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Ehrenamtliche Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger im Bistum Trier treffen sich:Erste Hilfe für die Seele  

Auf ihrer Tagung in Trier haben sich die ehrenamtlichen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger mit dem Thema „Suizid – wenn die Welt zerbricht“ beschäftigt.
Daniela Standard leitete die Tagung
Datum:
2. Okt. 2025
Von:
Simone Bastreri

Trier – Sie leisten „erste Hilfe für die Seele“: Die ehrenamtlichen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger im Bistum Trier. Sie werden hinzugerufen bei Bränden, schlimmen Unfällen, Großschadenslagen wie Amokläufen, aber auch wenn Menschen mit dem Tod eines Familienmitglieds oder Freunds überfordert und alleingelassen sind. Auf ihrer Tagung Ende September in Trier haben sich die engagierten Frauen und Männer nun mit dem besonders herausfordernden Thema „Suizid – wenn die Welt zerbricht“ beschäftigt. 64 Personen tauschten sich in Workshops und bei einem Impulsreferat dazu aus, wie die Begleitung von Angehörigen am besten gelingen kann, wie sie selbst mit den Einsätzen umgehen können und welche Werkzeuge sie in diesen intensiven Situationen benötigen.   

Angehörige nach Suiziden begleiten ist anspruchsvolle Aufgabe 

Tagungsleiterin Daniela Standard, 61, ist selbst seit 19 Jahren als Notfallseelsorgerin ehrenamtlich unterwegs. „Wir merken, dass die Fälle von Suiziden in den letzten Jahren steigen. Das erklärt auch das große Interesse an der Tagung – wir hatten gar nicht mit so vielen Teilnehmenden gerechnet. Die Fälle, zu denen wir gerufen werden, sind natürlich individuell und es ist jedes Mal schwierig, eine Todesnachricht zu überbringen. Doch es gibt schon Unterschiede, wenn Menschen nach Krankheit in ihrem Bett versterben oder durch einen unverschuldeten Unfall, oder ob Gewalt im Spiel ist – entweder durch andere oder gegen sich selbst“, erklärt Standard, die seit April auch hauptamtlich als Referentin für Notfallseelsorge im Bischöflichen Generalvikariat Trier arbeitet. Besonders tragisch sei es, wenn Angehörige den Toten selbst auffinden. Oft stünden die Menschen regelrecht neben sich, seien völlig betäubt. Zur Frage nach dem „Warum“ mischten sich häufig Schuldgefühle, manchmal auch Scham, weil es ein Tabuthema sei. Immerhin durften „Selbstmörder“ (wie sie früher betitelt wurden) bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nicht auf geweihter Erde begraben werden, weil auch die Gewalt gegen sich selbst als Sünde galt. „Früher haben Seelsorgende eher versucht, die Schuldfrage auszureden. Das wird heute nicht mehr gemacht, man lässt die Gefühle so stehen. Es kommt darauf an, einfach präsent zu sein und aktiv zuzuhören, auch mal Stille mit auszuhalten“, beschreibt Standard die Veränderungen im Ehrenamt der katholischen und evangelischen Notfallseelsorger. „Es ist wichtig, dass die Leute überhaupt Gefühle zulassen, ob Trauer oder Wut. Auch auf den lieben Gott als ‚Gegenüber‘ wütend zu sein, ist völlig in Ordnung. So spüren sich die Angehörigen und isolieren sich nicht völlig. Das ist eine Schutzfunktion des Körpers – Gefühle dürfen alle ihren Platz haben und wir werten nicht.“  

Kraft für das anspruchsvolle Ehrenamt kommt auch aus dem Glauben 

Blick ins Plenum

Auch kämen sie und ihre Teamkollegen nicht „fromm daher“ oder versuchten gar, zu missionieren, betont Standard. „Wir schauen, was die Leute brauchen. Ich sage immer: Wir tragen unser Kreuz nicht auf der Stirn, aber wir haben es im Rücken. Wir ziehen unsere Kraft für diese Aufgabe auch aus dem Glauben.“ So kommen ihre Kolleginnen und Kollegen aus allen möglichen Berufszweigen. Ob Pädagoginnen, Erzieher, Uniprofessoren oder Versicherungsmitarbeiter: Wer die rund 100-stündige Ausbildung absolviert plus 15 Stunden Seelsorge-Unterricht hatte, kann das anspruchsvolle Ehrenamt ausüben. „Es gibt die Voraussetzung, dass man Mitglied der katholischen oder evangelischen Kirche ist, psychisch stabil ist und natürlich mobil sein muss“, sagt Standard. Ihr Team im Kreis Trier-Saarburg hatte beispielsweise 120 Einsätze im Jahr 2024. Auf der Tagung beschäftigten sich die Ehrenamtlichen in Workshops mit dem heiklen Thema Suizid. Pfarrer und Notfallseelsorger Andreas Burg stellte in seinem Impulsvortrag 28 Punkte vor, wie Suizid von den Hinterbliebenen verarbeitet wird. Axel Lambertz von AGUS leitet Selbsthilfegruppen zum Thema und gab in seinem Workshop Tipps zu „Dos und Dont’s“ im Umgang. „Was etwa nicht geht sind Floskeln, keine vorschnellen Erklärungen, keine Schuldzuweisungen“, so Standard. Einen weiteren Workshop hielt Sandra Paulke von der Telefonseelsorge Trier. Die Telefonseelsorge ist eines der Angebote, die präventiv gegen suizidale Gedanken wirken können, aber auch Angehörige nach dem Verlust offenstehen. 

Daniela Standard und ihre Kolleginnen Gabriele Centurioni und Beate von Wiecki-Wirtz vom Vorbereitungsteam der Tagung sind zufrieden mit den Rückmeldungen. Für die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger seien solche Studientage eine Möglichkeit, sich auszutauschen und für sich selbst nochmal klar zu werden, wie sie in die Einsätze gehen und wie sie sich selbst auch emotional schützen können. „Wir sind die erste Hilfe für die Seele“, sagt Notfallseelsorgerin Standard. „Wir kommen, um das soziale Netz zu aktivieren, da zu sein, weiterführende Angebote vorzuschlagen in Situationen der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Wir sind ein Geländer, an dem man sich kurzfristig festhalten kann, bevor dann wieder die Selbstheilungskräfte zu wirken beginnen.“ 

Wer sich für die Ausbildung zur Notfallseelsorgerin oder zum Notfallseelsorger interessiert, kann sich an Daniela Standard wenden: daniela.standard@bistum-trier.de.  

 

Podcast vom 27. Januar 2025