Bistum Trier
Freitag, 2. Februar 2018

Von der Honorarkraft zur Chefin

Bendorferin leitet Koblenzer Familienbildungsstätte

Koblenz/ Bendorf – Vor der Anmeldung steht eine Frau mit asiatischem Aussehen und wartet. Felicitas Flöthner deutet mit der Hand in Richtung Friedrich-Ebert-Ring. „Da müssen Sie entlang“, sagt sie der Frau, die nur wenige Brocken Deutsch versteht. Sie hatte sich auf dem Weg vom Koblenzer Ordnungsamt zur Ausländerbehörde verlaufen. „Auch bei solchen Situationen helfen wir ad hoc weiter, das ist doch selbstverständlich“, sagt die neue Leiterin der katholischen Familienbildungsstätte (FBS) und des Mehrgenerationenhauses in Koblenz.

„Jeder Tag ist anders. Gespräche, Telefonate und E-Mails können meinen Plan stark verändern“, berichtet Felicitas Flöthner, die nach einem halben Jahr als kommissarische Leiterin seit Januar die Leitung übernommen hat. Neben To-Do-Listen, die abgearbeitet werden müssen, gebe es auch die täglichen Herausforderungen, die schneller Entscheidungen bedürfen. „Da geht es zum Beispiel um Menschen, die die Teilnahmegebühr nicht bezahlen können. Hier muss ich prüfen, ob uns Mittel zur Verfügung stehen damit wir diesen Menschen entgegenkommen können“, erklärt die Leiterin. Daneben kümmert sie sich um die Programmplanung, die Akquise neuer Honorarkräfte, pflegt Netzwerke, tauscht sich mit anderen Familienbildungsstätten aus oder nimmt an Sitzungen teil.

Vor ihrer Tätigkeit als kommissarische Leiterin war sie mehr als fünf Jahre die Vertretung in Abwesenheit der damaligen Leitung. Mit der Koblenzer FBS ist sie aber schon viel länger verbunden.

Felicitas Flöthner studierte erst in Bochum Mathematik und katholische Religion auf Lehramt und bekam während dieser Zeit ihre drei Kinder. „Doch als dann das Referendariat anstand, habe ich mich dagegen und für ein Pädagogikstudium entschieden“, erläutert die Dortmunderin. Mit drei Kindern und einem Mann, der sich ebenfalls im Referendariat befand, sei dies nicht anders möglich gewesen. „Es war ganz klar eine Familienentscheidung“, sagt die Leiterin, die in Saarbrücken, Landau und Koblenz studierte und nun in Bendorf heimisch geworden ist.

Doch ihre Kenntnisse aus den Bereichen der katholischen Religion und der Mathematik seien in ihrer heutigen Position durchaus nützlich. „In manchen Gruppen kommt das Gespräch schon mal auf das Thema „Glaube“ zu sprechen, da kann ich dann aus der Theologie heraus weiterhelfen; und in meinem jetzigen Tätigkeitsfeld muss ich routiniert mit Zahlen umgehen.“

Nach ihrem Pädagogik-Abschluss bewarb sie sich als Honorarkraft bei der FBS. „Zu den Eltern-Kind-Kursen konnte ich meine eigenen Kinder mitnehmen“, erklärt sie schmunzelnd die Möglichkeit Kind und Beruf zu verbinden. Heute studieren ihre Tochter und ihre zwei Söhne selbst.

Im Laufe der Zeit ist sie ins Projektmanagement eingestiegen und ihre Arbeitszeit bei der FBS wurde aufgestockt. Seit zehn Jahren widmet sie sich zudem dem Thema Kommunikationstraining für Paare, auch neben ihrer Leitungsposition. „Die Kurse machen mir sehr, sehr viel Spaß und erden mich.“ Bei den Wochenendseminaren werden Paaren Techniken für eine gute Kommunikation an die Hand gegeben. Die Workshops werden vom Bistum Trier unterstützt. In ihrer Freizeit konzentriert sich die 46-Jährige auf ihre Familie: „Die ist mir absolut wichtig!“ Dazu zählen Besuche bei ihren fünf Geschwistern und bei ihren Eltern. Daneben wandert sie gerne oder sie kümmert sich um ihre unzähligen Orchideen.

„Manchmal ist es im Leben an der Zeit, sich auf den Weg zu machen und neue Herausforderungen anzunehmen“, sagt sie mit Blick auf die Frau, die nun den richtigen Weg zur Ausländerbehörde einschlägt.

Weitere Informationen zum Angebot der FBS in Koblenz gibt es auf www.fbs-koblenz.de

(jf)

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