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Bistum Trier
Freitag, 5. August 2022

Kultur, Marketing und Kirchenpolitik

Anna Gerhards leistet einen Bundesfreiwilligendienst in der Dominformation Trier

Trier/Neef – Wer unter der Woche vormittags die Messe im Trierer Dom besucht, kennt Anna Gerhards – und hat wahrscheinlich schon den ein oder anderen Plausch mit ihr gehalten. Denn die junge Frau aus Neef ist seit vergangenem Mai Bundesfreiwillige in der Dominformation. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Gottesdienstgemeinde am Eingang der Domkirche zu begrüßen. Das ist jedoch nur ein Aspekt ihres Freiwilligendienstes. Auch privat beschäftigt sich die 18-Jährige, die auf zehn Jahre Erfahrung als Messdienerin zurückblickt, mit aktueller Kirchenpolitik, und zeichnet ein präzises Bild davon, wie sich ihre Kirche verändern muss, damit sich die Menschen wieder zu ihr hinwenden.

Wenn Anna Gerhards morgens um viertel vor neun die Gottesdienstbesucherinnen und -besucher willkommen heißt, spürt man die Herzlichkeit, die in ihrer Stimme liegt. Kaum jemand geht an ihr vorbei, ohne reflexartig die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Ob das immer so ist? Anna schmunzelt. „Meistens sind die Leute sehr freundlich”, versichert sie. Manchmal kriege sie aber auch Unmut ab, etwa wenn ungeduldige Touristen den Dom während des Gottesdienstes nicht betreten dürfen. „Ich bleibe dann einfach freundlich”, sagt sie und lächelt gelassen. „Wenn jemand patzig wird, reflektiere ich das im Nachhinein und versuche, das nicht auf mich zu beziehen. Momentan sind die Leute wohl einfach von der Hitze genervt”, vermutet sie mit Blick auf das Thermometer, das schon am Vormittag unaufhaltsam in Richtung der 30-Grad-Marke klettert. Zugleich erlebe sie immer wieder, dass Touristen eigentlich nur den Dom besichtigen möchten, auf ihren Hinweis hin aber kurzentschlossen den Gottesdienst mitfeiern. Dass sie jeden Tag mit einer Vielzahl von Menschen in Kontakt kommt, gefällt ihr: „Vom ‘Stammgottesdienstbesucher’ bis zu Schülergruppen, die mich um Auskunft bitten, ist alles dabei. Im Freiwilligendienst lernt man, mit den unterschiedlichsten Menschen umzugehen.”

„Die Kirche sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen”

Ob sie deshalb den Dienst in der Dominfo gewählt hat? Nicht nur. Die kultur- und tourismusinteressierte Moselanerin bekommt daneben Einblick in Marketing und Verwaltung. Ein weiterer Bonus sei das stadtgeschichtliche Wissen, das sie quasi nebenbei aufsaugt. Da ihr Freiwilligendienst ein Fulltime-Job ist und auch noch die Fahrtzeiten vom Heimat- zum Arbeitsort hinzukommen, bleibt unterm Strich weniger Zeit für Hobbies. Wenn sie doch mal Freizeit hat, verschlingt sie Romane und geht spazieren oder trifft sich mit Freunden. 

Ihren zehnjährigen Dienst als Messdienerin – vier Jahre davon als Messdienerleiterin – hat sie nach dem Abitur aufgegeben. Aktuelle kirchenpolitische Debatten hat Anna dennoch auf dem Schirm: „Die Kirche sollte endlich im 21. Jahrhundert ankommen”, kommentiert die junge Frau, die sich regelmäßig über Leitmedien und Wissensmagazine wie etwa „Katapult” auf dem Laufenden hält. Ihre Forderungen? Der Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der katholischen Kirche sowie die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften: „Wenn man Autobahnen segnen kann, dann ja wohl auch Menschen, die sich lieben!” Sie habe die Hoffnung, dass ein echter Wandel geschehen könne, insbesondere wenn sich vermehrt jüngere und progressive Leute engagieren und wichtige Ämter übernehmen. „Ich glaube, kleine Schritte wie die Diakoninnenweihe sind realistisch in den kommenden zehn, 20 Jahren. Dass Frauen und Männer aber wirklich gleichgestellt sind in der Kirche, ist leider noch ein langer Weg.”

Ein weiterer Punkt treibt sie um: „Die Missbrauchsskandale müssen schnellsten aufgearbeitet werden. Priester, die Missbrauch begangen haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. ” Denn nur so habe die Kirche eine Chance, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, weiß die 18-Jährige. Vor allem dürfe man nicht klein beigeben: „Da muss man Druck machen: laut die eigene Meinung vertreten und darauf achten, dass sie auch gehört wird”, empfiehlt sie. Man müsse „mehr Leute mit ins Boot nehmen, sich vernetzen und Öffentlichkeit herstellen für diese berechtigten Forderungen”.

Im kommenden Frühjahr endet ihr Bundesfreiwilligendienst in der Dominformation. Bis dahin hat sie noch jede Menge Zeit, Pläne für die Zukunft zu schmieden. Was sie danach machen wird, weiß sie noch nicht – wahrscheinlich etwas in Richtung Sprach- oder Gesellschaftswissenschaft. Bis es soweit ist, wird Anna noch viele Menschen zum Gottesdienst begrüßen, zahlreichen Touristen Auskunft geben und ihr Wissen über das geschichtsträchtige Erbe der ältesten deutschen Bischofsstadt vertiefen.

Wer sich für einen Bundesfreiwilligendienst in der Dominformation Trier interessiert, erhält hier weitere Informationen: www.dominformation.de

(ih)

 

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