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Bistum Trier
Sonntag, 25. April 2021

Wege nach vorne suchen

Heilig-Rock-Tage nehmen Bolivienpartnerschaft in den Blick

Trier – Gemeinsamer Gottesdienst, Bewusstseinsbildung und tätige Hilfe: So lässt sich der Tag der Bolivienpartnerschaft am 24. April bei den Heilig-Rock-Tagen 2021 zusammenfassen. Seit 61 Jahren verbindet das Bistum Trier mit der Kirche in dem lateinamerikanischen Land nun schon eine stabile Partnerschaft, die auf Freundschaft, Dialog und gemeinsamem Lernen gründet.

„Die Geräte retten Leben“

Und, wenn es darauf ankommt, auch auf ganz praktischer Unterstützung: So hat etwa das Trierer Brüderkrankenhaus gemeinsam mit der Diözesanstelle Weltkirche des Bistums in der ersten Corona-Pandemiewelle dafür gesorgt, dass neben finanziellen Mitteln auch dringend benötigte Geräte ins Partnerland kamen. Eine Maßnahme, für die Victor Hugo Valda, Leiter des Krankenhauses der Erzdiözese Santa Cruz, sehr dankbar ist. „Wir haben in Santa Cruz kein ausreichendes Gesundheitssystem“, berichtet er im virtuellen Konferenzraum den rund 30 Frauen und Männern aus Deutschland, Bolivien und Pakistan, darunter Triers Bischof Dr. Stephan Ackermann. Eine „moralische und spirituelle Verpflichtung“ habe man gespürt, direkt nach den ersten auftretenden Covid-Fällen zu handeln. „Mit Liebe und Hingabe, wissenschaftlich fundiert“ habe das Krankenhaus innerhalb kurzer Zeit eine Corona-Station aufgebaut. Patienten behandeln, das Personal schützen und beides mit hoher Qualität: So fasst Valda die Prinzipien zusammen, die auch weiterhin gelten.

Denn die dritte Welle beginnt und „wir fürchten, dass sie wegen der Mutationen schwerer wird als die beiden ersten“, sagt Valda. Das bestätigt Pfarrer Christian Müßig, der am Stadtrand von Santa Cruz arbeitet. Das bolivianische Gesundheitssystem sei nicht mit der Demografie und der Migration mitgewachsen. Er berichtet von den dramatischen Auswirkungen des Lockdowns auf die Menschen, von denen 70 Prozent im sogenannten informellen Sektor arbeiten – etwa auf Märkten – und vom Tagesverdienst leben, der von heute auf morgen weggebrochen sei. Doch er erkennt auch „Stärke und Solidarisierung“, etwa wenn spontan Suppenküchen und eine Art Nachbarschaftshilfe entstehen oder die Besserverdiener Lebensmittel spenden. Die Impfbemühungen sieht er skeptisch. Bolivien erhalte vor allem Impfstoffe aus China: „Wir stehen in der Verteilhierarchie nicht gerade oben.“ Vier Jahre werde es vermutlich dauern, bis alle geimpft seien. Eine Situation, die für den Leiter der Diözesanstelle, Ludwig Kuhn, einen Auftrag birgt: „Da müssen wir mithelfen, dass die Versorgung gewährleistet ist.“

Dank für die humanitäre Hilfe spricht auch David Rojas aus. Er leitet die Seelsorge im Vikariat Pando im Amazonasgebiet, einem Gebiet, wo die Betreuung und Versorgung vor allem auch auf Wasserwegen mit Booten erfolgt. Eine „Kirche mit amazonischem Gesicht, noch näher bei den Menschen“ ist das Ziel. Konkret heißt das derzeit, etwa Schutzanzüge oder Masken für medizinisches Personal zu verteilen. Auf die staatlichen Systeme können sie hier nicht setzen, berichtet Rojas. Das meiste laufe dank der Kirche, die sich dann etwa mit dem Stadtrat zusammentut. Mittlerweile konnten ein Sauerstoffgenerator angeschafft werden und 23 Beatmungsgeräte verteilt werden. „Diese Geräte retten Leben“, betont Rojas.                                                      

Den Klimaschutz nicht vergessen

Damit auch andere Themen nicht aus dem Blick geraten, schaut die transatlantische Gruppe an diesem Tag auch auf den Klimawandel. Dieses Thema liegt vor allem den jungen Menschen am Herzen, die sich in der Partnerschaft engagieren. So berichten Belinda Prado und Janeth Ibarra Alvarez vom Colegio Copacabana in Potosí, wie an der Partnerschule des Bischöflichen Angela Merici-Gymnasiums Trier Bewusstseinsbildung für Themen des Umwelt- und Klimaschutzes betrieben wird. Mülltrennung und -verarbeitung sowie die Nutzung von recycelbaren Stoffen steht hier ganz oben auf der Themenliste. „Zeichen nach außen setzen“ wollen die Mädchen, berichtet Prado, denn „wir leben alle auf dem gleichen Planeten“, wie Alvarez ergänzt. Das machen auch die Pfadfinder deutlich, wenn Oscar Mendoza aus Cochabamba von der Teilnahme an der „Earth Hour“ in Verbindung mit der Fahrradaktion „Critical Mass“ erzählt. „Wir motivieren uns gegenseitig.“ Aber an erster Stelle stehe die Freundschaft, sagt Paul Berens von der DPSG Trier. Und dazu gehöre das Netzwerken und der Austausch zwischen den Gruppen in beiden Ländern.

Partnerschaft braucht langen Atem

Der Bolivientag hatte mit einem live übertragenen Gottesdienst im Trierer Dom begonnen. Der Gottesdienst zeige, „in welchen Beziehungen wir im Bistum Trier leben, wenn wir heute die Partnerschaft mit Bolivien feiern“, so Bischof Ackermann.. Mit dem Limburger Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist und der dem Gottesdienst vorstand, werde auch die Einbindung in die Ortskirchen des Landes deutlich. Bätzing erinnerte daran, dass seit vielen Jahrzehnten die Menschen im Bistum Trier der Kir­che Boliviens und den Menschen in einem der ärmsten Länder Latein­amerikas solidarisch verbunden seien: „Viel an menschlichen Begegnungen, an gelebter Freundschaft, materieller Hilfeleistung, politischer Unter­stützung und Bildungsarbeit ist seitdem geleistet worden.“

Trotz eines Schuldenschnitts vor gut 20 Jahren und der 2009 in Kraft getretenen politischen Verfassung, die sich die Inklusion insbesondere der indigenen Volksgruppen auf die Fahnen schrieb, sei die Wirklichkeit in Bolivien durch soziale Ungleichheit mehr gezeichnet als durch Fortschritte. „Die politischen Konflikte der letzten Jahre kosten viel Kraft und viele Res­sourcen und sie zermürben Vertrauen. Wie sehr wünschten wir diesem Land, dass es Frieden, Festigkeit und Wachstum in jeglicher Hinsicht finden könnte.“ Doch die Menschen in Bolivien seien weit davon entfernt, dies als Realität im Alltag erfahren zu dürfen. Deshalb sei es gut, dass die Partnerschaft mit Bolivien einen so langen Atem beweise. „Denn den braucht es – und viel Zuversicht, um zu erleben, dass sich für die jun­ge Generation dort Zukunftschancen auftun, die ihre Situation nach­haltig verändern können.“ Und so mache das Leitwort der Heilig-Rock-Tage „Du bist meine Zuversicht” deutlich: „Wir schöpfen hier nicht nur aus eigenen menschlichen Ressourcen, unser gemeinsamer Glaube wird zur Quel­le, damit wir nicht ermatten, in Enttäuschung und Frustration stecken bleiben, sondern Wege nach vorne suchen.“

(JR)

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