Engagement kennt kein Alter:Lauterbachs ungewöhnliche Sternsingerinnen

Völklingen-Lauterbach – Goldene Kronen, ein funkelnder Stern, die Spendendose und der Segensspruch – alles scheint wie immer. Nur eines passt nicht ganz ins gewohnte Bild: Anders als üblich haben die Sternsingerinnen, die am Sonntag, 4. Januar, durch Lauterbach ziehen, den Segen bringen und Spenden für notleidende Kinder weltweit sammeln, ihre Schulzeit schon lange hinter sich. „Dass wir auf unsere alten Tage noch einmal zu Königinnen werden, ist die Krönung unseres Berufslebens“, sagen Christiane Boor (71) und Maria Altpeter (71) und lachen.
Dass sich die Rentnerinnen in den Dienst der guten Sache stellen, hat Gründe: „Bei uns im Ort gibt es nicht genug Kinder, die beim Sternsingen mitmachen“, sagt Boor. In diesem Jahr sind es zehn Kinder für den 2500-Seelen-Ort im Warndt. „Vor Jahren, als meine Enkel mit dem Sternsingen anfingen, habe ich aus Spaß gesagt, dass wir Alten ja mitgehen könnten“, schmunzelt Altpeter. Das Evangelium schweigt schließlich zum Alter der Sterndeuter aus dem Morgenland – aber die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei ihnen um Erwachsene handelte, die dem Stern zur Krippe folgten.
Der Gedanke „Warum eigentlich nicht?“ blieb hartnäckig in ihren Köpfen und im letzten Jahr feierten die Senior-Sternsingerinnen in Lauterbach ihre Premiere. Mit dabei auch Hanne Kostaz (78), die dieses Jahr krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste. Auch die fünfte im Bunde, Christiane Schwaiger, die in diesem Jahr erstmals mitgehen wollte, musste absagen. Ersatz kommt in Form von Altpeters Tochter Nina, immerhin schon 46. „Als Kind war ich bereits Sternsingerin, in den letzten Jahren als Betreuerin mit Gruppen unterwegs“, sagt Nina Altpeter, die in diesem Jahr ihre Sternsinger-Rente beendete und wieder in ein Kostüm schlüpfte.
Wer als die Weisen aus dem Morgenland umherzieht, muss auch entsprechend gekleidet sein. Gar nicht so einfach, im Fundus, der auf Kindergrößen ausgerichtet ist, etwas Passendes zu finden. „Im letzten Jahr sahen wir etwas armselig aus“, erinnert sich Boor. So ließen sie sich für dieses Jahr neue Gewänder schneidern. Rund fünf Kilometer Strecke machten die drei Königinnen in ihrem Reich und begrüßten die Menschen mit ihrem Gesang: „Es kommen drei Könige aus dem Morgenland, sie kommen daher von Gott gesandt.“ Die Überraschung sei an mancher Haustür groß gewesen, dass statt Kindern und Jugendlichen erwachsene Frauen beim Dreikönigssingen mitmachen. „Die allermeisten waren aber positiv überrascht“, sagt Boor. Wenige hätten erst gar nicht die Tür geöffnet: „Da haben wir es hinter der Gardine rascheln gesehen“, sagt Altpeter.
Besonders in Erinnerung geblieben sind den Königinnen die Begegnung mit einem älteren Ehepaar, das seinerseits für sie ein Ständchen gesungen hat. „Manche haben uns warmen Kaffee gegen die Kälte angeboten, wieder andere ein Glas Sekt oder Holunderlikör“, sagt Altpeter. Doch Alkohol während des Einsatzes kommt für die Damen nicht infrage: „Wir waren auch so schon groggy genug!“ Erst als es im letzten Haus Champagner gab, stießen sie mit den Gastgebern auf das neue Jahr und die gelungene Aktion an. „In unserer Spendendose waren rund 500 Euro – das ist enorm“, finden sie.
Dick eingepackt gegen die Kälte – „so könnten wir auch zum Skifahren“ – holen sich die Königinnen am Sonntag im Gottesdienst mit Gemeindereferent Andreas Folloni im Warndtdom St. Paulinus den Segen für ihren Einsatz ab, dann geht es los durch Schnee und Kälte. Neue Senior-Sternsinger sind in ihrer Runde im nächsten Jahr willkommen, erklären sie: „Es macht einfach auch Spaß!“
Info: „Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ lautet das Motto der 68. Aktion Dreikönigssingen. Die Aktion bringt den Sternsingerinnen und Sternsingern das Thema Kinderarbeit näher und zeigt, wie wichtig die Kinderrechte auf Schutz und Bildung sind. Seit dem Start der Aktion 1959 kamen beim Dreikönigssingen insgesamt mehr als 1,4 Milliarden Euro zusammen, mit denen Projekte für benachteiligte und Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa gefördert wurden. Mit den Mitteln aus der deutschlandweiten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder werden Projekte in den Bereichen Bildung, Ernährung, Gesundheit, Kinderschutz, Nothilfe, pastorale Aufgaben und soziale Integration unterstützt. Bundesweite Träger sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).