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Bistum Trier
Dienstag, 17. April 2018

Wo bleibt der Mensch bei Arbeit 4.0?

Kolpingsfamilien setzen Akzente bei den Heilig-Rock-Tagen

Trier – Beim Tag des ehrenamtlichen Engagements bei den Heilig-Rock-Tagen haben fast 200 Mitglieder der Kolpingsfamilien im Bistum sich getroffen und Akzente gesetzt. In einer kurzen Wallfahrt zum Dom haben sie „Flagge gezeigt“, mit einem Infomobil auf den Einsatz für die Integration von Geflüchteten aufmerksam gemacht und in einem Vortrag nach der Situation und dem Wohl des Menschen in der digitalisierten Arbeitswelt gefragt.

Kolping-Roadshow Integration

Zum zweiten Mal im Rahmen der Heilig-Rock-Tage führte am 15. April die Wallfahrt vom Kolpinghaus in der Dietrichstraße über den Hauptmarkt zum Pontifikalamt im Dom. Mit Blasmusik und den orange-schwarzen Fahnen machte der katholische Sozialverband schon am Morgen auf sich aufmerksam. Ebenfalls in der Kolpingfarbe Orange präsentierte sich bereits seit dem Vortag die „Kolping-Roadshow Integration“ auf dem Domfreihof, um über Schicksale von Flüchtlingen zu informieren und für ihre Belange zu sensibilisieren. „Gestern ist unser Angebot richtig toll angenommen worden“, berichtete Bildungsreferentin Barbara Scharfbillig vom Diözesanverband über die Resonanz am Infomobil. Mit Literatur, einem kindgerechten Film zum Thema Flucht sowie Erwachsenenfilmen soll über das Thema Integration, für das viele Kolpingfamilien sich vor Ort einsetzen, informiert werden. Jugendliche können die Inhalte von Rucksäcken mit individuellen Fluchtgeschichten verbinden, ein Kicker vorm Roadshow-Mobil lädt sie dazu ein, sich dem Thema anzunähern. Der vom „Kolping-Netzwerk für Geflüchtete“ betreute mobile Stand soll auch den Verbandsmitgliedern ermöglichen, sich über eigene Initiativen auszutauschen und sich zu vernetzen, wie Caroline Lanksch, pädagogische Fachkraft vom Kolpingwerk Deutschland, berichtet.

Wo bleibt der Mensch bei Arbeit 4.0

Am frühen Nachmittag fragte der Verband in einem Vortrag mit Diskussion in der Dominformation unter dem Titel „Wo bleibt der Mensch bei Arbeit 4.0?“ nach dem Wohl des Menschen in der digitalisierten Arbeitswelt. Professor Dr. Armin Schneider, Sozialwissenschaftler von der Hochschule Koblenz, führte in die Thematik ein. „4.0“ stehe für die Epoche des digitalen Wandels der Arbeit, während frühere Phasen gekennzeichnet gewesen seien von der beginnenden Industrialisierung (1.0), der Massenproduktion (2.0) und der sozialen Marktwirtschaft mit einem gefestigten Sozialstaat (3.0). „Zu der Frage, wo der Mensch bei 4.0 bleibt, kann ich nur Anregungen geben, keine Antworten“, gestand er unumwunden. Er mahnte bei dem Thema der Automatisierung der Arbeitswelt – trotz aller Ängste – zu Gelassenheit. Schon in den 1960er und 1970er Jahren seien Automatisierungs- und Computer-Zukunft mit drohender Arbeitslosigkeit und diffusen Sorgen besetzt gewesen. „Weniger geht uns die Arbeit aus als dass sie sich verändert“, sagte Schneider mit Verweis auf die Beschäftigtenstatistik.

Gleichzeitig ermutigte er aber im Falle der persönlichen digitalen Überforderung dazu, wo es möglich sei selbst Grenzen zu setzen – als „Grenzen des Mitmachens“. Er selbst halte beispielsweise keine Online-Seminare mehr ab. „Hier ist bei mir eine Ernüchterung eingetreten.“ Auch sei er digital nicht ständig erreichbar. Die heutige Gesellschaft und Wirtschaft sei überdies mit Problemen konfrontiert, die aus der Art des Wirtschaftens selbst resultierten. Immer mehr Menschen seien mit einem Wirtschaftsstil unzufrieden, der mit einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, immensen Staatsschulden, Altersarmut oder Flüchtlingsströmen aus Umweltgründen einhergehe und in die Sackgasse führe. Nicht alles sei durch den freien Markt regelbar, und die moralischen Werte der Gesellschaft bedürften der Kultur einer ethischen Orientierung. Er sehe aber auch Anzeichen menschengerechteren Wirtschaftens, die weiter fragten und nach einem zeitgemäßen Liberalismus suchten – ebenso wie zukunftsweisende digitale Ideen zum Wohl des Menschen. Hinsichtlich der Digitalisierung in Arbeit und Freizeit „brauchen wir eine digitale Ethik“, die den Menschen vor Missbrauch, Propaganda und Überforderung schütze. Schließlich sei der digitale Wandel auch gestaltbar und benötige mit Blick auf Wirtschaft und Sozialstaat Antworten, bei denen auch die kirchlichen Verbände wie Kolping gefragt seien.

Im anschließenden Austausch mit den mehr als 60 Zuhörern mahnte Kolping-Bundespräses Josef Holtkotte, darauf zu schauen, „wie der Mensch bei der Digitalisierung“, die nicht nur gut oder böse sei, „mit seiner Würde die Mitte der Prozesse bilden kann“. Die Wertschätzung des Menschen dürfe nicht von seinen digitalen Kompetenzen abhängen. „Wir können als Kolping hier Orientierungshilfe vermitteln“, sagte der Präses, „damit verschiedenste Fähigkeiten wertgeschätzt werden“, darunter auch die Handwerksberufe. Er sehe Kolping in einer „Scharnierfunktion“, eine solche Haltung weiterzugeben – nicht ohne auch das Handeln im eigenen Verband stets zu hinterfragen. „Wo sind die Grenzen? Was wollen wir nicht mehr – weil der Mensch aus dem Mittelpunkt rückt?“, fragte Holtkotte.

Der Vortrag in Kooperation mit der Katholischen Arbeitnehmerbewegung und der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum/Themenschwerpunkt Arbeit war der Auftakt einer vierteiligen Reihe zum Thema Digitalisierung, die im Herbst mit drei weiteren Terminen fortgesetzt wird. Sie ist außerdem Teil des Bistumsprojektes „LebensWert Arbeit“ als Beitrag zum Karl-Marx-Jahr. Nähere Informationen im Internet unter www.lebenswert-Arbeit.de.

Die Heilig-Rock-Tage dauern noch bis zum 22. April. Das gesamte Programm ist unter www.heilig-rock-tage.de zu finden.

(red)

 

 

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