Zwei neue Honorarprofessoren an der Theologischen Fakultät Trier:Dogmatik trifft Interreligiöse Studien

Trier – In diesem Semester kann die Theologische Fakultät Trier zwei neue Honorarprofessoren willkommen heißen: Ende Mai fand in der Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars der feierliche Festakt zur Ernennung von Rabbiner PD Dr. Jehoschua Ahrens zum Honorarprofessor für Abrahamitische Religionen sowie von Direktor Prof. Dr. Dr. Jean Ehret zum Honorarprofessor für Dogmatik und Dogmengeschichte statt.
In seiner Begrüßungsrede wies der Rektor der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Walter Andreas Euler, darauf hin, dass der Begriff „Honorarprofessor" irreführend wirken könne. Trotz des enthaltenen Wortes „Honorar" sei ein solches keineswegs Bestandteil des Amtes. Vielmehr, so Euler unter Verweis auf die Statuten der Theologischen Fakultät Trier, berechtigt der Titel zur „selbstverantwortlicher Forschung und Lehre in einem bestimmten Fachgebiet". Umso mehr sei es eine Freude, beide als Dozierende willkommen zu heißen. Ehret hielt bereits in diesem Sommersemsester eine Vorlesung zur Vertiefung des Bereiches der Dogmatik und Rabbiner Ahrens wird im Wintersemester 2026/27 ein Seminar im Masterstudiengang Interreligiöse Studien anbieten.
Im Rahmen der Veranstaltung hielten beide Honorarprofessoren Kurzvorträgen zu einem gemeinsam gewählten Thema: „Christologie als Herausforderung im christlich-jüdischen Gespräch“, das sie aus verschiedenen Perspektiven in den Blick nahmen.
Ahrens führte das Publikum durch Jahrhunderte jüdischen Denkens über Jesus und die Christologie. Als Leitfaden diente ihm dabei ein Zitat des Religionswissenschaftlers Schalom Ben-Chorin, welcher sich für den jüdisch-christlichen Dialog einsetzte: „Der Glaube Jesu eint uns, der Glaube an Jesus trennt uns.“
Fundamental für den Dialog zwischen Christen und Juden
Ehret beschäftigte sich in seinem Vortrag mit liturgischen Wendungen im Gloria und dem Hochgebet, in dem der Vater als „König des Himmels“ oder Jesus als „Lamm Gottes“ bezeichnet wird. Bei aller Christologie dürfe nicht vergessen werden, dass „diese Sprache Motive aus der Heiligen Schrift der Juden aufgreift, sie transformiert und appropriiert. Hier entsteht die Provokation für den, der aus dem Tanakh lebt und Gottes Bund so treu ist“, so Ehret. Die Christologie sei fundamental für den Dialog zwischen Christen und Juden, denn der Bezug zur Person Jesus von Nazareth betrifft beide Religionen.
Auch Ehret betrachtete die historische Dimension und beleuchtete die Schattenseiten der jüdisch-christlichen Beziehung der vergangenen Jahrhunderte. Er machte sich anschließend stark, diese Beziehungen in der Gegenwart und Zukunft zum Positiven zu wenden. Besonders in der Dogmatik müsse man sich bewusst machen, dass Jesus Jude war und in diesem Glauben aufgewachsen ist.
Im Anschluss gingen die Honorarprofessoren nicht nur auf die Vorträge des jeweils anderen ein, sondern führten vielmehr einen theologischen Dialog, in dem beide ihre Ansätze würdigten und neben Unterschieden vor allem Gemeinsamkeiten herausstellten.
Zum Abschluss verlieh Bischof Dr. Stephan Ackermann Rabbiner PD Dr. Jehoshua Ahrens und Prof. Dr. Dr. Jean Ehret die Ernennungsurkunden.
Im Anschluss an die Veranstaltung gab es die Möglichkeit, den beiden Honorarprofessoren zu gratulieren. Die Feier wurde musikalisch umrahmt durch den Pianisten Daniel Lang, der am Konservatorium der Stadt Luxemburg tätig ist und dem Gesang von Amnon Seelig, Kantor der jüdischen Gemeinde Mannheim.
Hintergrund Theologische Fakultät TrierNeuer Untertitel
Am 5. Juni 1950 wurde die Theologische Fakultät Trier durch eine Urkunde von Papst Pius XII. als kirchliche Hochschule päpstlichen Rechts am Bischöflichen Priesterseminar Trier errichtet. Es folgten am 22. August ein Erlass des Landes Rheinland-Pfalz, der die Fakultät als Hochschule mit allen akademischen Rechten anerkannte – und am 30. September die feierliche Eröffnung. Weitere Informationen zum Studienangebot der Theologischen Fakultät Trier gibt es auf www.theologie-trier.de.