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Bistum Trier
Dienstag, 5. November 2019

„Zwei Minuten vor Zwölf“

Studientag zur Amazonas-Synode berät Optionen auch für das Bistum Trier

Trier - „Das Amazonasgebiet ist einer der verletzlichsten Orte der Erde – hier wird der Schrei der Natur und der Armen nach Schutz und Gerechtigkeit hörbar.“ Das hat Bischof Eugenio Coter aus Bolivien am 3. November auf einem Studientag in Trier zur kürzlich beendeten Amazonas-Synode verdeutlicht. Der apostolische Vikar von Pando in Bolivien war einer der 185 Teilnehmer der dreiwöchigen Synode im Vatikan, der mehrheitlich Bischöfe aus Lateinamerika, aber auch aus Europa, Afrika, Asien und verschiedene Experten angehörten. In Trier berichteten er, der Geschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz, und die Pressereferentin der bolivianischen Bischofskonferenz, Micaela Diaz, auf dem Studientag des Bistums Trier mit rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – darunter auch Bischof Stephan Ackermann und einige bolivianische Gäste – von ihren Eindrücken und ersten Ergebnissen der Synode. Die Versammlung habe sich für einen „Weg der Umkehr“ ausgesprochen, in ökologischer, kultureller und pastoraler Hinsicht. Und auch der Studientag in Trier erbrachte am Ende konkrete Optionen: Die Diözesanstelle Weltkirche will das Amazonasgebiet verstärkt in den Blick nehmen und gemeinsam mit dem Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Trier auch über ökologische Freiwilligendienste in der Amazonasregion nachdenken. Ein verändertes persönliches Konsumverhalten und eine stärkere politische Stellungnahme der Kirche beim Thema Ökologie auf nationaler und internationaler Ebene waren ebenfalls Impulse, die die Teilnehmer des Studientags setzten.   

Schon lange in großer Gefahr

Das fragile ökologische, aber auch soziale Gleichgewicht des Gebiets um den wasserreichsten Fluss der Erde mit tropischen Regenwäldern und einer unglaublichen Artenvielfalt, wo indigene Völker seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur lebten, sei schon lange in großer Gefahr, unterstrich Coter, zu dessen Vikariat Teile des Amazonasgebiets gehören. Der globale Hunger nach Fleisch, Soja und anderen Produkten führe zur Rodung immer größerer Flächen, zur Verwüstung ganzer Landstriche und letztlich sogar zu Auswirkungen für das Weltklima. Denn die über dem Regenwald aufsteigende Feuchtigkeit sättige Luftströme, die über tausende Kilometer nicht nur andere Gebiete etwa in Brasilien mit Regen versorgten und so das Betreiben von Landwirtschaft ermöglichten, sondern auch indirekt für das Funktionieren des Golfstroms verantwortlich seien. Dazu komme, dass die indigenen Völker, die rund 10 Prozent der Bevölkerung des Amazonasgebiets ausmachen, ihrer Lebensgrundlage beraubt würden. Die restlichen 90 Prozent der Amazonasgebiet-Anrainer seien oft zugewanderte Menschen, unter denen es viel Armut und Perspektivlosigkeit gebe. „Das wichtigste Merkmal dieser Synode war, dass sie ein Lernprozess für die Bischöfe darstellte; dass sie ihnen die komplexen Zusammenhänge aufgeschlüsselt hat und gezeigt hat: Es ist zwei Minuten vor Zwölf“, erläuterte Adveniat-Geschäftsführer Heinz. Deshalb habe die Synode sich für die Förderung einer ganzheitlichen Ökologie ausgesprochen, einer neuen Form der Inkulturation und der Seelsorge vor Ort.

„Hüter des gemeinsamen Hauses“

Was das konkret heißt, erschlossen die Studientag-Teilnehmer in verschiedenen Kleingruppen mit den Experten Heinz, Coter und Diaz. Gemeindereferent Rudolf Demerath, Yvonne Uebel von den Sozialen Lerndiensten im Bistum und Professor Martin Lörsch stellten die Ergebnisse der Kleingruppen vor, die auch in die Abschlussrunde mit Bischof Stephan Ackermann, Bischof Coter, Pater Heinz, Patricia Espinoza von der bolivianischen Jugendpastoral und der BDKJ-Vorsitzenden Susanne Kiefer einflossen. In pastoraler Hinsicht sei beispielsweise geplant, einen neuen Dienst in den Amazonas-Gemeinden einzuführen, der sich „Hüter des gemeinsamen Hauses“ nenne. Die benannte Person könne sich in den Gemeinden vor Ort um Themen der Ökologie und Nachhaltigkeit kümmern; gefragt seien vor allem auch junge Menschen. Für die entlegenen Gebiete, die schwer zugänglich seien und in denen es an Priestern mangele, solle es künftig die Möglichkeit geben, auch verheiratete ständige Diakone zu Priestern zu weihen.

Verschiedene Akteure in Dialog miteinander bringen

Beim Thema Inkulturation gehe es vor allem darum, den Menschen vor Ort besser zuzuhören, sie ihre Bedürfnisse und Nöte selbst formulieren zu lassen und damit weiterzuarbeiten. Evangelisierung oder Mission habe hier vor allem eine diakonische, also helfende Komponente, erklärte Pater Heinz. Die Kirche könne eine Brückenfunktion wahrnehmen und verschiedene Akteure in Dialog miteinander bringen. Zudem wolle sie sich an die Seite der rund 400 ansässigen indigenen Völker stellen. Da die Politik, in Brasilien etwa vertreten durch Präsident Jair Bolsonaro, die Nöte der Menschen vor Ort und auch die Dringlichkeit der Bewahrung der Ökosysteme weitestgehend ignoriere, sei es wichtig, als Kirche auch auf politischer Ebene ein Statement zu setzen. Besonderes Augenmerk sollte auf der jungen Generation liegen: „Wir müssen die jungen Menschen bilden, sie sprachfähig machen und ihnen die Wichtigkeit der Bewahrung ihres Lebensraums nahebringen“, erklärte Patricia Espinzoa. Schließlich hänge an den jungen Leuten die Zukunft dieser Region, und sie wollten „Teil der Lösung“ sein. Es komme nun darauf an, was Papst Franziskus aus den Synodenergebnissen mache, welche Zeichen er setze, so Pater Heinz. Mit der Einberufung der Synode habe er die Region in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Bischof Ackermann bestätigte dies: „Synoden, wie auch die Synode im Bistum Trier, sollen Menschen ins Gespräch bringen, die Umsetzung ihrer Ergebnisse brauchen aber Zeit. Die Kirche kann als globaler Player auf internationaler Ebene Gesprächsräume schaffen. Der gegenseitige Dialog und Respekt kann ein positives Zeichen für die Weltgemeinschaft setzen.“

(sb)

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