38-jährige Triererin engagiert sich im Pfarrgemeinderat – und steht erneut zur Wahl :„Ich mache das für die Menschen in meiner Pfarrei, in meinem Stadtteil"

Trier – Im Pfarrgemeinderat mitarbeiten: Ein richtig schönes Ehrenamt, und sicher nicht nur etwas für die ältere Generation, findet Anja Hartkorn aus Trier. Die 38- Jahre alte Anwältin engagiert sich schon seit fast zwanzig Jahren für die Pfarrei Christkönig im Stadtteil Trier-West. Hier ist sie mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern aufgewachsen – hierher gehört ihr Herz, wie sie erzählt. Wer sich ein wenig in der Römerstadt auskennt, weiß, dass das Stadtviertel als sozialer Brennpunkt gilt und nicht den besten Ruf genießt. Doch was andere Kirchengemeinden sich wünschen würden, ist hier Realität: Die Gottesdienste an Sonntagen sind mit Gläubigen aller Altersgruppen gut gefüllt, Angebote der Pfarrgemeinde werden angenommen und es gibt viele Ehrenamtliche, die bereit sind, mit anzupacken. Für Anja Hartkorn ein Stück Heimat – sie lebt gerne mit ihrem Hund im Westen von Trier, heute im Stadtteil Euren zwischen Mosel und Stadtwald. „Ich mag die Menschen in Trier-West – sie sind ehrlich und sagen geradeheraus, was sie denken und was sie von dir halten. So weiß man immer sofort, woran man ist.“ Und genau für diese Menschen setzt sie sich in ihrer Heimatpfarrei nun schon seit 2007 ehrenamtlich ein. Seit fast zwanzig Jahren als junger Mensch in einem kirchlichen Gremium mitzuarbeiten ist heute keineswegs selbstverständlich. Was also motiviert Hartkorn, die in Trier Jura studiert hat und seitdem als selbstständige Rechtsanwältin für Familien- und Strafrecht arbeitet?
Als Kind sei sie „ganz normal zur Kommunion gekommen“ und habe danach als Schülerin der Blandine Merten-Realschule und des Angela-Merici-Gymnasiums auch durch Schulgottesdienste immer Kontakt zu Glaubensthemen gehabt. Ihr Elternhaus lag fast gegenüber der Kirche Christkönig, der Glockenturm immer im Straßenbild präsent. Einige Jahre sei sie den Sonntagsgottesdiensten als Jugendliche eher ferngeblieben. Doch als sie 2005 wieder regelmäßiger die Messen besuchte, wurde sie angesprochen, ob sie nicht Lust habe, im Pfarrgemeinderat mitzuwirken. Seitdem hat sie Pfarrfeste oder das einmal im Jahr stattfindende große „Eintopf-Essen“ organisiert, sich um die Sternsingeraktion gekümmert. „Wir sind wirklich gesegnet – wir haben volle Gottesdienste mit teilweise 130 bis zu 170 Leuten jeden Alters. Senioren, die seit vielen Jahrzehnten kommen, aber auch Familien mit ganz Kleinen. Wir haben sonntags die sehr schön gestalteten Familiengottesdienste, wo wir mit den Kindern singen und tanzen. Unser Pfarrer, Pater Aloys Hülskamp, ist sehr engagiert, bindet die Kinder mit ein. Es klingt vielleicht nach Klischee, aber jeder wird so angenommen, wie er ist.“
Vertrauen in die Arbeit der Ehrenamtlichen
Es helfe nicht nur, dass Pater Hülskamp sehr empathisch sei und etwa die Kinder so selbstverständlich einbinde, sondern auch, dass er großes Vertrauen in die acht Pfarrgemeinderatsmitglieder habe und wisse, „dass die Dinge laufen“. „Wir müssen gar nicht mehr groß planen, weil wir ein eingespieltes Team sind. Es gibt zum Beispiel eine kleine Musikgruppe, wo wir Instrumente bereitstellen und wo im Sonntagsgottesdienst vor dem Schlusssegen einfach noch ein wenig miteinander gesungen und musiziert wird. Dabei gehe das Engagement weit über den Rat hinaus: „Wir haben immer Leute, die wir ansprechen können. Eltern haben uns jetzt beim Gestalten des Erntedank-Altars geholfen, andere kochen oder backen mal etwas, bauen bei Veranstaltungen mit auf.“ Angebote wie Frühstücksaktionen oder das Eintopf-Essen an Fronleichnam im Anschluss an die Prozession würden sehr gut angenommen, auch von Menschen, die mit Kirche nichts am Hut hätten. „Wir gehen übrigens auch ohne Vorverurteilung zu den Leuten, heißen jeden willkommen, egal welche Vorgeschichte jemand mitbringt. Wo hat man heute noch Aktionen, die wirklich generationenübergreifend Gemeinschaft stiften?“ So sei den Leuten im Stadtteil etwa die Sternsingeraktion unglaublich wichtig, manch einer spare dafür, den Kindern etwas in die Dose zu werfen oder ihnen eine Tafel Schokolade zu schenken."
„Kirche vor Ort ist lebendig und macht gute Angebote“
Natürlich wissen Hartkorn und die anderen Rätemitglieder um die Diskussionen und die Kritik an der katholischen Kirche, etwa, was die Missbrauch-Skandale angehe. „Es ist sehr wichtig, dass über diese schlimmen Dinge berichtet wird, dass aufgearbeitet wird. Aber genauso wichtig finde ich, zu zeigen, dass Kirche eben nicht nur das ist. Vor Ort ist sie lebendig und kann den Menschen viel geben. Das geht bei alldem manchmal unter.“ Für das neue Jahr stehen für Hartkorn, sollte sie wiedergewählt werden, einige Veränderungen an, denn zum ersten Januar fusionieren die westlichen Stadtteil-Pfarreien zu einer gemeinsamen Pfarrei „Maria im Westen Trier“ (mit den ehemaligen Pfarreien St. Martinus (Zewen), St. Helena (Euren), St. Simeon und Christkönig (Trier-West), St. Simon und Juda (Pallien). „Es geht dann darum, etwas globaler zu denken. Das wird so eine kleine Challenge, zu schauen, dass es vor Ort mit lokalen Teams weiterhin gut läuft, dass man aber die neue Pfarrei als Ganzes im Blick hat und man sich gegenseitig unterstützt.“#
Info
„Mitreden! Der Zukunft eine Stimme geben“ ist das Motto der Pfarrgemeinderatswahlen im November. 917.016 Katholikinnen und Katholiken ab 16 Jahren aus 135 Pfarreien im Bistum Trier sind am Wochenende 8. und 9. November 2025 aufgerufen, ihre pastoralen Gremien neu zu wählen. Durch die Fusion wird im Westen Triers übrigens später gewählt: am 7. und 8. Februar 2026. Dann sind 151.469 Kirchenmitglieder aus 33 Pfarreien zur Wahl aufgerufen.
Informationen rund um die Wahl der Räte gibt es auf www.bistum-trier.de/ehrenamt/wahlen-2025 oder im Bischöflichen Generalvikariat Trier, Team Engagemententwicklung Tel.: 0651-7105-183, E-Mail: raete@bistumt-trier.de.