„Grenzenlos gedenken“ erinnert an Deportation von 513 jüdischen Menschen aus Luxemburg und Trier :Gegen das Vergessen in der Region

Trier – Vom 16. bis 18. Oktober 1941 brachte der Deportationszug „Da 3” 513 jüdische Kinder, Frauen und Männer aus der Großregion von Luxemburg über Trier in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz/Polen). Nur 14 von ihnen überlebten die von den Nationalsozialisten begangenen Gräuel gegen die Menschlichkeit. Bei einer Gedenkveranstaltung auf Einladung der „AG Grenzenlos gedenken” am 10. Oktober vor dem Eingang des Trierer Hauptbahnhofes erinnerten engagierte Bürger*innen an die Deportation.
Peter Szemere, Vorstand der Trierer Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V., dankte allen Beteiligten, insbesondere den Schüler*innen, die aktiv an der Veranstaltung mitgewirkt haben. Neben Szemere unterstrich der Trierer Nick Waters, gebürtiger Engländer und Nachfahre von geflohenen deutschen Juden, den hohen Stellenwert der Erinnerungskultur und sprach sich gegen Hass und Verbitterung aus. Unter den Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung war auch Dr. Katharina Lemberg-Lichterfeld aus Luxemburg. Seit Langem ist sie Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Geboren 1935, hat sie den Nationalsozialismus als Kind selbst miterlebt. Für sie ist klar: „Das Gedenken ist sehr, sehr wichtig, vor allem für junge Menschen. Sie müssen immer wieder an die Vergangenheit erinnert werden, denn sie kennen das ja nur aus Geschichtsbüchern.” Auf einer Reise nach Lodz habe sie Gedenkstätten besucht, die die Deportationen dokumentieren. „Die Befassung mit den katastrophalen Deportationen hat mich sehr betroffen gemacht. Ich wünsche mir sehr, dass die Erinnerung weiterhin gepflegt wird.”
Wanderausstellung „Kinder und Jugendliche im Deportationszug Da3”

Klara Goldbäcker, Lea Prinz und Katharina Herzog vom Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasium trugen die Biografien von drei deportierten jüdischen Kindern vor, und gaben so Einblick in die von Ralf Kotschka entwickelte Wanderausstellung „Kinder und Jugendliche im Deportationszug Da3”. Die Ausstellung, die jüngst um sechs Einträge ergänzt wurde, kann unentgeltlich etwa von Schulen ausgeliehen werden. Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde von einem Ensemble des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums unter der Leitung von Musiklehrerin Stefanie Lamberti. Die Veranstaltung schloss mit einem Gebet, das auf Hebräisch und Deutsch vorgetragen wurde.
In den kommenden Wochen gibt es weitere grenzübergreifende Gedenkveranstaltungen:
- 16. Oktober, 11 Uhr, Hauptbahnhof Luxemburg: Gedenkfeier zum 84. Jahrestag der Deportation in das Ghetto Litzmannstadt
- 19. Oktober, 10.45 Uhr, Remich: Gedenkfeier im Rahmen der Journée de la Commémoration nationale, Monument Zakhor, Place de la Shoa
- 19. Oktober, 11.45 Uhr, Echternach: Gedenkfeier im Rahmen der Journée de la Commémoration nationale, Monument Zakhor
- 19. Oktober, 12.30 Uhr, Ettelbrück: Gedenkfeier im Rahmen der Journée de la Commémoration nationale, Jüdischer Friedhof
- 19. Oktober, 18 Uhr, Mondorf-les-Bains: Vortrag von Mireille Cukier „Les Juifs de la Maison Dauphant”, Alte Synagoge
- 21. Oktober, Wittlich: Filmreihe des Emil-Frank-Instituts „Filme erzählen jüdisches Leben”, Ehemalige Synagoge Wittlich
- 24. Oktober, 14.30 Uhr, Jüdischer Friedhof Bollendorf: „grenzenlos ge(h)denken” - auf den Spuren jüdischen Lebens von Bollendorf nach Echternach, um vorherige Anmeldung wird gebeten unter mail@emil-frank-institut.de oder 06571-260124.

Die Arbeitsgemeinschaft „Grenzenlos gedenken” besteht aus Vertretungen der Trierer Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V., des Emil-Frank-Instituts Wittlich, des Pastoralen Raums Schweich und dem Comité Ausschwitz Luxemburg. Weitere Informationen zu deren Arbeit sowie zur Wanderausstellung gibt es auf https://grenzenlos-gedenken.eu/index.php.