Damit Sie unsere Internetseite optimal nutzen können, setzen wir nur technisch notwendige Cookies (kleine Textdateien, die auf Ihrem Rechner abgelegt werden). Wir sammeln keine Daten zur statistischen Auswertung. Näheres finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

Bistum Trier
Donnerstag, 30. April 2020

Zwischen Verwaltung und Pflege

Angestellte des Bistums Trier unterstützt Haus Eulenhorst in Koblenz

Koblenz – Eigentlich ist sie Verwaltungsfachkraft in der FachstellePlus für Kinder- und Jugendpastoral in Koblenz. Doch seit Anfang April hilft die 46-jährige examinierte Altenpflegerin im Haus Eulenhorst, einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung des Caritasverbands. Dazu wurde sie auf eigenen Wunsch vom Bistum Trier im Rahmen eines Gestellungsvertrags abgeordnet. Dem Voraus ging ein Aufruf der Caritas um Mithilfe. Die Situation im Wohnheim verschärfte sich, da Mitarbeitende sowie Bewohnerinnen und Bewohner an dem Virus erkrankten. Vier Bewohner verstarben (Stand 24. April).

Wie kam es zu Ihrem Engagement?

Als ich am 24. März den Aufruf der Caritas in den sozialen Netzwerken las, war für mich klar: Da muss ich helfen. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. Ich finde, nur Beten alleine hilft nicht immer; schon gar nicht, wenn einer Einrichtung, wo es um Menschen und zurzeit auch um deren Leben geht, der Kollaps droht. Am nächsten Morgen teilte ich also meinen Wunsch bei der Caritas einzusteigen dem Leiter der Fachstelle, Tobias Theobald, mit. Wir haben zwar tolle Aktionen ins Leben gerufen, aber das gewohnte Arbeitsaufkommen ist natürlich derzeit nicht vorhanden.

Und wie ging es dann weiter?

Herr Theobald befürwortete meinen Einsatz und fragte um Genehmigung beim Bischöflichen Generalvikariat. Dann hieß es für mich warten, wie das Bistum entscheidet. Nach einer Prüfungsdauer von rund einer Woche und dem Engagement von Seiten der Caritasdirektorin Martina Best-Liesenfeld und Weihbischof Franz Josef Gebert wurde ich zum 6. April abgeordnet.

Was heißt das nun genau?

Mein normaler Beschäftigungsumfang von 100 Prozent teilt sich nun durch zwei. Das heißt, ich arbeite zu 50 Prozent im Haus Eulenhorst und die restlichen Stunden gehe ich meiner Verwaltungstätigkeit für die FachstellePlus nach. Das gilt nun erst einmal bis zum 30. Juni.

Sie haben selbst zehn Jahre in der Altenpflege gearbeitet.

Genau, daher ist mir die Not bewusst. Ich weiß was Pflegekräften abverlangt wird. Noch heute bewundere ich Menschen, die diese Arbeit länger durchhalten als ich.

Wie ist die Arbeit vor Ort?

Ich bin in der Gruppe „Schängel“ eingeteilt. Dort leben 15 Bewohnerinnen und Bewohner, die mich herzlich aufgenommen haben. Das Haus steht unter Quarantäne, da dort bereits mehrere Bewohnerinnen und Bewohner an dem Corona-Virus erkrankt und leider auch verstorben sind.

Haben Sie keine Angst, sich selbst anzustecken?

Ich fühle mich sicher, durch die gute zur Verfügung gestellte Schutzausrüstung. Das allgegenwärtige Corona-Virus rückt während meiner Arbeit irgendwie in den Hintergrund.

Wie erleben Sie die Situation im Haus?

Positiv überrascht war ich, dass neben der Pflege die Pädagogik eine große Rolle spielt. Hier steht der Mensch absolut im Vordergrund. Alles ist liebevoll und modern eingerichtet. Das Stammpersonal ist sehr kompetent und auch in diesen Zeiten sehr motiviert – das imponiert mir. Ich war und bin begeistert von dieser tollen Einrichtung.

Dazu arbeiten hier momentan viele Menschen auf freiwilliger Basis aus unterschiedlichen Berufsgruppen, darunter Physiotherapeuten, Erzieherinnen und Erzieher sowie Mitarbeiter aus den geschlossenen Rhein-Mosel-Werkstätten und sogar ein Schauspieler, der auch mal Altenpfleger war.

Und wie geht es den Bewohnerinnen und Bewohnern?

Ein Teil der Menschen die hier leben, arbeitet normalerweise in den Rhein-Mosel-Werkstätten oder besucht eine Tagesförderstätte. Sie sind unruhig und unsicher, müssen in ihren Zimmern bleiben, wissen die Situation nicht einzuordnen. Das Schlimmste für die Menschen, sie dürfen ihre Verwandten und Freunde nicht sehen. Dazu vermissen sie ihren gewohnten Alltag. Sie trauern zudem um die Menschen, die leider gestorben sind.

Trotzdem: Das Stammpersonal und die Freiwilligen geben ihr Bestes, den Bewohnern schöne Tage zu gestalten.

Wie wird es für Sie weitergehen?

Schon jetzt weiß ich, dass ich auch nach Corona dieser Einrichtung, ehrenamtlich erhalten bleibe.

Und ich bin dankbar für die große Solidarität in unserem Land. Ich hoffe, dass sie auch nach der Krise anhält. Und auch dem Bistum Trier möchte ich Danke sagen, dass die Abordnung geklappt hat.

Aktuelle Informationen zum Umgang mit dem Corona-Virus gibt es über den Kurzlink: t1p.de/bistum-tr-corona

Die Voraussetzung für eine Abordnung bzw. einen Gestellungsvertrag: Der Trierer Generalvikar Dr. Ulrich Graf von Plettenberg hatte in einer Dienstanweisung die Möglichkeit der Arbeitsbefreiung für Mitarbeitende eröffnet, die sich im Rahmen des Katastrophenschutzes und ähnlichen Anlässen einsetzen möchten. Frau Ebert fiel allerdings nicht unter diese, in der Kirchlichen Arbeits- und Vergütungsordnung (KAVO) vorgesehenen Regelungen. Daher kam es zu einer Einzelfallregelung, die aufgrund der Pandemie-Notlage und der besonderen Qualifikation von Frau Ebert getroffen wurde. Dies wurde ermöglicht durch die Absprache mit dem Generalvikar, der Leitung des Caritasverbands Koblenz, den zuständigen Fachabteilungen im Bischöflichen Generalvikariat sowie dem Vorgesetzten von Frau Ebert.

Weiteres:

News Details