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Raphael Collinet wird Anfang September von Bischof Ackermann zum Diakon geweiht:Mit Leib und Seele Diakon sein

Am 12. September wird Raphael Collinet von Bischof Stephan Ackermann zum Diakon geweiht. Der Familienvater aus Hermeskeil möchte Menschen im Glauben begleiten und ihnen Gottes Nähe erfahrbar machen.
Auf dem Foto zu sehen ist Raphael Collinet, im Hintergrund eine Gartenlandschaft
Datum:
10. Aug. 2026
Von:
Simone Bastreri

Hermeskeil – Es mag verwundern, aber Raphael Collinet fährt ohne Navigationsgerät durch die Dörfer und Gemeinden, in denen er beruflich unterwegs ist. Er prägt sich die Karte vorher ein und sucht sich seinen Weg durch die Straßen. Noch lieber lässt er das Auto ganz weg und geht zu Fuß. Dafür gibt es einen guten Grund, sagt der 39-jährige Pastoralreferent, der am 12. September von Bischof Ackermann zum Diakon geweiht werden wird. „Nur so sieht man das echte Leben, trifft Leute auf der Straße oder kann über den Gartenzaun ‚hallo‘ sagen. Und nur so versteht man, wie Leute leben, warum sie so sind, wie sie sind.“

Multikulti im Westerwald

Der verheiratete dreifache Familienvater wurde 1987 in Trier geboren und zog früh mit seinen Eltern – beide Theologen – in den Westerwald. In Dierdorf, einer ländlichen Diaspora-Pfarrei, wuchs Collinet auf und besuchte das private evangelische Martin-Butzer-Gymnasium, wo er 2006 sein Abitur ablegte. Als Katholik habe er dort früh über seinen Glauben diskutieren und ihn verteidigen gelernt – ob vor Schülern oder Lehrern. Die katholische Pfarrei sei stark diakonisch ausgerichtet gewesen: „Der Pfarrer hat sich klar profiliert, wir hatten Kirchenasyl, es gab Hilfsprojekte für Chile; Menschen jeder Nation waren immer willkommen und durften so sein, wie sie sind, ob Spanier, Afrikaner, russischstämmige Einwanderer. Wir waren mitten im Westerwald damals schon multikulti.“ Während der Jugend interessierte Collinet sich für Fußball und Leichtathletik, letztere betrieb er sogar auf hohem Niveau, erzählt er. 

Collinet haderte auch mit „seiner“ Kirche

Parallel hatte er sich jahrelang als Messdiener und für die Aktivitäten der Katholischen Jugend engagiert und liebäugelte mit der Idee Priester zu werden. Nach dem Abitur trat er ins Trierer Priesterseminar ein. Sein Außenstudium verbrachte er in Erfurt, wo er die ostdeutsche Mentalität schätzen lernte. „Dieses sehr Ehrliche, Direkte – das habe ich eigentlich gern, ob im Osten oder auch hier im Hunsrück, wo ich jetzt arbeite.“ Als er nach Trier zurückkehrte, befand sich die Kirche gerade mitten im Missbrauchsskandal. „Mich hat das persönlich sehr beschäftigt, weil meine Heimatpfarrei betroffen war und ich auch aus anderen befreundeten Pfarreien Ähnliches hörte. Der Umgang von offizieller Seite mit dem Thema hat mich letztlich aus dem Priesterseminar austreten lassen.“ Collinet studierte Theologie zu Ende und bewarb sich beim Bistum Limburg, wo schon der nächste „Skandal“ wartete: Die Kostenexplosion des Amtssitzes von Tebartz-van Elst. „Das waren drei sehr lehrreiche Jahre in Limburg. Ich war Referent für Pfarrgemeinderäte und Geschäftsführer der Diözesanversammlung und habe viel darüber gelernt, wie man Demokratie und Kirche zusammendenken kann. Auch darüber, wie man kirchenamtliche Entscheidungen und Positionen aus der Gesellschaft miteinander in Einklang bringt – und zwar im Dialog.“

Innerlich zog es Collinet wieder stärker in die Seelsorge, das Feld, weshalb er überhaupt einmal hatte Priester werden wollte. Also bewarb er sich beim Bistum Trier auf den dreijährigen Pastoralkurs und arbeitete erst in der Pfarrei Dudweiler, dann im Dekanat Sankt Wendel, wo er vor allem in der Schul- und Jugendseelsorge tätig war. Eine Zusatzausbildung in Traumapädagogik absolvierte er nach der Flutkatastrophe im Ahrtal, weil er für die Zukunft besser auf solche Ausnahmesituationen vorbereitet sein möchte, denen Menschen ausgesetzt sind. Collinet machte die Arbeit mit der Jugend viel Spaß, aber nach ein paar Arbeitsjahren wurde ihm klar, dass er noch mehr in Richtung Diakonie gehen wollte. Er wechselte nach Hermeskeil und organisiert dort in seiner täglichen Arbeit etwa die Verschenkekirche, wo sich ein großes Netzwerk an Ehrenamtlichen engagiert. „Ich habe so eine Art Beratungsnetzwerk rekrutiert, wo man immer weiß, wen man als Ansprechpartner fragen muss. Vieles läuft im Hintergrund. Einmal kam ein Kind auf mich zu und nahm sich ein Bilderbuch in der Verschenkekirche, sagte mir dann aber, seine Mama könne gar nicht lesen. Also vermittle ich dann Alphabetisierungskurse. Oder Menschen mit einem Suchtproblem sprechen mich an, oder Leute, die Möbel brauchen, die eine Wohnung suchen.“

Pastorales Handeln persönlich auf andere Ebene stellen

Mit dem Arbeitsortswechsel nach Hermeskeil bewarb er sich gleichzeitig auf die Ausbildung zum Diakon, einem Weiheamt, bei dem er etwa Taufen oder Trauungen durchführen darf. Warum das Ganze noch einmal auf eine andere Ebene stellen? „Natürlich arbeitet man als Seelsorger schon jeden Tag mit den Menschen, also diakonisch. Aber sich hinzustellen und zu sagen, ich verkörpere das mit Leib und Seele und bin immer ansprechbar – das gefällt mir sehr.“ Die für ihn dreijährige Ausbildung neben dem normalen Beruf verlangte einiges ab, denn oft war er am Wochenende oder an Abenden beschäftigt. „Wenn jemand Respekt verdient, dann ist das meine Frau. Und meine Familie, dass sie das mitgetragen hat“, ist Collinet dankbar. Zeit für sein Hobby noch aus Studientagen blieb dennoch: Mit seinen Kindern spielt er gemeinsam Pen and Paper-Rollenspiele, bei denen man in verschiedene Rollen schlüpft und Aufgaben lösen muss.

Auf seine Weihe am 12. September freut er sich jetzt schon. „Das, was ich tue, bekommt dadurch einen sakramentalen Charakter. Es ist ein öffentliches Bekenntnis.“ Er wisse, dass die Kirche nicht moralisch perfekt sei, dass Menschen Fehler machten. Aber er habe eine gewisse Gelassenheit gewonnen. „Ich habe die Kirche persönlich als eine erlebt, die heilen kann, die auch da ist, wo es weh tut und an der Seite der Menschen steht. Dass sie nicht immer der weiße Ritter ist, sondern auch verletzt, das hat mir zu schaffen gemacht. Ich kann jetzt aber auch wieder das Positive sehen. Im Namen Gottes und der Kirche für die Menschen zu beten und zu sagen: ‚Es wird alles gut werden‘ – das kann ich zwar persönlich als Raphael Collinet wünschen. Aber als geweihte Person kann ich es regelrecht zusagen. Und das ist für mich ein Unterschied. Ich möchte den Menschen erlebbar machen: Es gibt wirklich einen Gott, der sich um mich kümmert.“

 

Derzeit gibt es im Bistum Trier 174 Diakone, von denen 97 im aktiven Dienst sind und 25 das Amt haupt- und 72 nebenberuflich ausüben (Stand Juli 2026). Die Mehrzahl ist verheiratet und hat Kinder, einige haben den Zölibat als ehelose Lebensform gewählt. Die Weihe der neuen Diakone Torsten Wahl, Raphael Collinet und Manuel Hauth durch Bischof Dr. Stephan Ackermann findet am Samstag, 12. September, um 9.30 Uhr im Trierer Dom statt.