Willens verzichten würde, gäbe viel auf.“ Dennoch sollte es in der Caritas auch Menschen geben, die wissen, dass sie in Gottes Auftrag handeln und das auch zur Sprache bringen können. Cremer blickt skeptisch auf die Frage, was das besonders ‚Kirchliche‘ an der Arbeit der Caritas sei; statt sich von anderen, gut und seriös arbeitenden Akteuren abzugrenzen und deren Arbeit herabzuwürdigen, sei es für kirchliche Arbeitgeber wichtiger, auf sich und den eigenen Auftrag zu schauen und diesem gerecht zu werden.

Das wiederum habe auch Konsequenzen für das Selbstverständnis des Dienstnehmers. Dessen Loyalität sei angefragt in Zeiten, in denen eine plurale Gesellschaft die Positionen der katholischen Kirche hinterfragt. „Die Mitarbeitenden sind auch ein Teil der pluralen Gesellschaft und bringen diese in Kirche ein“, sagte Thomas Schwendele. Er betonte, dass die Mitarbeitenden und ihre gewählten Vertreter ruhig mutiger mit ihrem eigenen Selbstverständnis auftreten könnten, da ihnen das Regelwerk der Kirche heute oft mehr Rechte einräume als ihnen selbst manchmal bewusst sei. „Die Frage der Loyalität zur Kirche und zu einem kirchlichen Arbeitgeber entscheidet sich nicht daran, dass ich zu allem Ja und Amen sage.“

Bischof Ackermann dankte allen für die rege Diskussion. Er wünsche sich von beiden Seiten, von Dienstgebern und Dienstnehmerinnen und Dienstnehmern und ihren Vertretungen, noch mehr offene Kommunikation zur Stärkung der Dienstgemeinschaft.

(tef)

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