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Bistum Trier
Sonntag, 25. September 2022

Könige wie du und ich

Holzskulpturen von Ralf Knoblauch machen Halt in Neunkirchen

Neunkirchen – Bald wird der eine oder die andere durch Neunkirchen getragen, besucht Senioren im Altenheim oder lässt Kinderherzen höher schlagen. Die Rede ist von Ralf Knoblauchs hölzernen Königinnen und Königen. Bis es soweit ist, haben sie in der Wallfahrtskirche Heilige Dreifaltigkeit in Wiebelskirchen ein Zuhause auf Zeit gefunden. „Du bist würdig: königlich!“ nennt sich die Ausstellung, die Ausgangspunkt für eine ganze Reihe Veranstaltungen ist, die noch bis zum 16. Oktober in der Kirche selbst, aber auch im Momentum – Kirche am Center und an weiteren Orten wie Schulen und Kindergärten angeboten werden.

Die Ausstellung im neubarocken Ambiente hat etwas von österlichem Eiersuchen. Sind doch die 15 geschnitzten Skulpturen überall im Kirchenschiff verteilt, die kleinsten nicht viel größer als eine Erwachsenenhand. Unter der Kanzel steht so ein Winzling, ein anderer im Altarraum in einer Wandnische, etliche bevölkern die Gänge, einer hat es auf den Seitenaltar geschafft. Die Augen geschlossen, lächeln die von Diakon Ralf Knoblauch geschaffenen hölzernen Majestäten tiefenentspannt vor sich hin. Es könnte eine Yoga-Übung sein, die sie da praktizieren. Aufrecht und gerade, im Reinen mit sich und der Welt. Sie strahlen Würde aus – und setzen in ihrer Schlichtheit einen merklichen Kontrast zum prunkvollen Innern der Kirche.

Das Timing könnte kaum besser sein, eröffnete Pfarrer Markus Krastl die Vernissage am 18. September und hieß alle Königinnen und Könige aus Fleisch und Blut in den Bankreihen willkommen. Wobei das Thema auch ohne den medial omnipräsenten Tod Elisabeth II über Relevanz und Aktualität verfüge. Weil Würde zeitlos sei. Schirmherrin Lisa Hensler, Bürgermeisterin der Kreisstadt Neunkirchen, zitierte Artikel 1 des Grundgesetzes und definierte Würde als „Leben ohne Unterdrückung, Angst und Gewalt durch andere“, als ein Grundrecht, das man nicht veräußern und das nicht zugeteilt werden kann, sondern das ausnahmslos jedem Menschen eigen ist.

Richtig verliebt habe er sich in die Könige, wie Landrat Sören Meng, ebenfalls Schirmherr der Veranstaltung, verriet. Sie seien ein gutes Beispiel für Paul Klees These: „Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ In einer von Oberflächlichkeit geprägten Welt würden Menschen oft bewertet und in Schubladen gesteckt. Meng wünscht sich mehr Respekt füreinander, mehr Hinterfragen und Reflektieren, mehr Demut – schwer genug angesichts der Zeitenwende, in der wir leben. Spüre man doch allerorten, wie Angst und Hilflosigkeit zunehmen und in Aggression umschlagen. Wo bleibt da die Würde?

Eine königliche Vergangenheit kann Rouven Wildegger Bitz für sich reklamieren: Als Artus, König der Tafelrunde, den er beim Neunkircher Musicalprojekt spielte, trug er eine massive Krone: nicht die schönste Erinnerung, so schwer und unbequem wie das Teil war. Den Vernissage-Abend bereicherte der Sänger barhäuptig mit einem Strauß passender Hits à la Rio Reisers „König von Deutschland“ und Stings „Fields of Gold“.

Intensiv auseinander gesetzt hat sich Gemeindereferentin Claudia Busch mit dem Schöpfer der Könige: Ralf Knoblauch arbeitet als Diakon in einem sozialen Brennpunkt Bonns. Bei Kontakten mit Alten und Kranken, Obdachlosen und Prostituierten wurde er „hellhörig und hellsichtig“ für Situationen, in denen Menschen in ihrer Würde verletzt würden. Dem setzt er seine Könige entgegen. „In aller Frühe geht Knoblauch jeden Morgen in seine Werkstatt neben dem Pfarrhaus und bearbeitet ein Werkstück. Für ihn ist das eine Art Meditation. Er stellt sich mit seinen Gedanken und Arbeiten vor Gott und lässt ihn so an seinem Leben teilhaben“, berichtet Busch.  Ausschließlich Eichenholz verwendet Knoblauch, mal aus dem Wald, aber vor allem aus alten Fachwerkhäusern, etwa aus dem Ahrtal. Für den gelernten Tischler besitzt Holz etwas Spirituelles. „Holz arbeitet, Holz lebt und verändert sich ständig, es ist nie tot.“ Was für den Künstler auch Parallelen zu einer Lebensbiographie trage: „Man verändert sich permanent“, zitiert ihn Claudia Busch. „Und die Risse und Kanten eines Holzstücks sind letztlich auch übertragbar auf uns Menschen.“

 

Angefangen hat alles 2012 bei einem Urlaub auf einer einsamen kroatischen Insel, wo der Diakon am Strand ein Stück Treibholz fand. Darin sah er einen König, der nur noch heraus geschält werden musste. „Wir haben das Glück und die Ehre, diesen ersten König während der Ausstellung hier beherbergen zu dürfen“, freute sich die Gemeindereferentin, ohne zu verraten, um welchen es sich konkret handelt. Seit diesem Erstling verlässt alle drei bis vier Wochen eine neue Majestät Knoblauchs Werkstatt, über 700 sind es inzwischen. „Scheinbar machtlos und bescheiden, zeigt sich ihre Größe und Würde im Verborgenen. So berühren sie die Betrachter und erinnern uns an unsere eigene Königswürde – und daran, dass wir Menschen füreinander da sein sollen.“

Anfassen ist übrigens ausdrücklich erlaubt – die direkteste Art, um mit den Königen in Beziehung zu treten. Davon und anderen interaktiven Angeboten machten die Vernissage-Besucher gern Gebrauch. Die eigentliche Aufgabe begann allerdings erst nach dem Verlassen des Gotteshauses: „An uns liegt es, die Lebensbereiche zu entdecken, wo es mit der Würde nicht zum Besten gestellt ist“, betonte Gemeindereferentin Busch. Genau dorthin gelte es, die Botschaft der königlichen Würde zu tragen.

Informationen zur Ausstellung und den einzelnen Aktionen findet man unter: www.dreifaltigkeit-nk.de.

(red)

 

 

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