Brasilianische Schwester zu Gast in Trier :Blühende Hoffnung für die Armen der Amazonas-Metropole Manaus

Trier/Koblenz/Saarbrücken – Schwester Elis dos Santos aus der brasilianischen Millionen-Metropole Manaus ist das beste Beispiel dafür, wie man mit viel Engagement, einer guten Idee und gesundem Gottvertrauen für die Menschen in der eigenen Umgebung viel bewirken und verändern kann. Anfang Dezember hat sie das Bistum Trier besucht und von ihrer Arbeit in der Casa Amazônica erzählt, die vom Katholischen Hilfswerk Adveniat unterstützt wird – und damit auch von vielen Spenderinnen und Spendern aus dem Bistum Trier. Bei ihrem Deutschlandbesuch, der sie auch in die Bistümer Mainz und Münster führt, wird sie begleitet von Adveniat-Referentin Franziska Quevedo und in Trier von Weltkirche-Referentin Katharina Nilles.
Gemeinsam mit drei weiteren Schwestern vom Orden der Heiligen Vorhersehung leitet Schwester Elis im Viertel Zumbi dos Palmares am Stadtrand von Manaus ein Nachbarschaftsprojekt, das auf den Ideen der so genannten Sozialwirtschaft von Papst Franziskus beruht – also einer ökologisch nachhaltigen, solidarischen Wirtschaftsform. Die Idee, dass die Welt das gemeinsame „Haus“ aller Menschen ist, hat Schwester Elis und ihre Mitschwestern inspiriert, verschiedene Projekte ins Leben zu rufen, erzählt sie. Das „Amazonas-Haus“ ist daher kein Gebäude, sondern eine Idee. Herzstück ist ein großes verwildertes Grundstück, das ihnen das Bistum zur Verfügung gestellt hat und das sie mit inzwischen rund 60 Freiwilligen in einen blühenden Garten verwandelt, in dem Obst, Gemüse und Kräuter angebaut werden. Größtenteils besteht Zumbi dos Palmares aus Ziegelsteinbauten und asphaltierten Straßen, doch in einer Senke leben die Ärmsten in schiefen Holzhäusern auf Stelzen. Darunter fließt stinkendes, fauliges Wasser und es wimmelt nur so von Moskitos. Das Viertel wird von einer Drogengang beherrscht. Die Großstadt mache einsam, jeder schlage sich irgendwie durch. Hinzu komme die Umweltzerstörung: Gerade in einer Stadt mitten im Amazonasgebiet gibt es kaum Grünflächen und Natur. „Ich will mit den Menschen sprechen, ihnen Hoffnung und eine Perspektive geben. Und vor allem, einen Ort, wo sie sich begegnen und eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben können“, sagt Schwester Elis.
„Ein Kind der Befreiungstheologie"
Vielleicht gibt es niemanden, der besser geeignet wäre, um diese Ideen in Zumbi dos Palmares zu verwirklichen, als die eloquente, sympathische Schwester. Das Viertel ist Mitte der Neunzigerjahre entstanden. Arme und landlose Menschen hatten hier ein Stück Land besetzt. Zu den Anführerinnen gehörte die Mutter von Schwester Elis. „Damals herrschte ein revolutionärer Geist unter den Menschen“, sagt sie. „Ich möchte ihn wiederbeleben, ich bin ein Kind der Befreiungstheologie.“ In Trier steht daher neben Schulbesuchen und einem Vortragsabend noch ein privater Wunschtermin auf ihrer Liste: „Ich möchte unbedingt das Karl-Marx-Haus besuchen. Die Kirche in Lateinamerika ist auch von Ideen von gleicher Verteilung, von Gerechtigkeit für alle geprägt worden, die Karl Marx in seinen Theorien dargelegt hat. Deshalb interessiert mich das sehr.“
Sie selbst gehört dem indigenen Volk der Mura an und hat einen Masterstudiengang in Sozialanthropologie absolviert. Das Gemüse und Obst aus dem Gemeinschaftsgarten dürfen die – meist weiblichen – Freiwilligen selbst behalten und die Überschüsse auf dem lokalen Markt verkaufen. Aus den Kräutern wiederum stellen sie fachkundig alternative Medizinprodukte her. Einige Frauen bieten Beratung, Massagen und Naturheilmittel an. Die Nachfrage sei groß, da das staatliche Gesundheitssystem oft überfordert ist.
Doch das Amazonas-Haus strahlt noch weiter aus: Eine Gruppe von Frauen stellt Seifen aus recyceltem Fett her, das von den Anwohnern gesammelt wird. Sie werden lokal verkauft, was ein kleines Einkommen generiert und den Gemeinschaftssinn stärkt. Gemeinsam mit dem Erzbistum haben sie außerdem einen Recyclinghof für Müll aufgebaut. Der kommt von Kirchengemeinden und Supermärkten. Vor allem die Kinder sammelten und trennten den Müll sehr engagiert, sagt Schwester Elis. Das mache ihr Mut. Sie und ihre Mitschwestern bringen zudem Erzieherinnen einer Kita und anderen Multiplikatoren bei, wie sie Küchenabfälle richtig kompostieren, sodass gesunde Erde zum Anpflanzen eigener kleiner Gärten entsteht. Schwester Elis weiß, dass sie nicht die Welt verändern kann. „Aber ich bin wirklich glücklich, wenn ich sehe, dass wir mit Gottes Hilfe für einige Menschen etwas bewegen können.“
Mehr Informationen zur Weihnachtsaktion von Adveniat gibt es unter: www.adveniat.de.