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Bistum Trier
Donnerstag, 28. Mai 2020

Touristin in der eigenen Stadt

Eine Triererin besucht die Domschatzkammer und das Museum am Dom

Trier – Nach zwei Monaten der Schließung aufgrund der Corona-Krise haben das Museum am Dom und der Trierer Domschatz ihre Pforten wieder geöffnet. Zwar nimmt das öffentliche Leben langsam wieder Fahrt auf, doch sind viele kulturelle Freizeitaktivitäten wie Konzerte oder Theaterbesuche immer noch undenkbar – und auch die sonst für diese Jahreszeit üblichen Touristenströme in der Innenstadt sind bislang ausgeblieben. Für Tina Ensch aus Trier ist das die perfekte Gelegenheit, das kulturelle Angebot ihrer Heimatstadt einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ganz oben auf ihrer Liste stehen die Domschatzkammer und das Diözesanmuseum.

Kurzarbeit? Kultur!

Die gebürtige Triererin hat momentan mehr Freizeit als gewöhnlich, denn als Rezeptionsleitung eines 4-Sterne-Hotels ist sie zurzeit in Kurzarbeit. Dieses Schicksal teilt sie aktuell mit knapp 10.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in der Stadt Trier (Stand Ende April). Die freie Zeit möchte die 32-Jährige nutzen, um ihren Wissensstand in Sachen Sakralkunst aufzufrischen. „Das hat für mich nicht nur einen persönlichen Nutzen“, erklärt sie. „Nach und nach kommt der Hotellerie-Betrieb in der Region wieder in Schwung. Und da möchte ich unseren Gästen gerne qualifizierte Empfehlungen geben, was man hier trotz Corona-Beschränkungen erleben kann. Sakrale Kunst hat einen hohen Stellenwert in einer Stadt wie Trier und ist natürlich ein bedeutender Faktor für den Tourismus.“

An diesem Dienstagvormittag ist es noch ruhig in der Hohen Domkirche. Tina Ensch, die vor rund 30 Jahren „nebenan in Liebfrauen“ getauft wurde, ist um kurz vor 10 Uhr die einzige Besucherin, die darauf wartet, dass sich die Türen zur Domschatzkammer öffnen. Weil sie die digitalen Angebote von Museum und Dominformation zum Internationalen Museumstag am 17. Mai verfolgt hatte, hat sie bereits eine Ahnung davon, was sie dort erwartet. Als sie dann endlich inmitten der prachtvollen Reliquien, Handschriften und liturgischen Gegenstände steht, die eine der bedeutendsten Sammlungen kirchlicher Schatzkunst darstellen, ist sie dennoch verblüfft. „Es ist beeindruckend, wie filigran manche Stücke gearbeitet sind. Und es macht richtig Freude, sich jedes einzelne in Ruhe anzuschauen. Man entdeckt so viele spannende Details!“, schwärmt sie, während sie den Egbert-Schrein begutachtet. Dabei handelt es sich um einen Tragaltar aus dem 10. Jahrhundert, der prominent platziert die Mitte des Raumes einnimmt. Der Schrein, der eine Sohle des Apostels Andreas enthält, ist jedoch neben Reliquien wie etwa dem Heiligen Nagel nur eines von vielen Highlights der Kollektion.

Von der Schatzkammer geht es weiter ins Museum. Unterwegs macht Tina Ensch einen kurzen Halt im Kreuzgang. Hier verbrachte die Triererin als Jugendliche hin und wieder ihre Mittagspausen, „wenn es in der Stadt zu heiß und zu laut war“, erzählt sie, lüftet kurz ihren Mund-Nasen-Schutz und atmet tief die kühle Frühsommerluft ein. Sowohl im Domschatz als auch im Museum ist das Tragen einer Maske neben Einbahnregelung und Plexiglaswänden zum Schutz der Besucher und Mitarbeitender Pflicht. „Das stört aber gar nicht“, versichert sie.

 

Anteil nehmen am Leben des Anderen

Vor dem Eingang des Museum desinfiziert sich die junge Frau ihre Hände an einer eigens dafür installierten Station, bevor sie die aktuelle Ausstellung „Anteil nehmen“ im Foyer des Museums betritt. Das „Alte Paar“, eine Skulptur von Eberhard Linke, erweckt gleich ihre Aufmerksamkeit. Einträchtig nehmen Frau und Mann Anteil am Leben des anderen – eine harmonische Szene. Umso eindringlicher wirkt das Exponat, das zwei Meter entfernt davon steht: eine auf die Köpfe von Jesus und Gottesmutter reduzierte Pietà-Szene von Wolf Spitzer. Seit dem Mittelalter gilt das Motiv, in dem Maria am Leiden ihres Sohnes Anteil nimmt, als archetypische Darstellung und wird immer wieder aufs Neue künstlerisch interpretiert. „Faszinierend und verstörend“ lautet das Urteil der Triererin, bevor sie weiter durch die hellen, weiten Gänge des Museums schlendert. Denn auch die übrigen Exponate will sie sich nicht entgehen lassen – von Malereien und antiken Fresken über liturgische Gegenstände aus dem Mittelalter bis zu modernen Installationen. Beim anschließenden Viez-Sprudel zieht Tina Ensch ihr Fazit als Touristin in der eigenen Stadt: „Beide Orte bieten erstaunliche Einblicke in die sakrale Kunst aus über 16 Jahrhunderten. Es war ein Erlebnis, das Eindruck hinterlässt und nachwirkt. Umso schöner, dass ich so etwas hier in meiner Heimatstadt finde!“

Weitere Informationen zur Domschatzkammer gibt es hier: www.dominformation.de/bauwerk/domschatz. Sie ist montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 12.30 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen über die aktuellen und dauerhaften Ausstellungen im Museum am Dom gibt es hier: www.bistum-trier.de/museum. Es ist von dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

(ih)

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