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Bistum Trier
Freitag, 23. September 2022

Suizidprävention kommt vor Suizidassistenz

TelefonSeelsorge Deutschland positioniert sich zur Stellungnahme des Ethikrats

Berlin/Trier – Die TelefonSeelsorge Deutschland (TSD) begrüßt die am 22. September veröffentlichte Stellungnahme des Deutschen Ethikrates „Suizid – Verantwortung, Prävention, Eigenverantwortlichkeit“. Dort wird die Notwendigkeit einer umfassenden Suizidprävention betont. Dies fordere die TelefonSeelsorge in Übereinstimmung mit dem Nationalen Suizidpräventionsprogramm (NaSPro), erklärt der Leiter der Telefonseelsorge Trier, Dr. Bernd Steinmetz. Eine auf verschiedenen Ebenen implementierte, national koordinierte Präventionsarbeit müsse vor einer gesetzlich geregelten Suizidassistenz stehen.

In acht Prozent der rund 12.000 Seelsorge- und Beratungsgespräche im Jahr 2021 seien am Trierer Telefon Suizidgedanken und Suizidalität benannt worden. „Ob und wie viele der Menschen, die im Kontakt mit der TelefonSeelsorge dieses Thema ansprechen, sich tatsächlich das Leben nehmen, ist unbekannt. In vielen Gesprächen erleben die Mitarbeitenden, dass sich verengte Lebenssituationen wieder weiten können, Licht am Ende eines Tunnels zu sehen ist und vielleicht eine Tür geöffnet werden kann, an die in Verzweiflung und Erschöpfung nicht gedacht wurde“, berichtet Diplom-Psychologin Gabriella Kokott von der TS Trier.

„In der Suizidprävention geht es nicht nur um das Auffangen kurz vor der letzten Entscheidung, sondern um eine kontinuierliche und verantwortliche Begleitung, auch im Vorfeld einer akuten Suizidalität“, sagt Frank Ertel, evangelischer Vorsitzender von TelefonSeelsorge Deutschland. „Eine akute Krisenintervention kann situativ die Suizidalität verringern, sie reicht aber häufig nicht aus, um dauerhaft die Perspektive der Betroffenen zu ändern. Von daher ist deutlich mehr notwendig, als TelefonSeelsorge leisten kann. Nichtsdestotrotz leisten wir als Anlaufstelle für hochbelastete Menschen einen wesentlichen Beitrag zur Suizidprävention.“

Menschen mit chronischen psychischen oder körperlichen Krankheiten, mit einer Suchtproblematik oder Menschen die unter Einsamkeit leiden, sind Risikogruppen für Suizid. Mithilfe des 24 Stunden besetzten Telefons, mit Chat- und Mailangeboten und in persönlichen Gesprächen bietet TelefonSeelsorge einen Entlastungsraum an. „Wir erleben tagtäglich, dass der Begriff ‚Suizidalität‘ ein breites Spektrum an personalen, sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen umfasst“, führt der katholische Vorsitzende der TSD Michael Hillenkamp aus. „Insofern hat der Ethikrat eine gute Perspektive gewählt, wenn er die Förderung der Selbstbestimmungsfähigkeit von Menschen voraussetzt, damit sie kognitiv und emotional in der Lage sind, eine wirklich freie Entscheidung zu treffen.“

Laut statistischem Bundesamt sind 2020 9.206 Menschen in Deutschland an Suizid gestorben. Damit übersteigt ihre Zahl deutlich die Zahl der durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und AIDS zu Tode Gekommenen. Schätzungen gehen von weit über 100.000 Suizidversuchen aus (Quelle: www.naspro.de/dl/Suizidzahlen2020.pdf). In Rheinland-Pfalz ist die Suizidquote auf 100.000 Einwohnerinnen gerechnet mit 0,4 sogar doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (0,2): 352 Männer und 125 Frauen starben durch Suizid.

Hintergrundinformation

Mit mehr als 7.700 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die TelefonSeelsorge deutschlandweit tätig. Seit 1975 ist Trier eine der Dienststellen der TelefonSeelsorge Deutschland e.V.; dort stehen 70 Ehrenamtliche und zwei Hauptamtliche ganzjährig rund um die Uhr am Telefon zur Verfügung. Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

Die TelefonSeelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Sie verpflichtet sich zu weltanschaulicher Neutralität. Alle Beratungsangebote, auch die Vorort-Beratung, sind anonym und kostenfrei. Seit 1995 bietet TelefonSeelsorge auch Online-Beratung, zunächst per Mail, inzwischen zusätzlich auch per Chat an. Sie wird von rund zwei Drittel der Dienststellen zusätzlich zum rund um die Uhr erreichbaren Telefondienst angeboten. An insgesamt 25 Standorten gibt es, wie in Trier, auch Beratung vor Ort. Da es hier zu einem längerfristigen Beratungssetting kommen kann, arbeiten in der Vor-Ort-Beratung hauptamtliche Kräfte mit einschlägiger beruflicher Ausbildung.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die TelefonSeelsorge auch Hilfe zur Selbsthilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige. 2021 wurden 989.160 telefonische und 47.442 persönliche Beratungsgespräche geführt. Es wurden 43.635 Mails geschrieben und es wurde 32.023-mal gechattet. Die TelefonSeelsorge ist erreichbar unter den Nummern Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222.

(red)

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