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Ausstellung „Biblische Geschichten jenseits von Zeit und Raum“ von Olena Chelnokova bis 28.Juni im welt:raum:Eintauchen in andere Dimensionen

Die Ausstellung „Biblische Geschichten jenseits von Zeit und Raum“ der ukrainischen Künstlerin Olena Chelnokova, die noch bis zum 28. Juni im welt:raum in Saarbrücken zu sehen ist, ist weit mehr als eine Schau religiös inspirierter Kunst.
Eine Frau hält eins der von ihr gemalten Bilder in der Hand, weitere hängen im Hintergrund an der Wand.
Datum:
10. Juni 2025
Von:
Ute Kirch
'Es gibt nur ein Problem in der Welt..-wie man der Menschheit wieder etwas geistige Nahrung geben kann, um den Geist zu wecken.' So nennt Olena Chelnokova dieses Gemälde.

Saarbrücken – Auf den ersten Blick wirken die Gemälde wie moderne Interpretationen biblischer Szenen: Werke zur Schöpfungsgeschichte, die Muttergottes oder die Offenbarung. Doch bei näherem Hinsehen wird klar: Die Ausstellung „Biblische Geschichten jenseits von Zeit und Raum“ der ukrainischen Künstlerin Olena Chelnokova, die noch bis zum 28. Juni im welt:raum in Saarbrücken zu sehen ist, ist weit mehr als eine Schau religiös inspirierter Kunst: Es ist ein philosophischer Grenzgang, der Konventionen auflöst und neue Räume öffnet – zwischen Erinnerung und Vision, zwischen einer Welt und vielen möglichen. 

„Die Welt hat sich verändert und wir verändern uns mit ihr. Der Krieg gegen mein Land zwang mich, die Realität anders zu betrachten und etablierte Vorstellungen über Zeit, Wahl und die menschliche Natur in Frage zu stellen. Es ist, als lebten wir an der Schnittstelle verschiedener Welten, wo Vergangenheit und Gegenwart sich überschneiden und die Zukunft ungewiss bleibt“, sagt die 69-Jährige, die im März 2022 aus Kiew ins Saarland floh. Der Kriegsausbruch habe sie persönlich, aber auch ihre Kunst verändert. „Es ist, als wäre ich in tausend Teile zerbrochen, die ich nun wieder zusammensetze“, sagt sie. Malte sie vor dem Krieg farbenfrohe Märchenmotive, seien ihre Gemälde nun politischer, in dunkleren Farbetönen gehalten. Sie malt in einer Mischtechnik aus Acryl, Aquarell und Relief-Farbe. So handelt die Ausstellung auch von einem Verlust der Orientierung und von dem Versuch, sich neu zurechtzufinden in einer Welt, in der alte Sicherheiten zerbrochen sind. 

Chelnokovas Kunst basiert auf dem Konzept des Multiversums, das auf die Existenz vieler paralleler Welten oder Universen hindeutet, die alle gleichzeitig existieren könnten. Figuren oder Tiere in den 24 Gemälden werden aus verschiedenen Perspektiven gezeichnet und weisen so auf die Parallelwelten hin. In diesen Welten gibt es keine lineare Chronologie. „Ich habe diese Werke geschaffen, als würde ich in eine andere Dimension eintauchen – wo die Geschichte nicht linear verläuft, sondern pulsiert, sich schichtet und in Symbolen auflöst“, sagt sie. Das Bild „Exodus“ zeigt Figuren im Übergang – von der alten in die neue Welt. Ihre Heiligenscheine verweisen auf Moses, aber auch auf moderne Geflüchtete, die eine Welt verlassen und eine andere betreten. Es spiegelt also auch ihre persönliche Fluchtgeschichte. „Was vor tausenden Jahren passiert ist, passiert aktuell weltweit wieder. Es scheint so, als ändere sich die Menschheit nicht“, sagt Chelnokova. Ihre Bilder sollen auch Aufforderung an den Betrachter sein, sich immer wieder neu mit den Fragen auseinanderzusetzen: Wer bin ich? Woher komme ich? Was ist das Böse? Was ist das Licht? Wo stehe ich zwischen beiden?

Ihre Bilder spielen mit Licht und Schatten, zeigen neben Menschen auch häufig Tiere. Insbesondere der Stier zieht sich durch viele ihrer Gemälde. „Stiere symbolisieren Opferbereitschaft“, erklärt sie. Sie stehen für Isaak, Jesus, aber auch für einen Soldaten, der für ein Ideal stirbt. Für Chelnokova symbolisieren sie die ukrainischen Soldaten, die ihre Heimat verteidigen. Ihre Gemälde sollen keinen Pessimismus verbreiten, betont sie. Sie selbst glaube fest an ein gutes Ende: „Das Gute wird gewinnen. Die Ukraine wird in Zukunft das beste Land der Welt sein.“ 

Info:

„Biblische Geschichten jenseits von Zeit und Raum“ – Gemälde von Olena Chelnokova,
bis 28. Juni im welt:raum, Kath. Kirch-Str.5, 66111 Saarbrücken;
Öffnungszeiten: Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr.