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Jahresbericht der Lebensberatung Neunkirchen 2025:Von Familienkonflikten bis häusliche Gewalt

841 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben bei der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen im vergangenen Jahr Rat und Hilfe gesucht.
Viele Menschen finden bei der Lebensberatung Hilfe
Datum:
18. Juni 2026
Von:
Ute Kirch

Neunkirchen – 841 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben bei der Lebensberatung des Bistums Trier in Neunkirchen im vergangenen Jahr Rat und Hilfe gesucht. Darüber hinaus haben 887 weitere Personen an Elternkursen, offenen Sprechstunden und Weiterbildungen teilgenommen. Das geht aus dem Jahresbericht 2025 der Lebensberatung hervor.  

Als häufigste Beratungsgründe nennt der Bericht bei Kindern und Jugendlichen die emotionale Belastung aufgrund von Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten, Trennung und Scheidung sowie Partnerschaftskonflikte der Eltern, die psychische Erkrankung eines Elternteils sowie Erschöpfung und Überlastung und sonstige Problemlagen der Eltern. 56,5 Prozent der insgesamt 301 beratenen Kinder und Jugendlichen lebten nicht mehr in ihrer Ursprungsfamilie.

Bei den Erwachsenen waren die wichtigsten Themen kritische Lebensereignisse, depressive Verstimmungen/Depression, Überlastung/Stress, Konzentrations-/Angststörungen, gestörte Kommunikation sowie Selbstwertproblematik. Die durchschnittliche Beratungsdauer lag im vergangenen Jahr pro abgeschlossenem Fall bei 5,42 Stunden. 19 Ratsuchende nahmen das Angebot der Online-Beratung in Anspruch. Die Möglichkeit, sich über das Online-Portal für Beratungstermine anzumelden, wird inzwischen von fast 30 Prozent der Ratsuchenden genutzt.

Im Vorjahr wurde die monatliche Sprechstunde für Eltern und Erzieher*innen in der Kindertagesstätte Lehbesch in Ottweiler fortgeführt. Ein Elternabend in der Kita zum Thema „Kinder stark machen“ war mit 60 Personen gut besucht. Das Angebot zugehender Beratung in Kitas wird im Jahr 2026 weiter ausgebaut. Auch im Begegnungscafé „momentum – Kirche am Center“ wurden 2025 monatliche offene Sprechstunden für alle Einwohner des Landkreises Neunkirchen angeboten.

Nach längerer Pause bietet die Lebensberatungsstelle wieder regelmäßig den Elternkurs „Liebevoll und kompetent“ an. Dabei lernen Eltern, wie sie Alltagsprobleme auf liebevolle Art lösen können. Zudem wurde die Beratungsstelle von verschiedenen Trägern sozialer Dienste und Arbeitskreisen verstärkt für Fachberatungen zu den Themen Kinderschutz und interkulturelle Elternarbeit angefragt. Insbesondere im Bereich der Kitas ist die Nachfrage deutlich gestiegen.

Aufgrund des wachsenden Bedarfs an medienpädagogischem Fachwissen für Pädagogen hat die Lebensberatungsstelle gemeinsam mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) und der Stadt Neunkirchen eine Fortbildungsreihe ins Leben gerufen. Zwei Veranstaltungen pro Jahr vermitteln praxisnahes Wissen für Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Den Auftakt bildete ein medienpädagogisches Update sowie die Themen „Online-Gaming und soziale Netzwerke“. Die Reihe wird 2026 fortgesetzt.

Darüber hinaus bietet die Lebensberatungsstelle Fachkräften der Jugendhilfe Beratung bei der Einschätzung von Kindeswohlgefährdung an, die im Jahr 2025 insgesamt 26-mal in Anspruch genommen wurde. In Kooperation mit der Fachstelle Jugend und der Edith-Stein-Fachschule für Sozialpädagogik wurden zudem 62 Berufspraktikant*innen zur Prävention sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern geschult.

Das Team der Lebensberatung mit seiner Leiterin Anja Klein hat im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme von Anfragen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt beobachtet. „Gewalt im häuslichen Umfeld ist kein Randphänomen, sondern eine Realität, die viele Menschen betrifft – unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialem Status“, heißt es im Bericht. Betroffene suchten verstärkt Unterstützung, Schutz und Orientierung, wobei Gewalt in vielen Formen auftreten könne – von körperlicher und psychischer bis hin zu digitaler und ökonomischer Kontrolle. Besonders betroffen sind auch Kinder, die unter den Folgen leiden. „Sie erleben Gewalt sowohl als Zeugen als auch als Opfer. Die Folgen sind gravierend: Angst, Schuldgefühle, Schlafstörungen und Entwicklungsverzögerungen gehören ebenso dazu wie ein erhöhtes Risiko für spätere psychische Erkrankungen.“ Die Beratungsstelle begleitet Betroffene und arbeitet daran, Wege aus der Gewalt zu entwickeln und gemeinsam mit Partnern Schutzräume zu schaffen.

Träger der Lebensberatungsstelle Neunkirchen ist das Bistum Trier. Die im vergangenen Jahr entstandenen Gesamtkosten von rund 329.475 Euro trugen das Bistum zu 33,4 Prozent, der Landkreis Neunkirchen zu 62 Prozent und die Kreisstadt Neunkirchen zu 4,6 Prozent. Im Jahr 2025 hat das Bistum Trier 3,49 Millionen Euro für seine 20 Beratungsstellen im Saarland und in Rheinland-Pfalz aufgewendet. Hinzu kommen die Landes- und Kommunalzuschüsse von insgesamt rund 4,57 Millionen Euro. Die 20 Beratungsstellen erbrachten 10.595 Beratungsleistungen, mit denen 22.855 Personen erreicht wurden.  

Für Hilfe suchende Menschen ist die Beratung kostenfrei. 

Die Beratungsstelle Neunkirchen hat ihren Sitz in der Hüttenbergstraße 42, 66538 Neunkirchen und ist erreichbar unter Tel. (06821) 27719 und per E-Mail unter sekretariat.lb.neunkirchen@bistum-trier.de