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Dienstag, 11. Oktober 2016

Leiten nach dem Emmaus-Prinzip

Philippinische Gäste stellen Konzept für partizipatorische Pfarreien-Organisation vor

Trier – Wie funktioniert mehr Teilhabe in größer werdenden Strukturen? Bei einem Studientag am 10. Oktober im Trierer Robert Schuman-Haus haben Haupt- und Ehrenamtliche aus dem Bistum Trier sich mit dem Thema befasst – mit Blick auf die Weltkirche. Gäste aus den Philippinen stellten vor, wie sie diese Idee in die Praxis umgesetzt haben.

Die Mehrheit der Teilnehmer des Studientages sah eine große Herausforderung, Führungsentscheidungen zu treffen, die von Teilhabe geprägt sind. Einfach verordnen lasse sich ein solches Konzept nicht. Es müsse als Kultur von allen Beteiligten eingeübt werden. Diese Erfahrung hatte bereits Pater Mark Lesage gemacht, als er vor 45 Jahren als Missionspriester von Flandern auf die Philippinen kam. „Es gab große Pfarreien, in denen vor allem Menschen die Richtung bestimmten, die Teil von Organisationen und Verbänden waren. Nach fünf Jahren habe ich mich gefragt, kann das nicht auch anders sein?“, erinnerte er an die Anfänge seiner Arbeit. Fast zehn Jahre lang habe er dann versucht, die Gläubigen von seiner partizipatorischen Idee zu überzeugen: „Bis mir klar wurde, ich habe für die Menschen geträumt und nicht mit ihnen.“ Viele Jahre und unzählige Workshops später und nach einer Reise nach Südafrika mit vielen neuen Ideen habe das Projekt langsam Gestalt angenommen. Bis dann vor etwa zehn Jahren das Pastoralzentrum „Bukal“ entstand, das seitdem Teilhabe-Konzepte entwickelt und Fortbildungen für Pfarreiangehörige aus allen Teilen der Philippinnen organisiert.

„Emmaus-Leadership“ hat das Team vom philippinischen Pastoralzentrum „Bukal ng Tipan“ sein Leitungskonzept nach den Emmaus-Jüngern im Lukas-Evangelium genannt. Pater Mark Lesage, Dr. Estela Padilla und Aleli Gutierrez stellten einige der Grundlagen in Trier vor und nahmen die Deutschen mit auf eine eigene kleine Emmaus-Reise. In der Bibel sind zwei Jünger auf dem Weg ins nahe Jerusalem gelegene Dorf Emmaus, unterwegs treffen sie den auferstandenen Jesus, erkennen ihn aber zunächst nicht. Im Robert Schuman-Haus führte die Route über mehrere thematisch an das Evangelium angelehnte Stationen. „Sie sind der dritte, vierte oder fünfte Jünger auf diesem Weg. Ich lade Sie ein die unterschiedlichen Abschnitte zu durchwandern“, begann Gutierrez die erste Einstimmungsrunde. In einem weiteren Schritt befassten sich Kleingruppen mit der konkreten Situation jeweils einer Pfarrei oder eines Gremiums. „Wer ist der, der leitet? Welche Position nimmt die Leitung ein? Ist es ein Einzelner oder eine Gruppe? Was sind Fragen, Frustrationen oder Freuden, die man mit der Leitung verbindet?", gab Padilla den Teilnehmenden ein Bündel Fragen in ihre Gesprächsrunden mit.

Das „Bukal-Team“ war schon bei mehreren Studientagen in Deutschland zu Gast. „Anfangs höre ich zumeist: Das ist so hier nicht möglich. Am Ende der Workshops steht meist ein: Es ist vielleicht möglich“. So rät Lesage, sein Konzept nicht "eins zu eins" übernehmen zu wollen. Vielmehr solle man sich auf einen zwar langwierigen, aber ertragreichen Austausch- und Wandlungsprozess einlassen.

Der Studientag war ein gemeinsames Angebot der Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Trier und des SB1 „Ziele und Entwicklung“ des Bischöflichen Generalvikariats in Kooperation mit dem Internationalen Katholischen Missionswerk missio Aachen. Er verstand sich als Impuls im Umsetzungsprozess der Trierer Diözesansynode.

(red)