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Bistum Trier
Freitag, 29. Mai 2020

Raum zum Leben und Lernen braucht Unterstützung

Bischof Ackermann verkündet Verlängerung der TAFF-Kampagne

Sohrschied – Die TAFF-Spendenkampagne der Aktion Arbeit im Bistum Trier, die sich für junge Menschen in schwierigen Lebensphasen stark macht, wird bis zum Jahresende verlängert. Das hat Bischof Dr. Stephan Ackermann am vergangenen Donnerstag bei seinem Besuch im Verein Berufliches und Soziales Lernen (VBS) im Hunsrück verkündet. Die Freude darüber ist groß, und das nicht nur bei den acht jungen Männern, die dort eine Ausbildung zum Tischler absolvieren oder bald beginnen. Auch Sabine Bollhorst und Martin Mersch-Bollhorst, die sich dort seit Anfang der 1990er Jahre für benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene einsetzen, sind erleichtert. Die Zusage bedeutet, dass sie zumindest einen Teil der Corona-bedingten Verluste wieder ausgleichen können. Dennoch ist die Situation weiterhin angespannt. Denn eines ist jetzt schon klar: Kann das erwartete Minus in der Kasse nicht in voller Höhe ausgeglichen werden, sieht es für die Zukunft des Vereins, der seit über drei Jahrzehnten jungen Menschen einen Start ins Berufsleben ermöglicht, düster aus. 

 

Eine wichtige Station auf dem Weg zum Traumberuf

Keine Spur von Anspannung herrscht hingegen in den weitläufigen, offenen Räumen der Ausbildungswerkstatt, in der es nach unbehandeltem Holz duftet. In den Sonnenstrahlen, die durch die lange Fensterfront fallen, flittern feine Sägespäne. Aufmerksam verfolgen Rudi, Merlin, Musa, Niklas, Mahfoz, Alex und Erik, wie ihr Kollege Marlon (17) Bischof Ackermann an der Werkbank zeigt, wie man aus zwei Holzstücken ein dekoratives Kreuz zimmert. Das Sägen klappt schon gut, beim Hantieren mit Stecheisen und Holzhammer justiert Marlon immer mal wieder nach. Denn schließlich soll der Bischof die Werkstatt mit der gleichen Anzahl Finger verlassen, mit der er sie betreten hat. „Für’s erste Mal hat er das sehr gut gemacht“, bestätigt Marlon, der die Werkstatt auf einem Schulausflug kennengelernt hat und sich damals gleich für ein Praktikum bewarb. Inzwischen ist er im zweiten Ausbildungsjahr.

Auch Merlin (22) und Niklas (17) bescheinigen dem Bischof handwerkliches Talent. „Marlon hat das aber auch sehr gut erklärt“, ergänzt Merlin. Obwohl er ein Fachabitur in der Tasche hat und danach ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte, hatte er zunächst Schwierigkeiten, einen Ausbildungsplatz zu finden. Hier bei Tischlermeister Martin Mersch-Bollhorst und „den anderen Azubis, die auch einen komplizierteren Lebensweg hatten“, sagt er, fühle er sich gut aufgehoben. „Besonders wichtig ist mir das Betriebsklima. Und das ist hier top!“ Nach seiner Ausbildung möchte er Sozialpädagogik studieren und wie sein Meister Handwerk und Soziales miteinander kombinieren.

Niklas steht noch am Anfang seiner beruflichen Laufbahn. Momentan im Praktikum, wird er am 1. August endlich seine Ausbildung beginnen. Seine Pläne für die Zeit danach sind schon ganz konkret: „Erst zum Bund und dann zur Berufsfeuerwehr“, sagt der begeisterte freiwillige Feuerwehrmann. Die fundierte Ausbildung, die er in Sohrschied erhält, wird ihm bei der Erfüllung seines Traums von Nutzen sein, ist er sich sicher.

Unterstützung der TAFF-Projektpartner in Corona-Zeiten wichtiger denn je

Auch Andrea Steyven, Geschäftsführerin der Aktion Arbeit im Bistum Trier, und Domvikar Dr. Hans Günther Ullrich, Bischöflicher Beauftragter für die Aktion Arbeit, freuen sich über die Zusage des Bischofs. „Wir sind sehr glücklich darüber, dass der Aktionszeitraum der TAFF-Kampagne verlängert wurde. Denn in den sechs geförderten Projekten stockte der Betrieb in den vergangenen Monaten aufgrund der Corona-Krise – und damit auch die notwendige Unterstützung der jungen Frauen und Männer“, so Ullrich „Ich sehe, dass diese Unterstützung gerade jetzt wichtiger ist denn je“, ergänzt Ackermann.

Zwar können manche der Förderangebote des VBS wie etwa Sozialkunde-Unterrichtsstunden seit einigen Tagen unter Einhaltung der Abstandsregel wieder stattfinden. Allerdings hat die Corona-Pandemie den Verein und seine Schützlinge in den vergangenen Monaten vor erhebliche Herausforderungen gestellt: Etablierte Formate wie Sprachkurse und Lerngruppen konnten nicht mehr stattfinden oder mussten auf digitale Kanäle ausweichen, was allerdings erhebliche Mehrkosten verursacht habe, erklärt Sabine Bollhorst. Lerneinheiten, die sonst an verschiedenen Orten im Hunsrück wie Flüchtlingscafés oder in Räumen der Caritas stattfinden, sind noch immer auf Eis gelegt. „Das ist besonders dramatisch für die jungen Menschen, die jetzt ihre Tagesstruktur und Ausbildungsunterstützung verlieren“, erklärt Bollhorst. Es drohe die Gefahr, dass an hart erarbeitete Lernerfolge nicht mehr angeknüpft werden könne. Insbesondere für Geflüchtete und junge Leute mit Lernschwäche sei der (Sprach-)Unterricht unerlässlich, um ihre Ausbildung und den dazugehörigen Schulstoff stemmen zu können. 

Mahfoz, 31 Jahre alt und Vater von drei Kindern, ist mit seiner Familie aus Afghanistan geflohen. Er ist im dritten Lehrjahr und spricht dank der Sprachförderung beim VBS inzwischen gut Deutsch. Dank seines Ausbildungsvertrags darf er in Deutschland bleiben. Für den aus dem Sudan geflüchteten Musa (26), ist die Situation schwieriger, denn aufgrund seines Asylstatus war er lange Zeit zur Untätigkeit verdammt. „Im Praktikum und im TAFF-Sprachmodul hat er sich dann aber schnell bewährt“, erzählt Bollhorst. Inzwischen ist er im ersten Lehrjahr.

 

Es gibt keinen Plan B

Als kleiner freier Träger erhält der Verein keinerlei öffentliche Zuschüsse und finanziert sich durch Produktionseinnahmen der Ausbildungswerkstatt, die etwa hochwertige Holztreppen herstellt. Weitere Faktoren zur Finanzierung sind die Überschüsse aus der Vermietung des angeschlossenen Tagungshauses und Spendengelder. Nicht zu unterschätzen sei auch die Arbeit der ehrenamtlich Engagierten wie Astrid Becker, fügt Bollhorst hinzu. „Allerdings brachen die Gelder aus der Vermietung unseres Tagungshauses, die wir eigentlich in den vergangenen Wochen eingenommen hätten, komplett weg. Das stellt für uns ein echtes Problem dar“. Zumal die Kosten – zum Beispiel für Versicherungs- und Berufsgenossenschaftsbeiträge – von Jahr zu Jahr steigen. Auch auf die Spendenbereitschaft wirkt sich die Corona-Krise aus: „Voraussichtlich werden in diesem Jahr gut 10.000 Euro an Spendeneinnahmen fehlen. Da wir keinerlei Rücklagen haben, gibt es auch keinen Plan B“, so Bollhorst. Die beantragten Corona-Hilfen für Vereine reichten bei Weitem nicht aus, um dieses Loch zu stopfen. Außerdem sei noch ungewiss, ob der VBS überhaupt den amtlichen Förderkriterien entspreche.

Der Fortbestand des Vereins steht auf der Kippe – und damit auch die Zukunftsperspektiven der jungen Frauen und Männer, die dort einen Platz im Leben gefunden haben, der ihnen eine Chance auf Teilhabe am Arbeitsmarkt gibt. Alex (30), der sein Jura-Studium aufgegeben hat, um seinen an Krebs erkrankten Vater bis zu dessen Tod pflegen zu können, ist zurzeit noch Praktikant. Wenn die Anderen Probleme bei den Hausaufgaben haben oder etwas nicht verstehen, ist er gleich zur Stelle, wobei ihm sein Vorsprung an Lebenserfahrung und das akademische Vorwissen zugutekommen. Was den VBS so besonders macht, bringt er auf den Punkt: „Hier herrschen ein Klima der Offenheit und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu unterstützen – bei der Arbeit, aber auch jenseits davon. Das ist in dieser Form einmalig und das habe ich auch sonst noch nirgendwo erlebt. Man kann es sich nicht besser wünschen.“

Der VBS Sohrschied ist einer von insgesamt sechs Projektpartnern der TAFF-Kampagne im Rahmen der Aktion Arbeit im Bistum Trier. Weitere Informationen gibt es auf www.vbs-sohrschied.de und www.aktion-arbeit.de. Alle Spenden für die Kampagne, die bis zum 31. Dezember 2020 eingehen, werden von Bischof Dr. Stephan Ackermann aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls verdoppelt. Spendenkonto: Pax Bank Trier, IBAN: DE13 3706 0193 3001 3990 11, BIC: GENODED1PAX, Stichwort: "TAFF".

(ih)

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