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Bistum Trier
Montag, 31. Mai 2021

Neue Wege gehen für Schöpfung, Klimaschutz und Artenvielfalt

Katholische Landvolkbewegung diskutiert über Landwirtschaft im Zeichen des Klimawandels

Wadern – Unter dem Motto „Neue Wege – für die Schöpfung, das Klima, die Artenvielfalt“ haben Mitglieder der Katholischen Landvolkbewegung im Bistum Trier (KLB) am vergangenen Sonntag (30. Mai) gemeinsam mit Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg und dem saarländischen Umweltstaatssekretär Sebastian Thul (SPD) diskutiert. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Veranstaltung in digitaler Form statt. Die Agrarpolitik der Europäischen Union, die Bedeutung neuer Technologien für eine klimafreundlichere Landwirtschaft, sowie die globalen Auswirkungen und die Verantwortung jedes Einzelnen waren einige der Themen, zu denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter der Moderation des ehemaligen SWR-Journalisten Klaus Greichgauer diskutierten.

„Wir befinden uns mitten im Klimawandel. Als Christen stehen wir in besonderer Verantwortung vor Gottes Schöpfung“, sagte KLB-Vorsitzende Hildegard Frey. Ein Temperaturanstieg über zwei Grad Celsius werde dramatische Folgen haben, insbesondere für von Armut betroffene Menschen in südlicheren Ländern, die die Klimakrise nicht verursacht hätten. „Wie muss die Landwirtschaft aussehen, die sowohl das Tierwohl, Umwelt, Klima und Biodiversität schützt und zugleich den Landwirtinnen und Landwirten ein ausreichendes Einkommen garantiert?“, fragte Frey. Die Landwirte stünden unter dem Druck neuer Vorgaben zum Umweltschutz und zur Tierhalten und fühlten sich von der Öffentlichkeit oft zu Unrecht an den Pranger gestellt. Während die Bevölkerung Fleisch aus artgerechter Haltung wünsche, fördere der Lebensmitteleinzelhandel mit aggressiver Werbung das Billigverhalten. „Viele sind bereit, mehr zu zahlen, aber kommt das Mehr bei den Landwirten an oder bleibt es im Handel stecken?“, fragte die Vorsitzende, „es braucht ein Umdenken in den Köpfen und die Umgestaltung unserer Wirtschaft. Wir alle müssen unser Verhalten, Konsum und Energieverbrauch auf den Prüfstand stellen.“

Für ein Umdenken plädierte auch Umweltstaatssekretär Thul am Beispiel des einzigen Schweinemastbetriebs des Saarlandes. „Der Betrieb deckt nicht einmal fünf Prozent des Bedarfs des eigenen Ortes“, sagte er, „wir müssen massiv unser Konsumverhalten ändern. Nicht nur Bio-Fleisch kaufen, sondern sehr viel weniger Fleisch essen.“ Die Lebensmittelpreise in Deutschland seien oft dem Wert des Produktes nicht angemessen, befand Generalvikar von Plettenberg: „Ich wundere mich selbst, wie billig es im Supermarkt einen Liter Milch gibt. Aber ich glaube, dass sich das Bewusstsein in der Bevölkerung langsam ändert.“ Die Politik müsse regulierend eingreifen und unerwünschtes Verhalten höher besteuern, sagte Thul. Die Bundesregierung plane eine Tierwohlabgabe, damit Landwirte ihre Mast artgerechter aufstellen könnten. Wie dies im Einzelnen aussehen soll, werde noch diskutiert. Am Beispiel der Schweinemast machte der Staatssekretär auch auf einen Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Tierwohl aufmerksam: „Natürlich ist es für die Tiere besser, wenn sie Auslauf haben. Aber für das Klima wäre ein Stall mit einer Absauganlage besser, die die schädlichen Methangase abfängt, die die Tiere ausstoßen.“

Ein Zwiespalt wurde auch bei der Diskussion um die Subventionspolitik der EU deutlich. Landwirte seien von den Direktzahlungen aus den Fördertöpfen abhängig, um ihren Betrieb zu erhalten. Gleichzeitig entstünde so eine Preispolitik, die es etwa Bauern in afrikanischen Ländern unmöglich mache, mit diesen Niedrigpreisen für Obst und Gemüse mitzuhalten.

Angesichts der Tatsache, dass laut Weltklimarat 23 Prozent aller menschengemachten Treibhausgase durch die Landwirtschaft entstehen, forderte eine Teilnehmerin, an allen zur Verfügung stehenden Stellschrauben zu drehen: „Man schätzt, dass 8,6 Gigatonnen Treibhausgase durch technische Lösungen eingespart werden können, also durch weniger Düngemittel, weniger Pestizide und mehr ökologische Landwirtschaft. Aber 9 Gigatonnen können durch Ernährungsänderungen eingespart werden, also weniger Fleischkonsum und andere Lieferketten“, rechnete sie vor.

Staatssekretär Sebastian Thul sieht die Zukunft in der Ausweitung des ökologischen Landbaus: „Ich bin der festen Überzeugung, dass es zukünftig keinen Unterscheid mehr machen darf zwischen ökologischem und konventionellem Landbau. Das muss sich aneinander angleichen“, sagte er. Diese Diskussion werde auch auf EU-Ebene zwischen Europarat, EU-Parlament und EU-Kommission geführt. Das EU-Parlament möchte zukünftig 30 Prozent der Agrarsubventionen in ökologische Maßnahmen investieren, die Mitgliedsländer, darunter Deutschland, hätten sich auf 25 Prozent geeinigt. „Unsere Vorstellung ist, dass man am Ende der Förderperiode weggeht von der Spaltung der Agrarsubventionen in die erste und zweite Säule, also in die Direktzahlungen und den Ökolandbau, hin zu einer Säule, die viel stärker darauf ausgerichtet ist, dass man ökologisch Nahrungsmittel erzeugt.“

Auch die Handlungsempfehlung der Deutschen Bischofskonferenz rufe dazu auf, kirchliche Flächen nachhaltig und ökologisch zu bewirtschaften, sagte Generalvikar von Plettenberg. Dies müsse nun von den einzelnen Bistümern in konkrete Richtlinien umgesetzt werden. Von Plettenberg betonte die globale Dimension des Themas. „Der Klimawandel trifft Arme mehr als uns. Wir müssen daher mit gutem Beispiel vorangehen.“ So sei der Klimaschutz ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit mit dem Partnerland Bolivien.

Der Agrarsektor sei eingebettet in ein Geflecht unterschiedlicher Interessen, sagte KLB-Vorsitzende Hildegard Frey: „Es ist ein komplexes Gemengelage mit politischem Sprengstoff. Es gibt keine einfachen Lösungen. Aber es ist Zeit zu handeln.“

(uk)

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