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Trierer Delegation erhält Einblicke in katholische Kirche in Estland:Klein in der Zahl, stark im Glaubensleben

Nach ihrem Besuch in Estland im Rahmen der Seligsprechung von Profittlich geben die Teilnehmenden der Delegationsreise Einblicke in die Arbeit der katholischen Kirche in Estland.
In der Gedenkstätte Maarjamäe ist auch der Name des Seligen Eduard Profittlich festgehalten.
Datum:
13. Sept. 2025
Von:
Judith Rupp

Trier – „Wir entreißen Eduard Profittlich dem Vergessen – er steht stellvertretend für die viele namenslosen Opfer von brutalen Regimen.“ Dieses Resümee zieht Dr. Thorsten Hoffmann, Leiter der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier, nach der Seligsprechung des im Bistum Trier geborenen früheren Erzbischofs von Tallinn (Estland) am 6. September. Hoffmann hatte den Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann zu den Feierlichkeiten nach Estland begleitet. Für Hoffmann sind solche Reisen wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit: „Es ist wichtig, ganz konkrete Verbindungen zu haben zu Katholikinnen und Katholiken in anderen Ländern.“ 

Hoffmann sagt, er habe eine „lebendige Kirche, klein in der Zahl, stark im Glaubensleben“ kennengelernt. Bei etwas weniger als 1,4 Millionen Einwohnern gibt es knapp 9.000 Katholikinnen und Katholiken. Die Anteilnahme an der Seligsprechung sei groß gewesen, und es sei offenkundig geworden, dass dies nicht nur für gläubige Menschen ein wichtiges Ereignis war. Das habe etwa die Präsenz von estnischen Politikerinnen und Politikern gezeigt. 
Estland sei „das am wenigsten religiöse, am meisten digitalisierte Land der Welt“, habe die Delegation gelernt. Große Gastfreundschaft sei zu spüren gewesen, wie er sie schon oft in vielen Teilen der Welt erlebt hat, erklärt Hoffmann: „Wir sind eben eine katholische Gemeinschaft.“ Über die Person Eduard Profittlichs, dessen Spuren in der estnischen Kirche deutlich zu spüren sind, könne sich nun eine Verbindung zwischen der Diözese Trier und der Kirche in Estland aufbauen. 

Engagement im Bildungs- und Sozialbereich

In der St. Michaels School nahm die Delegation am Morgengebet teil.

Sozusagen auf den Spuren Profittlichs war die Delegation in den Tagen nach der Seligsprechung unterwegs. Bildung lag dem Jesuiten stets am Herzen, und so befindet sich im Haus neben seiner Bischofskirche, der Peter-und-Paul-Kathedrale, ein Teil der St. Michael’s School, einer katholischen Privatschule mit knapp 300 Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen. Die religiöse Erziehung wird dort großgeschrieben; auch Kultur, vor allem Musik, wird sehr gefördert. Gute ökumenische Beziehungen, etwa zu Lutheranern oder Baptisten, seien unabdingbar, heißt es von Seiten des Lehrerkollegiums: „Im Wettbewerb zu sein, bringt nichts.“ 

So klein die katholische Kirche in Estland ist, so groß ist ehrenamtliches und unterstützendes Engagement. Besonders stark ist hier der Malteser-Orden. Geschäftsführer Indrek Petersoo bringt die Maxime auf den Punkt: „Wir wollen zuhören und die Bedürfnisse vor Ort verstehen.“ Danach handeln sie, und sind etwa in Besuchsdiensten, Unterstützung im Alltag durch Lebensmittelausgaben oder offenen Küchen und bei sozialen Aktivitäten wie Behindertensport oder Jugendfreizeiten aktiv mit ihren Mitgliedern. 

Besuch im Altenheim Vilmsi

Gemeinschaft und Solidarität spielen auch an einem anderen Ort in der estnischen Hauptstadt eine wichtige Rolle: Vier Missionarinnen der Nächstenliebe, der von Mutter Teresa gegründeten Ordensgemeinschaft, leben dort in einem kleinen Konvent und versorgen bedürftige Menschen mit warmen Mahlzeiten. „Wir wollen in Gebet und Tat für die Armen da sein”, beschreiben sie ihre Mission.

Ähnliches hat die Delegation aus dem Bistum Trier auch im Altenheim Vilmsi erlebt: Freiwillige der Malteser besuchen die Menschen, die oft einsam sind, bringen sie miteinander in Kontakt oder animieren sie zu gemeinsamen Aktivitäten wie Stuhl-Gymnastik. Aber auch spirituelle Angebote sind den Maltesern sehr wichtig. Botschafter Manfred Ritter Mautner von Markdorf berichtet, der Orden habe die Tradition des Herz-Jesu-Freitag, die dem Seligen Eduard Profittlich viel bedeutet habe, wiederbelebt: „An jedem ersten Freitag im Monat treffen wir uns zum Gebet und bleiben danach noch bei Brot und Wein beisammen.“

Weltgeschichte eingebettet in Heilsgeschichte

Thorsten Hoffmann und Tim Sturm waren Teil der Trierer Delegation.

Profittlich war 1942 im Gefängnis im russischen Kirov gestorben. Zwar hätte er die Gelegenheit gehabt, das Land zu verlassen und sich vor dem Unrechtsregime in Sicherheit zu bringen. Profittlich aber entschied, in Estland bei den Gläubigen zu bleiben – wohl wissend, dass dies ziemlich sicher den Tod bedeutet. Davon zeugt unter anderem sein letzter Brief an die Familie, der während der Seligsprechung zum Altar gebracht wurde und künftig im Museum an der Kathedrale zu sehen sein wird. 

Profittlichs Name ist einer der knapp 23.000 Namen, die in der Maarjamäe-Gedenkstätte für die Opfer des Sowjetregimes festgehalten sind – ein Ort, den die Delegation auch besucht hat: „Weltgeschichte wird mit dieser Seligsprechung eingebettet in Heilsgeschichte“, sagt Tim Sturm. Der Leiter des Trierer Priesterseminars, in dem Profittlich eine Zeitlang gelebt und studiert hat, war ebenfalls Teil der Delegation. „Die Seligsprechung zeigt: Niemand ist vergessen.“ Sturm sieht in den Erfahrungen, die er bei der Reise gemacht hat, eine Einladung: „Eine Person, die nur kurz bei uns war, deren Berufung bei uns in Trier begonnen hat, kommt jetzt wieder auf uns zu.“ Als Zuständiger für die Priesterausbildung frage er sich, was das für diese Arbeit bedeuten kann: „Für mich war es beeindruckend, einerseits der Person Profittlichs näher zu kommen und andererseits einen kleinen Einblick zu bekommen in die Kirche von Estland, wie sie heute arbeitet und wirkt.“ 

Der Selige soll einen festen Platz in der Geschichte des Priesterseminars haben, nicht nur an einem Gedenkort: „Wenn wir an Friedrich Spee, Franz Josef Pey, die Märtyrerpriester der NS-Zeit denken, können wir uns fragen: Wo braucht es den Widerstand um des Evangeliums willen heute?“ Ziel sei es, glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen für die Botschaft Christi auszubilden.

Sturm und Hoffmann sehen durch die Teilnahme an der Seligsprechung Spuren gelegt, um die Verbindung zwischen den Bistümern zu pflegen und zu stärken. Das könne durch die gemeinsame Feier des Gedenktags des Seligen Eduard am 21. Februar sein, durch die inhaltliche Befassung mit seinem Leben oder beim Pilgern auf seinen Spuren. Denn Profittlichs Einsatz für Menschenrechte und Menschenwürde verbinde und mache deutlich, wie wichtig und segensreich gelebter Glaube sei. 

Informationen rund um die Seligsprechung und zur Person Eduard Profittlichs sind unter www.profittlich.eu zu finden.

Impressionen aus Tallinn

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