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Sonntag, 1. Juni 2014

Menschen Würde geben

Bischof Ackermann diskutiert auf Katholikentag zum Thema „Kirche für die Armen“

Trier/Regensburg – „Ach, wie sehr wünsche ich mir eine arme Kirche für die Armen“, sagte Papst Franziskus im März 2013, kurz nach seiner Wahl. Was bedeutet dieser Satz für die Weltkirche? Was für die Kirche in Deutschland? Und für die Armen selbst? Eine Podiumsdiskussion mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann hat sich beim Katholikentag in Regensburg am 31. Mai mit diesem Thema beschäftigt.  Neben dem Bischof diskutierten der Jesuit Peter Balleis vom „Jesuit Refugee Service“ in Rom, der indische Promotionsstudent und Jesuit Richard D'Souza, die bayrische Sozialministerin Emilia Müller sowie Dr. Wolfgang Kessler, Chefredakteur von „Publik Forum“. Es moderierte Dr. Silke Lechner vom Evangelischen Kirchentag. 

Im Vergleich zu anderen Kirchen weltweit sei die deutsche Kirche eine Reiche, erklärte Bischof Ackermann. „Aber in einem reichen Land.“ So gebe es die Möglichkeit für ein „unglaubliches Engagement“ kirchlicher Einrichtungen, von Jugendhilfeprojekten vor Ort bis zur Unterstützung zahlreicher Projekte im Ausland. „Da braucht es auch eine finanzielle Stärke“, sagte der Bischof. „Amtsträger müssen Kirche verantworten in den realen Bedingungen ihrer Ortskirche.“ Das nehme aber nichts von der Herausforderung weg. Die Frage sei aber vielmehr: „Wie werden wir eine bescheidenere Kirche?“ Denn eine reiche Kirche sei in der Gefahr, arrogant zu werden. Eine arme Kirche zu sein, erklärte Ackermann, sei daher nicht nur materiell zu verstehen, sondern auch in der Form des eigenen Auftretens. Es bedeute, „einfacher und bescheidener zu leben“ und eine „Haltung einzunehmen, die nicht abschreckt“ oder „Hürden aufbaut“, und so zeige: „Ich bin zugänglich für alle“.

Die Podiumsdiskussion ging auch auf die besondere Form der Armut von Flüchtlingen und Asylbewerbern ein. Die Kirche, erklärte Balleis, trage dazu bei, diese Menschen zu begleiten, humanitäre Hilfe zu leisten und für ihre Rechte einzutreten. Denn die Kirche sei „immer auf der Seite der Verlierer“. Und man könne  immer mehr tun. In Indien, erklärte D'Souza, lebten rund 70 Prozent von weniger als drei Dollar am Tag. Armut gebe es aber auch, obwohl in einer anderen Form, in Deutschland, führte  Müller aus. „Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, dass Menschen in Würde leben können.“ Mitwirken bei der Veränderung politischer Rahmenbedingungen als auch ein direktes soziales Engagement gehöre beides für die Kirche zusammen, erklärte Ackermann.

Kessler verteidigte dabei das System der Kirchensteuer. Sie gebe „eine gewisse Unabhängigkeit“, etwa von großen Konzernen mit eigenen Interessen. Damit habe die Kirche die „Chance und Pflicht, Kirche für die Armen zu sein.“ Entscheidend sei dabei, dass sie Anwälte sind für die Armen und für ihre Interessen eintreten. Die Katholische Kirche habe ein breites Spektrum an Verbänden und Initiativen, erklärte Ackermann, mit großem hauptamtlichem und ehrenamtlichem Engagement.

Ein wichtiger Aspekt bei der Arbeit mit armen und hilfsbedürftigen Menschen sei, da waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig, ihnen ihre Würde zu lassen. „Ohne Selbstwürde können sie nicht weitermachen“, sagte Richard D'Souza „Kirche für die Armen sein“, so fasste Lechner die Diskussion schließlich zusammen, „heißt, Menschen Würde zu geben“.