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Bistum Trier
Freitag, 7. September 2018

Paarberatung ist mehr als ein verständnisvolles Gespräch

Mitarbeiter der Lebensberatungen im Bistum Trier ausgezeichnet

Koblenz/Saarbrücken/Trier – Ältere Paare in der Krise, kulturverschiedene Partner, zerstrittene Eheleute, Scheidungen und Enttäuschungen, wenn etwa die Hochzeit als der schönste Tag im Leben zu stark idealisiert wurde. Die Paarberatung steht heute vor vielfältigen neuen Herausforderungen und bedeutet deshalb „mehr als ein verständnisvolles Gespräch. Da gehören noch viele andere fachliche Kompetenzen dazu“, sagt Dr. Bernd Steinmetz, Referent in der Beratungs- und Präventionsarbeit im Bistum Trier. Bundesweit soll deshalb die Fortbildungsordnung mit einheitlichen Standards in der katholischen Ehe- und Paarberatung erreicht werden.

Steinmetz und seine Kollegin Stephanie Schneider haben deshalb das „Trierer Modell“, ein Modulsystem zur Weiterbildung unterstützt. So können die Mitarbeiter der Lebensberatungen, die bereits in der Paarberatung tätig sind, überprüfen, welche Qualifikationen sie bereits haben. Für fehlende Bestandteile wurden Seminare angeboten, beispielsweise ein theologisches Seminar zum Verständnis des Ehesakraments. Auch die schriftliche Dokumentation eines Beratungsprozesses musste zur Prüfung erstellt werden. Mittlerweile bewege man sich in dem Modulsystem mit den Weiterbildungskriterien im Rahmen eines entsprechenden Masterstudiengangs, sagt Steinmetz. „Das ist für junge Leute durchaus attraktiv.“
33 Paarberater haben nun erstmals das Äquivalenz-Diplom der Bundesarbeitsgemeinschaft Beratung für Ehe-, Familien- und Lebensberatung erhalten. Eine Zertifizierung, die erst von wenigen Jahren entwickelt wurde. Der Festakt hierzu fand am 4. September 2018 im Rahmen der Jahrestagung der Beratungsdienste im Bistum Trier statt.

Der Tag war überschrieben mit dem Thema: „Paare auf ihrem Weg begleiten – zwischen Gelingen und Scheitern.“ Ein Aspekt, dem sich die Beraterinnen und Berater immer wieder stellen müssen. „Ich hab natürlich auch so eine romantische Vorstellung vom Happy End und davon muss man sich als Paarberater verabschieden, weil es das manchmal nicht gibt“, sagt Dr. Tobias Gschwendner von der Lebensberatung Trier. Das müsse man ganz realistisch von Anfang an in die Beratung mit einbeziehen. Ein mögliches Scheitern in Betracht zu ziehen, sei für viele dann sehr hilfreich.

Aber nicht nur in Trennungs- sondern auch in anderen wichtigen oder schwierigen Phasen muss man das Paar im Blick haben, egal ob mit oder ohne Kinder. „Denn die Ehe- und die Paarbeziehungen sind eigentlich  der wichtigste kleine Zellkern, in dem Beziehung sich gestaltet und das hat auch Wirkung nach außen“, sagt die Fortbildungsreferentin Schneider. Diese Auswirkung spürt auch Martina Grosch von der Lebensberatung Lebach, die schon seit 25 Jahren mit Paaren arbeitet. Oftmals werden die Kinder bei der Beratung angemeldet, doch bald darauf merke sie, dass das eigentliche Problem die Paarbeziehung sei. „Wenn die beiden in ihrer Beziehung dann was verändern können oder da Stütze und Hilfe erfahren, dann ändert sich das mit den Kindern fast automatisch“, sagt Grosch. Dass es manchmal auch nicht klappt, war für sie anfangs nicht einfach. „Ich bin ja nicht der liebe Gott. Aber wenn es mir gelingt, bin ich immer ein stückweit dankbar, dass ich gute Worte gefunden habe oder einen guten Impuls hatte und manchmal gar nicht wusste, wo dieser gute Gedanke jetzt gerade herkam.“

Bischof Stephan Ackermann war ebenfalls bei der Jahrestagung anwesend. Neben der Wertschätzung zur bisherigen Arbeit der Lebensberatungen in diesem Feld, sprach er auch die Pfarreien der Zukunft an: Wo können in Zukunft wechselseitige Unterstützungsprozesse entstehen zwischen fachlichen Beratungsstellen und Pastoral? Das ist auch das Herzensanliegen von Beate Dahmen von der Lebensberatung Simmern, die bereits 31 Jahre in der Paarberatung tätig ist. Sie wünscht sich präventive Angebote in den Kirchengemeinden, um die Paare nach der Eheschließung zu begleiten, ihnen zu helfen Partner zu werden und im Alltag anzukommen. „Ich halte die Paarberatung für ein Kernstück unserer Aufgabe und denke, dass das Ehesakrament ganz dringend Begleitung braucht. Dass wir als Kirche nicht nur fordern dürfen, dass man Treue und andere Werte hält, sondern auch Hilfestellung in den schwierigen Zeiten und davor geben.“

Das Paar fachlich und kirchlich nicht aus dem Blick zu verlieren, mit oder ohne Kinder, das ist ein wichtiges Credo der Jahrestagung der Beratungsdienste. Natascha Kuhlmann, die bei den Lebensberatungen Lebach und Hermeskeil arbeitet, kann dem nur zustimmen: „Es ist einfach ein schönes Arbeiten, weil es so vielfältig ist und jedes Paar einzigartig mit seiner Geschichte. Und es freut einen zu sehen, wenn auch langjährige Paare bereit sind, neue Wege zu gehen.“

dk

 

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