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Bistum Trier
Donnerstag, 12. Mai 2022

„Werde ich wieder ich selbst sein?“

Betroffener Diakon gründet Long-Covid-Gruppe/Treffen am 27. Mai in Andernach

Andernach – Einkaufen ohne Mund-Nasen-Schutz, verkürzte Regeln zur Isolation und überwiegend milde Verläufe– die Zeichen stehen auf Post-Pandemie. Doch nicht alle Corona-Infizierten können nach der Erkrankung wieder zügig und unbeschwert in ihren gewohnten Alltag zurückkehren. Das hat Andreas Schlösser, Diakon in der Pfarrei St. Marien Andernach, selbst gespürt. Nach einer relativ milden Infektion zogen sich schwerwiegende Symptome, wie Vergesslichkeit, Unkonzentriertheit und Wortfindungsstörungen sowie Entzündungen über Monate hin. Um sich über Krankheitsverlauf, Erfahrungen und Ängste auszutauschen, hat er einen Long-Covid-Gesprächskreis gegründet. Das erste Treffen findet am Freitag, 27. Mai, um 19.30 Uhr im Pfarrheim von Maria Himmelfahrt (neben dem Mariendom; Kirchstraße 11) statt.

„Die Selbsthilfegruppe soll ein Forum bieten, wo man in einem geschützten Raum über seine Situation sprechen kann. Hier wird niemand schräg angeschaut, als Hypochonder oder Simulant abgetan“, betont Andreas Schlösser. Es sei ihm wichtig, dass die Menschen ernstgenommen würden. Ihm habe der Austausch mit anderen Betroffenen selbst sehr geholfen, bilanziert er rückblickend.

Der 38-Jährige infizierte sich vor genau einem Jahr. Nach seiner Quarantänezeit bemerkte er aber, dass er noch lange nicht wieder der Alte sei. „Ich konnte zum Beispiel nicht die Kaffeemaschine bedienen. Ich wusste einfach nicht mehr wie das geht. Den Haustürschlüssel lagerte ich im Waschbecken; legte ihn zum Zähneputzen zur Seite und dann wieder zurück ins Becken“, berichtet der hauptamtliche Seelsorger von einigen erschreckenden Begebenheiten. „Ich habe mich in der Zeit gefragt, ob ich je wieder ich selbst sein werde“, gibt er offen zu. Sonst sei er eher als „Hans Dampf“ bekannt. Nun sprachen ihn besorgte Gemeindemitglieder an, denn er hatte unter anderem stark abgenommen. „Es war sehr schwer, mir selbst einzugestehen, dass ich krank bin.“ Das sei oftmals eine Hürde, die man erst einmal meistern müsste, um sich anschließend Hilfe zu suchen, weiß Schlösser aus eigener Erfahrung.

Zuhören und erzählen

Ein niedrigschwelliges Angebot sei da der Gesprächskreis, den er initiiert hat. „Ich möchte, dass wir als Gruppe gemeinsam unterwegs sind“, sagt Schlösser. Er trage zwar die Verantwortung für die Treffen, das solle aber keine Hierarchie darstellen. Der Diakon kann sich vorstellen mal Expertinnen und Experten aus dem medizinischen Bereich einzuladen oder eventuell einen Ausflug zu unternehmen. Jede und jeder könne sich aber einbringen, die eigene Geschichte erzählen oder einfach erstmal nur zuhören. „Diese Ganzheitlichkeit ist mir wichtig.“

Eine Religionszugehörigkeit sei nicht von Belang, betont der Katholik. „Ich mache das Angebot als Christ, aber in der Gruppe muss jetzt zum Beispiel nicht gebetet werden; außer das sei ausdrücklich gewünscht.“ Es handelt sich um ein diakonisches Angebot, das sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. „Mir ist die Not aufgefallen und ich wollte darauf reagieren“, erklärt er.

Heute geht es dem Diakon aus dem Bistum Trier wieder gut. „Ich kann den Menschen die Hoffnung geben, dass es wieder besser wird, auch wenn man es sich gerade in der jeweiligen Situation nicht vorstellen kann.“

Einzel- und Gruppengespräche

Einige Interessierte aus den Kreisen Neuwied und Ahrweiler sowie aus Andernach haben sich bereits bei Schlösser gemeldet. „Zu denen habe ich schon telefonischen Kontakt aufgebaut und einige längere Gespräche geführt.“ Persönlich lernt er alle aber erst am 27. Mai kennen. Neben den Gruppentreffen bietet er samstags auch Termine für Einzelgespräche an. Weitere Betroffene sind herzlich willkommen und können sich bei Andreas Schlösser melden unter Tel. 02632 4998750 oder per E-Mail schloesser(at)pfarrei-andernach.de.

(jf)

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