Unsere WebSeite verwendet Cookies (kleine Textdateien, die sie auf Ihrem Rechner ablegt); dadurch bleibt bistum-trier.de für Sie möglichst leicht zugänglich und komfortabel. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung . Sie können in den Einstellungen Ihres Browsers bestimmen, ob er Cookies akzeptiert oder nicht. Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.

Bistum Trier
Freitag, 14. Dezember 2018

Sprache als Schlüssel zur Welt

Caritas-Fachberaterin unterwegs in Kindertageseinrichtungen

Trier – „Wer bist du-u?“ Janine Louis wird von einem Paar Kinderaugen neugierig fixiert. „Ich bin die Janine und heute hier zu Besuch“, antwortet die Fachberaterin des Caritasverbands im Bistum Trier. Als das geklärt ist, bekommt sie von der kleinen Amelia gleich zwei aneinander geklebte Toilettenpapierrollen gereicht: „Ok, kannst du mir bitte meine Rakete ausmalen?“ Es ist halb neun in der katholischen Kindertagesstätte Maria Königin im Trierer Stadtteil Pallien. Dass Louis hier ist, scheint für die Kinder nach anfänglicher Neugier und ein paar zu ihrer Zufriedenheit beantworteten Nachfragen nicht mehr sonderlich spektakulär. Dass sie aber hier ist, ist doch nicht ganz alltäglich.

Die Erziehungswissenschaftlerin ist Sprach-Fachberaterin beim Diözesancaritasverband. Ihre Stelle und eine weitere Teilzeitstelle hat die Caritas im Rahmen des vom Bundesfamilienministeriums geförderten Programms „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ geschaffen. Rund jede zehnte Kita in Deutschland ist mittlerweile eine „Sprach-Kita“, damit profitieren rund eine halbe Million Kinder und ihre Familien von dem Bildungsprogramm. Seit 2017 wird es auch im Bistum Trier umgesetzt und richtet sich vor allem an Kitas, die von überdurchschnittlich vielen Kinder mit einem erhöhten Sprachförderbedarf besucht werden. Louis und ihre Kollegin Judith Kost beraten insgesamt 33 Kindertageseinrichtungen von Hermeskeil, über Jünkerath bis Saarbrücken in Themenbereichen wie der besseren Integration von Sprache in den Kita-Alltag, der Inklusion und der Zusammenarbeit mit den Familien. Ziel dieser Prozessbegleitung sei die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Einrichtungskonzepte, so Louis. Vier Jahre lang bezuschusst der Bund in den Einrichtungen eine halbe Stelle „Sprach-Fachkraft“ sowie die Fachberater bei Trägern wie der Caritas. Louis schult die Sprach-Fachkräfte und Kita-Leitungen zu den Schwerpunktthemen, so dass sie diese Inhalte in ihre Teams tragen können.

Kinder zum Sprechen animieren

Alle acht Wochen besucht Louis die Sprach-Fachkräfte vor Ort – in Maria-Königin ist das Luca Kern-Siptár. Die junge Frau arbeitet seit 2017 in ihrer speziellen Rolle in der kleinen Einrichtung mit zwei Gruppen. Jeweils 15 und 13 Kinder besuchen die Frosch- und die Hühnergruppe, daneben gibt es noch eine Hortgruppe für die benachbarten Schulkinder. Louis und Kern-Siptár besprechen bei ihren regelmäßigen Treffen aktuelle Anliegen und planen praktische Schritte zur Umsetzung. Vor allem gehe es darum, im Alltag Sprache bewusster zu nutzen und die Kinder zum Sprechen zu animieren. „Nehmen wir zum Beispiel die Routine-Situation „Garderobe“, wenn die Kinder sich für das Außengelände anziehen. Dort kann man gemeinsam Kleidungsstücke benennen, darüber sprechen, was man wohl bei welchem Wetter braucht. Gerade für Kinder, die noch kein Deutsch können, sind diese Wiederholungen enorm wichtig“, erläutert Kern-Siptár. In Maria-Königin wird der Schwerpunkt auf Sprache auch durch ein Bibliotheks-Projekt umgesetzt. Kinder erlernten zu Hause nicht mehr unbedingt den Umgang mit Büchern, so Kern-Siptár. In Maria-Königin habe das Team daher eine Bibliotheks-Ecke eingerichtet und mit Büchern ergänzt, die die Kinder aussuchen durften. „Wir besuchen auch wöchentlich mit einer Gruppe von Kindern die Stadtbibliothek, wo die Kinder sich dann Bücher ausleihen dürfen. Sie sind total stolz, wenn sie die in ihren Stofftaschen mitnehmen dürfen und in der Kita dann gemeinsam lesen können.“

Die Kinder sind also inzwischen mit dem System einer Buchausleihe vertraut und darauf will das Team irgendwann auch eine Mini-Ausleihe in der Kita aufbauen, sodass die Kinder die Bücher mit nach Hause nehmen können. Bei den Bestand an Büchern komme es nicht unbedingt auf die Menge an, ergänzt Janine Louis, sondern auch darauf, was die Kinder interessiere. So sei es zwar schön, wenn es zahlreiche Märchenbücher gebe, aber ebenso wichtig, dass auch für Technik-begeisterte Kinder Sachbücher bereitstehen.

Die eigene Arbeit reflektieren und neue Strategien erlernen

Für Louis ist entscheidend, dass die Teams in den Kitas das Programm unterstützen und dass die Leitung voll und ganz dahinter steht. „Nur so können wir die Themen auch langfristig im Kita-Alltag festigen. Das soll ja 2020 mit Auslaufen des Programms nicht alles wieder hinfällig sein“, betont Louis. Es gehe für sie als Fachberatung gerade nicht darum, von außen mit einem erhobenen Zeigefinger zu kommen und Dinge zu kritisieren oder die bisherige Leistung und Arbeit der Teams zu schmälern. „Wir möchten vielmehr dazu anregen, über die eigene Arbeit zu reflektieren und neue Strategien zu erlernen.“ In Maria Königin läuft das auch dank des jungen Standort-Leiters Christian Kunz sehr gut. Er erkennt die Bedarfe seiner Schützlinge und hat sich auf das Programm beworben. „Wir haben hier mindestens fünfzig Prozent Kinder mit Migrationshintergrund, die in der Kita oft zum ersten Mal mit Deutsch in Berührung kommen, aber es sind eigentlich alle Kinder, die von dem Programm profitieren“, erklärt er. Jedes Kind habe seine eigenen Bedürfnisse, die Sprache sei unterschiedlich entwickelt. Dabei dürfe man nicht pauschalisieren: „Es hat nicht immer etwas mit dem sozialen Hintergrund zu tun, wie sprachlich fit ein Kind ist.“

Als Janine Louis die Einrichtung wieder verlässt, lesen die Kinder gerade mit Kern-Siptár eine Geschichte über den frechen Raben Socke. Dabei liest Kern-Siptár nicht einfach vor, sondern stellt den Kindern Fragen, lässt sie spekulieren – dialogisches Lesen ist angesagt. Für die Kinder in Maria-Königin und anderswo erschließt Sprache Zusammenhänge, sie macht Freundschaften möglich und eröffnet den Kindern Zugänge zu Wissen und Kultur. Während ihres Besuchs hat Louis an diesem Morgen jedenfalls viele Gelegenheiten, ins Gespräch zu kommen. Wenn Kinder ihre Fantasie ausdrücken und in Worte fassen können, werden eben auch zwei Klopapierrollen zur Rakete. Louis hat sie für Amelia braun angemalt. „Wohin fliegt ihr damit?“ „Bis zum Mond!“ lautet die Antwort. Und zumindest sprachlich sollte es für diesen kühnen Plan keine Grenzen geben, findet Louis. Sie ist überzeugt, dass der Name des Bildungsprogramms genau das erfasst: „Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“

Mehr Informationen zum Bundesprogramm Sprach-Kitas gibt es unter: www.sprach-kitas.fruehe-chancen.de und bei Janine Louis, Tel.: 0651-9493-314, E-Mail: louis-j@caritas-trier.de

(sb)

 

Weiteres:

News Details