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Bistum Trier
Mittwoch, 11. September 2019

Neue Wohnformen entdecken

Kirche und Kommune informieren in Weißenthurm

Weißenthurm – Die Kinder sind längst aus dem Haus, der Partner oder die Partnerin ist vor kurzem verstorben, die viele Arbeit im Garten kann nicht mehr bewältigt werden und zudem kommt immer seltener Besuch vorbei – viele Menschen erleben diese Situation und suchen nach Lösungsmöglichkeiten. „Formen des Wohnens entdecken – Gemeinsam profitieren“ lautete die Überschrift einer Veranstaltung in Weißenthurm, die gemeinsam von kirchlichen Trägern und der Kommune zu diesem Thema organisiert wurde.

Dr. Henning Scherf, Bürgermeister a.D. der Stadt Bremen, schilderte mit viel Freude von seiner Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft. Dort lebt der 81-Jährige seit 30 Jahren. „Uns geht es richtig gut in dieser Wohngemeinschaft“, berichtet er. Das Alleinsein in einem großen Haus sei das Schlimmste. „Wenn man sich rechtzeitig umschaut, kann man die drohende Einsamkeit vermeiden“. Man müsse nur den ersten Schritt machen und „Leute finden, die bereit sind, so unter einem Dach zu leben“, ermuntert Scherf.

So haben es auch die Mitglieder des Vereins „Gemeinschaftlich Wohnen Neuwied“ gemacht. „Wir sind das Beispiel: wenn Menschen das wollen, schafft man es“, berichtet Hildegard Luttenberger. Jedoch hat es elf Jahre gedauert, bis die Idee umgesetzt werden konnte. „Wir möchten Menschen ermuntern, sich auf den Weg zu machen und Wohnprojekte zu realisieren“, erklärt sie. Sie wohnen zusammen im Neuwieder Stadtteil Heddesdorf. Der Verein hat ein Haus mit 15 Wohnungen gemietet; eine wird als Gemeinschaftswohnung genutzt. Dort finden gemeinsame Aktivitäten wie Gymnastik oder Spielenachmittage statt. Diese werden von den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst initiiert und organisiert. Der Verein setzt sich dafür ein, dass noch mehr Mieterwohnprojekte entstehen.

Dieter Ney hat vor 16 Jahren mit Freunden den „Wohnhof Kastellaun“ gegründet. „Es hat sich bewährt“, resümiert er. „Wir sind ein Haufen von Individualisten, aber der Wohnhof ist eine gemeinschaftsgeformte Sache“, erklärt er. Jeder wohnt in einem eigenen Haus, die aber zueinander ausgerichtet sind. Sie teilen sich unter anderem den Hof, die Heizungsanlage und die Tiefgarage.

Eine Möglichkeit in seinem Eigenheim zu bleiben, aber trotzdem nicht allein zu sein, ist „Wohnen für Hilfe Koblenz“. Theodore Wenzel hat bereits zum vierten Mal einen Studenten in ihrem Haus aufgenommen. Diese zahlen keine Miete, aber helfen den Senioren bei der Pflege ihres Gartens oder im Haushalt. „Es ist immer bereichernd“, sagt sie. Durch ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner lernt sie fremde Kulturen kennen, und diese wiederum haben ein geeignetes Zuhause während ihres Studiums.

Michael Rams, Dechant des Dekanats Andernach-Bassenheim, findet es naheliegend, dass sich auch kirchliche Institutionen mit dem Thema beschäftigen: „Solche Projekte führen Menschen zusammen, und das ist die Aufgabe der Kirche, die Not der Menschen zu erkennen.“ Auch die Caritasverbände setzen sich seit Jahren für das Thema „Wohnungsnot“ ein.

„Wir wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen“, betonte Verbandsbürgermeister Thomas Przybylla. Dafür will er in drei Bereichen anpacken: Leerstände beheben, innovative Wohnformen schaffen und neue Baugebiete entwickeln. Ältere und jüngere Mitbürger zusammenzubringen sei ein Ziel.

Berit Herger von der Landesberatungsstelle „Neues Wohnen“ Rheinland-Pfalz zeigte auf, dass viele unterschiedliche Professionen bei solch einem Wohnprojekt zusammenkommen. Die Landesberatungsstelle kann hier als Vermittler und Begleiter dienen.

Der Abend wurde veranstaltet vom Dekanat Andernach-Bassenheim mit der Fachkonferenz „Integration“, den Caritasverbänden Koblenz und Rhein-Mosel-Ahr und der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz sowie vom Quartiersmanagement und der Verbandsgemeindeverwaltung Weißenthurm. Weitere Informationen gibt es beim Dekanatsbüro Andernach-Bassenheim, Tel.: 02632-30979-0, E-Mail dekanat.andernach-bassenheim(at)bistum-trier.de.

(jf)

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