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Bistum Trier
Dienstag, 7. Mai 2019

„Verständnisvoll bei den Menschen sein“

Suizidprävention am Telefon, im Chat und per Mail in der TelefonSeelsorge

Saarbrücken – „Ich hatte in 16 Jahren erst einmal eine Situation, in der eine Person gesagt hat: ‚Ich sitze hier, vor mir liegen Tabletten und die nehme ich jetzt gleich.‘“ So erzählt eine der Ehrenamtlichen der Evangelisch-Katholischen TelefonSeelsorge Saar. Seit 1975 stehen ehrenamtliche Männer und Frauen im Saarland Menschen, die Hilfe suchen, Tag und Nacht am Telefon zur Verfügung. Auch Menschen, die mit dem Gedanken spielen, ihr Leben beenden zu wollen.

„Wenn eine Person bei uns anruft, dann wünscht sie sich ja noch etwas“, sagt die Ehrenamtliche, die aus Datenschutzgründen anonym bleiben muss. „In dem Fall hat sich dann zum Glück ein gutes Gespräch ergeben. Die Person hatte einen akuten Konflikt mit einem nahen Verwandten. Wir haben dann zusammen auf ihr Leben geblickt. Das hat sie dann gelöst und gelockert. Da war ich natürlich sehr erleichtert.“ Außer in diesem sehr konkreten Fall taucht das Thema Suizid eher am Rand, im Zusammenhang mit anderen Themen auf, berichtet sie. „Ich kenne es aus Trennungssituationen, wo die Leute sagen, mein Mann oder meine Frau hat mich verlassen, ich habe keine Ahnung, wie ich weiterleben soll. Das hat alles keinen Sinn mehr. Ich mache Schluss.“ Ein anderes Beispiel seien Trauerfälle. Auch da sehen die Betroffenen, die bei der Telefonseelsorge anrufen manchmal keinen Ausweg, oder wollen dem Verstorbenen folgen. Solche Aussagen können man „als Teil des Trauerprozesses sehen.“ Ihre Aufgabe sei es, „verständnisvoll bei den Menschen zu sein“, erklärt die Ehrenamtliche. „Durch dieses Verständnis bekommen sie manchmal schon mehr Boden unter die Füße.“ Zusätzlich würden sie Fragen stellen: „Wie ginge es denn diesem oder jenem Menschen, wenn Sie auch weg wären?“

Bei sieben Prozent der Seelsorge- und Beratungsgespräche tauchten Suizidgedanken oder -absichten im Laufe eines Gespräches auf, oder es riefen Angehörige oder Freunde von Suizidgefährdeten an, wie die TelefonSeelsorge in ihrem letzten Jahresbericht dargestellt hat. Auch Angehörige und Freunde meldeten sich nach einem Suizid eines nahestehenden Menschen bei der TelefonSeelsorge. In der Mail- und Chat-Beratung liegt die Quote der Personen, die sich zu Suizid äußerten dagegen höher. Während in der Mailberatung rund 20 Prozent der Ratsuchenden Suizidgedanken äußern, oder eine Suizidabsicht bekunden, sind es in den Chats fast 70 Prozent.

Dem Thema Suizid widmet sich auch die Ökumenische Woche des Lebens, die vom 4. bis zum 11. Mai deutschlandweit stattfindet. Sie steht in diesem Jahr unter dem Titel „Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern.“ Dabei steht nicht nur die Suizidprävention im Vordergrund. Beratungsangebote der Evangelischen und der Katholischen Kirche für suizidgefährdete Menschen und ihre Angehörigen wie die TelefonSeelsorge, sollen in dieser Woche genauer vorgestellt werden. Ziel der Ökumenischen Woche für das Leben ist es, „den Gründen von Depression und Todeswünschen nachgehen und Wege für eine bessere Prävention und Versorgung suizidgefährdeter Menschen aufzeigen.“

(dh)

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