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Bistum Trier
Samstag, 21. April 2018

Schichtwechsel, Arbeitsplätzchen, Hilferuf: Stell mich an!

Aktion Arbeit ist während der Heilig-Rock-Tage auf dem Hauptmarkt präsent

Trier – Andrea Steyven und Almedina Mujic haben an diesem Morgen im Infozelt auf dem Trierer Hauptmarkt alle Hände voll zu tun. Die Geschäftsführerin der Aktion Arbeit im Bistum Trier und ihre Mitarbeiterin füllen Tüten mit der Aufschrift „Arbeitsplätzchen“. „Die sind heiß begehrt. Ich muss jetzt mal einen Anruf tätigen und nachordern“, erklärt Andrea Steyven und lacht. Das süße Naschwerk geht weg wie warme Semmel. Gebacken wurden die Plätzchen vom Team des Ausbildungszentrums Haus Elisabeth Mehring. Deren Angebot richtet sich an Menschen mit Benachteiligungen. Ausgebildet werden Hauswirtschaftshelfer und Beiköche. Das Haus Mehring ist einer der Beschäftigungsbetriebe, die von der Aktion Arbeit unterstützt werden. Was das Backwerk betrifft, kann man nur sagen: Die jungen Leute machen einen guten Job. Einfach köstlich!

 Denen eine Stimme geben, die übersehen werden

Reißender Absatz der Plätzchen – das heißt, dass die Aktion Arbeit während der Heilig-Rock-Tage gefragt ist? „Mal ist viel Betrieb, dann herrscht wieder Flaute. Das muss man ganz ehrlich so sagen“, räumt die Geschäftsführerin ein. Und hat sogar Verständnis dafür. Der Frühling zeigt sich von seiner sonnigen Seite; da sitzt mancher in der kurzen Mittagspause lieber vor den Cafés und Restaurants, als sich im Zelt mit dem Thema Arbeitslosigkeit zu beschäftigen. Denn es ist tatsächlich keine leichte Kost, die die 1983 gegründete Initiative des Bistums Trier zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit im „Angebot“ hat. Während öffentlich nur noch geschwärmt wird, dass so viele Menschen wie nie zuvor Arbeit haben, legt die Initiative den Finger in die Wunden. Sie sieht die Menschen, die durchs Raster fallen, die keine Chance haben. „Es gehört zum Selbstverständnis der Kirche, denen eine Stimme zu geben, die übersehen werden“, wird Domvikar Dr. Hans Günther Ullrich, der Bischöfliche Beauftragte der Aktion Arbeit, nicht müde zu sagen. Andrea Steyven ergänzt: „Wir dürfen uns nicht mit der Situation auf dem Arbeitsmarkt zufrieden geben.“ Warum das so wichtig ist? Die Bildtafeln im Zelt sprechen eine deutliche Sprache: „Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der Gesamtarbeitslosenzahl wächst seit Jahren. Heute sind 37 Prozent aller Arbeitslosen länger als ein Jahr arbeitslos“ ist da zu lesen. Oder: „Bisherige Konzepte kranken, weil Einfacharbeitsplätze fehlen; weil der Fokus auf Vermittlungshemmnissen statt auf Fähigkeiten liegt.“ Dass aber jeder Mensch Fähigkeiten und Talente hat, beweisen die Macher mit Hilfe einer einfachen, gut gefüllten Kiste. Darin: Magnet-Engel, Ton- und Holzkreuze, Flaschenöffner, bunte Stofftaschen, Handwasch-Bürsten, Schwenkerwender. Alles Produkte von denjenigen, die auf dem regulären Arbeitsmarkt keine Chance bekommen haben, in Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen aber zeigen, was sie zu leisten vermögen – wenn man sie denn lässt.

 Es geht um Menschen mit Sorgen und Nöten

Der „Aktion Arbeit“ ist es während des Bistumsfestes nicht bloß ein Anliegen, über das eigene Tun zu berichten und für das Thema zu sensibilisieren. Es soll deutlich werden, dass Langzeitarbeitslose nicht nur als Zahl einer Statistik von Bedeutung sind, sondern dass es um Menschen geht: Menschen mit Sorgen, Nöten, Schicksalsschlägen. An jedem Tag gibt es die Möglichkeit, mit Arbeitslosen ins Gespräch zu kommen; an jedem Tag stellt sich eine Arbeitslosen-Initiative vor. Und spätestens dann ist richtig was los. Erstes Beispiel: die „CarMen gGmbH – Caritas für Menschen in Beschäftigung“ Koblenz. Ihr rotes Auto mit der Aufschrift „Schnelle Reinigungstrupps“ steht mitten auf dem Hauptmarkt und ist ein echter Hingucker. Mitgebracht haben sie auch schweres Arbeitsgerät, das darüber Auskunft gibt, dass die „CarMen“ von Hausmeisterdiensten bis zum Garten- und Landschaftsbau ein breites Arbeitsfeld beackern. Vor allem beim männlichen Publikum stehen die Nagelbalken hoch im Kurs und die Frage: Wer führt den Hammer so, dass der Nagel mit einem Hieb gerade eingeschlagen wird? Und schließlich gibt es von dem erfolgreichen Inklusionsbetrieb noch ganz schön was auf die Ohren: Die „CarMen-Allstars“ – die bekannte Rockband des Teams – animiert dazu, länger zu verweilen und sogar zu tanzen. Sehr zur Freude der vielseitigen Truppe kommt plötzlich Bischof Dr. Stephan Ackermann um die Ecke, nimmt sich Zeit für Gespräche. Auch zum von den „CarMen“ gewünschten Gruppenfoto sagt der Bischof nicht Nein.

 Zweites Beispiel: das Arbeitsmarktprojekt CBA (Caritas Bildung und Arbeit) des Caritasverbandes Mosel-Eifel-Hunsrück e.V. mit dem Projektbaustein „Mode-Oase“ in Treis-Karden. In dem Sozialkaufhaus wird Mode für Erwachsene angeboten, allesamt aufgearbeitete Kleiderspenden. Doch die Second-Hand-Ware, die das Team nach Trier mitgebracht hat, wird kaum beachtet. „Es ist eigentlich ein guter Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit. Aber vor allem junge Leute wollen lieber topaktuelle Markenmode“, erzählt Ira Gerhartz, die sozialpädagogische Leiterin. In Treis-Karden sei das längst anders, dort werde die „Mode-Oase“ gut angenommen. Zwar habe die Kleidung nicht hoch im Kurs gestanden, doch „viele Menschen haben sich über das Projekt informiert und erfahren, dass aktuell neun Teilnehmer, die vom Jobcenter vermittelt wurden, vom Bewerbertraining über die PC-Schulung bis hin zur Gesundheitsprävention bei uns viel lernen“. Gefragt ist auch das Memory-Spiel, das Ira Gerhartz und ihr Team gefertigt haben. „Die Fotos geben Einblick in unser Projekt. Das Spiel macht Spaß und informiert.“

Spaß und tiefer Sinn sind auch die Komponenten der Instagram-Aktion, die Veronika Ziegelmayer vorstellt. Sie ist für den Themenschwerpunkt Arbeit der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum zuständig und erklärt, was es mit „#picyourwork“ auf sich hat: „Wir ermuntern, im Internet ein Foto aus der Arbeitswelt einzustellen und die Frage zu beantworten: Was macht Arbeit für dich wertvoll?“ Da ist die Mutter ebenso zu finden, die sagt „Ich liebe meinen Job als Mama“ wie Domorganist Josef Still, dessen Arbeit zu ihm passt, „weil ich mit meinen Händen meinen Glauben zum Klingen bringen kann“.

 Veronika Ziegelmayer ist an diesem Tag auch für den „Schichtwechsel“ zuständig. Pünktlich um 16.30 Uhr gibt es nach drei Glockenschlägen ein Statement. Sie hat sich unter der Überschrift „Stell mich an – nicht aus“ das Thema „Hartz IV“ ausgesucht; erklärt, was das Gesetz damals wollte und was daraus geworden ist: „Hartz IV sollte ja nicht die Chiffre werden für Armut und abgehängt sein; das Symbol dafür, wie schnell der Absturz nach unten möglich ist.“ „Hartz IV“ ist ein Thema, das auch Hans Casel trotz des Ruhestands immer wieder beschäftigt und das er bei seinem „Schichtwechsel“ deutlich anspricht. Der frühere bischöfliche Beauftragte der „Aktion Arbeit“ zeigt auf, dass es nicht nur um Geld geht, sondern auch um andere Formen von Armut: sich überflüssig fühlen, mangelndes Selbstbewusstsein, der Verlust des Hauses, der Schmerz, wenn man seinen Kindern nichts mehr bieten kann. „Diese Menschen wollen keine Almosen, sondern Arbeit. Wir brauchen keine neuen Maßnahmenpakete, sondern neue, einfache Arbeitsplätze.“ Die Aktion Arbeit habe dazu ein Konzept vorgelegt: „Mein Traum ist es, dass dieses Konzept einmal ausprobiert werden darf.“

(red)

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