Örtlicher Wohlfahrtsverband macht auf ein gesellschaftliches Phänomen aufmerksam :Unterschiedliche Arten von Armut

Bad Kreuznach/Simmern – Die sogenannten Armutswochen verbinden den jährlichen „Internationalen Tag zur Beseitigung der Armut“ der Vereinten Nationen (17. Oktober) mit dem von der Katholischen Kirche ausgerufenen „Welttag der Armen“ (16. November). Kirchliche Verbände nutzen den Zeitraum für Positionierungen zu dem globalen Phänomen. So auch der Caritasverband Rhein-Hunsrück-Nahe. mit seinen Beratungsstellen in Bad Kreuznach, Boppard, Idar-Oberstein und Simmern.
Im vergangenen Jahr wurden im Caritasverband Rhein-Hunsrück-Nahe mehr als 600 Menschen von der Allgemeinen Sozialberatung (ASB) beraten. An allen vier Standorten sind finanzielle Schwierigkeiten das Hauptthema der Ratsuchenden. Der Caritasdirektor Dr. Jens Werner möchte im Rahmen der diesjährigen Armutswochen über spezielle Ausprägungen von Armut sprechen. Die Auseinandersetzung mit verdeckter Armut ist ein Aspekt, den er für vordringlich hält: „Armut ist am verheerendsten dort, wo Menschen – vielleicht aus Scham – nicht über ihre Situation sprechen.“ Gerade ältere Menschen würden dazu neigen, ihre Not als Schicksal hinzunehmen, anstatt um Unterstützung und Hilfe zu bitten. Von außen betrachtet scheinen sie mir ihrem Budget auszukommen, obwohl auch sie faktisch unterhalb der Armutsgrenze leben. Andere wüssten schlichtweg nicht, dass ihnen Leistungen zustehen und könnten diesen Anspruch folglich nicht einlösen: „Das betrifft auch zahlreiche Alleinerziehende und Familien“, so der örtliche Caritas-Chef weiter. „Betroffene Eltern tun sich oftmals schwer, ihr Kind für die Schule auszustatten.“ Schreib- und Mal-Utensilien, Sportsachen, der Ranzen; all das sprenge den finanziellen Rahmen – allzu oft auch bei einem Haushaltseinkommen knapp über der Bemessungsgrenze.
Verdeckte Armut erkennen
„Aus meiner Sicht genügt es nicht, ausschließlich die Einkommens-Armut zu betrachten. Wenn wir die Armutsgrenze allein anhand von Regelsätzen und Einkommensgrenzen definieren, werden wir Phänomenen wie der verdeckten Armut und der daraus resultierenden Ungleichheit nicht gerecht.“ Um diese angemessen zu beschreiben, müsste man vielleicht den Begriff der „Teilhabe-Armut“ fester etablieren, findet der Caritas-Chef. Den Blick darauf zu schärfen, ist ein zentrales Anliegen des katholischen Sozialverbandes. Dort ist man überzeugt: Gesellschaftliche Akzeptanz ebnet Hürden auf dem Weg zur Hilfe.
Angebote des Caritasverbandes in den Landkreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld und Rhein-Hunsrück: www.caritas-rhn.de.