Neuer Jugendpfarrer in Saarbrücken:Kirche als Ort für die großen Fragen des Lebens

Saarbrücken – Kaum in Saarbrücken angekommen, ist Patric Schützeichel schon mittendrin: Gottesdienste feiern, mit Firmbewerber*innen auf der Nied Kajak fahren, erste Treffen mit Kooperationspartnern. Seit knapp zwei Wochen ist der 33-Jährige neuer Jugendpfarrer der Kirche der Jugend eli.ja, am Sonntag, 6. September, wird er offiziell im Rahmen eines Gottesdienstes eingeführt. Er folgt auf Thomas Hufschmidt, der nach fünf Jahren als Jugendpfarrer jetzt Regens des Trierer Priesterseminars ist.
„Die ersten anderthalb Wochen waren bereits sehr vielfältig und von sehr vielen Begegnungen geprägt“, schildert Schützeichel seinen Start in Saarbrücken. Für den gebürtigen Westerwälder ist das Saarland als Wohn- und Arbeitsort noch Neuland. Umso positiver fallen seine ersten Eindrücke aus: „Was mir aufgefallen ist, dass man mit den Saarländerinnen und Saarländern leicht in Kontakt kommt, sie sind offen und willkommenheißend. Sie machen es einem leicht, neu anzufangen.“ Auch die enge Vernetzung der Menschen untereinander sei ihm schnell aufgefallen.
"Das Gute an die nächste Generation weitergeben"
Die vergangenen sechs Jahre war Schützeichel in Bad Kreuznach tätig, zunächst als Kaplan nach seiner Priesterweihe im September 2020, später als Kooperator. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen verantwortete er dort im Projekt „Junge Kirche“ die Jugendarbeit. Sein Engagement für junge Menschen begleitet ihn seit vielen Jahren. „Ich komme aus der Jugendarbeit – schon in meiner Heimatpfarrei war ich dort engagiert. Darin liegt auch der Ursprung, warum ich den Beruf des Priesters gewählt habe: Ich möchte der nächsten Generation das Gute weitergeben, das ich selbst als junger Mensch erfahren habe. Natürlich nicht analog zu damals, sondern angepasst an die heutigen Bedürfnisse“, erklärt Schützeichel. „Die Stelle als Jugendpfarrer ist dafür eine total schöne Gelegenheit.“ Als Bischof Stephan Ackermann ihn für die Aufgabe anfragte, sagte er daher gerne zu. Als Jugendpfarrer wird er zunächst in Teilzeit tätig sein, um parallel an seiner Promotion arbeiten zu können.
Der Gottesdienst zur offiziellen Einführung wird die letzte Veranstaltung in der Kirche eli.ja vor einer rund einjährigen Schließung wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten. In dieser Zeit werden die Gottesdienste sonntags in der Aula der Willi-Graf-Schulen und mittwochs in der Krypta der Kirche gefeiert. Es werde eine wichtige Aufgabe sein, die Zeit des Übergangs gut zu gestalten. Zunächst möchte er in Saarbrücken ankommen, Netzwerke knüpfen und die zahlreichen Kooperationspartner kennenlernen. Gemeinsam mit dem Team von eli.ja sollen dann die Schwerpunkte für die Zukunft entwickelt werden. „Die Frage, welche Angebote braucht es vor Ort, müssen wir uns in der Jugendarbeit immer wieder aufs Neue stellen. Welche Angebote werden nachgefragt, wo muss es vielleicht Veränderungen geben“, sagt er.
Orientierung bieten ohne vorgefertigte Antworten
Er wisse um die Probleme, die viele junge Leute mit der Institution Kirche haben. „Ich reagiere auf die Kritik mit Verständnis, denn ich erlebe es immer wieder, dass Kirche, so wie sie ist, zu kritischen Rückfragen veranlasst. Sie ist eine Organisation mit Ecken und Kanten. Es ist wichtig, zu den Kritikpunkten gut miteinander ins Gespräch zu kommen. Es ist nicht zielführend, die kritischen Themen zu tabuisieren.“
Gleichzeitig sieht er auch in einer zunehmend säkularen Stadt wie Saarbrücken eine wichtige Aufgabe für seine Kirche. „Und zwar dann, wenn Kirche jungen Menschen ermöglicht, ihre innere und äußere Freiheit zu finden, in einer Welt, die oft von vielen Zwängen bestimmt ist und sich permanent verändert.“ Für ihn gründe diese Freiheit im Glauben: „Im Galaterbrief heißt es: Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ Kirche sei ein Ort, an dem die Frage nach Gott und dem eigenen Glauben Raum habe – ebenso wie die Suche nach Worten, um darüber zu sprechen. „Dafür gibt es sonst in der Gesellschaft wenig Platz.“
Besonders wichtig ist Schützeichel die Begleitung junger Menschen bei ihrer Suche nach Orientierung. Dabei gehe es oft nicht unmittelbar um Glaubensfragen. „Die Frage nach Kirche, Gott und Glaubensthemen wird von jungen Menschen oft nicht so direkt gestellt. Aber das Leben gibt ihnen viele Fragen auf, die erst mal nicht nach Gott aussehen: Wer bin ich? Werde ich geliebt? Bin ich gut genug? Wohin gehe ich?“ Kirche könne aus dem Glauben heraus Antworten anbieten. „Aber wir kommen nicht mit vorgefertigten Antworten“, betont Schützeichel. Im gemeinsamen Gehen können persönliche Antworten gefunden werden.“
Darin sieht er einen Kernauftrag kirchlicher Jugendarbeit: „Unsere Aufgabe als Seelsorgerinnen und Seelsorger in der Kirche ist es, junge Menschen bei ihrer persönlichen Suche nach Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu unterstützen. Eine Frage davon kann auch die Frage nach Gott sein. Das ist eine große Verantwortung.“ Für ihn ist eli.ja deshalb ein besonderer Ort: „Hier hat die Frage nach Gott und Glauben neben anderen Lebensfragen ausdrücklich ihren Platz.“
Kirche als Ort der Wertschätzung und der Gemeinschaft
Da Kirche und Glaube für viele Kinder und Jugendliche heute nicht mehr selbstverständlich zum Alltag gehören, sei es wichtig, dort präsent zu sein, wo junge Menschen Zeit verbringen. Dazu zählt Schützeichel insbesondere die Schule und die Schulseelsorge. „Aber auch die offenen Jugendtreffs des Bistums wie das Café Exodus sind wichtige Orte von Kirche. Dort sind alle jungen Leute willkommen, egal woher sie kommen.“ Auch Jugendfreizeiten hält er für unverzichtbar: „Gerade für Kinder, die es schwer im Leben haben, ist die Erfahrung bei einer solchen Freizeit: Hier ist ein Ort, wo sie wertgeschätzt werden, gut so sind, wie sie sind, und Gemeinschaft erleben. Das kann auch ihr Bild von Kirche prägen und ein erster Andockpunkt sein.“ Mit seinem Bauwagen will das Team von eli.ja daher auch viele junge Menschen über Saarbrücken hinaus erreichen.
Dass er einmal Priester werden würde, war für Schützeichel nicht selbstverständlich. „Als Schüler habe ich auch überlegt, in die Gastronomie oder das Hotelfach zu gehen“, erzählt er. Prägend für seinen Berufungsweg waren neben der kirchlichen Jugendarbeit insbesondere die Messdienerwallfahrt nach Rom im Jahr 2010. „Dort habe ich Weltkirche gespürt und mich in der Gemeinschaft zu Hause gefühlt.“ Die existentiellen Fragen nach Leben und Tod habe er sich schon als sehr junger Mensch stellen müssen. „Ich habe im christlichen Glauben darauf eine Antwort gefunden, die mich fasziniert: Es gibt ein Leben nach dem Tod und einen Gott, der für mich da ist und dem ich nicht verlorengehe.“ Auch die Seligsprechung von Mutter Rosa, die aus seiner Heimatpfarrei stammt, habe ihn stark geprägt.
Neben der Seelsorge in eli.ja unterstützt Schützeichel das Team der Schulpastoral an der Saarbrücker Marienschule und ist Rektor der Edith-Stein-Kirche der Katholischen Hochschulgemeinde an der Saar-Uni. In seiner Freizeit fährt er Rad, geht wandern, liest und interessiert sich für Musik sowie Kunst und Kultur. Er freut sich daher über die vielfältigen Angebote in Saarbrücken mit dem Staatstheater und der Deutschen Radio Philharmonie.
Info: Patric Schützeichel wird am Sonntag, 6. September, um 18.15 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche der Jugend eli.ja (Hellwigstraße 15, 66121 Saarbrücken) offiziell eingeführt.