Bischof Ackermann würdigt Märtyrerbischof – Verbindung ins estnische Tallinn :Gedenkgottesdienst für den neuen Seligen Eduard Profittlich

Leimersdorf/Tallinn – Was ein Mensch empfindet, der ahnt, dass er eine Entscheidung über Leben und Tod getroffen hat: Diese Frage hat Bischof Dr. Stephan Ackermann im Gedenkgottesdienst für den Seligen Märtyrerbischof Eduard Profittlich (1890-1942) am 21. Februar in Leimersdorf bedacht. Profittlich lebte, wirkte und starb ab 1930 im estnischen Tallinn und starb in einem sowjetischen Gefängnis. Geboren ist er in Birresdorf (heute Grafschaft); getauft wurde er in der Kirche St. Stephanus in Leimersdorf, wo auch der Gottesdienst stattfand. Seine Seligsprechung feierten Gläubige aus Estland und Deutschland am 6. September 2025 in Tallinn. Am Gedenkgottesdienst nahmen zahlreiche Verwandte des Seligen Eduard Profittlich teil.
Ackermann bezog sich auf einen Brief Profittlichs, den er vor seiner Verhaftung an seine Familie schrieb. Da die genauen Umstände des Todes von Eduard Profittlich unbekannt sind und keine körperlichen Überreste existieren, ist der Brief das letzte Vermächtnis, das er hinterlassen hat. In seiner deutschen Muttersprache schildert Profittlich darin, was ihm „auf dem Herzen liegt“. Es sind sehr persönliche Worte an seine Familie, aus denen die Überzeugung spricht, an der Seite der Menschen in Estland zu bleiben und nicht vor der drohenden Verhaftung zu fliehen.
Ein Brief – eine Ikone

Bischof Ackermann bekannte, für ihn sei der bewegendste Moment der Seligsprechung gewesen, als der Brief von einer Verwandten Profittlichs zum Altar gebracht und der Diözese Tallinn als Geschenk der Familie übergeben wurde. Ackermann sagte, der Brief sei mit einer Reliquie vergleichbar – oder noch mehr mit einer Ikone; er sei „Bild der Persönlichkeit“ des neuen Seligen. Aus dem Brief spreche einerseits eine Klarheit und Nüchternheit und gleichzeitig eine „Leichtigkeit aus dem Glauben heraus, wenn jemand die passende Form für sein Leben gefunden hat“.
Bischof Ackermann zitierte den vietnamesischen Kardinal Van Thuan (1928-2002), der selbst lange inhaftiert war, das Erbe der Märtyrer sei „nicht Heldentum, sondern Treue“ – diesem Satz hätte Eduard Profittlich sicher auch zugestimmt. Auch wenn das Böse äußerlich gesiegt und Profittlich sein Leben verloren habe, hätten die „ungerechten Peiniger“ ihn doch nicht besiegt: „Eduard Profittlich konnte sein Geheimnis mit Gott bewahren; es wurde nicht angetastet und geraubt.“ Sein Beispiel erinnere daran, dass Jesus „uns mit seiner Botschaft mitten in diese Welt und Zeitstunde“ stelle. Dabei gehe es nicht immer um Leben oder Tod, sondern „um die Treue zu Jesus und seiner Botschaft – sie im Alltag zu leben, kann auch mitunter schwer sein“.
Verbindung von Ortskirchen über weite geografische Distanz

Ackermann betonte, die Seligsprechung in der estnischen Diözese habe das Zeugnis Profittlichs auch im Bistum Trier neu ins Bewusstsein gebracht. Dies sei ein starkes Beispiel für den „Austausch der Gaben in der Gemeinschaft der Kirche: Der Selige Eduard verbindet mit seinem Zeugnis Ortskirchen, die geografisch weit auseinanderliegen, aber zusammengehören“.
Beim Gottesdienst kamen zwei vom örtlichen Kirchenmusiker Heinrich Fuchs komponierte Stücke nach Zitaten des Seligen Eduard zur Aufführung; ebenso wurde der letzte Brief des Seligen vorgetragen. Bischof Ackermann nannte die Meditation des Briefes „sehr berührend und intensiv, um diese Ikone vor uns erstehen zu lassen“.
Neben dem emeritierten Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, sowie dem für den Visitationsbezirk Koblenz zuständigen Weihbischof Robert Brahm waren Konzelebranten Prälat Dr. Georg Holkenbrink, zuständig für die Selig- und Heiligsprechungsverfahren im Bistum Trier, der Regens der Seminars St. Lambert in Lantershofen, Dr. Volker Malburg, der Lantershofener Subregens Johannes Knoor und Spiritual Werner Knoor, Ortspfarrer Alexander Burg, Prälat Helmut Moll, der für die Deutsche Bischofskonferenz das sogenannte Martyrologium herausgegeben hat, der Dekan des Pastoralen Raums Sinzig Matthias Schmitz sowie Kooperator Robert Görres unter der Assistenz von Diakon Michael Hildenbrandt. Im Anschluss an den Gottesdienst war die Festgemeinde in den Dorfgemeinschaftshof nach Birresdorf, den Geburtsort Profittlichs, eingeladen.
Auf dem Weg zur Heiligkeit?
Zeitgleich fand in Tallinn eine Konferenz (Aufzeichnung unter https://www.youtube.com/@rooma-katolikukirik4804/streams) zum Thema „Der Selige Eduard Profittlich und die Heiligkeit“ statt, an der der Leiter der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier, Dr. Thorsten Hoffmann, teilnahm. Er sprach über die Rückkehr des Martyriums im 20. Jahrhundert und die erschreckende Aktualität des Themas bis in unsere Zeit. Dabei verwies Hoffmann immer wieder auf das Lebens- und Glaubenszeugnis des Seligen Eduard Profittlich und betonte den Stellenwert des Märtyrers sowohl für die katholische Kirche in Estland als auch in Polen und im Bistum Trier. Zu den weiteren Rednern gehörten der „Außenminister“ des Vatikans, Erzbischof Paul Richard Gallagher, der Nuntius für die baltischen Staaten, Erzbischof Georg Gänswein, und der Bischof von Tallinn, Philippe Jourdan. Tomasz Materna und Dr. Marge Paas aus Tallinn zeichneten sehr praktisch die Lebensgeschichte von Eduard Profittlich nach und wagten einen Ausblick auf eine mögliche Heiligsprechung.
Nach der Konferenz fand ein Gedenkgottesdienst in der Kathedrale von Tallinn statt. Dabei wurde eine kleine Kapelle in der Krypta der Kirche geweiht, die dem Seligen Eduard Profittlich gewidmet ist. Hoffmann resümierte nach dem Besuch in Tallinn: „Die Verbindungen zwischen Trier und Tallinn, die sich durch den Seligen Eduard Profittlich ergeben, werden weiter Früchte tragen und dabei helfen, Verbindungen zwischen Deutschland und Estland zu stärken.“