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Bistum Trier
Mittwoch, 20. Februar 2019

„Nur die Spitze des Eisbergs“

Mitarbeiter katholischer Jugendarbeit tagen zu Rechtsextremismus und Vorurteilen

Trier – Driftet unsere Gesellschaft nach rechts? Wo hört „konservativ“ auf und wo fängt „rechtspopulistisch“ an und welche Vorurteile hat jeder einzelne im Kopf, wenn er an bestimmte gesellschaftliche Gruppen denkt? Mit diesen Fragen haben sich rund 90 Frauen und Männer aus der katholischen Jugendarbeit im Bistum Trier und aus Luxemburg während der „jugendpastoralen Studientage“ vom 18. bis 19. Februar beschäftigt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Pfarreien, Dekanaten, Jugendfachstellen und der Verbandsarbeit kamen zwei Tage lang im Robert Schuman Haus in Trier zusammen, tauschten sich aus und konnten sich in einem Vortrag von Erziehungs- und Sozialwissenschaftler Professor Kurt Möller über den aktuellen Stand der Forschung zum Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus“ informieren.

In den Workshops ging es beispielsweise darum, wie man von einer „hatespeech“, also Hasssprache in vielen Kommentarspalten in den sozialen Medien, zu einer „hopespeech“, also einer Hoffnung machenden Sprache, kommen kann. Gerade Jugendliche seien in ihrer Lebenswelt mit Hass im Netz konfrontiert und in der Bildungsarbeit gelte es, sich digital zu positionieren, so die Organisatoren. Philipp Hein, Gemeindereferent in Niederehe fand es „bereichernd, andere Möglichkeiten kennenzulernen, auf Hasskommentare zu reagieren, beispielsweise mit Witz und Ironie.“ Wie die Kirche der Herausforderung begegnet, sich gegenüber antidemokratischen und rechtspopulistischen Tendenzen zu positionieren, thematisierte ein weiterer Workshop. Für Philipp Kirsch, Pastoralreferent an der FachstellePlus für Kinder- und Jugendpastoral Marienburg, half es besonders, die den kirchlichen und verbandlichen Positionen widersprechenden Haltungen und den Umgang mit ihnen mit den anderen Teilnehmenden zu diskutieren.

Professor Kurt Möller präsentierte in seinem Vortrag aktuelle Zahlen und Forschungskonzepte. Während beispielsweise die Zahl der Parteimitglieder und Wähler rechtsnationaler Parteien sinke, steige die der rechtspopulistischen Partei AfD. Auch die Zahl rechter Gewaltbereiter steige an, ebenso wie rechtsextreme Straftaten. Die Mehrheit der gewaltbereiten Rechtsextremisten sei jung und männlich, viele würden vor allem wegen der Gewalt angezogen und dann erst indoktriniert. Ihnen seien oft gewisse Faktoren gemein: enttäuschte Erwartungen, Integrationsprobleme in Schule, Familie, Vereinen; sie seien oft beschränkt darin, sich an Dingen zu freuen, hätten eine unterentwickelte Selbstkompetenzen und in ihrem Umfeld gebe es häufig vermeintlich attraktive Angebote rechter Gruppierungen. Doch das Phänomen der Fremden- oder Menschenfeindlichkeit gegenüber Gruppen wie Langzeitarbeitslosen, Obdachlosen, Sinti und Roma, Flüchtlingen oder auch Muslimen sei ein gesamtgesellschaftliches Problem, so Möller. „Wir haben es mit einem Eisberg zu tun – das, was der Demokratie schaden kann, ist die Verbreitung rechtspopulistischen Gedankenguts. Das hat ein viel größeres Ausmaß als die Spitze, die wir bei Ausschreitungen Rechtsextremer sehen.“ In der Jugendarbeit gelte es deshalb, Möglichkeiten aufzuzeigen, das eigene Leben sinnvoll gestalten zu können. Gemeinsame Aktivitäten und Angebote seien dabei erfolgversprechender als nur Aufklärungs- und Bildungsarbeit. Begegnung mit jenen Menschen und Gruppen, gegen die ein Feindbild bestehe, sei dabei von großer Bedeutung.

(sb)

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