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Bistum Trier
Mittwoch, 23. Juni 2021

Mit den Mitteln der Kunst gegen sexualisierte Gewalt

Künstlerin Renate Bühn stellt in Online-Vortrag ihren Kampf gegen sexuellen Missbrauch vor

Koblenz – Sowohl politisch als auch künstlerisch stellt sich Renate Bühn der sexualisierten Gewalt an jungen Menschen in der Gesellschaft entgegen. In einem von der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz (KEB) organisierten Online-Vortrag am 21. Juni mit dem Titel „Noch immer, immer noch – Der (lange) Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Mädchen und Jungen“ hat die Künstlerin und Aktivistin ihren Einsatz für ein immer noch häufig tabuisiertes Thema vorgestellt. Bühn, die in Bremen lebt, ist unter anderem Mitglied im Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und im Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen.

Das Schweigen brechen – Betroffenen eine Stimme geben

Schon früh hat die Sozialpädagogin und Kunsttherapeutin, die selbst in ihrer Familie Missbrauch erfahren hat, ihr eigenes Schweigen gebrochen und den Kampf gegen sexualisierte Gewalt und das Wegschauen, Schweigen und Tabuisieren in der Gesellschaft zu ihrer Aufgabe gemacht. „Meine über 35-jährige politische und künstlerische Arbeit ist für mich ein persönliches und politisches Ringen um Sprache, Sichtbarkeit und Veränderung“, fasst sie ihren Einsatz zusammen. Mit ihrem politischen Engagement im Betroffenenbeirat und im Nationalen Rat, vor allem aber mit ihren künstlerischen Aktionen stellt sie immer wieder Öffentlichkeit für das Thema her, kämpft für Hinschauen und Zivilcourage und gibt Betroffenen eine Stimme. Ihre Kunstobjekte und Aktionen im öffentlichen Raum sowie ihre Ausstellungen an den verschiedensten Orten, darunter auch in Kirchen, schockieren den Betrachter, rütteln auf und machen mitunter betroffen, indem sie das Schicksal und die oft jahrzehntelange Not, psychische Belastung und Einsamkeit der Betroffenen vor Augen führen. Eine „Leuchtkästen“-Installation zum Beispiel zeigt Namen von Menschen, die infolge des Missbrauchs gestorben sind – etwa wegen Drogenkonsums oder eines späteren Suizids. Ihre „Stecknadel“-Arbeiten auf Altar- und Kelchtüchern thematisieren den sexuellen Missbrauch im Raum der Kirche, das Wegschauen, Verharmlosen und Vertuschen sowie den Täterschutz durch die Institution. Sie verdeutlichen die Perfidie des Glaubens- und Machtmissbrauchs, die wie „Nadelstiche im Fleisch der Betroffenen“ sind.

Kultur der Aufmerksamkeit gefordert

Politisch fordert Bühn, die die Missbrauchsthematik gesamtgesellschaftlich betrachtet, eine stärkere Kultur der Aufmerksamkeit und des Einmischens, aber auch eine bessere Betroffenenhilfe, eine entsprechende finanzielle Ausstattung und eine nachdrücklichere Prävention. Das Thema müsse beispielsweise altersspezifisch in Kitas und Schulen fest verankert werden. Mit Blick auf die Familien als dem häufigsten Ort von sexualisierter Gewalt müssten die gleichen Fragen gestellt werden wie an jede gesellschaftliche Institution: „Warum besteht kein Schutz? Welche Strukturen führen zum Missbrauch?“ Noch viel zu häufig sei auch die „Identität des Täters“ ein Tabu; er bliebe familiär integriert, während das Opfer häufig die Familie verlasse.

Daniel Steiger, der Leiter der KEB Koblenz, moderierte den Online-Vortrag, den er gemeinsam mit Jutta Lehnert vorbereitet hatte. Lehnert, Mitglied von MissBiT e.V., stellte die Arbeit des Vereins für Missbrauchsopfer und Betroffene im Bistum Trier vor. Bühn hatte mit einigen Betroffenen des Vereins eine Fotoaktion im Domkreuzgang realisiert, bevor Corona die Ausstellung der Arbeiten vorerst stoppte. Einige der Vortragsteilnehmerinnen und -teilnehmer brachten Fragen, häufig vor dem Hintergrund belastender Missbrauchserfahrungen, in den dialogisch gestalteten Vortrag ein. Weitere Informationen gibt es unter www.renatebuehn.de und www.keb-koblenz.de.  

(red)

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