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André Themoteo bringt eine internationale Perspektive ins Klimaschutzmanagement des Bistums Trier:„Brasilien hat das Potenzial und die Fähigkeit, Klimaschutz und Entwicklung zu vereinen“

Seit Juli arbeitet André Themoteo im Klimaschutzmanagement des Bistums Trier – und bringt dabei nicht nur Fachwissen, sondern auch internationale Erfahrung mit.
Datum:
10. Okt. 2025
Von:
Stefan Schneider

Trier – Wenn André Themoteo über seine Heimat Brasilien spricht, wird schnell deutlich: Der Energieingenieur verbindet technologische Expertise mit einem tiefen Bewusstsein für ökologische und soziale Zusammenhänge. Seit Juli arbeitet er im Klimaschutzmanagement des Bistums Trier – und bringt dabei nicht nur Fachwissen, sondern auch internationale Erfahrung mit. „Ich wollte meine berufliche Erfahrung in einem Umfeld einbringen, das Klimaschutz nicht nur technisch, sondern auch ethisch versteht“, sagt Themoteo. „Die Anzeige des Bistums Trier hat mich sofort angesprochen – ich habe gespürt, dass hier etwas bewegt wird.“

Themoteo stammt aus São Paulo, einer der größten Metropolen Südamerikas. Als Energieingenieur mit einem Master in Energie und einem MBA in Wirtschaft und Projektmanagement war er in Brasilien unter anderem für den nationalen Windenergieverband tätig. Dort setzte er sich für grüne Technologien wie Windkraft, Wasserstoff und Batteriespeicher ein, leitete Workshops und veröffentlichte Fachliteratur zu erneuerbaren Energien. „Ich habe mich immer gefragt, wie wir Technologie nutzen können, um die Welt gerechter und nachhaltiger zu gestalten“, erzählt er. Ein Teil seines Studiums führte ihn bereits zwischen 2013 und 2015 nach Köln. „Deutschland war für mich immer eine zweite Heimat – ich habe hier nicht nur studiert, sondern auch gelernt, wie konsequent Umweltpolitik gestaltet werden kann.“

Seit Sommer lebt er mit seiner Frau und der kleinen Tochter in Trier. Besonders beeindruckt zeigt sich Themoteo vom Engagement der Kirche: „Das Bistum Trier nimmt Klimaschutz ernst. Das ist in Brasilien leider nicht selbstverständlich“, betont er. „Hier wird Umweltschutz als spirituelle und ethische Verantwortung verstanden. Das ist ein starkes Zeichen – und ein Vorbild.“

Brasilien spielt eine Schlüsselrolle im globalen Klimaschutz. Mit über 85 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen – vor allem Wasserkraft, Wind und Solar – ist das Land ein Vorreiter. Gleichzeitig steht es vor großen Herausforderungen: Die Abholzung des Amazonas, wirtschaftliche Interessen der Agrar- und Rohstoffindustrie sowie soziale Ungleichheiten erschweren eine nachhaltige Entwicklung. „Es gibt einen Konflikt zwischen Umwelt- und Entwicklungsinteressen“, erklärt Themoteo. „Aber ich glaube, dass technologische Entwicklung und Umweltschutz sich nicht ausschließen müssen. Brasilien hat das Potenzial und die Fähigkeit, beides zu vereinen – wenn wir den Mut haben, langfristig zu denken.“

Besonders wichtig sind ihm die Stimmen indigener Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur leben. „Ihr Wissen ist wertvoll – nicht nur für Brasilien, sondern für die ganze Welt“, betont er. Doch auch sie sind bedroht durch Landraub, illegale Rohstoffförderung und politische Interessen. Themoteo sieht hier einen Wandel im Bewusstsein, aber auch großen Handlungsbedarf.

Mit Blick auf die bevorstehende UN-Klimakonferenz COP30, die vom 10. bis 21. November in Belém stattfindet, hofft Themoteo auf konkrete und verbindliche Maßnahmen. „Ein Erfolg wäre für mich, wenn konkrete, verbindliche Ziele beschlossen werden – nicht nur Absichtserklärungen. Wir brauchen Taten“, sagt er. Und fügt hinzu: „Entweder wir handeln jetzt – oder es wird zu spät sein. Für uns und für unsere Kinder.“

 

Info

Das Bistum Trier engagiert sich mit verschiedenen Einrichtungen seit vielen Jahren in seiner Schöpfungsverantwortung für den Umwelt- und Klimaschutz. Nähere Informationen unter www.umwelt.bistum-trier.de/.