14 Jugendliche waren mit eli.ja auf den Spuren des Widerstandskämpfers in München unterwegs:Willi Grafs Schicksal erfahrbar machen


Saarbrücken – Auf die Spuren des Widerstandskämpfers Willi Graf in München haben sich vom 13. bis 17. Oktober 14 Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren aus dem Pastoralen Raum Saarbrücken begeben. Begleitet wurde die Gruppe von Jugendpfarrer Thomas Hufschmidt und Gemeindereferentin Rebecca Benahmed von der Kirche der Jugend eli.ja, die die Fahrt zum dritten Mal organisiert hatten. „Wir sehen es als unseren Auftrag an, das weiterzugeben, was Willi Graf begonnen hat. Ziel der Fahrt ist es, sein Schicksal erfahrbar zu machen und die Orte zu besuchen, an denen er selbst gewirkt hat“, sagt Hufschmidt. Das Interesse der jungen Menschen am Thema sei groß: „Sie wollen sich darauf einlassen und sind sehr motiviert. Manche sind bereits zum zweiten Mal dabei.“
Los ging die Spurensuche im Odeon, damals ein Konzertsaal, den Willi Graf gerne besuchte, heute ein bayerisches Staatsministerium. „Er erwähnt das Odeon auch in seinem Abschiedsbrief an seine Schwester Anneliese“, erklärt Hufschmidt. Weiter ging es zur DenkStätte „Weiße Rose“ an der Ludwig-Maximilians-Universität, wo die Jugendlichen auch die Lichthalle sahen, in der die Flugblätter fallengelassen wurden. Vor dem Wohnhaus Grafs in der Mandelstraße verlasen sie Texte aus seinen Briefen und Tagebüchern sowie Erinnerungen seiner Familie, wie diese die Verhaftung des Sohnes und Bruders im Februar 1943 erlebt hatten. Besonders beeindruckt war die Gruppe vom Besuch des Justizpalast, wo die Schauprozesse gegen die „Weiße Rose“ stattfanden. Heute beherbergt das Gebäude das Bayerische Justizministerium und eine Ausstellung zur Weißen Rose, die in dem Zimmer endet, in dem Willi Graf zum Tode verurteilt wurde. „Im Justizpalast wurde uns bei der Führung deutlich, wie schnell damals die Demokratie zersetzt wurde. Daraus kann man sehr viel mitnehmen, nämlich, dass man aufpassen muss auf das, was heutzutage passiert. Dass man einfach darauf achtet, dass das nicht wieder passiert“, sagt Mirjam Latz.
Bleibenden Eindruck hinterließ auch der Besuch des Gefängnisses in Stadelheim, in dem Willi Graf am 12. Oktober 1943 hingerichtet wurde. „Mich hat die Hintergrundgeschichte von Willi Graf beeindruckt, an den historischen Orten haben wir neue Eindrücke über ihn bekommen, die mir vorher unbekannt waren. Wir haben auch viel über die Verhandlung gegen die „Weiße Rose“ gelernt“, sagt Ben Gechnizdjani.
Ein weiterer Programmpunkt der Fahrt war die Führung durch die KZ-Gedenkstätte in Dachau. „Es war für die Jugendlichen wie die Erwachsenen ein schweres, existenzielles Thema, an dem man nicht vorbeikommt, wenn man sich mit Willi Graf und der NS-Zeit beschäftigt“, sagt Hufschmidt. An dem Ort zu stehen, wo Menschen an anderen Menschen schlimmste Verbrechen verübten, war für die Gruppe ein bedrückendes Erlebnis. „Mich hat der Besuch des Konzentrationslagers sehr beschäftigt. Es war sehr emotional, als ich erfahren habe, was da damals passiert ist. Das war sehr schlimm damals“, sagt Luca Kallenbach. Im Anschluss an die Führung besuchten die Jugendlichen das Kloster Karmel Heilig Blut der Karmeliterinnen, das sich unmittelbar neben dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers befindet. Dort fand ein gemeinsames Abschlussgebet statt.
Jeder der Teilnehmenden hatte zu Beginn der Fahrt ein eigenes Tagebuch erhalten, das sie mit ihren Erkenntnissen und Erfahrungen gefüllt haben. Eine Erkenntnis vieler Teilnehmenden war, dass man auch schon in jungen Jahren anfangen kann, Verantwortung zu übernehmen. „Ich nehme von der Fahrt mit, keine Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Religion zu diskriminieren“, sagt Matti Hölbling.
Neben der Konfrontation mit der Geschichte gab es während der Fahrt immer wieder spirituelle Impulse und Gelegenheit zum Austausch über das Erlebte. Gemeinsam feierte die Gruppe in St. Sylvester, der Kirche, in der Willi Graf oft den Gottesdienst besuchte, eine Messe. Und auch für Freizeit und Stadtbummel blieb genug Zeit – „Wir wollten auch die Stadt kennenlernen, in der Willi Graf so gerne gelebt hat“, so Hufschmidt.