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Bistum Trier
Mittwoch, 3. März 2021

„Wir brauchen eine stärkere Lobby in unserer Kirche“

Religionslehrer wollen Zukunft der Kirche auf Synodalem Weg mitgestalten

Trier – Für Kinder und Jugendliche sind sie oft die einzigen „Berührungspunkte“, die es noch zum Thema Religion oder zur Kirche gibt: Religionslehrerinnen und -lehrer. Wenig bekannt ist die Tatsache, dass sie mit 70.000 Beschäftigten auch die größte theologische Berufsgruppe in Deutschland stellen. In Trier haben sich 60 katholische Religionslehrerinnen und -lehrer auf ihrer digitalen Jahrestagung unter dem Motto „Kirche vor Ort – Kirche der Zukunft“ darüber ausgetauscht, welche Rolle sie bei der Zukunftsgestaltung von Kirche spielen können.

Kirche noch systemrelevant – aber Vertrauen verspielt

Dazu hatten Patrick Wilhelmy, Arbeitsbereichsleiter Religionsunterricht und Schulpastoral, und Dr. Kerstin Schmitz-Stuhlträger, Vorsitzender der Vereinigung katholischer Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien den Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose und Gabriele Klingberg, Religionslehrerin und Schuldekanin aus Tübingen eingeladen, die ihre Perspektiven zum Thema darstellten. Hose sagte in seinem Impuls, dass die Menschen keine Kirche brauchten, die sich nur um sich selbst drehe. Bei der Frage, welche Werte künftig angesichts derzeitiger gesellschaftlicher Umbrüche noch eine Rolle spielen sollen, falle der Kirche zwar noch eine große Kompetenz zu. Jedoch habe kirchliches Personal in den letzten Jahren sehr viel Vertrauen verspielt, was gerade die aktuelle Situation im Erzbistum Köln zeige. Kirche könne nur dann einen wichtigen Teil der Systemkritik darstellen, wenn sie selbst authentisch sei.

Mehr Lobby bei Synodalem Weg

Das betonte auch Gabriele Klingberg. „Es braucht Reformen, wenn Kirche und Glaube überhaupt eine Zukunft haben sollen.“ Die Vorsitzende des Bundesverbands der katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer an Gymnasien berichtete vor allem von ihren Erfahrungen als Teilnehmerin des Synodalen Wegs – einem 2019 gestarteten Gesprächsprozess der katholischen Bischöfe und Laien in Deutschland. In verschiedenen thematischen Gruppen werden dort Fragen erörtert, die sich aus der MHG-Studie über den sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche ergaben, etwa zur Frage von Frauen in der Kirche, Sexualität und Partnerschaft oder dem Machtmissbrauch in der Kirche. Die Berufsgruppe der Lehrerinnen und Lehrer sei zunächst gar nicht in der Vollversammlung vorgesehen gewesen, habe später aber einen Platz bekommen. Auch in den einzelnen thematisch arbeitenden Synodalforen sei die Berufsgruppe nicht vertreten – eine „herbe Enttäuschung“, bedauerte die 62-Jährige. Das zeige, dass eine viel stärkere Lobbyarbeit vonnöten sei. „Denn man darf nicht verkennen, dass wir dort der Kirche ein Gesicht geben, wo sie sonst kaum noch Anknüpfungspunkte hat: Bei Kindern und Jugendlichen. Die meisten von uns unterrichten an öffentlichen Schulen und treffen dort auf junge Menschen mit unterschiedlichen Weltanschauungen und kulturellen Hintergründen.“ Im Religionsunterricht wolle man mit Schülerinnen und Schülern über Religionen allgemein und über das Christentum und die Bedeutung der Kirche im Speziellen ins Gespräch kommen - und bei einigen Themen wiesen gerade Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler sehr schnell darauf hin, dass sich die Reich-Gottes-Botschaft Jesu oft nicht im Tun der Amtskirche widerspiegele.

Synodaler Weg darf kein Papiertiger werden

Die Vorstellung von heutigem Religionsunterricht sei noch stark von einem „Rekrutierungsgedanken“ geprägt. „Wir sind aber nicht diejenigen, die für den Fortbestand der Kirche zu sorgen haben. Wenn das gelingt, ist das schön, aber es ist nicht unsere erste Aufgabe.“ Es werde oft unterschätzt, wie sehr Religionslehrerinnen und -lehrer die Schulen mit prägten, als Vertrauenslehrer oder Schulseelsorgerinnen, oder auch in Personalräten der Schulen. „Wir sollten ein Stück Vorbild sein, aber natürlich auch die kritische Auseinandersetzung mit den Schülerinnen und Schülern suchen. Wenn ich beispielsweise auf die Frauenfrage angesprochen werde, was die Schüler sehr interessiert, finde ich wichtig, dass man auf etwas verweisen kann – etwa die Frauenverbände oder auch die Bewegung Maria 2.0, die sich da gut positionieren. Daran sehen wir: Es gibt Leute, die sich auf den Weg gemacht haben, diese Kirche zu verändern.“ Auf die Frage, welche Aspekte junge Leute heute noch von Kirche überzeugen könnten, sagte Klingberg: „Dass Kirche viele Beratungsangebote anbietet, wie Beziehungen und das eigene Leben gut gelingen können (etwa durch die Lebensberatungen oder Erwachsenenbildung usw.). Durch eine Öffnung homosexuellen Menschen gegenüber. Durch eine stärkere Einbindung von Frauen in Ämter und Machtstrukturen der Kirche. Durch eine Vereinfachung der theologischen Sprache. Mit mehreren Bischöfen formuliere ich es mal so: Kommen wir nicht wirklich zu Veränderungen und Reformen, ist diese Kirche vor die Wand gefahren.“ Der Synodale Weg dürfe kein Papiertiger bleiben, sondern es müsse zu konkreten Veränderungen kommen. „Wenn uns das gelingt, wird auch unser Unterricht wieder überzeugender sein, da wir dann über eine Kirche sprechen können, die sich reformiert, die schaut, welche Relevanz die Botschaft Jesu für die Menschen heute hat.“

(sb)

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