Koblenzerin leitet TelefonSeelsorge Mittelrhein :Ein offenes Ohr für Menschen in Krisen

Koblenz – „Zuhören ist komplexer, als man denkt“, berichtet Katharina Bell. Seit fast zehn Monaten arbeitet sie als katholische hauptamtliche Fachkraft bei der ökumenischen TelefonSeelsorge Mittelrhein. „Man neigt dazu, Tipps und Ratschläge zu geben.“ Doch genau darum geht es beim Angebot der TelefonSeelsorge nicht, die rund um die Uhr erreichbar ist. „Anstelle von Ratschlägen können gezielte Fragen helfen, die den Personen Perspektiven eröffnen oder eigene Lösungswege aufzeigen“, berichtet die 46-jährige Koblenzerin. Um gut auf diesen wertvollen Dienst vorbereitet zu sein, absolvieren die Ehrenamtlichen, die diesen Dienst tragen, vor ihrem ersten Einsatz eine professionelle Ausbildung.
Um die Erreichbarkeit der Hotline 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche sicherzustellen, engagieren sich derzeit rund 70 Ehrenamtliche in Koblenz. Für den Dienst am Telefon sowie in der E-Mail-Beratung werden regelmäßig neue Interessierte gesucht. Vor dem ersten Einsatz steht eine etwa 120-stündige, professionelle und kostenfreie Ausbildung, die sich über ein Jahr erstreckt. „Hier erlernt man unter anderem Gesprächsführung und Kommunikationsstrategien, um am Telefon seelsorglich agieren zu können.“
Voraussetzungen für das Ehrenamt sind Stabilität und Belastbarkeit, eine einfühlsame Zugewandtheit, ein humanistisches Denken, Zeit für etwa 120 Dienststunden im Jahr sowie Offenheit gegenüber anderen Lebenswelten als der eigenen. Auch das Interesse an persönlicher Weiterentwicklung und die Bereitschaft, das eigene Handeln zu reflektieren, seien wichtig. „Wir begleiten unsere Ehrenamtlichen auch nach dem erfolgreichen Ausbildungsabschluss in Form von Fortbildungen und monatlichen Supervisionstreffen“, erklärt die Sozialpädagogin, die über einen Masterabschluss in Beratungs- und Sozialrecht sowie weitere Zusatzqualifikationen verfügt.
Ein besonderes Ehrenamt
Das Besondere an diesem Ehrenamt seien nicht nur die unterschiedlichen Schichten, die auch nachts und an Wochenenden stattfinden, sondern auch die Anonymität: Die Ehrenamtlichen bleiben ebenso anonym wie die Anrufenden, die ihren Namen nicht nennen müssen. Beide Seiten schätzten diesen geschützten Rahmen. „Sie möchten einfach mal mit jemandem reden, der sie nicht kennt“, weiß Bell aus den Rückmeldungen der Ehrenamtlichen und aus ihren eigenen Diensten. „Am Telefon spielt es keine Rolle für andere Menschen deren Probleme zu lösen, sondern einen Raum zu schaffen, in welchem jemand seine Gedanken und Gefühle aussprechen kann und sich damit nicht allein fühlt“, betont die Mutter von zwei Kindern im Teenageralter. „Wir bieten den Anrufenden einen Perspektivwechsel an, versuchen mit ihnen nach wertvollen Aspekten für die Gegenwart und Zukunft Ausschau zu halten.“
Ein Engagement, das verbindet
„Dieses Ehrenamt ist eine wertvolle Aufgabe, die oft über Jahre mit viel Herzblut ausgeübt wird“, betont Bell, die zuvor beim Migrationsdienst des Caritasverbands Koblenz e.V. gearbeitet hat. „Es herrscht ein guter Zusammenhalt in der Gemeinschaft der Ehrenamtlichen.“ Die Verbindung zur TelefonSeelsorge bleibe für viele auch nach dem aktiven Dienst ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. „Daher gibt es den Freundeskreis der TelefonSeelsorge Mittelrhein. Hier treffen sich Ehemalige viermal im Jahr zum Austausch über aktuelle Themen“, erklärt Bell. Die Veranstaltungen werden gemeinsam mit dem Verein TelefonSeelsorge Mittelrhein organisiert. Dieser ist neben dem Bistum Trier und dem Evangelischen Kirchenkreis Koblenz Träger der Einrichtung, die beiden Kirchen stellen jeweils eine hauptamtliche Kraft. Die Stelle auf evangelischer Seite befindet sich gerade in der Ausschreibung. Im kommenden Jahr treten zehn neue Ehrenamtliche ihren Dienst an; der nächste Ausbildungskurs ist für das Frühjahr 2027 geplant.
Die kostenfreie Telefonnummer kann von jeder Person genutzt werden – unabhängig von Religionszugehörigkeit, Geschlecht oder Herkunft.
Weitere Informationen gibt es auf www.telefonseelsorge-mittelrhein.de.