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Kirchliches Amtsblatt - Bistum Trier

Wenn Sie einen Artikel aus dem Kirchlichen Amtsblatt (KA) zitieren wollen, können Sie zur Quellenangabe nach diesem Muster verfahren: KA [Bistum Trier] Jahrgang (Jahreszahl) Artikel-Nummer, also z.B. für das Abschlussdokument der Bistumssynode die Quellenangabe: "veröffentlicht in: KA Bistum Trier, 160 Jg.(2016) Nr. 120".

Im Folgenden nennen wir über der Überschrift des jeweiligen Artikels neben diesen Angaben und dem Datum zur inhaltlichen Orientierung außerdem die Rubriken aus dem KA (z.B. "Akten", "Erlasse des Bischofs", "Verordnungen und Bekanntmachungen", "Kirchliche Mitteilungen" etc.)

Verordnungen und Bekanntmachungen - Sonntag, 15. Mai 2016 - Jahrgang: 160 - Artikel: 120

„heraus gerufen – Schritte in die Zukunft wagen“ Abschlussdokument der Synode im Bistum Trier

1. „Suchet zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit“ (Mt 6,33)

„Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist“.¹ Die Zeilen dieses Liedes haben die Synodalen bei jeder Vollversammlung gesungen. Es sind Zeilen eines leidenschaftlichen Gebetes um den Geist Gottes. Dem Geist Gottes haben sich die Synodalen auch im Synodengebet anvertraut. Es steht für die Überzeugung der Synode, dass nur da, wo Menschen Gottes Geist atmen, der Lebensfunke der Kirche entfacht werden kann. So öffnet sich die Kirche von Trier über ihre Grenzen hinaus auf andere hin. Deshalb hat die Synode in ihren Beratungen nicht nur danach gefragt, wie wir in Zukunft Kirche sein wollen. Sie hat auch gefragt: Wozu sind wir Kirche im Bistum Trier? Wohin will Gott seine Kirche im Bistum Trier heute führen?

Die Synode ist überzeugt: Gott hat einen Plan für die Welt, für alle Menschen unserer Zeit und auch für die Kirche von Trier. Gott hat den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau, geschaffen. Er hat jedem Menschen eine unantastbare Würde verliehen.

Gott will das Heil der Menschen. Er will Lebensfülle für alle. Denn er, der wie Vater und Mutter aller Menschen ist, hat sich anrühren lassen vom Schrei seines versklavten Volkes und ist herabgestiegen, um sein Volk zu befreien (Ex 3). Gott hat Jesus in die Welt gesandt, damit er Gottes Reich verkündet und es durch seinen Weg, durch Kreuz und Auferstehung, zum Durchbruch bringt. Er hat Jesus in die Welt gesandt, damit Menschen Gottes Heil erfahren, vor allem die Menschen, die es am nötigsten brauchen: die in bedrängenden, gewaltsamen, verarmten, unmenschlichen und wie auch immer leidvollen Situationen leben (vgl. Lk 4).

Gottes Ja zu allem, was dem Leben dient, und Gottes Nein zu allem, was das Leben zerstört, drängt die Kirche und drängt jeden einzelnen Menschen in der Kirche zu diesem Bekenntnis. Die Kirche hat Anteil an der Sendung Jesu. Jesu Mission ist ihre Mission, ist Auftrag der Kirche.

Die Synode bekennt sich zu diesem Auftrag und ruft die Kirche im Bistum Trier heraus, sich in all ihrem Tun und Wirken von der Verheißung des Reiches Gottes leiten zu lassen (vgl. Mt 6,33). Das Reich Gottes ist in Jesus Christus angebrochen. Es hält die Hoffnung auf eine neue Welt offen. Diese Hoffnung lässt auch die Kirche im Bistum Trier aus sich herausgehen, ruft sie zu einem Suchprozess heraus und ermutigt sie zur Neuorientierung. Wenn jeder einzelne Mensch diese Hoffnung im Herzen spürt und sich neu der Verheißung des Reiches Gottes anvertraut, kann Neuorientierung geschehen.

Eine Kirche, die sich so versteht, die Jesus und seiner Botschaft vom Reich Gottes folgt, stellt den Menschen, sein Dasein und seine Fragen in den Mittelpunkt: seine Freude und Hoffnung, seine Trauer und Angst². Eine Kirche, die Jesus Christus folgt, weiß sich an die Ränder und Grenzen gesandt, ist empfindsam und solidarisch, wo Menschen in Gefahr sind, ihre Würde zu verlieren oder ihrer Würde beraubt zu werden. Die Kirche Jesu gibt Zeugnis von der Hoffnung, die sie erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15). Sie begibt sich dabei in das ihr selbst Fremde. Sie sucht Begegnung mit Anderem und mit Anderen und lässt sich davon irritieren, betreffen, inspirieren: sie lässt sich evangelisieren.

Eine Kirche, die Jesus und dem Evangelium vom anbrechenden Reich Gottes folgt, setzt auf die Würde und Verantwortung aller Getauften. Sie gibt Charismen Raum, die dem Aufbau des Reiches Gottes dienen, und sie lässt Platz für andere und für einen kreativen Dialog mit ihnen. Sie sucht zu unterscheiden, was „eine Frucht des Gottesreiches sein kann und was dem Plan Gottes schadet“³, um so die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Hinter all diesen Ansprüchen ist unsere Kirche und sind wir oft zurückgeblieben. Wir haben uns schuldig gemacht an Menschen und vor Gott. Deshalb bekennt die Synode: Kirche ist nicht für sich selber da. Es geht nicht um sie selbst, um ihren Einfluss, ihre Deutungshoheit, ihre Legitimierung in der Welt von heute. In der Kirche geht es um Gott und um sein Reich, und deshalb um die Menschen – um jeden einzelnen Menschen genauso wie um die Einheit der ganzen Menschheitsfamilie  4.

Auf dem Boden dieser spirituellen Vergewisserung ermutigt die Synode die Christinnen und Christen im Bistum Trier und auch das Bistum als Organisation, den Aufbruch zu wagen. Sie ermutigt zu einem Prozess diakonischer Kirchenentwicklung – sie ermutigt, sich grundlegend neu auszurichten und in allen kirchlichen Vollzügen missionarisch-diakonisch in die Welt hinein zu wirken.


2. Perspektivwechsel

Die Synode ist von der Notwendigkeit eines Perspektivwechsels überzeugt und betrachtet ihn als wesentlich für die Zukunft der Ortskirche von Trier. Sie nimmt damit tiefer, anders und radikal wahr, dass sich das gesellschaftliche und mit ihm auch das christliche Leben in einem rasanten Wandel befinden.

Im Neuen liegt eine Radikalität, die nicht dem Alten, bisher Bekannten verhaftet bleibt, sondern sich mit Mut und Weite neuen Perspektiven stellt. Damit wird das Bisherige nicht entwertet. Vielmehr wird deutlich, dass vieles nicht mehr der heutigen kirchlichen und gesellschaftlichen Situation entspricht und nicht mehr dazu beiträgt, Menschen für den Glauben zu begeistern und mit Freude Kirche Jesu Christi zu sein.

Es gilt Abschied zu nehmen. Abschiednehmen heißt einsehen, dass etwas ans Ende gekommen ist, und einen Schlusspunkt setzen. Bewusstes und verantwortliches Abschiednehmen lässt dem Zurückgelassenen die Bedeutung, die ihm zusteht. Ein guter Abschied macht einen Neuanfang möglich.

Aus dieser Wahrnehmung heraus hat die Synode vier Perspektivwechsel für die zukünftige Entwicklung der Kirche von Trier beschlossen:

  1. Vom Einzelnen her denken
  2. Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen
  3. Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern
  4. Das synodale Prinzip bistumsweit leben

2.1 Perspektivwechsel Vom Einzelnen her denken

Lass mich Dich lernen, Dein Denken und Sprechen, Dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich Dir zu überliefern habe. (Bischof Klaus Hemmerle) 5.

2.1.1 Bedeutung

Eine Kirche, die vom Einzelnen her denkt, sucht den einzelnen Menschen in seiner Lebenswirklichkeit auf und möchte ihn darin verstehen lernen. Vom Einzelnen her denken meint eine fragende, sich interessierende, sich solidarisierende und eine zugewandte Kirche. Sie vertraut auf die Gegenwart Gottes im Leben jedes Menschen und richtet ihr Handeln an Jesus Christus aus.

So lernt die Kirche von Trier, sich an den Grundfragen der Menschen zu orientieren und sie im Lichte des Evangeliums gemeinsam mit ihnen zu deuten. Das ermöglicht ihr, mit den Menschen neu zu entdecken, wie sie die christliche Botschaft in ihrem Leben wiederfinden.

Dabei blickt die Synode zum einen auf die Vorteile der Individualisierung in der Gesellschaft, zum Beispiel auf die Zunahme individueller Freiheit, das Mehr an Wahlmöglichkeiten, die Pluralität der Lebensentwürfe. Zugleich stellt sich die Synode der Frage, wie mit der negativen Seite der Individualisierung umzugehen ist, etwa mit dem Verlust menschlicher Würde, mit Vereinzelung und Vereinsamung, mit der Konkurrenz um Lebens-Chancen, mit dem Wegfall schützender Gemeinschaft und dem Rückgang bzw. Verlust christlicher Gemeinschaft.

Wenn die Kirche von Trier vom Einzelnen her denken will, wird sie besonders die Begegnung mit den verwundeten, an den Rand gedrängten, armen und benachteiligten Menschen suchen. Was braucht es, damit sie Lebensfülle erfahren? Wie können Vergemeinschaftungsformen aussehen, die Solidarität stiften? Wie kann die Kirche solidarisch Anwaltschaft für sie übernehmen?

Mit dem Perspektivwechsel Vom Einzelnen her denken meint die Synode ausdrücklich nicht, dass alles willkürlich und das Evangelium beliebig wird. Sie rät aber genauso ausdrücklich, dass Kirche sich zum Einzelnen und zur Einzelnen hinwendet, ohne ihn oder sie bevormunden oder uniformieren zu wollen.

„Es geht nicht um den abstrakten Menschen, sondern um den realen, den konkreten und geschichtlichen Menschen. Jeder einzelne Mensch ist gemeint; denn jeder ist vom Geheimnis der Erlösung betroffen, mit jedem ist Christus für immer durch dieses Geheimnis verbunden.“ 6.

2.1.2 Spannung

In einem solchen Perspektivwechsel liegen auch Spannungen. So bedeutet Vom Einzelnen her denken,

sich der Spannung zwischen dem einzelnem Menschen und der kirchlichen Gemeinschaft bzw. der Gesellschaft bewusst zu bleiben. Das Individuum steht der Gemeinschaft gegenüber, und beide sind miteinander verbunden wie die beiden Brennpunkte einer Ellipse. Der einzelne Mensch ist auf andere, auf Gemeinschaft angewiesen: Gemeinschaft kann nicht ohne den Einzelnen, die Einzelne entstehen.

Es stellt sich auch die Frage, wie angesichts eines solchen Perspektivwechsels die Menschen als Volk Gottes gesammelt 7 und als Kirche in die Welt gesendet werden. Es muss gefragt werden, wie sich christliche Gemeinschaft bilden kann, wenn vom jeweils einzelnen Menschen her, von seiner individuellen Situation und von seinen Bedürfnissen her gedacht wird. Kirche und ihre Mitglieder werden mit den pluralen Lebenseinstellungen der Einzelnen konfrontiert sein.

Schließlich ist die Frage zu beantworten, wie sich angesichts der pluralen Lebensentwürfe von der Verbindlichkeit der christlichen Lehre und ihrem Wahrheitsanspruch sprechen lässt. Hier löst Vom Einzelnen herdenken auch Befürchtungen aus, dass da mit die christliche Botschaft in unzulässiger Weise verkürzt oder relativiert werden müsse. Deshalb ist „vom Einzelnen her denken“ immer zu ergänzen mit „vom Anderen her denken“. Es ist und bleibt eine Spannung zwischen der Gemeinschaft der Kirche und dem einzelnen Menschen, die sich auch im Evangelium wiederfindet (z. B. Thomas der Zweifler, Joh 20,19-31).

2.1.3 Abschied

Eine Kirche, die vom Einzelnen her denkt, muss sich verabschieden von der Vorstellung,

  • dass sie Lebensentwürfe als katholisch bzw. christlich definieren und standardisieren könnte;
  • dass sie beurteilen könnte, ob ein Leben gelungen oder gescheitert ist;
  • dass Wahrheiten des Glaubens und gute kirchliche Traditionen von allen Getauften als verbindlich akzeptiert und gelebt würden;
  • dass sich Katechese und das Hineinwachsen in den Glauben ausschließlich an bestimmte Anlässe, etwa die Sakramentenspendung, binden ließe;
  • dass die strukturelle Trennung von territorialer und kategorialer Seelsorge, von Pastoral und Caritas noch der Lebenssituation der Menschen entsprechen würde.

2.1.4 Konsequenz

Im Bistum Trier wird die pastorale und verwaltungsmäßige Praxis vom Einzelnen her orientiert. Es wird eine Kirche sichtbar, die sich den Menschen zuwendet, die den Lebenseinstellungen der Einzelnen Respekt und Achtung entgegenbringt.

Es gilt, dafür Kriterien zu formulieren und die bisherigen kirchlichen Aufgaben einer selbstkritischen Prüfung zu unterziehen. Die Synode ist überzeugt, dass kirchliches Handeln dabei nicht beliebig wird und dass die Botschaft des Evangeliums nicht einfach an den Zeitgeist anzupassen ist. Denn Vom Einzelnen her denken heißt, dem einzelnen Menschen die Frohe Botschaft so anzubieten und sie so zu erschließen, dass er den Punkt seiner eigenen Umkehr erkennen und sich neu dem Nächsten lebensfördernd zuwenden kann (vgl. Jesus im Hause des Zöllners Zachäus, Lk 19,1-10).


2.2 Perspektivwechsel Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen

Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
Gerade die schwächer scheinenden Glieder des Leibes sind unentbehrlich.

(1 Kor 12,7.13.22)

2.2.1 Bedeutung

Mit Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen meint die Synode, dass die Gaben, mit denen Gottes Geist die Getauften ausstattet, im Leben der Kirche von Trier zur Geltung kommen sollen. Es geht also um die Einzelnen, die sich mit dem in die Gestaltung der Kirche einbringen wollen, was der Geist ihnen jeweils schenkt. 8 Kriterien für die Charismen sind, ob und wie sie zum Aufbau christlicher Gemeinschaft in der Gesellschaft beitragen, wie sie tätige Nächstenliebe verwirklichen helfen, wie durch sie Gottesdienste inspiriert werden und wie mit ihnen das Evangelium weitergesagt werden kann.

Dabei bleibt der Zusammenhang von Aufgaben und Charismen im Blick. Fast alle Aufgaben in Kirche und Gemeinde verweisen auf Befähigungen und Kenntnisse, die in einem engen Zusammenhang mit entsprechenden Charismen stehen, und fordern diese heraus. Ausdrücklich befreit der Perspektivwechsel Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen nicht von einer sinnvollen Aufgabenorientierung.

Die Kirche will bestimmte Aufgaben erfüllen, weil sie zu ihrem Auftrag gehören und weil sie dabei auf Gottes Geistesgaben vertrauen kann. Die Synode beobachtet aber auch, dass die gewohnten Strukturen des kirchlichen Lebens manches Charisma behindern und verhindern. Die Aufmerksamkeit für das Wirken des Geistes ist in den Gewohnheiten des pastoralen Alltags allzu oft abgestumpft. Die Synode ist überzeugt: die Gläubigen wollen sich aufgrund ihrer eigenen Charismen sowohl in den jeweils passenden Aufgabenfeldern einbringen als auch neue Tätigkeiten entdecken, wenn sie sich ihrer Geistes-Gaben bewusst werden.

Charismen stärker in den Blick nehmen regt auch dazu an, eine Atmosphäre zu wecken, in der geistliche Berufungen wachsen können; in einer solchen Atmosphäre können Menschen eine Berufung zum geistlichen Dienst als Priester oder Diakon, zu einem pastoralen Beruf oder zu einem Leben der evangelischen Räte in einem Orden oder Säkularinstitut wahrnehmen und sich nach entsprechender Prüfung dafür entscheiden, dieser Berufung zu folgen.

2.2.2 Spannung

Dieser Perspektivwechsel ermutigt dazu, Aufgaben nicht länger um der Aufgaben willen zu erfüllen oder bloß deshalb, weil sie traditionellerweise bisher wahrgenommen wurden.

Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen regt an, durch die Überprüfung von Aufgaben auch Unterbrechungen im Kreislauf des immer gleichen Tuns zuzulassen. Dieser Perspektivwechsel befähigt dazu und gibt die Freiheit, hinzuschauen auf das, was Gottes Geist durch die vielen Gläubigen mit ihren jeweiligen Charismen wirkt, aber auch einen wachen Blick dafür zu bewahren, wo ein anderer als Gottes Geist zum Tragen kommt, ein Geist, der Leben zerstört.

Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen richtet den Blick außerdem auf das Verhältnis von Charisma und Amt. Nach Paulus dienen die Charismen dem Aufbau der christlichen Gemeinde. Bei der Entscheidung darüber, was ein Charisma ist, kann es allerdings zu Konflikten kommen. Die Prüfung und „Unterscheidung der Geister“ (1 Kor 12,10) ist eine beständige geistliche Aufgabe von Leitungsamt und Gemeinde.

Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen verweist zudem auf die Spannung, dass die mit einer hauptberuflichen Tätigkeit verbundenen Pflichten nicht zwangsläufig deckungsgleich sind mit den vorhandenen Charismen.

2.2.3 Abschied

Eine Kirche, die charismenorientiert denkt, muss sich verabschieden von der Vorstellung,

  • dass alle kirchlichen Aufgaben wie bisher weitergeführt werden müssten;
  • dass zukünftig Pastoral ohne eine Reduzierung auf die notwendigen Aufgaben und ohne die Entwicklung entsprechender Aufgabenkriterien auskommen könnte;
  • dass kirchliches Handeln nur dort geschähe, wo ein kirchlicher Amtsträger handelt bzw. anwesend ist;
  • dass Gottesdienste nur dann ordnungsgemäße und gute Gottesdienste wären, wenn ihnen ein Priester oder Diakon vorsteht.

2.2.4 Konsequenz

Mit Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen will die Synode deutlich machen, dass sich die Kirche vom einzelnen Getauften her mit seinen spezifischen Charismen aufbaut. Jede Christin und jeder Christ hat Charismen und ist eingeladen, diese eigenverantwortlich in die Gemeinschaft der Kirche einzubringen. Der Leitungsdienst des kirchlichen Amtes wird dadurch nicht in Frage gestellt, sondern eingebunden in ein lebendiges kirchliches Leben.

Mit diesem Perspektivwechsel möchte die Synode an stoßen, dass die Gläubigen ihr Taufbewusstsein entwickeln, ihre Charismen entdecken und sich mit ihnen in das Leben der Kirche von Trier einbringen.


2.3 Perspektivwechsel Weite pastorale Räume ein richten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern

Wie schön ist es, unsere Pfarreien, Gemeinschaften, Kapellen, die Orte, wo die Christen sind, als wahre Zentren der Begegnung zwischen Gott und uns Menschen zu verstehen. (Papst Franziskus) 9.

2.3.1 Bedeutung

Der Perspektivwechsel Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern beschreibt, was die beiden ersten Perspektivwechsel für die Pfarrei bedeuten. „Innerhalb eines bestimmten Territoriums richtet sich der Blick nun auf das vielfältige Leben der Gläubigen und ihrer Vergemeinschaftungsformen in diesem Territorium. Die so verstandene Pfarrei wird sich immer mehr zu einer Gemeinschaft von Gemeinschaften entwickeln und verschiedene Orte kirchlichen Lebens hervorbringen.“ 10  Damit dies gelingt, bedarf es neuer und größerer pfarrlicher Territorien. In ihnen sollen die pastoralen Teams, die Ehrenamtlichen und die Verantwortlichen für die vorhandenen kirchlichen Einrichtungen netzwerkartig kooperieren.

Dieser Perspektivwechsel erfordert, einen deutlichen inhaltlichen und strukturellen Einschnitt zu setzen.

Er ermutigt, in den sich verknappenden materiellen und personellen Ressourcen auch Chancen zu entdecken11, das Verhältnis von Nähe und Weite neu zu bestimmen und in den Sozialräumen der Menschen aktiv Gemeinde und Kirche zu bilden. Der Perspektivwechsel regt auch an, die lokale Kirchenentwicklung neu anzugehen.

2.3.2 Spannung

Mit diesem Perspektivwechsel wird die Spannung von Nähe und Weite angesprochen und sichtbar gemacht. Die Pfarreien der Zukunft werden neue Formen von Vergemeinschaftung ermöglichen. In netzwerkartigen Kooperationsformen entstehen viele verschiedene und lokal angepasste Themenzentren und Möglichkeiten der Begegnung. Menschen können ihren Glauben an Jesus Christus entdecken und Beziehungen leben.

Es stellt sich auch die Frage, wie Menschen sich heute im christlichen Glauben beheimaten können. Menschen, die christlich leben wollen, sehen sich vor neue Herausforderungen gestellt.

2.3.3 Abschied

Eine Kirche, die in weiten pastoralen Räumen mit netzwerkartigen Kooperationsformen denkt, muss sich verabschieden

  • von der bisherigen Form der Pfarrei und den damit gegebenen Routinen und Gewohnheiten;
  • von der Vorstellung, dass die bisherigen Pfarreien als pastorale Handlungsebene unverändert fortbestünden;
  • von der Vorstellung, dass alle Pfarreien in ihrem äußeren Erscheinungsbild gleich sein könnten oder sollten.

2.3.4 Konsequenz

Mit diesem Perspektivwechsel unterbricht das Bistum Trier die Gewohnheiten und Abläufe des bisherigen kirchlichen Lebens vor Ort. Er bedeutet einen schmerzhaften Einschnitt, weil er das vertraute Umfeld des kirchlichen Lebens verändert wie kein anderer. Die reale Situation lässt aber keinen Zweifel daran, dass diese grundlegenden Veränderungen notwendig sind, wenn die Kirche von Trier es nicht beim bloß passiven Reagieren auf die Entwicklungen belassen will. Das Bistum Trier stellt sich und die Christinnen und Christen vor die Herausforderung, die pastoralen und die Verwaltungs-Prozesse neu zuordnen.

Damit Nähe erfahrbar bleibt, braucht es den Mut, neue Orte von Kirche zu entwickeln und sich entwickeln zu lassen. Es gilt, Neues mutig auszuprobieren und das zu korrigieren, was nicht gelingt.


2.4 Perspektivwechsel Das synodale Prinzip bistumsweit leben

Eine synodale Kirche ist eine Kirche des Zuhörens, in dem Bewusstsein, dass das Zuhören „mehr ist als Hören“.

Es ist ein wechselseitiges Anhören, bei dem jeder etwas zu lernen hat: jeder im Hinhören auf die anderen und alle im Hinhören auf den Heiligen Geist, den „Geist der Wahrheit“ (Joh 14,17), um zu erkennen, was er „den Kirchen sagt“ (Offb 2,7). (Papst Franziskus) 12

2.4.1 Bedeutung

Die Synode hat die Kirche von Trier bereits verändert. Laien, Priester, Diakone und Ordensleute, Hauptamtliche und Ehrenamtliche sehen, hören und beraten gemeinsam in einer neuen Qualität. Diese positiven Erfahrungen soll das synodale Prinzip weitertragen; es soll künftig die Kirche im Bistum Trier auf allen Ebenen prägen.

Der Perspektivwechsel Das synodale Prinzip bistumsweit leben bedeutet: Die als hierarchische Gemeinschaft verfasste Kirche13 anerkennt und lebt, dass sie auf Dialog, Austausch und Beratung angewiesen ist.

Denn im Hören aufeinander wird auch die Stimme des Heiligen Geistes deutlicher erkennbar. So geschieht vom Geist getragene gemeinsame Entscheidungsfindung, Mitverantwortung und Mitbestimmung. Das synodale Prinzip bistumsweit leben bedeutet, dass alle Gläubigen aufeinander hören und sich aufeinander einlassen. Auf diese Weise werden alle zu Akteuren und Mitgestaltern. Dies entspricht dem alten römischen Rechtsgrundsatz, wo nach das, was alle angeht, von allen besprochen werden muss.

2.4.2 Spannung

Das synodale Prinzip bistumsweit leben meint nicht „Basisdemokratie“. Grundlegende Verantwortlichkeiten und Entscheidungskompetenzen werden nicht in Frage gestellt, jedoch werden Entscheidungsprozesse durch synodale Regeln verändert. Die hierfür notwendige Transparenz und Kommunikation stellen alle Beteiligten vor neue Herausforderungen. Maßgeblich wird sein, wie sich die Entscheidungsträger auf den Prozess einlassen und Beratungsergebnisse als verbindlich betrachten. 14 Eine synodale Kirche ruft im Vertrauen auf den Glaubens sinn aller dazu auf, aufeinander zu hören und voneinander zu lernen.

2.4.3 Abschied

Eine Kirche, die das synodale Prinzip leben will, muss sich verabschieden von der Vorstellung,

  • dass kirchliches Leben in allem zentral gesteuert werden müsste;
  • dass in der Kirche nur hauptamtlich Tätige verantwortlich entscheiden könnten und wollten.

2.4.4 Konsequenz

Damit das synodale Prinzip im Bistum Trier gelebt werden kann, sind verlässliche Strukturen erforderlich, die dynamische Prozesse ermöglichen und sichern. Entscheidungen werden in einem guten Miteinander aller Beteiligten vorbereitet, diskutiert und getroffen. Entscheidungsprozesse und Verfahren müssen transparent ausgestaltet sein und gut kommuniziert werden.


3. Haltungen und Kultur

Mit Haltungen und Kultur beschreibt die Synode die Grundlagen einer glaubwürdigeren und überzeugenderen Kirche von Trier. Haltungen prägen das individuelle und gemeinschaftliche Handeln. Kultur entsteht in der großen Organisation des Bistums mit verschiedenen Ebenen und Handelnden in ihren jeweiligen Rollen, Funktionen und Aufgaben. Haltungen und Kultur beeinflussen das Handeln. Das Handeln wiederum verändert Haltungen und Kultur.

Folgende Haltungen und Kultur-Merkmale erachtet die Synode als notwendig, damit die Kirche von Trier – das heißt das Bistum als Organisation und die einzelnen Gläubigen – deutlicher das sein und werden kann, was sie vom Glauben her ist bzw. was sie zu sein hat:

  • Der einzelne Mensch wird in seinen jeweiligen Bedürfnissen und Lebenswirklichkeiten ernst genommen und zu verstehen gesucht.
  • Wert gelegt wird auf einen sensiblen Umgang der Geschlechter. Im alltäglichen Zusammenleben, in der Ausübung kirchlicher Dienste, bei Beauftragungen dazu sowie bei der Besetzung von Führungspositionen und der Vergabe von Aufgaben ist auf ein gerechtes Miteinander von Frau en und Männern zu achten.
  • Es ist eine Verpflichtung, besonders Kinder und Jugendliche zu stärken und zu schützen.
  • Im kirchlichen wie im gesellschaftlichen Leben ist für eine grundlegende Kultur der Achtsamkeit zu sorgen.
  • Die Teilhabe aller am gesellschaftlichen wie am kirchlichen Leben ist zu fördern. Dies ist eine Aufgabe für die Einzelnen, für Gemeinschaften und für die Organisation.
  • Anzuerkennen ist, dass Familie heute in verschiedenen Formen gelebt wird. Familie als Kern von Kirche und Gesellschaft bleibt ein grundlegendes Anliegen.
  • Die Option für die Armen 15 und die Bewahrung der Schöpfung sind biblischer Anspruch, christliche Verpflichtung und soziale Aufgabe.
  • Eine Kultur der Aufnahme und der Solidarität mit den Geflüchteten ist zu fördern. Gegen eine Haltung von Abschottung und Abschreckung ist einzustehen.
  • Die gemeinsame Würde der Getauften prägt das Zueinander und Miteinander von Geweihten und von haupt- und ehrenamtlich tätigen Laien. Sie ist im alltäglichen Umgang wie in der Wahrnehmung von Leitung, Aufgaben und Funktionen ernst zu nehmen.
  • Entdeckung und Förderung der durch den Heiligen Geist geschenkten Charismen sind eine gemeinsame Aufgabe und geschehen in vielfältiger Form, etwa bei der Gewinnung, bei der Ausbildung, beim Einsatz sowie in der Begleitung von Priestern, Diakonen, haupt- und ehrenamtlich tätigen Laien.
  • Berufung und Auftrag aller ist es, den Glauben an Jesus Christus im Leben authentisch zu bezeugen und für ein Leben nach dem Evangelium zu werben. Dieses Zeugnis ist auch Kriterium für die Glaubwürdigkeit der Organisation.
  • Für die menschliche, fachliche und ästhetische Qualität im kirchlichen Handeln und bei gottesdienstlichen Feiern werden messbare und praktikable Kriterien entwickelt.
  • Ausgehend vom Gebet Jesu Christi um die sichtbare Einheit seiner Jüngerinnen und Jünger orientiert sich das Beten und Handeln an einem ökumenischen Miteinander aller Getauften und an verbindlichen strukturellen Beziehungen der Kirchen.
  • Glauben und Nicht-Glauben anderer Menschen werden respektiert und sind Chance und Grundlage für die Förderung interreligiöser und interkultureller Dialoge. In der Begegnung mit Fremden und mit Fremdem wird Eigenes neu entdeckt und das Selbstverständnis wird angefragt.
  • Im Dialog mit den Menschen an vertrauten wie an neu zu entdeckenden Orten wird die Kraft eines glaubwürdigen christlichen Lebens inmitten der vielfältigen Gesellschaft neu entdeckt.
  • Verbindliche Kommunikation in gegenseitiger Achtung ist Sache der Einzelnen wie der Organisation.

4. Neu handeln

Die Perspektivwechsel und die Veränderungen in Haltungen und Kultur führen zu folgenden Maßnahmen.

4.1 Zu den Menschen gehen

4.1.1 Orientierungen

Die Orientierung am Sozialraum16 der Menschen wird grundlegend sein für die zukünftige pastorale und caritative Arbeit des Bistums Trier. Die Sozialraumorientierung wird der Seelsorge, der Katechese sowie der sozial-caritativen Arbeit als Handlungsprinzip verbindlich zu Grunde gelegt. Es ist ein Konzept zu entwickeln, wie Pfarreien, Verbände, sozial-caritative Einrichtungen 17 und weitere Partner in den Sozialräumen jeweils gemeinsam ihre verschiedenen Aufgaben wahrnehmen können.

Engagement im Sozialraum verlangt, die dort lebenden Menschen und sozialen Gruppen mit ihren Ressourcen, mit der Vielfalt ihrer Biografien und ihren Widersprüchen, Brüchen und Sorgen angemessen wahrzunehmen. Die Kirche von Trier wird das Gespräch mit ihnen auf Augenhöhe suchen; sie will ihnen Teilhabe und Teilgabe am Leben ermöglichen und sich kritisch mit Strukturen auseinandersetzen, die ihre Menschenwürde verletzen oder gefährden. Es geht dabei maßgeblich auch um ein Bekenntnis zur biblisch begründeten Option für die Armen. Die Kirche im Bistum Trier sucht die Begegnung mit den Menschen außer an den gewohnten auch an neuen Orten.

Zum Konzept einer sozialraumorientierten Pastoral gehört notwendig, dass das Bistum Trier durch geeignete Aus-, Fort- und Weiterbildung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befähigt, pastorale Praxis und Sprache konsequent an den Menschen und ihren unterschiedlichen Lebenswelten auszurichten, auch in Gottesdienst und Verkündigung.

Die Orientierung des kirchlichen Lebens am jeweiligen Lebens- und Sozialraum verpflichtet auch zur Verantwortung für die Schöpfung. Fragen der Ökologie sind auch soziale Fragen, weil sie das Leben der Menschen betreffen.

Unter Katechese verstehen wir die Einladung zur vertieften Einführung in den Glauben und in die Nachfolge Christi. Sie ist ein lebenslanger Prozess. In ihr werden die Glaubensinhalte und die Lebenswirklichkeit der Menschen in Beziehung gesetzt. Orte, an denen Menschen leben und zusammenkommen, sind katechetische Orte. An ihnen kann Glaube elementar gelebt, erfahren und gelernt werden. Dieser grundlegende Neuansatz ist in einem Konzept für die Katechese weiter zu entfalten und zu konkretisieren.

4.1.2 Konkretisierungen

  • Das Bistum Trier wird die bewährte diakonische Arbeit, etwa in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Beratungsdiensten, Familienbildungsstätten, Kindertagesstätten und Sozialstationen fortführen und weiterentwickeln.
  • Die Kirche von Trier fördert das Ehrenamt und entwickelt dazu entsprechende Standards. Dazu gehören eine vorbereitende Qualifizierung, Angebote zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und stärkende Gemeinschaftserfahrungen.
  • Diakone mit Zivilberuf können in Zukunft auch für ihr Arbeitsumfeld einen diakonischen Auftrag erhalten.
  • Das Bistum Trier wird die geltenden ökologischen Leitlinien konsequent umsetzen und fortentwickeln. Das Konzept zum Klimaschutz wird fortgeschrieben.
  • Das Bistum macht milieu- und situationsspezifische Angebote zur Sinn- und Glaubensentwicklung.
  • In den Schulen werden interne und externe Angebote der Schulseelsorge aufgebaut und weiter entwickelt.
  • Die vorhandenen pädagogischen, seelsorglichen und politischen Angebote für Kinder und Jugendliche werden ausgebaut. Eine aufsuchende Jugendarbeit an Orten, an denen Kinder und Jugendliche zusammenkommen, kann sie in Zusammenarbeit mit anderen Trägern ergänzen.

4.2 Vielfalt als Gottes Geschenk annehmen

4.2.1 Orientierungen

An die Stelle von Einheitlichkeit tritt Vielfalt in Einheit. Die Ortskirche von Trier entwickelt sich zu einer Kirche mit einer Botschaft, aber vielen Gesichtern. Mit Vielfalt sind auch Konflikte verbunden, die auszuhalten sind und für die es gute Lösungen zu finden gilt.

Vielfalt bedeutet, sich im Bistum Trier aktiv dafür einzusetzen, allen Menschen Teilhabe und Teilgabe zu ermöglichen. Barrieren, die einer umfassenden Teil habe aller (Inklusion) entgegenstehen, werden abgebaut.

Das Bistum wird Basisgemeinschaften fördern. Sie sind vielgestaltig in ihren Erscheinungsformen und der jeweiligen Entstehungsgeschichte. In ihnen wollen Menschen miteinander Glauben entdecken, leben und teilen. In ihnen können Menschen ihre Charismen entdecken und entfalten. Die Basisgemeinschaften organisieren und verantworten sich selbst.

Die Formen, in denen Christinnen und Christen im Bistum Trier Gottesdienst feiern, werden vielfältiger. Neben der Eucharistie als „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“18 werden neue Gottesdienstformen entwickelt und verbreitet, um mit unterschiedlichen Zielgruppen, zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten zu feiern. Die Gottesdienstformen entsprechen der Vielfalt der Lebenswirklichkeiten in der heutigen Welt. Sie wollen besonders Menschen ansprechen, die in der Gesellschaft wenig Beachtung erfahren und die nur schwer Zugang zur kirchlichen Gemeinschaft finden, sowie Menschen in für sie belastenden Lebenssituationen und solche, die sich in der Gottesdienstgemeinschaft nicht wahrgenommen und wertgeschätzt erleben.

4.2.2 Konkretisierungen

  • Die Sonntagsgottesdienste werden vielgestaltiger und lebendiger. Zu achten ist auf eine Verlässlichkeit der Zeiten und Orte für die Feier der Eucharistie.
  • Auch sonntags werden nicht-eucharistische Gottesdienstformen, etwa Wort Gottes-Feiern oder Tagzeitenliturgie, angeboten.19 Damit eröffnen sich auch neue Möglichkeiten für eine Stärkung des ökumenischen Miteinanders vor Ort. Vermehrt werden Laien diese Gottesdienste verantwortlich gestalten.
  • Das Bistum erarbeitet eine pastorale Weisung für die gemeinsame Teilnahme konfessionsverbindender Paare am Tisch des Herrn. Diese orientiert sich an der Praxis, die z. B. in der Ortskirche von Straßburg schon seit 1972 geübt wird, konfessionsverbindenden Paaren unter bestimmten Voraussetzungen den gemeinsamen Kommunionempfang zu ermöglichen. 20
  • Zu Verkündigung und Predigt in unterschiedlichen Gottesdienstformen werden dazu befähigte Männer und Frauen beauftragt.  21
  • Laien werden in den Bestattungsdienst eingebunden und werden dazu qualifiziert und beauftragt.

4.3 Den Glauben bezeugen

4.3.1 Orientierungen

In der Kirche von Trier wird das missionarische Bewusstsein der Getauften erneuert und belebt. Dabei geht es immer um die Suche nach Gott im eigenen Leben und im Gegenüber. Den Glauben zu bezeugen, ist Gabe und Aufgabe aller.

Grenzsituationen, Lebenswenden oder existentielle Weichenstellungen im Leben der Menschen eröffnen bei vielen die Frage nach den größeren und verborgenen Horizonten des Lebens. Kirchliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen achten darauf, den Menschen mit Anteilnahme und Wertschätzung zu begegnen. Insbesondere pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind offen dafür, mit den Menschen gemeinsam Wege des Glaubens zu gehen.

Die Glaubens- und Lebenswirklichkeit der Menschen ist Maßstab für die katechetischen Angebote der Kirche von Trier.

Begegnungen an Sonntagen, vor und nach Gottesdiensten, aber auch unabhängig davon eröffnen neue Räume für ein Miteinander und schaffen vielfältige Gelegenheiten zum Austausch und zum Gespräch in Glaubens- wie in Lebensfragen. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt vor Ort.

4.3.2 Konkretisierungen

  • Das Bistum Trier errichtet missionarische Zentren.
    Neue geistliche oder spirituelle Zentren werden in enger Zusammenarbeit mit den Orden oder Geistlichen Gemeinschaften gegründet, bereits bestehende werden gefördert. Sie alle ermöglichen die Auseinandersetzung mit Glaubensfragen und mit Zweifeln. Sie sollen Strahlkraft nach außen entwickeln, anziehend wirken und Sinnfragen klären helfen.
  • Das Bistum ruft missionarische Teams aus Christinnen und Christen mit einer besonderen geistlichen Begabung für die Weitergabe des Glaubens ins Leben. Diese Teams begleiten vor Ort eine Zeit lang das Glaubensleben. Das Bistum Trier richtet ein Freiwilliges Missionarisches Jahr (FMJ) ein, das in den missionarischen Zentren oder missionarischen Teams abgeleistet werden kann.
  • Kleine christliche Gemeinschaften ermöglichen es Christinnen und Christen, Glaubenserfahrungen und Glaubensfragen zu teilen; sie ermöglichen es Gläubigen, ihre Sendung als Einzelne und als Gruppe in Kirche und Gesellschaft zu entdecken. Das Bistum unterstützt und begleitet die Gründung und Entwicklung kleiner christlicher Gemeinschaften, zum Beispiel „fresh expressions of Church“ (neue Ausdrucks formen von Kirche).
  • Grundlage für die Neukonzeptionierung der Katechese sind die Ausdifferenzierung in eine erstverkündigende und eine vertiefende Katechese, die Verlagerung des Schwerpunktes von Katechese auf Erwachse ne sowie die stete Verbindung der Katechese für Kinder und Jugendliche mit katechetischen Angeboten für die sie begleitenden Erwachsenen.
  • Die Vorbereitung auf das Sakrament der Ehe wird nach Möglichkeit als gemeinsamer Weg mehrerer Paare gestaltet. Für konfessions- und religionsverbindende Paare gibt es besondere Angebote. Paare werden nach der Trauung, besonders in den ersten Jahren ihrer Ehe, zu begleitenden Angeboten eingeladen.
  • Die Vorbereitung auf das Sakrament der Taufe wird, soweit es möglich ist, als gemeinsamer Weg mehrerer Elternpaare, Paten und der Gemeinde gestaltet. Für die Familien der Neugetauften gibt es nach der Taufe eigene Angebote.
  • Das Bistum engagiert sich in der pfarrlich und verbandlich strukturierten Kinder- und Jugendarbeit. Beispielhaft stehen Jugendzentren und Jugendkirchen. Dadurch setzt sich das Bistum für den Schutz, die Erziehung, die Bildung und die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ein. Prävention und Sicherheit der Kinder und Jugendlichen vor Übergriffen sind unerlässlich.

4.4 Neue Formen der Gemeinschaft vor Ort schaffen

4.4.1 Orientierungen

Ein wesentliches Merkmal der Pfarrei der Zukunft ist ihre Ausgestaltung als Netzwerk mit Pfarr-Ort, weiteren Orten, Basisgemeinschaften und Themenzentren (etwa zu Caritas und Diakonie, Jugend, Katechese oder Mission). Ein solches Netz werk bezieht seine Dynamik aus der Lebendigkeit seiner Knoten punkte. Es stellt eine Balance her zwischen Nähe zu den Menschen und Weite des Raums.

Soweit von der Sache her begründet und lokal möglich, wird das Bistum Trier in der Pfarrei der Zukunft kategoriale Formen der Seelsorge und caritative Dienste in ein gemeinsames Pastoralkonzept integrieren. Dadurch wird ein umfassendes, an den Lebensorten und Lebenswirklichkeiten der Menschen orientiertes und abgestimmtes seelsorgliches und diakonisches Angebot entwickelt und vorgehalten.

 

4.4.2 Konkretisierungen

 

• Unbeschadet der besonderen Verantwortung des Pfarrers, die ihm aufgrund von Weihe und Beauftragung durch den Bischof zukommt, wird die Leitung der Pfarrei einem Team anvertraut, das in kollegialer Gesinnung zusammenarbeitet. Dieses Team besteht aus dem Pfarrer und mindestens zwei weiteren Hauptamtlichen. Es kann um ehrenamtliche Mitglieder erweitert werden. Die Verwaltung ist im Leitungsteam mit ausreichender eigener Kompetenz vertreten.

• Der Pfarrer ist verantwortlich für die rechte Form der Feier der Sakramente; er ist Fachvorgesetzter des Seelsorgepersonals und hat den Vorsitz im Leitungsgremium. Die Mitglieder im Leitungsgremium haben jeweils eigene Ressortzuständigkeiten und arbeiten auf der Grundlage einer Geschäftsordnung zusammen.

Für alle in der Leitung verantwortlich Handelnden wird ein verbindlicher Führungskodex eingeführt; auf seine Einhaltung wird geachtet.

• In der Pfarrei der Zukunft wird die Übernahme von Verantwortung allen getauften Menschen auf der Grundlage ihrer Fähigkeiten, Qualifikationen, Erfahrungen und Charismen ermöglicht. Weder das Geschlecht noch die Frage, inwieweit jemand ehrenamtlich oder hauptberuflich in der Kirche arbeitet, spielen dabei eine Rolle. Das Leitungsteam sorgt für entsprechende Rahmenbedingungen und für finanzielle, räumliche sowie personelle Ressourcen.

• Für die Hauptamtlichen in der Pastoral wird ein Personalkonzept entwickelt. Der Personaleinsatz erfolgt auf der Grundlage klarer Anforderungsprofile und definierter Qualifikationen. Ziel ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Verantwortung in multiprofessionellen Teams gut wahrnehmen können. Das Personalkonzept für die Pfarrei der Zukunft wird vom Bistum gemeinsam mit den Gremien vor Ort entwickelt.

• Die kategoriale Seelsorge wird, soweit möglich und sinnvoll, in die Pfarrei der Zukunft integriert. Dazu wird ein diözesanes Pastoral- und Personalkonzept entwickelt und regelmäßig überprüft.

• Planung und Verwirklichung der Pfarreien der Zukunft orientieren sich an einer Richtzahl von 60. Die Ebene der Dekanate ist zu überprüfen.

 

4.5 Verantwortung teilen

 

4.5.1 Orientierungen

Der veränderte Blick auf Kirche und Welt und die Erfahrungen der Synode haben gezeigt, dass es an der Zeit ist, den Gläubigen mehr Mitverantwortung als bisher zu übertragen. Die Verantwortung muss sich auch in erweiterten Mitbestimmungs- und Entscheidungsbefugnissen ausdrücken. Das synodale Prinzip verlangt ein neues Zu- und Miteinander von Bischof, Priestern, Diakonen und Laien, von Ehren- und Hauptamtlichen, von Männern und Frauen. Die Kirche wird zukünftig mehr denn je darauf angewiesen sein, dass Menschen sich von Jesus Christus angesprochen wissen und dadurch für den Glauben begeistert sind. Sie lebt vom persönlichen Glaubenszeugnis und von den vielfältigen Gaben der Getauften. Menschen engagieren sich in der Kirche, wenn sie erleben, dass sie angesprochen, beteiligt und wertgeschätzt sind.

 

4.5.2 Konkretisierungen

 

• Rolle und Verantwortung der Laien werden dadurch gestärkt, dass sie Aufgaben in eigener Verantwortung gestalten und neue, attraktive Tätigkeitsfelder erschließen und mit Leben erfüllen können.

Darin wird auch eine neue Wertschätzung des gemeinsamen Priestertums aller Getauften sichtbar.

Zugleich leitet das Bistum Trier einen Prozess ein, in dem sich alle mit ihrem traditionellen Rollen- und Berufsverständnis kritisch auseinandersetzen.

• Die Rätestruktur wird neu gestaltet. Das synodale Prinzip wird auf allen Ebenen des Bistums durch die Einrichtung entsprechender Gremien umgesetzt. Für die Pfarrei der Zukunft wird es ein neues synodales Gremium geben. Auf der Ebene des Bistums wird ein Diözesanrat eingerichtet, in dem neben den Mitgliedern des Priesterrates und des Katholikenrates noch weitere in einer Ordnung zu bestimmende Gläubige zusammenwirken. Die Aufgaben des bisherigen Diözesanpastoralrates werden in den Diözesanrat überführt. Der Diözesanrat wird den Bischof bei allen wichtigen Entscheidungen für das Bistum Trier beraten und unterstützen.

• Auf allen Ebenen des Bistums gilt das Prinzip der Subsidiarität. Aufgaben, Handlungen und Problemlösungen werden von der kleinsten Gruppe oder der untersten Ebene übernommen. Nur wenn dies nicht möglich oder mit erheblichen Hürden und Problemen verbunden ist oder wenn der Mehrwert einer Zusammenarbeit offensichtlich ist und diese bejaht wird, soll die nächsthöhere Ebene subsidiär, das heißt unterstützend eingreifen.

 

4.6 In Beziehungen leben

 

4.6.1 Orientierungen

Die Formen des Zusammenlebens werden vielfältiger.

Dazu gehören auch eine Zunahme der Single-Haushalte und eine neue Ordnung der Geschlechterverhältnisse. Die Kirche von Trier betrachtet daher Familien- und Geschlechterrollen neu.

Als Zeichen von Gottes Liebe zu den Menschen gilt die sakramentale Ehe. Deshalb ermutigt die Kirche zur christlichen Ehe und hilft Paaren, diese Lebensform zu verwirklichen. Die Liebe Gottes wird auch in anderen Formen des menschlichen Zusammenlebens sichtbar. In ihnen werden die Werte Liebe, Treue, Würde, Verlässlichkeit, Verantwortungsbereitschaft, Vergebung und Versöhnung ebenfalls realisiert.

Der Familienbegriff hat sich in unserer Zeit erweitert. Familie wird nicht nur dort gelebt, wo Ehepaare Kinder haben, sondern auch dort, wo Frauen und Männer etwa in Patchwork-Familien Verantwortung für die Kinder der Partner übernehmen, wo Alleinerziehen de oder Nicht-Verheiratete mit ihren Kindern zusammenleben, wo mehrere Generationen unter einem Dach wohnen oder wo gleichgeschlechtliche Partnerinnen und Partner elterliche Verantwortung für Kinder übernehmen.

 

4.6.2 Konkretisierungen

 

• Die Kirche von Trier wird sich verstärkt der Menschen annehmen, deren Leben durch Brüche in Beziehungen und die Entscheidung zum Neubeginn geprägt ist. Diese Menschen erfahren eine wertschätzende und unterstützende Begleitung, die sie in ihrer Lebens-, Liebes- und Beziehungsfähigkeit stärkt und neue Perspektiven für ihr Leben eröffnet. Eltern und Kinder aus Trennungsfamilien finden in besonderen pastoralen Angeboten Stärkung und Ermutigung.

• Vor allem dort, wo das soziale Netz der Familie nicht mehr trägt, unterstützt die Kirche von Trier das Zusammenleben der Generationen unter einem Dach in vielen Formen.

• Pastorale Angebote für Alleinerziehende mit ihren Kindern tragen deren besonderen zeitlichen, finanziellen und persönlichen Bedürfnissen Rechnung. Alleinerziehende erhalten in den kirchlichen Strukturen Gesicht und Stimme.

• In den Fällen von Trennung, Scheidung und Wiederverheiratung erfolgt ein behutsamerer Umgang mit dem Begriff „Scheitern“. Die mit einem solchen Ereignis verbundenen Chancen des Reifens und für einen Neuanfang werden vermehrt wahrgenommen. Es wird eine verbindliche Handreichung mit Ritualen und Gebeten für Wiederverheiratete entwickelt, die auf den schon bestehenden Dokumenten der (Erz-) Diözesen Straßburg, Luxemburg, Innsbruck und Freiburg aufbaut.22

• Die Kirche von Trier geht respektvoll und wertschätzend mit Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften um. Ein kontinuierlicher Dialog auf allen Ebenen und die Zusammenarbeit mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen und ihren Verbänden sind selbstverständlich zu pflegen.

Ein pastorales und liturgisches Angebot für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ist im Dialog mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen zu entwickeln; dieses Angebot richtet sich auch an deren Kinder und das gesamte familiäre Umfeld.

• Die Gewalt gegen Frauen, Männer und Kinder, insbesondere in familiären Zusammenhängen, ist besorgniserregend. In den kirchlichen Aus- und Weiterbildungskonzepten wird Wissen um die physischen, psychischen und sozialen Auswirkungen von Gewalt vermittelt; die notwendige Sensibilität für die Betroffenen wird verstärkt. So eröffnen sich Handlungsoptionen und kann Hilfe geleistet werden.

• Das Bistum erkennt die Gleichberechtigung von Frauen und Männern an und setzt sich für ihre Verwirklichung auf allen seinen Leitungs- und Arbeitsebenen ein, sofern kirchenrechtliche Regelungen dem nicht entgegenstehen. Eine dazu eingesetzte Kommission für Geschlechtergerechtigkeit, die paritätisch mit Frau en und Männern besetzt ist, konkretisiert und überprüft die Maßnahmen zur Verwirklichung der Geschlechtergerechtigkeit. Sie hilft bei der Entwicklung besserer Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Ehe, Beruf, Familie und Ehrenamt für Männer und Frauen.

 

5. Weitergehende Erkenntnisse – Grenzen als geistliche Herausforderung

 

In den Diskussionen der Synode sind Fragestellungen angesprochen und diskutiert worden, die die Kompetenz einer Diözesansynode überschreiten (z. B. Zulassungsbedingungen zum Priesteramt) oder in ihr nicht abschließend beraten werden konnten. Dies betrifft auch Konflikte, die die grundlegende Ausrichtung der Kirche von Trier betreffen. Wege zur Bearbeitung und Lösung dieser Konflikte scheinen in den Ergebnissen der Synode auf. Die Konflikte sind aber nicht abschließend geklärt worden. Damit zeigen sich auch Grenzen eines synodalen Prozesses. Dieser Grenzen ist sich die Synode bewusst. Folgende Kernthemen sind nicht abschließend diskutiert worden:

• Mehrfach wurde ein gemeinsames Leitbild eingefordert. Es gab verschiedene biblisch orientierte Ansätze, ohne dass die Synode ein gemeinsames Leitbild verabschiedet hat.

• Immer wieder wurde in den Vollversammlungen die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Herausforderungen eingefordert. Die Diskussion der prägenden Entwicklungen unserer Zeit wurde unter der Fragestellung geführt, wie die Kirche von Trier mit den darin enthaltenen Chancen sowie Bedrohungen für den Einzelnen, für das menschliche Mit einander und für die christliche Lebensgestaltung umgehen will.23 Die Ergebnisse dieser Diskussionen wurden von der Synode aber nicht als Grundlage für die Weiterarbeit beschlossen. Ansätze aus den synodalen Beratungen dazu, wie auf diese Spannung geantwortet werden kann, bilden sich in den Perspektiv wechseln, in der Beschreibung von Haltungen und Kultur und in den konkreten Maßnahmen ab.

• Eine lebendige Ökumene ist unverzichtbar als sichtbares, hoffnungsstiftendes Zeichen der Einheit, die gemeinsam mit den Geschwisterkirchen anzustreben ist. Die Spaltung der Christenheit beeinträchtigt erheblich die Glaubwürdigkeit der Kirche. Die Ökumene wurde daher als Querschnittsthema vereinbart und sollte in der Arbeit der Sachkommissionen berücksichtigt werden. Sie findet sich aber nur in einigen Empfehlungen ausdrücklich wieder. Deshalb bedarf das Thema „Ökumene“ einer weiteren, tiefgehenden Bearbeitung.

• Partner aus der Weltkirche waren bei der Synode präsent. Die Teilnahme der Repräsentanten der bolivianischen Kirche bekräftigte die langjährige Partnerschaft. Auch wenn die inhaltliche Beschäftigung mit der weltkirchlichen Verantwortung keinen inhaltlichen Schwerpunkt der Beratungen in den Vollversammlungen darstellte, wird der Dialog mit den weltkirchlichen Partnern intensiv weitergeführt.

• Die Ergebnisse der Synode werden auch den priesterlichen Dienst und das Weiheamt herausfordern.

Sie berühren die geistliche und theologische Entfaltung des priesterlichen Dienstes mehr als dessen praktische Ausübung. Die Synode hat nur in Diskussionsansätzen danach gefragt, wie die theologische Hinordnung des Weiheamtes auf die Würde aller Getauften vertieft und in der Kirche von Trier gelebt werden kann. Es gilt, diese Diskussion aufzugreifen und fortzuführen.

Parallel zur Synode im Bistum Trier fand die römische Bischofssynode zu Ehe und Familie statt. Ihre Ergebnisse fanden Eingang in das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus Amoris Laetitia.

Dieses berührt zwar Themen, die auch in der Bistumssynode sowie in einem der thematischen Foren aus Anlass der Synode 24 diskutiert wurden, es konnte aber nicht mehr in die Ergebnisse der Synode einfließen.

Im Anschluss an die Synode muss ein Weg gefunden werden, wie mit diesen Themen auch im Sinne einer geistlichen Vergewisserung weiter umgegangen wird; sie müssen erörtert und geklärt werden. Dazu gehört auch ihre Berücksichtigung im Umsetzungsprozess.

 

6. Einen neuen Anfang wagen und Kurs halten

 

Die Kirche von Trier will die angestrebten Veränderungen erreichen. Sie eröffnet einen neuen Prozess der geistlichen Vergewisserung und einer visionären Kirchenentwicklung.

 

6.1 Glaubwürdigkeit

 

Die Empfehlungen der Synode möchten dazu beitragen, dass die Trierer Ortskirche in Gegenwart und Zukunft glaubwürdig und überzeugend das Evangelium Jesu Christi verkündet und Zeugnis gibt von Gottes Zuwendung zu allen Menschen. Dies setzt die Bereitschaft voraus,

• Prozesse zu gestalten und zu begleiten, die es Christinnen und Christen möglich machen, sich von Vielem zu verabschieden, was bisher vertraut und lieb gewonnen war, um frei zu sein für Neues; • die notwendigen Haltungen und die entsprechende Kultur zu formen;

• auf der Grundlage der Perspektivwechsel Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die zukunftsfähig sind.

 

6.2 Qualität

 

Bei der menschlichen, fachlichen und ästhetischen Qualität des kirchlichen Handelns geht es um das geistliche Wachsen und Reifen jedes einzelnen Menschen sowie der unterschiedlichen Gemeinschaften.

Damit kirchliches Handeln entsprechende Qualität erreichen und diese gesichert werden kann, bedarf es förderlicher Organisations- und Verwaltungsstrukturen; notwendige und hilfreiche rechtliche Regeln sind zu erarbeiten und durchzusetzen, methodische und inhaltliche Vielfalt ist erforderlich.

Die Überprüfung, Sicherung und Entwicklung der Qualität bedienen sich bewährter und zeitgemäßer Formen. Dazu gehört:

• verpflichtende Ziele, Standards und Kriterien für die jeweiligen Zuständigkeiten zu formulieren;

• Standards für eine Ehrenamtsentwicklung zu erarbeiten, die sich an den Bedürfnissen, Fähigkeiten und Charismen der Menschen im Ehrenamt orientieren;

• verbindliche Kriterien für Stellen- und Aufgabenbeschreibungen festzulegen, die sowohl dem Stelleninhaber bzw. der Stelleninhaberin Sicherheit geben als auch die darin enthaltenen Anforderungen überprüfbar machen;

• Ausbildungsordnungen, Aufgaben- und Stellenbeschreibungen sowie Qualifikationsprogramme so aus zu richten, dass sie dazu beitragen, Charismen zu entdecken und zu fördern und mit Aufgaben zusammenzubringen;

• eine verbindliche Ordnung für Leitungsteams in den Pfarreien zu erlassen;

• geistliche Begleitung und Einkehrtage für Einzelne und Gemeinschaften, für Haupt- und Ehrenamtliche anzubieten, damit sie ihren Auftrag in der Kirche wahr nehmen und im Licht des Glaubens deuten und reflektieren können;

• Fort- und Weiterbildungen, Personal-, Team- und Fachgespräche, Supervision, Organisationsberatung und kollegiale Beratung, Coaching und Mentoring für Einzelne und Gemeinschaften, für Haupt- und Ehrenamtliche zu initiieren;

• Modellprojekte durchzuführen, die es ermöglichen, die neue Praxis zu überprüfen und sie weiter zu entwickeln;

• Veränderungsprozesse an verschiedenen Orten unter schiedlich zu initiieren und zu gestalten;

• Fehler und Irrtümer als Chancen zu Weiterentwicklung oder Kurskorrektur zu begreifen;

• Formen der Konfliktbewältigung, zum Beispiel Mediation, einzuführen.

 

6.3 Verbindlichkeit

 

Der Synode ist bewusst, dass die umzusetzenden Veränderungen an menschliche, strukturelle und finanzielle Grenzen stoßen können. Evaluation, Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung machen jedoch deutlich, dass das Bistum die angestrebten Veränderungen ernsthaft umsetzt. Zur Umsetzung der Ergebnisse der Synode ist ein verbindlicher Zeitrahmen notwendig.

Die Kirche von Trier wagt einen neuen Anfang. Sie geht den Weg konsequent und setzt nach der Synode einen Umsetzungsprozess in Gang. Wünschenswert ist, dass die bisherigen Synodalen Botschafter und Botschafterinnen der synodalen Anliegen bleiben.

Die Kirche von Trier vollzieht damit den Wechsel von „der Volkskirche hin zur Kirche des Volkes Gottes“25, das auf dem Weg ist zum Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit (Mt 6,33).

 

Anlage zum Abschlussdokument

Die Empfehlungen der Sachkommissionen im Wortlaut

Die Empfehlungen der Sachkommissionen sind die Arbeitsergebnisse, die die zehn Sachkommissionen26 von Mai 2014 bis August 2015 erarbeitet haben. Die sechste Vollversammlung (10. bis 12. Dezember 2015) hat die Empfehlungen drei Kategorien zugeordnet: 1. Haltungen und Kultur, 2. Maßnahmen und 3. Instrumente.

Die nachfolgend im Wortlaut aufgeführten Empfehlungen sind das Fundament des Abschlussdokumentes und bieten Konkretisierungen und Präzisierungen, die im Text des Abschlussdokuments nicht alle wiedergegeben werden konnten.

Die Empfehlungen sind hier im Wortlaut mit leichten sprachlichen Anpassungen und Vereinheitlichungen übernommen.

 

1. Die Empfehlungen der Sachkommissionen zu Haltungen und Kultur im Wortlaut

 

1.1 Entwicklung zu einer diakonischen Kirche

 

Die Ortskirche von Trier entwickelt sich zu einer diakonischen Kirche, die Menschen in Armut, Bedrängnis und Not wahrnimmt. Sie lässt sich von ihnen berühren, handelt mit ihnen solidarisch und lässt sich von ihnen evangelisieren.27 Dies geschieht auf drei Handlungsebenen:

• Kirche begegnet und unterstützt Menschen in Not auf Augenhöhe (Individuelle Diakonie).

• Sie ermöglicht Teilhabe und Teilgabe an Bildung und gesellschaftlichem Leben (Kulturelle Diakonie).

• Sie setzt sich kritisch mit wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Strukturen auseinander und tritt für menschenwürdige Lebensbedingungen ein (Politische Diakonie).

Dieses Handeln führt in gemeinsame Lern- und Entwicklungsprozesse.

Durch ihr diakonisches Handeln bekennt sich die Ortskirche von Trier zur biblisch begründeten Option für die Armen und entscheidet sich für eine pastorale Umkehr.28

 

1.2 Verflechtung der Grundvollzüge der Kirche

 

Die Ortskirche von Trier sorgt dafür, dass auf allen Ebenen der kirchlichen Praxis die vier Grundvollzüge der Kirche

• Nächstenliebe/Diakonie

• Gottesdienst

• Verkündigung/Zeugnis

• Solidarische Gemeinschaft mit einander verflochten sind und in einem lebendigen Austausch stehen. In ihrer Verflechtung verbinden diese vier Grundvollzüge Tod und Auferstehung Jesu Christi mit der Realität des Alltags. Daraus erwächst eine „Kultur des Teilens“ von materiellen Gütern, kulturellen Schätzen, sozialen Beziehungen und Glaubenserfahrungen. Gelebte Nächstenliebe prägt das gesamte kirchliche Handeln innerhalb unseres Bistums.

Deshalb begegnet die Ortskirche von Trier den Menschen mit besonderer Wertschätzung, die in Familie, Nachbarschaft, Ehrenamt und Beruf diakonisch handeln.

 

1.3 Leitungspositionen geschlechtersensibel besetzen

 

Die Ortskirche von Trier entwickelt sich zu einer Kirche, die die Gottebenbildlichkeit aller Menschen als Beziehungsgeschehen lebt (vgl. Gen 1,27).

Dies zeigt sich in einem partnerschaftlichen weiblichen und männlichen Zueinander in Kirche und Welt.

Die Kirche soll, auch als Arbeitgeberin, für Frauen und Männer gleichermaßen attraktiv sein, indem sie ihre Leitungspositionen geschlechtersensibel besetzt.

Deshalb soll es gleichberechtigte Zugangsmöglichkeiten für Aufgaben und Tätigkeiten in der Kirche geben, abgesehen von den Aufgaben und Tätigkeiten, die an das Sakrament der Weihe gebunden sind.

 

1.4 Missionarisch-diakonische Grundausrichtung des Bistums

 

Mutig andere Wege gehen ist wichtiger als Festhalten an alten Sicherheiten. Daher soll sich das Bistum Trier als missionarisch-diakonische Ortskirche neu aus richten und sich so in Gesellschaft und Staat prägend und erkennbar einbringen.

Diese Neuausrichtung zielt auf eine Kulturveränderung und betrifft das Gesamte des Bistums, insbesondere hinsichtlich der Steuerung, der Strukturen, der Ressourcen, der pastoralen Schwerpunkte und Initiativen sowie der Vernetzungen und Kooperationen. So soll ein erheblicher Prozentsatz des pastoralen Personals und der Bistumsfinanzen künftig ausdrücklich für missionarisch-diakonische Belange eingesetzt werden. Diese Ressourcen müssen an anderer Stelle abgezogen und freigemacht werden.

 

1.5 Perspektivwechsel

 

Es braucht einen Perspektivwechsel. Die „Pfarrei der Zukunft“ soll nach folgenden Prinzipien gestaltet werden:

• Deutlicher als bisher muss die Neugestaltung von der Würde des einzelnen Getauften ausgehen. Dieser Taufwürde entspricht eine Verantwortung, die sich in der Ausprägung von Charismen ebenso niederschlägt wie in der Ausübung von Kompetenzen.

• Deutlicher als bisher müssen die Lebenswirklichkeiten mit den prägenden Entwicklungen der „Zeichen der Zeit“ angenommen werden.

• Deutlicher als bisher vertrauen wir auf das Wirken des Heiligen Geistes.

• Deutlicher als bisher muss sich am Sozialraum orientiert werden.

• Deutlicher als bisher bedarf es territorialer wie kategorialer Durchlässigkeit.

• Deutlicher als bisher gilt es, die Subsidiarität anzuwenden.

• Deutlicher als bisher gilt es, den heutigen Herausforderungen in einem ökumenischen Miteinander zu begegnen.

Ein Rahmenleitbild für die Pfarrei der Zukunft soll erarbeitet werden, das genug Raum lässt für eine Anpassung an die Gegebenheiten vor Ort und das dem o. g. Perspektivwechsel Rechnung trägt.

 

1.6 Differenzierte Verknüpfung von Leben und Glauben als Leitbild der Katechese

 

Für die Katechese im Bistum Trier soll folgendes Leitbild gelten:

Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.

(Bischof Klaus Hemmerle)29

Dies ist das Leitwort für alles katechetische Handeln im Bistum Trier. Katechese ist ein grundlegendes Tun der Kirche, das Wachstumsprozesse im Glauben auslösen und begleiten will. Sie fördert den Dialog sowohl unter den Menschen als auch zwischen Gott und den Menschen.

Es werden bei jeglicher Form von Katechese die Glaubensinhalte und die Lebenswirklichkeit des Adressaten in Beziehung gesetzt. Damit ist Katechese subjekt- und biografieorientiert sowie existentiell und erfahrungsbezogen.

 

1.7 Katechese als Aufgabe aller Getauften

 

Grundlage aller Katechese ist das authentische Lebenszeugnis aller Gläubigen.

Sie geben Zeugnis von ihrer Hoffnung. Diese Hoffnung konkretisiert sich in den vielfältigen missionarischen und diakonischen Haltungen.

 

1.8 Getaufte und die neuen Orte

 

Es gibt Christinnen und Christen, die neue Formen und Projekte des „Glauben leben Lernens“ an neuen Orten mit den dort anzutreffenden Menschen erproben wollen. Sie sind zu unterstützen und im Falle der Gründung einer neuen Gemeinde für diese zu entsenden und zu beauftragen.

 

1.9 Qualität

 

Die Sicherung und laufende Verbesserung der Qualität der sonntäglichen Gottesdienste ist von besonderer Bedeutung. Dazu werden Qualitätsstandards im wertschätzenden Miteinander in einem breit angelegten Dialogprozess aller an den Sonntagsgottesdiensten Beteiligten erarbeitet. Diese Qualitätsstandards beziehen sich auf den Gestaltungsspielraum, der im Rahmen der liturgischen Vorgaben besteht. In gleicher Weise werden Instrumente der Qualitätserhaltung und -verbesserung entwickelt; z. B. Angebote wie Supervision, Intervision, kollegiale Beratung oder Qualitätszirkel.

 

1.10 Ökumenische Offenheit

 

Gottesdienste sollen so weit wie möglich bewusst in ökumenischer Offenheit gefeiert werden. Diese grundsätzliche Offenheit wird gezielt gefördert – auch indem Christen anderer Konfession eingeladen werden, bei solchen Feiern Dienste zu übernehmen.

 

1.11 Charismen müssen entdeckt und gefördert werden

 

Die Kirche von Trier veranlasst einen Prozess der geistlichen Vergewisserung und visionären Kirchenentwicklung. Er soll Charismen entdecken und fördern.

Dieser Prozess findet auf allen Ebenen statt, vor allem in den pastoralen Einheiten und in den Basisgemeinschaften.

Für einen solchen Prozess ist es notwendig,

• über den Glauben und die eigenen Gaben ins Gespräch zu kommen,

• die bestehende Situation zu analysieren und Aufgaben, die sich aus ihr ergeben, zu entwickeln,

• Gaben und Aufgaben zusammenzubringen und dafür auch moderne Kommunikationsmittel zu nutzen,

• die Entwicklung kritisch zu reflektieren und

• Elemente des geistlichen Prozesses in andere pastorale Felder zu integrieren.

 

1.12 Der Begriff Familie muss neu gedacht werden

 

Die Synode empfiehlt, in der Aus- und Weiterbildung aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirche Module zum Thema „Realitäten des Zusammenlebens heute“ fest zu verankern. Da durch soll ein Perspektivenwechsel erreicht werden.

Die kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen als weltoffene, (sprach-) sensible und reflektierte Menschen wirken. Sie sollen in der Lage sein, an ihren eigenen vorgefassten Bildern zu arbeiten, um allen Familien formen mit Wertschätzung zu begegnen.

 

1.13 Ermutigung zur Familie

 

Kirche ermutigt, heute als Familie zu leben. Familie leben heißt, vielfältige Herausforderungen zu meistern. Nicht hohe Ideale, sondern eine pragmatische Sicht soll die Wertschätzung von Familie prägen. Kirche macht Familien Mut zur „gelungenen Halbheit“30.

 

1.14 Geschlechtergerechte Pastoral

 

Es wird empfohlen, sich systematisch mit der Geschlechtergerechtigkeit („Gender-Frage“) mit Blick auf die Entwicklung einer geschlechtergerechten Pastoral zu befassen. Dabei geht es um Gerechtigkeit, nicht um Gleichmacherei.

Für eine geschlechtergerechte Pastoral ist Sorge zu tragen, in der Frauen und Männer ihre je eigenen Begabungen und Fähigkeiten in gegenseitigem Respekt entwickeln und teilen können.

Bewusstseinsprozesse sind zu initiieren und Kompetenzen, Maßnahmen und Erprobungsfelder zu fördern, die dazu beitragen, (überkommene) traditionelle Rollenbilder und entsprechende Handlungsmuster aufzudecken.

Die Sprache der Liturgie ist auf Geschlechtersensibilität hin zu überprüfen und weiter zu entwickeln.

Die Gestaltung von pastoralen Angeboten ist nach Möglichkeit Frauen und Männern gemeinsam zu über tragen.

Das Thema „Geschlechtersensibilität“ ist in Kitas, Schulen und Jugendverbänden zu verankern, ebenso in Ausbildungsmodulen für pastorale, pädagogische und klinische Berufe.

 

2. Die priorisierten Maßnahmen im Wortlaut

 

2.1 Sozialraumorientierung

 

Zusammen mit allen Menschen guten Willens arbeitet die Ortskirche von Trier mit an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen vor Ort (im Sozialraum).Wo immer möglich, stellen sich die Seelsorge und die katholischen sozial-caritativen Einrichtungen und Dienste gemeinsam dieser Auf gabe.31 Als verbindendes Handlungsprinzip für Seelsorge und sozial-caritative Einrichtungen und Dienste wird das Konzept der Sozialraumorientierung zugrunde gelegt.

 

2.2 Die Ortskirche von Trier versteht sich inklusiv

 

Die Ortskirche von Trier versteht sich inklusiv. Daraus ergibt sich die gleichberechtigte Teilhabe und Teilgabe aller Menschen. Die Ortskirche von Trier baut dazu die vielfältigen gesellschaftlichen und praktischen Barrieren ab, die Teilhabe und Teilgabe erschweren oder verhindern, und setzt sich für Inklusion in der Gesellschaft ein.

Von Barrieren Betroffene haben eine besondere Aufmerksamkeit für diese Barrieren; sie haben Ideen zu ihrer Überwindung. Sie müssen daher von Anfang an und in allen Phasen selbstbestimmt an Veränderungen beteiligt sein.

Eine diakonische Kirche trägt dazu bei, dass in Kirche und Gesellschaft Vielfalt als Chance und Reichtum gesehen und geschätzt wird.

 

2.3 Verantwortung für die Schöpfung

 

In der Ortskirche von Trier gehören diakonisches Selbstverständnis und die Verantwortung für die Schöpfung unmittelbar zusammen:

„Wir kommen (…) heute nicht umhin anzuerkennen, dass ein wirklich ökologischer Ansatz sich immer in einen sozialen Ansatz verwandelt, der die Gerechtigkeit in die Umweltdiskussionen aufnehmen muss, um die Klage der Armen ebenso zu hören wie die Klage der Erde.“32 Schöpfungsgerechtes Handeln ist Gotteslob. Es wird nachprüfbar verwirklicht durch

a) die konsequente Umsetzung der Ökologischen Leitlinien des Bistums,

b) die Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts sowie

c) den schrittweisen Ausgleich der Emission schädlicher Klima gase nach Ermittlung der zugrundeliegenden unvermeidbaren CO2-Emissionen (und der finanziellen Mittel). Der Ausgleich kommt der Förderung von Initiativen bolivianischer und anderer Partner (Klimakollekte) zum Schutz vor den Auswirkungen und zur Anpassung an den Klimawandel zugute.

Schöpfungsgerechtigkeit schließt einen verantwortlichen Umgang mit den Tieren, unseren Mitgeschöpfen, ein.

 

2.4 Ehrenamtliches Engagement

 

Eine diakonische Kirche lebt davon, dass Menschen sich ehrenamtlich engagieren.

Die Ortskirche von Trier setzt verbindliche Standards für eine an den Interessen, Begabungen und Fähigkeiten der Menschen orientierte Ehrenamtsentwicklung. Dazu gehören:

• vorbereitende Qualifizierung,

• Entwicklung der Persönlichkeit,

• stärkende Gemeinschaftserfahrungen,

• förderliche Rahmenbedingungen,

• fortlaufende Qualitätssicherung,

• Offenheit für neue Tätigkeitsfelder in Kirche und Gesellschaft.

Damit fördert die Kirche von Trier die Weiterentwicklung eines vielfältigen Ehrenamts mit unterschiedlichen Qualifikationsanforderungen und dient der Entwicklung eines selbstverantworteten freiheitlichen Christseins in einer diakonischen Kirche.

 

2.5 Von den Zielgruppen her handeln und verständlich sprechen

 

An den Lebensformen der einzelnen Menschen anzuknüpfen ist wichtiger als bei Angeboten eigenen Ideen zu folgen. Leitend ist die Frage Jesu: Was willst Du, dass ich Dir tun soll? (Mk 10,51)

Daher soll der Bischof eine Palette von Maßnahmen ergreifen, mit denen die pastorale Praxis und Sprache konsequent und überprüfbar an den Menschen und ihren unterschiedlichen Lebenswelten ausgerichtet wird. Solche Maßnahmen sind z. B.:

• Die Methoden der lebensraumorientierten und der sozialraumorientierten Seelsorge werden weitergefördert und verbreitet.

• Die milieusensible Ausrichtung des seelsorglichen Handelns wird intensiv gefördert und verbreitet.

• Praxis-Werkzeuge werden entwickelt und verbreitet.

• Die kirchliche Sprache in Gottesdienst, Verkündigung und Veröffentlichungen soll für heutige Menschen immer besser verständlich werden.

• Die Umsetzung dieser Ziele wird mit Hilfe von Methoden der Qualitätssicherung beschrieben und überprüfbar gemacht.

 

2.6 Missionarisches Bewusstsein der Getauften fördern

 

Alle Getauften sind Jüngerinnen/Jünger sind Missionarinnen/Missionare. Um dieses Bewusstsein zu erneuern, zu verstärken und zu beleben, sollen in jedem Visitationsbezirk des Bistums missionarische Zentren eingerichtet werden.

Für diese Zentren werden Glaubenskurse entwickelt, die unterschiedliche Altersgruppen und Milieus ansprechen und anziehen und die dezentral durchgeführt werden. Die Kurse sollen das Glaubenswissen und die Kenntnis der frohen Botschaft fördern. Sie dienen der Auseinandersetzung mit Glaubensfragen und -zweifeln. Sie tragen dazu bei, sprachfähig zu wer den und in einfacher und verständlicher Sprache „Auskunft (zu) geben von der Hoffnung, die uns trägt“ (1 Petr 3,15).

Um darüber hinaus an andere Orte zu gehen und dort die Frohe Botschaft erlebbar zu machen, ist es notwendig, dass sich Menschen finden, die missionarische Charismen für verschiedene Milieus mitbringen. Diese Charismen sollen wertgeschätzt und gefördert werden.

 

2.7 Kleine Christliche Glaubens- und Gebetsgruppen stärken

 

Selber die christliche Botschaft in der Begegnung mit dem anderen besser verstehen lernen ist wichtiger als die Überzeugung, die christliche Botschaft zu kennen und zu „besitzen“. Daher sollen künftig Kleine Christliche Gemeinschaften in allen Pfarreien des Bistums Trier gegründet werden oder bestehende gefördert und weiterentwickelt werden.

In solchen Gruppen machen sich Christen gemeinsam auf den Weg, indem sie miteinander hinhören, was ihnen das Wort Gottes sagt, und über ihre Erfahrungen des Glaubens und Lebens sprechen. Sie tauschen sich über das eigene Verständnis von Glaubensthemen, -fragen und -zweifeln offen aus. Indem sie danach fragen, was Gottes Wort in ihrer konkreten Situation bedeutet, entdecken sie ihre Sendung als Einzelne und als Gruppe. Möglicherweise entwickelt sich daraus ein konkreter diakonischer Einsatz.

So erfahren sich die Glaubens- und Gebetsgruppen als Kirche im Kleinen.

 

2.8 Netzwerk

 

Menschen organisieren sich heute netzwerkartig.

Die Pfarrei der Zukunft – mit Pfarr-Ort, Basisgemeinschaften, Themenzentren und anderen Orten – ist da her als Netzwerk zu verstehen. Dieses Netzwerk lebt von der Lebendigkeit und Selbstständigkeit der einzelnen Knotenpunkte. Es bildet die in sich vielfältige Sozialgestalt der Pfarrei der Zukunft.

Deshalb ist die Pfarrei der Zukunft von einer Vielfalt von verschiedenen christlichen Gemeinschaftsformen unterschiedlicher Größe geprägt, die in einem Netz werk miteinander verbunden sind.

 

2.9 Beteiligung der Ehrenamtlichen

 

Bei der personellen Besetzung aller Positionen und Aufgaben der Pfarrei der Zukunft auf allen Ebenen sind alle getauften Menschen mit ihren Fähigkeiten, Qualifikationen, Erfahrungen und Charismen zu berücksichtigen – unabhängig vom Geschlecht und von einem Arbeitsverhältnis innerhalb der Kirche.

So können explizit auch Ehrenamtliche neben ihrem eigentlichen Beruf Funktionen, Rollen und Aufgaben in der Pfarrei der Zukunft übernehmen. Vorausgesetzt ist, dass sie die entsprechenden Voraussetzungen und Kriterien dafür erfüllen.

Die hauptberuflich bei der Kirche angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die verbindlich und verantwortlich mitarbeitenden Ehrenamtlichen sorgen gemeinsam für geeignete Rahmenbedingungen, die ihnen die Wahrnehmung ihrer Aufgaben und Pflichten ermöglichen.

 

2.10 Leitung der Pfarrei

 

Die für alle Pfarreien einheitliche Leitungsstruktur sieht als oberste Leitungsebene ein Gremium aus drei geeigneten hauptamtlichen Mitgliedern (einem Pfarrer sowie zwei weiteren Hauptamtlichen) vor, die der Bischof ernennt. Das Leitungsgremium soll um bis zu zwei ehrenamtliche Mitglieder erweitert werden, die die Gesamtverantwortung für die Pfarrei teilen und Ressortverantwortung übernehmen können.

Unbeschadet der besonderen Verantwortung für den Dienst an der Einheit, die dem Pfarrer aufgrund der Weihe und der Bestellung durch den Bischof zu kommt, werden die Leitungsaufgaben in der Pfarrei in kollegialer Weise ausgeübt. Der Pfarrer ist Fachvorgesetzter für das Seelsorgepersonal und hat den Vorsitz im Leitungsgremium. Er hat besondere Verantwortung für die rechte Form der Sakramentenspendung.

Die Verwaltung ist im Leitungsgremium mit eigener Kompetenz hauptamtlich vertreten.

Das Leitungsgremium trägt die Verantwortung für die Pfarrei der Zukunft gemeinsam; es arbeitet nach einer Geschäftsordnung. Die Leitungsaufgaben sind in Sachbereiche aufgeteilt, aus denen die Ressorts der Mitglieder – deren Kompetenzen entsprechend – zusammengestellt werden. Ressortzuständigkeiten werden wechselseitig respektiert. Organisation und Verwaltung sind integraler Bestandteil der Aufgaben der Pfarrei der Zukunft.

Für alle in der Pfarrei der Zukunft verantwortlich Handelnden wird ein verbindlicher Führungskodex eingeführt.

 

2.11 Kategorie ist integriert

 

Unter dem Leitgedanken einer sozialraumorientierten Pastoral sollen, soweit von der Sache her begründet und lokal möglich, die Pfarrei der Zukunft und die kategorialen und caritativen Dienste in ein gemeinsames Pastoralkonzept integriert werden.

Dazu entwickeln das Bischöfliche Generalvikariat Trier und der Diözesancaritasverband – ggf. in Zusammenarbeit mit den beteiligten Ordensgemeinschaften – ein diözesanes Pastoral- und Personalkonzept. Die entsprechende Personalisierung wird in den Stellenplänen des Bistums geregelt.

Kooperationen in der sozialraumorientierten Pastoral folgen der Netzwerk-Logik. Kooperation setzt da bei das jeweilige Profil und die jeweilige Professionalität voraus.

Die Entscheidung „Kategorie ist Teil des Netzwerkes“ hat zur Folge, dass sich alle Partner in drei Dimensionen hin ausrichten:

a) eine konsequente Adressaten- und Lebensraum-Orientierung,

b) ein pastoraler Fachaustausch zwischen Territorial- und Kategorialseelsorge sowie der Caritas,

c) eine gemeinsame Verpflichtung zur ökumenischen Kooperation sowie zur Zusammenarbeit mit außerkirchlichen Akteuren.

Die kategorialen Dienste kommen auf der Bistums ebene zu Fachkonferenzen zusammen. Die Ergebnisse ihrer Beratungen werden in die Fortschreibung des diözesanen Pastoral- und Personalkonzepts aufgenommen.

 

2.12 Rollen- und Berufsprofile

 

Alle hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pfarrei der Zukunft sollen in multiprofessionellen Teams eingesetzt werden.

Diesen Teams können neben den klassischen pastoralen Berufen Personen mit Verwaltungsaufgaben, Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker sowie weitere Personen angehören.

Durch die Pfarrei sind klare Anforderungsprofile zu ermitteln, damit die Kirche vor Ort gut verwaltet wird und diakonisch, missionarisch und evangelisierend wirken kann. Diese Profile werden bei der Personalplanung und bei dem Personaleinsatz für diesen Raum berücksichtigt. Es sind klare erforderliche Schlüsselqualifikationen in den Fach-, Personen-, Sozial- und Methodenkompetenzen sowie weitere Kompetenzen zu benennen.

Es braucht verschiedene Berufsgruppen mit ihren eigenen Studien- und Ausbildungsgängen.

Die pastoralen Berufsgruppen sind – durch entsprechende Zusatzqualifikationen – durchlässig in den verschiedenen erforderlichen territorialen und kategorialen Aufgaben einsetzbar. In der gemeinsamen

Verantwortung werden jeder Berufsgruppe die ihr eigenen Kernqualifikationen zugeschrieben.

Alle Handelnden richten ihre Seelsorge auf der Grundlage eines Ethikkodex aus.

 

2.13 Differenzierte Verknüpfung von Leben und Glauben als Leitbild der Katechese

 

Ein differenzierter Zugang zur Katechese im Bistum Trier sieht eine Zweistufigkeit vor: Ausgangspunkt jeder Katechese ist die Erstverkündigung, die auf die Zustimmung des Herzens zielt. Ihre Inhalte werden vom Adressaten her gewonnen.

Auf eine gelungene erstverkündigende Katechese soll eine vertiefende Katechese folgen, die zu einer bewussten Gestaltung des Lebens aus dem Glauben führen soll.

 

2.14 Katechese als Aufgabe aller Getauften

 

Möglichst viele Menschen sind in katechetische Prozesse einzubeziehen. Neben der Leitungsaufgabe in katechetischen Prozessen, die eine besondere Qualifizierung voraussetzt, soll es für Gläubige vielfältige Möglichkeiten geben, die eigene Lebens- und Glaubenserfahrung in die katechetischen Angebote einzubringen.

Um ein solches Glaubenszeugnis geben zu können, brauchen alle Getauften eine Förderung ihrer religiösen Reflexions- und Sprachfähigkeit. Entsprechende Angebote sind in jeder Pfarrei(engemeinschaft) zu machen.

 

2.15 Erwachsenenkatechese als Schwerpunkt des katechetischen Tuns und ihre Vernetzung

 

Erwachsene sollen die hauptsächlichen Adressaten erstverkündigender und vertiefender Katechese sein.

An den existenziellen Knotenpunkten des Lebens (z. B. Schulabschluss, Berufswahl, Partnerschaft/Ehe, Elternwerden, Midlifecrisis, Trennung, Krankheit, Sterben, Trauer) werden entsprechende katechetische Angebote bereitgestellt.

Die Orte, an denen die Menschen sich in ihrem Sozialraum bewegen (z. B. Kita, Schule, Verbände, Vereine), sind als katechetische Orte wahrzunehmen, auszubauen und zu vernetzen. In jeder Pfarreiengemeinschaft/Pfarrei sind konkrete nachweisbare katechetische Angebote zu machen, die dem Anliegen der biografieorientierten und vernetzten Erwachsenenkatechese entsprechen.

 

2.16 Vorbereitung auf das Ehesakrament

 

Die Katechese zur Vorbereitung auf das Ehesakrament soll ausgedehnt und prozesshaft werden. In katechetischen Treffen mit mehreren Paaren und mit verheirateten Katechetinnen und Katecheten sowie kirchlich Verantwortlichen erfolgt eine gemeinsame Vorbereitung auf die Eheschließung. Diese Ehekatechese hat erstverkündigenden Charakter, greift die existenziellen und spirituellen Erfahrungen der Paare auf und arbeitet biografie- und prozessorientiert mit ihnen.

Ehevorbereitung entspricht in zeitlichem Umfang, bezüglich des Ortes und der Gestaltung dem jeweiligen Paar. Sie ist längerfristig und vielgestaltig. Dafür sollten neben dem Traugespräch verschiedene Veranstaltungsformen angeboten bzw. vernetzt werden, die sich nach Ort und Anbieter (Pfarreien, Pfarreiengemeinschaften, Familienbildungs- und Beratungsstellen) und Dauer (Tag, Wochenende, Abend etc.) unterscheiden. Sinnvoll sind auch Treffen für konfessionsverbindende oder religionsverbindende Brautpaare und Treffen zur Gottesdienstvorbereitung.

Angebote der vertiefenden Katechese sollen als Möglichkeit anschlussfähig nach der Trauung vorgehalten werden. Sie sollen begleitenden Charakter haben und sich biografieorientiert an den Fragen von Paaren und jungen Familien orientieren.

 

2.17 Intensivierung der Taufkatechese

 

Die Katechese zur Kindertaufe ist prozesshafter zu gestalten.

Die Vorbereitung auf die Taufe von Säuglingen und Kindern erfolgt nicht mehr nur durch ein Taufgespräch des Taufspenders mit den Eltern des Täuflings. In katechetischen Treffen mit mehreren Elternpaaren, Paten, anderen Bezugspersonen und Gemeindemitgliedern erfolgt eine gemeinsame Vorbereitung auf die Taufe, die erstverkündigenden Charakter hat.

Die Vorbereitung auf die Taufe sollte mehrere Treffen umfassen. Darin soll ein Bewusstsein für den Wegcharakter des Christseins geweckt werden. Nach der Taufe eröffnen sich an unterschiedlichen Orten (z. B. Kita, Krabbelgruppen, Grundschule) katechetische Erfahrungsräume für Kinder und Eltern. Dort sind Anschlüsse an die Erfahrungen mit der Taufe möglich.

 

2.18 Vertiefende Katechese für Kinder und Jugendliche

 

In jeder Pfarreiengemeinschaft/Pfarrei sind jährlich mehrere katechetische Angebote für Kinder und Jugendliche zu machen, die unabhängig von der Spendung der Sakramente sind und der vertiefenden Katechese dienen (z. B. Kinder-Bibeltage, Gebetsschule für Kinder, katechetische Intensivierung der Ministrantenarbeit, musisch-kulturelle, kirchenmusikalische, diakonische, erlebnispädagogische und religiöse Projekte für Kinder und Jugendliche, Angebote im Rahmen von Taizé oder der Weltjugendtage, Angebote in den Jugendverbänden). Für berufstätige Jugendliche müssen katechetische Angebote entwickelt werden, die mit dem Berufsleben vereinbar sind.

 

2.19 Ständige Diakone und die neuen Orte

 

Diakone mit Zivilberuf, die dies wünschen und dafür geeignet sind, sollen nicht für eine Pfarrei, sondern für ihr Arbeitsumfeld – sofern dies möglich ist – beauftragt werden, damit sie aus ihrer Arbeitstätigkeit heraus diakonisch wirken.

 

2.20 Geistliche Zentren

 

Geistliche Zentren als Orte der Begegnung, der Begleitung, der Beratung, der Ruhe, des Gottesdienstes, des Gebetes und der Besinnung jenseits des Alltags sollen gegründet bzw. bestehende gestärkt und unterstützt werden. Eine konzeptionelle, finanzielle und personelle Zusammenarbeit zwischen Bistum, Orden und Geistlichen Gemeinschaften ist zu prüfen.

Sie setzen ihre Schwerpunkte entsprechend ihrer Gegebenheiten und der Charismen der dort Mitarbeitenden und Anwesenden.

 

2.21 Schulen allgemein

 

Glaubenserfahrene Christinnen und Christen, die Prozesse des „Glauben leben Lernens“ anstoßen möchten, werden im Raum der Schule und in deren Umfeld unterstützt. Dazu sind schulinterne und -externe Angebote auszubauen, zu vernetzen und durch die Schulpastoral zu koordinieren.

 

2.22 Kirchliche Kinder- und Jugendpastoral

 

Die Kinder- und Jugendpastoral soll milieusensibel sein. Dazu schärft die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit ihren Blick auf Kinder und Jugendliche und entwickelt ihre pädagogischen, seelsorglichen und jugendpolitischen Angebote weiter.

Auf der Grundlage der aktuellen kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit verstärkt sie eine aufsuchende Jugendarbeit und bietet an den Orten, wo sich Kinder und Jugendliche treffen, milieu- und situationsspezifische personale Angebote zur Sinn- und Glaubensentwicklung an.

Angezielt wird die Entwicklung junger christlicher Gemeinschaften, die sich als Teil eines Netzwerkes vielfältiger Orte des christlichen Glaubens verstehen.

 

2.23 Sonntagsgottesdienst/Sonntagspflicht

 

An jedem Sonntag wird zu festen Zeiten und an festen Orten die Eucharistie gefeiert.

Diese Eucharistiefeiern sind qualitätsvoll gestaltet. Es kann darüber hinaus, soweit die örtlichen und personellen Gegebenheiten es zulassen, Eucharistiefeiern an wechselnden Orten geben.

Dem Bedürfnis der „Suchenden“ wird zukünftig vermehrt durch entsprechende Gottesdienste (Wort- Gottes-Feier, Tagzeitenliturgie und die Fülle der liturgischen Formen) Raum gegeben. Diese Gottesdienste haben ihren eigenen Wert und versammeln zum Gebet. Sie können Neugierde wecken und Wege zur Feier der Eucharistie eröffnen.

Ob manchmal aus pastoralen Gründen in Wort-Gottes-Feiern die Kommunion gespendet werden soll, wird im Hinblick auf die Fülle der damit verbundenen Fragen, Erwartungen und Befürchtungen nach der Synode diskutiert und geklärt.

In Zusammenarbeit mit den zuständigen Räten werden Teams gebildet, die die Gottesdienste (u. a. Zeiten und Orte) am Sonntag organisatorisch koordinieren.

 

2.24 Kultur der Begegnung

 

Es wird eine Kultur der Begegnung vor und nach den Sonntagsgottesdiensten, aber auch über die Gottesdienste hinaus entwickelt. Dadurch werden neue Räume für ein Miteinander sowie für Austausch und Gespräch der Gläubigen eröffnet, in denen Interessierte willkommen sind und Anregungen zur Vertiefung des Glaubens erhalten können.

 

2.25 Konfessionsverbindende Ehepaare

 

Der Bischof nimmt sich der Bedürfnisse konfessionsverbindender Ehepaare an und setzt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür ein, dass sie so weit wie möglich gestillt werden. Dazu wird eine pastorale Weisung an die Seelsorgerinnen und Seelsorger für die Zulassung des getauften, nichtkatholischen Ehepartners zur Eucharistie erarbeitet (entsprechend den für die Bistümer Straßburg [„Straßburger Modell“], Bamberg und Wien existenten Regelungen).

 

2.26 Neue Formen und ungewohnte Zeiten und Orte für Gottesdienste

 

Neue Gottesdienstformen sollen von allen Getauften entwickelt werden. Gottesdienste werden auch zu ungewohnten Zeiten und an ungewohnten Orten ge feiert.

Dabei sind gezielt „Arme und Bedrängte aller Art“ zu berücksichtigen:

• Menschen, die in der Gesellschaft wenig Beachtung und Wertschätzung erfahren, --

 • Menschen, die nur schwer Zugang zur kirchlichen Gemeinschaft und zu gottesdienstlichem Handeln finden,

• Menschen mit lebensgeschichtlichen Brüchen unter schiedlichster Art,

• Menschen, denen die Kirche fremd geworden ist,

• Menschen, denen ein Zuspruch von Segen oder eine Zusage des Wortes Gottes eine Erfahrung von Gnade vermitteln können.

Insbesondere sollen junge Menschen eingeladen werden, zusammen mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern ihnen gemäße gottesdienstliche Formen zu entwickeln und zu pflegen.

 

2.27 Gottesdienst-Leitung durch Laien

 

Die Verantwortung für das gottesdienstliche Leben im Nahbereich wird verstärkt Laien anvertraut, soweit nicht die Amtsvollmacht des Priesters oder Diakons erforderlich ist. Frauen und Männer in pastoralen Berufen sollen verantwortlich Gottesdienste vorbereiten und leiten, die ihrem sonstigen Tätigkeitsbereich entsprechen oder für die sie ein persönliches Charisma haben.

Ehrenamtlich Engagierte sollen ermutigt, befähigt und beauftragt werden, gemeinsam mit ihren Schwestern und Brüdern ein gottesdienstliches Leben vor Ort zu gestalten – zusammen mit den zuständigen Hauptamtlichen, aber auch dort, wo solche nicht zur Verfügung stehen.

Die Ausbildung und die Beauftragung dazu sollen dezentral erfolgen.

 

2.28 Bestattungsdienst durch Laien

 

In den Bestattungsdienst sollen nach und nach Laien

– hauptamtliche pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ehrenamtlich Engagierte – einbezogen werden.

 

2.29 Liturgischer Verkündigungsdienst durch Laien

 

Verkündigung und Predigt in der Liturgie soll von allen dazu befähigten Frauen und Männern ausgeübt werden, soweit das Kirchenrecht nicht entgegensteht.

Soweit kirchenrechtliche Regeln dem entgegenstehen – Homilie bei der Eucharistiefeier – möge der Bischof darauf hinwirken, dass die Frage neu geprüft und gegebenenfalls das Recht angepasst wird.

 

2.30 Einrichtung spiritueller Zentren

 

Spirituelle Zentren sind verstärkt einzurichten.

Spirituelle Zentren sind im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn Räume, in denen Menschen geistliche Erfahrungen machen, persönliches Beten erlernen und einüben können sowie Ansprechpartner für eine geistliche Begleitung finden.

Orte der Stille und spezielle Veranstaltungen sollen Suchenden Zugänge eröffnen und Gläubigen Vertiefung bieten, so z. B. „Gebetsschulen“, Exerzitien im Alltag, Einübung in Meditationsformen und niedrigschwellige Formen gottesdienstlichen Feierns wie Bibelteilen.

Vorhandene Angebote etwa in Klöstern und Bildungsstätten sollen gefördert sowie einschlägige Kompetenzen pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen ihres dienstlichen Auftrags ausdrücklich eingesetzt werden.

 

2.31 In Basisgemeinschaften können sich Charismen entfalten und ermöglicht werden

 

Das Bistum Trier gliedert sich in pastorale Einheiten (Pfarreien im Sinn von can. 374 § 1 CIC). Auf der Ebene der Pfarreien oder sie überschreitend entstehen Basisgemeinschaften neu oder bestehen bereits.

Diese können territoriale Einheiten sein. Sie bilden sich außerdem um Personen, Initiativen und Projekte herum, um Gruppen, Verbände und Bewegungen, an kirchlichen oder säkularen Orten.

Basisgemeinschaften wollen miteinander Glauben entdecken und Glauben leben.

In der strukturellen Vielfalt der territorialen, kategorialen oder personalen Orte ist ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Selbstmanagement zu gewährleisten. Die Basisgemeinschaften orientieren sich jeweils an einem oder mehreren Grundvollzügen kirchlichen Lebens und können auf Dauer oder für eine bestimmte Zeit oder für ein konkretes Projekt angelegt sein. Eine jede Basisgemeinschaft hat Ansprechpartner für die Verbindung zur pastoralen Einheit (Pfarrei).

 

2.32 Kinder in die Mitte stellen

 

Die zahlreich vorhandenen Angebote der Kirche zur Förderung, zum Schutz, zur Erziehung, zur Bildung und zur Beteiligung von Kindern sind zu erhalten und auszubauen. Sie dürfen nicht durch Sparmaßnahmen gefährdet werden.

 

2.33 Miteinander der Generationen

 

Kirche ist neu und anders gefordert, Familien zu unterstützen und zu begleiten. Zum Beispiel indem sie:

• Mehrgenerationenhäuser und Mehrgenerationen-Wohnprojekte weiterhin stärkt und ausbaut. Die Immobilienkonzepte sind daraufhin nachzubessern.

• eine Kultur der Wahrnehmung und Wertschätzung von Leistungen im Bereich von Pflege und Betreuung fördert, die in der Familie oder durch Ehrenamtliche erbracht werden. Zu dieser Kultur gehört

es, die Nöte und Probleme aller Seiten zu erkennen.

Wo das soziale Netz Familie nicht mehr durchgängig trägt, ist Kirche gefordert, aktiv neue Formen von Beziehungen, Lebensformen und Unterstützungssystemen mitzugestalten. Dabei ist die Geschwisterlichkeit der neuen Familie Jesu im Neuen Testament das bleibende und herausfordernde Vorbild. Denn für Jesus ist nicht die biologische Familie, sondern die Beziehung entscheidend.

 

2.34 Trennung, Scheidung, Wiederverheiratung

 

Mit dem Begriff „Scheitern“ ist behutsam umzugehen.

Brüche in Beziehungen werden in der Eigen- und Fremdwahrnehmung sehr unterschiedlich bewertet. Kirche bemüht sich um den Perspektivenwechsel, in Trennung, Scheidung und Wiederverheiratung Möglichkeiten des Reifens und der Neuorientierung zu entdecken.

Über das Vorhandene hinaus sind explizit pastorale Angebote für Menschen zu entwickeln, deren Lebensentwurf aus ihrer Sicht als gescheitert erlebt wird. Damit sollen die Menschen unterstützt werden, den Mut zu fassen, neuen Lebensentwürfen zuversichtlich entgegenzusehen. Dies betrifft Eltern wie Kinder.

Empfohlen wird, eine verbindliche Handreichung mit Ritualen und Gebeten für Wiederverheiratete zu entwickeln, die auf den schon bestehenden Dokumenten der (Erz-)Diözesen Straßburg, Luxemburg, Innsbruck und Freiburg aufbaut.33

 

2.35 Alleinerziehende

 

Bei der Förderung von Alleinerziehenden und ihrer Kinder soll die Kirche ein verstärktes Engagement zeigen.

Zu den Aufgaben aller familienbezogenen Dienste im Bistum Trier sollen Angebote für und mit Alleinerziehenden selbstverständlich dazugehören.

Familienangebote werden so gestaltet, dass auch Alleinerziehende sich angesprochen fühlen.

Die Pastoral bedenkt bei ihren Angeboten auch die Lebenssituation der Alleinerziehenden und ihrer Kinder mit ihren spezifischen zeitlichen, persönlichen und finanziellen Begrenzungen.

Durch eine Vernetzung der Beratungsdienste mit Gemeindegruppen erhalten Alleinerziehende innerhalb der kirchlichen Strukturen Gesicht und Stimme.

Eine verstärkte Lobbyarbeit für Alleinerziehende im Bereich Politik und Gesellschaft ist nötig.

 

2.36 Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften

 

Eine Haltungsänderung gegenüber Menschen in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften ist anzustreben, um einen respektvollen und nicht abwertenden Umgang mit ihnen herbeizuführen.

Ein kontinuierlicher Dialog auf allen Ebenen ist eben so wie die Zusammenarbeit mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen und ihren Verbänden selbst verständlich zu pflegen.

Ein seelsorgliches/pastorales/liturgisches Angebot soll im Dialog mit gleichgeschlechtlich orientierten Menschen entwickelt werden. Dieses Angebot richtet sich auch an deren Kinder und das gesamte familiäre Umfeld.

 

2.37 Thema „Gewalt gegen Frauen“

 

Über das Thema „Gewalt gegen Frauen“ soll es eine offene Kommunikation geben. Bei haupt- und ehren amtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Sensibilität für die psychische Befindlichkeit der von Gewalt betroffenen Frauen zu schulen.

Fragen des Umgangs mit Gewalt sind in die kirchlichen Aus- und Fortbildungskonzepte aufzunehmen; theologische, pädagogische und seelsorgerische Kompetenzen sind zu erweitern.

 

2.38 Thema „Gewalt in Familien“

 

Über das Thema „Gewalt in Familien“ soll es eine offene Kommunikation geben, die hilft für das Thema zu sensibilisieren. Es gilt, die Vielschichtigkeit von Gewaltausübung auf körperlicher, verbaler oder psychischer Ebene in familiären Abhängigkeitsverhältnissen in der gesamten Breite wahrzunehmen: Nicht nur gegenüber Kindern, sondern auch z. B. gegenüber pflegebedürftigen Angehörigen.

Das Thema „Macht und Gewalt“ ist zu enttabuisieren.

Bei allen Haupt- und Ehrenamtlichen ist analog zu der Thematik „Kindesmissbrauch“ eine Sprachfähigkeit für das Thema zu entwickeln. Angebote zur Gewaltprävention und zur Unterstützung von Familien sollen realisiert bzw. verstärkt werden.

 

3. Die priorisierten Instrumente im Wortlaut

 

3.1 Missionarische Teams

 

Missionarisch sein bedeutet, die Lebenswirklichkeit, Sprache und Kultur der Menschen erkennen und sich in sie hineinbegeben, damit die Frohe Botschaft dort neu Gestalt annimmt (Inkulturation). Nicht sagen, wo’s lang geht, sondern lange mitgehen. Im Bistum Trier sollen künftig Missionarische Teams eingesetzt werden. Ihr Auftrag ist es, einen aufrichtigen und geduldigen Dialog mit denen zu führen, die dem katholischen Glauben fernstehen. Dazu sollen sie neue und andere Orte von Kirche aufspüren und aufbauen, sie zeitlich befristet begleiten und stärken. Zu den gemischt besetzten Teams können zum Beispiel gehören: junge und alte Menschen, Frauen und Männer, Priester, Pastoral- und Gemeindereferentinnen bzw. -referenten, weitere Hauptamtliche, z. B. Sozialarbeiterinnen bzw. Sozialarbeiter sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Freiwilligen Missionarischen Jahr. Diese Teams benötigen eine weit gehende Unabhängigkeit von den bisherigen Strukturen und Zuständigkeiten. In ihrem Wirken sind sie dem Bischof verantwortlich, vernetzen sich aber mit den Handelnden vor Ort.

 

3.2 Freiwilliges Missionarisches Jahr

 

Missionarische Charismen bei sich und anderen entdecken und entfalten ist wichtiger als nur auf Ausbildung, Rollen und Funktionen zu setzen. Künftig soll daher ein „Freiwilliges Missionarisches Jahr“ (FMJ), analog zu den verschiedenen Freiwilligendiensten, eingerichtet werden.

Die Freiwilligen sind Mitglieder der Missionarischen Teams34.

Für Menschen aus jedem Alter und aus jedem Milieu soll es die Möglichkeit geben, „Missionarin/Missionar auf Zeit“ im Bistum Trier zu werden und für ein Jahr in den neu entstehenden missionarischen Teams oder ähnlich ausgerichteten Projekten mitzuarbeiten.

 

3.3 Themenzentrum

 

Die Pfarrei der Zukunft soll Themenzentren einrichten.

Ziel der Themenzentren ist es, Themen konkret und exemplarisch zu verorten und zu leben. Zudem haben sie eine Offenheit und Durchlässigkeit für die gesamte Pfarrei; sie ermöglichen die Vernetzung all derer, die an unterschiedlichen Orten und auf verschiedenen Ebenen in der Pfarrei der Zukunft dasselbe „Thema“ haben. Sie ermöglichen ein Themennetz werk.

Jede Pfarrei soll mindestens ein Themenzentren zu Diakonie, Jugend, Katechese und Mission bilden.

 

3.4 Umsetzung der pastoralen Räume

 

In der Umsetzungsphase nach der Synode sollen anhand der Lebens- und Sozialräume die Zuschnitte der neuen Räume festgelegt und weitere Setzungen erarbeitet werden.

Aufgrund der im Prozess der Sachkommission „Zukunft der Pfarrei“ gewonnenen Erkenntnisse wird den für die Umsetzung Verantwortlichen die Zahl von 60 Pfarreien als Orientierungshilfe empfohlen.

Nach der Erprobung durch Pilotphasen erfolgt die Errichtung aller noch ausstehenden Pfarreien der

Zukunft.

 

3.5 Lokale Kirchenentwicklung

 

In jeder zukünftigen pastoralen Einheit sollen Projekte zur lokalen Kirchenentwicklung verbindlich ein geführt werden, um neue Gemeindebildungen zu versuchen.

Gründungen von „fresh expressions“, Jugendkirchen oder Basisgemeinden stellen mögliche Perspektiven neben der herkömmlichen Pastoral dar.

 

3.6 Kirchen der Jugend

 

Aufgrund der Erfahrungen mit den drei Kirchen der Jugend (Koblenz, Marienburg und Saarbrücken) sind weitere Kirchen der Jugend (mindestens eine weitere bis 2020) im Bistum Trier zu gründen.

 

3.7 Kommission „Geschlechtergerechtigkeit“

 

Eine Kommission „Geschlechtergerechtigkeit“ soll ein gerichtet werden. Ihre Aufgabe ist es, eine paritätische Beteiligung von Frauen und Männern auf allen Leitungs- und Arbeitsebenen der Kirche zu unterstützen.

• Die Kommission konkretisiert und überprüft die in der Selbstverpflichtung des Bistums bereits formulierten Ziele.

• Sie entwickelt Leitlinien zur Geschlechtergerechtigkeit für alle kirchlichen Gliederungen, die sich u. a. an den Erkenntnissen der Gender-Forschung orientiert.

• Sie setzt sich ein für Rahmenbedingungen, die Frauen und Männern eine echte Wahlfreiheit für die Vereinbarkeit von Ehe, Familie, Beruf und Ehrenamt ermöglichen.

• Sie fördert eine geschlechtergemischte Besetzung aller Arbeitsbereiche und Arbeitsebenen.

• Sie überprüft die praktische Einführung von Geschlechterquoten.

• Sie setzt sich ein für Personalentwicklungsinstrumente zur Förderung der Chancengerechtigkeit.

• Sie ist direkt dem Generalvikar zugeordnet, berichtet der Leitungskonferenz und ist paritätisch besetzt.

 

4. Die Instrumente für die Umsetzungskommission

 

Die sechste Vollversammlung hat 34 Empfehlungen der Sachkommissionen als Instrumente eingeordnet, die für die Umsetzung der Synode relevant sind, aber keinen Eingang ins Abschlussdokument finden sollten.

Diese Empfehlungen hat Bischof Dr. Stephan Ackermann im Laufe der siebten Vollversammlung Generalvikar Dr. Georg Bätzing, dem Leiter der Steuerungsgruppe für die Umsetzung der Synodenergebnisse, übergeben.

 

 

Anhang

 

Der Weg der Synode

 

„Die Beratungen der Synode sollen Orientierung bieten,wie die Christinnen und Christen persönlich und gemeinsam den Weg des Glaubens im Bistum Trier in den Bedingungen des 3.Jahrtausends gehen können.“ (Statut der Diözesansynode im Bistum Trier, Präambel)

 

1. Prägende Entwicklungen der Zeit

 

Im Zugang zur Synode haben die Synodalen die prägenden Entwicklungen in den Blick genommen. Die Sachkommissionen hatten dann später die Aufgabe, diese prägenden Entwicklungen in ihren Empfehlungen zu berücksichtigen. Zudem wurde theologisch gefragt, ob die prägenden Entwicklungen im Licht des Evangeliums gedeutet als „Zeichen der Zeit“ betrachtet werden können.35

1. Individualisierung bietet einen Zuwachs an Freiheit und stellt jede und jeden vor die Notwendigkeit, sich zu entscheiden. Die Individualisierung erinnert uns daran, dass Gott jeden einzelnen Menschen ganzpersönlich anschaut. Jeder Mensch ist einmalig und ist in die Freiheit gerufen. Individualisierung kann auch Vereinsamung zur Folge haben. Sie wirft ausdrücklich die Frage nach der Würde des Menschen auf und auch danach, wie die Armen und Schwachen gesehen und beachtet werden können.

2. In der Pluralisierung zeigen sich unüberschaubare Möglichkeiten in all ihrer Vielfalt. Pluralität ist ein Zeichen kultureller, ethnischer, religiöser Diversität und Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen. Auf der anderen Seite führt Pluralisierung für viele zu Orientierungslosigkeit und dazu, dass es schwieriger ist, Entscheidungen zu treffen.

3. Der Wandel der Geschlechterrollen wird offenkundig in der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, der Ausdifferenzierung von Geschlechterrollen jenseits des biologischen Geschlechts und in veränderten Partnerschaftsrollen, in der Frage nach der sexuellen Orientierung und der Geschlechterorientierung. Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild.

4. Religiosität existiert auch in einer säkularen Gesellschaft. Religiosität erscheint als Bedürfnis nach Spiritualität, das auf dem religiösen Markt auch ausgenutzt werden kann. Für viele ist die Suche nach Spiritualität aber nicht mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion verbunden. Zudem ist zu beobachten, wie sich unter Berufung auf Gott Intoleranz, Terror und Gewalt ausweiten.

5. Weltweit lässt sich feststellen, dass der Altersdurchschnitt in manchen Ländern sinkt und in anderen steigt. Der demografische Wandel fordert in einer alternden Gesellschaft zu einem neuen Miteinander von Jung und Alt, von hier Geborenen und Eingewanderten, von Frauen und Männern heraus. Er stellt die Fragen nach Lebensschutz, Verteilungsgerechtigkeit, Integration, Inklusion sowie nach der Aufnahmebereitschaft von Migrantinnen und Migranten aus jungen Gesellschaften.

6. Flexibilisierung zeigt sich darin, dass Menschen anders als früher viele Möglichkeiten haben, ihr Leben zu gestalten und zu entfalten. Die Notwendigkeit, flexibel sein zu müssen, kann auch dazu führen, dass Menschen sich nicht hinreichend beheimatet fühlen.

7. In der Medien- und Kommunikationsgesellschaft entstehen neue Formen von Kontaktaufnahmen und Beziehungen. In ihr entfalten sich neue Möglichkeiten, menschliche Neugier zu befriedigen und sich Wissen zu beschaffen. Zugleich birgt sie die Gefahr, dass Menschen sich abschotten und abhängig werden und dass soziale Medien genutzt werden, um anderen Menschen zu schaden.

8. Ökonomisierung erweitert Lebensmöglichkeiten. Sie erleichtert es, Ressourcen zu erkennen und mit ihnen verantwortungsbewusster umzugehen. Sie kann aber auch zu einer Unterordnung aller Lebensbereiche unter wirtschaftliche Zwänge führen.

9. Bedrohtes Leben macht deutlich, dass menschliches Leben endlich und gefährdet ist. Die Würde des Menschen ist in allen Lebenssituationen und Lebensphasen zu achten, um nicht einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“36 zu verfallen. Die Schöpfung ist ein Geschenk Gottes, mit dem verantwortungsvoll umzugehen ist.

 

2. Der Prozess der Synode

 

Mit der Ankündigung37, der Vorbereitung und der Durchführung der Bistumssynode hatte der Bischof einen Beratungsprozess eröffnet, der sich kontinuierlich verändert und weiterentwickelt hat. Charakteristisch waren ein wachsendes Vertrauensverhältnis unter den Synodalen, ein gutes Zusammenwirken der verschiedenen Organe der Synode und die Verwirklichung des Grundsatzes, dass die Vollversammlung den Bischof in eigener Souveränität berät.

Gruppen, Gremien und Einrichtungen wurden über das geplante Vorhaben „Synode im Bistum Trier“ informiert und um Themenvorschläge für die Beratungen der Synode gebeten.

Die Vollversammlungen der Synode fanden in Trier, Saarbrücken und Koblenz statt. Sie luden auch zur Begegnung zwischen Synodalen und Bevölkerung ein. Begleitend fanden bistumsweit Informations- und Diskussionsveranstaltungen statt. Viele Gläubige beteten für die Synodalen und um ein gutes Gelingen der Beratungen.

Getragen war die Synode von einem geistlichen Klima. In dieser Haltung konnte die Synode Krisen meistern. So ist es nach eineinhalbjähriger konzentrierter Arbeit in den Sachkommissionen gelungen, die Empfehlungen der Sachkommissionen zu bündeln und zu priorisieren. Diese Krise konnte auch deshalb gut bewältigt werden, weil der Bischof auf Bitte der Synode eine siebte Vollversammlung ermöglichte.

Im Synodengebet ist formuliert, was sich als Erfahrung der Jahre des gemeinsamen Beratens und Ringens herausgestellt hat.

Herr Jesus Christus, Heiland und Erlöser,…

Wir glauben: Du gehst mit uns, auch durch unsere Zeit.

Schenke uns deinen Heiligen Geist, damit wir die Zeichen der Zeit erkennen.

Er begleite die Beratungen. Er nehme weg , was uns voneinander trennt.

Er gebe uns Geduld, aufeinander zu hören, und den Mut, Schritte in die Zukunft zu wagen.

Lass die Synode eine Versammlung des offenen Wortes und des geschwisterlichen Miteinanders sein.

Miteinander sind wir unterwegs.

Miteinander wollen wir hören, was der Geist uns sagt.

Miteinander wollen wir Zeichen und Werkzeug deiner Frohen Botschaft sein.

 

3. Rechtlicher Rahmen und Zusammensetzung der Synode

 

Eine Diözesansynode ist nach der Definition des Kirchenrechts „eine Versammlung von ausgewählten Priestern und anderen Gläubigen der Teilkirche, die zum Wohl der ganzen Diözesangemeinschaft dem Diözesanbischof […] hilfreiche Unterstützung gewähren“ (can. 460 CIC). Eine Diözesansynode berät den Bischof bei der Festlegung der pastoralen Grundrichtungen für seine Diözese. Synoden sind eine Form gemeinschaftlich zum Ausdruck gebrachter Mitverantwortung in der Kirche.

Zur ersten Vollversammlung bestand die Trierer Diözesansynode aus 279 Mitgliedern, von ihnen 108 Frauen (39%) und 171 Männer (61%). Unter den Männern waren 110 Priester (39%) und 7 Diakone (3%); insgesamt also 117 Kleriker (42%), die mit 162 Laien (58%) zusammen beraten haben.

Nach den Vorschriften des Kirchenrechts und der Synodenordnung hatte die Synode 74 amtliche Mitglieder (27%); sie gehörten der Synode an, weil sie ein bestimmtes Amt im Bistum haben oder einem bestimmten Gremium angehören. 120 Synodale (43%) waren gewählt, 85 (30%) hatte der Bischof, teilweise auf Vorschlag von Gruppen oder Gremien, berufen.

 

4. Thematische Foren aus Anlass der Synode

 

Da eine Reihe wichtiger und drängender Themen nicht auf der Ebene einer Diözesansynode entschieden werden können, wurden parallel zur Synode drei thematisch ausgerichtete Foren veranstaltet, an denen jeweils ca. 200 Personen, sowohl Synodale als auch Nicht-Synodale, teilgenommen haben.

Im ersten Forum Geschieden – Wiederverheiratet (13. bis 14. Juni 2014) beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit theologischen sowie human- und gesellschaftswissenschaftlichen Impulsen zum Thema Scheidung und Wiederheirat. Ein zentrales Thema des Forums war die Teilhabe von Wiederverheirateten am kirchlich-sakramentalen Leben.

Beim zweiten Forum Sexualität.Leben (24. bis 25. April 2015) ging es um das Spannungsfeld zwischen der lehramtlichen Sexualmoral der Kirche und der gelebten Praxis der Menschen. Dazu gehörten unter anderem Homosexualität, verschiedene sexuelle Identitäten, der Umgang mit Sexualität im Alter und der priesterliche Zölibat. In einer offenen, angstfreien, respektvollen und wertschätzenden Gesprächsatmosphäre eröffnete das Forum Wege zu einem intensiven Austausch.

Das dritte Forum Frauen:Perspektiven (17. bis 18. Juli 2015) formulierte Erwartungen an die Kirche in Bezug auf geschlechtersensible Sprache, partnerschaftliche Zusammenarbeit von Frauen und Männern und eine Weiterentwicklung der Ämtertheologie. Es wurde gefordert, eine Kommission für Chancengerechtigkeit im Bistum einzurichten; bei der Einstellung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei verstärkt auf Geschlechtergerechtigkeit zu achten.

 

5. Die Arbeit der Synode

 

Eine von Bischof Dr. Stephan Ackermann eingesetzte Vorbereitungskommission erarbeitete die Regeln für die Arbeit der Synode (Statut und Geschäftsordnung) und beriet den Bischof bei der Festlegung der von der Synode zu behandelnden Fragen. Im Vorfeld der Synode hatte der Bischof vier Themen bereiche vorgegeben, in denen er Beratungsbedarf sah:

1. Kirche in der Welt von heute

2. Glauben leben lernen

3. Den Glauben feiern in Gottesdienst und Gebet

4. Charismen im Volk Gottes entdecken und fördern

Gesteuert wurde die Synode durch den Geschäftsführenden Ausschuss, der unter dem Vorsitz des Bischofs neben den gewählten vier Moderatorinnen und Moderatoren noch fünf weitere Personen kraft Amtes umfasste. Das Synodensekretariat übernahm die geschäftsführenden Aufgaben.

Die Synodalen trafen sich mit dem Bischof siebenmal zu Vollversammlungen, viermal in Trier (ehemalige Abteikirche St. Maximin), zweimal in Saarbrücken (E-Werk) und einmal in Koblenz (Kirche der Jugend St. Elisabeth).

In der ersten Vollversammlung (13. bis 14. Dezember 2013 in Trier) konstituierte sich die Synode.

In der zweiten Vollversammlung (30. April bis 3. Mai 2014 in Trier) wurden zehn Sachkommissionen (SK) eingerichtet:

SK 1: Diakonisch sein (ursprünglicher Titel: Diakonisches Wirken)

SK 2: Missionarisch sein

SK 3: Zukunft der Pfarrei

SK 4: Katechese

SK 5: Den Glauben an vielen Orten leben lernen

SK 6: Der Sonntag und die Gestaltung des Sonntagsgottesdienstes

SK 7: Gebet und gottesdienstliche Feiern

SK 8: Die Vielfalt der Charismen entdecken und wertschätzen (ursprünglicher Titel: Vielfalt der Charismen von Männern und Frauen)

SK 9: Entwicklung der Rätestruktur

SK 10: Familien in all ihrer Vielfalt in Kirche und Gesellschaft und Geschlechtergerechtigkeit (ursprünglicher Titel: Familien in all ihrer Vielfalt in Kirche und Gesellschaft und der Wandel der Geschlechterrollen)

Auf der Grundlage der Rückmeldungen, die in der Vorbereitungsphase eingegangen waren, sowie der Auswertung der bisherigen Praxis im Bistum Trier sollten die Sachkommissionen die jeweiligen Herausforderungen benennen, Veränderungen und Weiterentwicklungen vorschlagen sowie konkrete Konsequenzen und Aufgaben beschreiben. Dabei sollten sie die prägenden Entwicklungen der Zeit und die Perspektive der „Armen und Bedrängten aller Art“38 sowie Inklusion als Querschnittsthema berücksichtigen.

In der dritten Vollversammlung (2. bis 4. Oktober 2014 in Saarbrücken) gab es Rückmeldungen zur Arbeit in den Sachkommissionen, die auf dieser Basis  weiter an ihren Empfehlungen arbeiteten.

In der vierten Vollversammlung (14. bis 16. Mai 2015 in Koblenz) wurden die überarbeiteten Empfehlungen diskutiert; es gab zum ersten Mal Rückmeldungen von Bischof, Weihbischöfen und Generalvikar auf die Empfehlungen.

Die fünfte Vollversammlung (3. bis 5. September 2015 in Saarbrücken) machte deutlich, dass die von den Sachkommissionen vorgelegten 102 Empfehlungen strukturiert, abgeglichen und zusammengeführt werden mussten. Eine von der Vollversammlung eingerichtete Arbeitsgruppe bekam den Auftrag, eine entsprechende Vorlage zu erarbeiten. Während dieser Versammlung wurde auch die Entscheidung getroffen, eine siebte Vollversammlung durchzuführen.

In der sechsten Vollversammlung (10. bis 12. Dezember 2015 in Trier) sahen sich die Synodalen herausgefordert, aus der bisherigen Logik der Sachkommissionen herauszutreten und auf ein gemeinsames Endergebnis hin zu denken und zu argumentieren.

Die Synode nahm eine erste Bündelung vor und beschloss die vier Perspektivwechsel. Sie priorisierte die vorgelegten Empfehlungen.

In der siebten Vollversammlung (28. April bis 1. Mai 2016) hat die Synode am 30. April 2016 das vorliegende Abschlussdokument beraten und mit 212 Ja-Stimmen bei 19 Nein-Stimmen und ohne Enthaltungen beschlossen.

 

 

Quellenverzeichnis

 

1 Gotteslob Nr. 346.

2 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 1.

3 Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), Nr. 51.

4 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen gentium, Nr. 1.

5 Klaus Hemmerle, Ausgewählte Schriften, Band 4, Freiburg i. Br. 1996, S. 329.

6 Papst Johannes Paul II., Enzyklika Redemptor hominis (4.März 1979), Nr. 13.

7 Vgl. Lumen Gentium, Nr. 9.

8 Vgl. Gemeinsam Kirche sein. Wort der deutschen Bischöfe zur Erneuerung der Pastoral (1. August 2015), Die deutschen Bischöfe Nr. 100, S. 20-22.

9 Predigt in der Eucharistiefeier in Asunción, Paraguay (12.Juli 2015).

10 Gemeinsam Kirche sein, S. 51.

11 „Jeder Christ ist aufgrund von Taufe und Firmung berufen, das Heilige in seinem eigenen Leben immer weiterzuentfalten und eben dadurch Welt und Kirche im Geiste Jesu Christi mitzugestalten. Diese Bedeutung und Verantwortung jedes einzelnen Christen gilt auch unabhängig von der Zahl der Priester und des hauptberuflichen Personals in der Kirche.“ In: Gemeinsam Kirche sein, S. 15.

12 Ansprache bei der 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode (17. Oktober 2015).

13 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum ordinis, Nr. 15b.

14 Vgl. Papst Franziskus, Ansprache bei der 50-Jahr-Feier der Errichtung der Bischofssynode (17. Oktober 2015); ders., Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium (24. November 2013), Nr. 120.

15 Die Option für die Armen ist biblisch-theologisch begründet (vgl. die Eröffnungsansprache von Papst Benedikt XVI. vor der V. Generalkonferenz des Episkopats von Lateinamerika und der Karibik in Aparecida, 13. Mai 2007) und bedeutet, sich mit den Armen und für die Armen (d. h. die von Teilnahme und Teilhabe Ausgegrenzten) einzusetzen, um die soziale Gerechtigkeit zu erlangen.

16 Sozialraumorientierung ist „ein ganzheitliches Handlungskonzept der sozialen Arbeit. Im Kern geht es darum,  die Lebensbedingungen aller Menschen in einem Stadtteil, Viertel oder einem ähnlichen Sozialraum zu verbessern. Ihre Interessen und Bedürfnisse stehen dabei im Vordergrund. Das Konzept setzt an den Stärken der Einzelnen an und aktiviert diese. Es soll Menschen in ungünstigen Lebenssituationen ermutigen, die Veränderungen in ihrem Wohngebiet selbst in die Hand zu nehmen. Darüber hinaus werden weitere Ressourcen des Sozialraums gesucht, vernetzt und zugänglich gemacht. Basis des sozialräumlichen Arbeitens sind Kooperationen und Vernetzungen zwischen den Einrichtungen und Diensten der freien Wohlfahrtspflege, der kommunalen Verwaltung, der lokalen Wirtschaft, der Wohnungswirtschaft, Bildungseinrichtungen, Pfarrgemeinden und den zivilgesellschaftlichen Initiativen.“ (http://www.caritas.de/glossare/sozialraumorientierung, abgerufen 20. April 2016)

17 Die Begriffe „Seelsorge“ und „sozial-caritative Einrichtungen und Dienste“ bezeichnen hier die gesamte Breite kirchlicher Handlungsträger auf der lokalen Ebene, also Pfarreien/Pfarreiengemeinschaften, Seelsorge in kategorialen Bereichen, Dekanate, Lebensberatungsstellen, Kindertagesstätten, Familienbildungsstätten, Einrichtungen und Dienste des Caritasverbandes, Altenwohneinrichtungen, Mehrgenerationenhäuser usw.

18 Lumen gentium, Nr. 11.

19 Siehe Anlage Die Empfehlungen der Sachkommissionen 2.23.

20 Vgl. Msgr. Léon Arthur Elchinger, L’hospitalité eucharistique pour les foyers mixtes (30. November 1972), in: Amtsblatt der Diözese Straßbourg L’Église en Alsace, 12/1972, S. 11-22. (deutsche Übersetzung in: Hans-Georg Link (Hg.), Das Straßburger Modell. Eucharistische Gastfreundschaft im Elsass. Eine Dokumentation, Köln 2002, www.religion-theologie.fr/gerardsiegwalt/pdf/2002%20strassburger%20modell%20endfassung.pdf [abgerufen am 12. Mai 2016]) – Vgl. auch Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus (25. März 1993), Nr. 129 sowie can. 844 §§ 4-5 CIC.

21 Siehe Anlage Die Empfehlungen der Sachkommissionen 2.29.

22 Vgl. auch den Hinweis auf die Quellen in der Anlage Die Empfehlungen der Sachkommissionen 2.34.

23 Vgl. Anhang Der Weg der Synode, 1.

24 Vgl. Anhang Der Weg der Synode, 4.

25 Vgl. Bischof Dr. Stephan Ackermann in seiner Silvesterpredigt 2015. Vgl. auch Gemeinsam Kirche sein, Vorwort von Reinhard Kardinal Marx, S. 6.

26 Vgl. Anhang Der Weg der Synode, Nr. 5.

27 Vgl. Papst Franziskus, Evangelii Gaudium, Nr. 198-200.

28 Vgl. ebd., Nr. 27.

29 Vgl. Fußnote 5.

30 Fulbert Steffensky, Mut zur Endlichkeit, Stuttgart 2007,

S. 21: „Gegen den Totalitätsterror möchte ich die gelungene Halbheit loben.“

31 Vgl. Fußnote 17.

32 Papst Franziskus, Enzyklika Laudato Si’ (24. Mai 2015), Nr. 49.

33 Joseph Doré (Erzbischof von Straßburg), Erzbistum Straßburg. Leitlinien für eine Pastoral für Geschiedene und wiederverheiratete Geschiedene (1. Mai 2004), in: Amtsblatt der Diözese Straßbourg L’Église en Alsace, 6/2004, S. 23-27. (deutsche Übersetzung: Klaus Nientiedt) – Erzbischöfliches Ordinariat Luxemburg. Gebetszeit für wiederverheiratete Geschiedene (24. Februar 2006) – Andreas Möhrle, Michael Schweiger, Handreichung für die Seelsorge zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung in der Erzdiözese Freiburg, Oktober 2013. [Alle drei Dokumente: www.familienseelsorge-freiburg.de/html/wiederheirat452.html (abgerufen am 8. Juli 2015)]. – Siehe auch Seelsorgeamt der Diözese Innsbruck, Wenn geschiedene Menschen anlässlich ihrer standesamtlichen Trauung um ein Gebet bitten (Jänner 2008), in: dioezesefiles.x4content.com/page-downloads/wenn_geschiedene_menschen...dibk.pdf (abgerufen am 8. Juli 2015).

34 Vgl. 3.1.

35 Vgl. Gaudium et spes, Nr. 4, 9 und 11.

36 Papst Franziskus, Predigt in der Eucharistiefeier auf Lampedusa (8. Juli 2013).

37 Bischof Dr. Stephan Ackermann, Es ist Zeit, wieder zu einer Synode zusammenzukommen. Predigt am Hochfest Petrus und Paulus (29. Juni 2012) im Trierer Dom.

38 Gaudium et spes, Nr. 1.

 

 

Weiteres:
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