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Bistum Trier
Dienstag, 22. Mai 2018

Mit Gottes Hilfe kann Versöhnung wachsen

Bischof Ackermann besucht Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen

Freisen/Oberkirchen – Bischof Dr. Stephan Ackermann hat an Pfingstmontag (21. Mai) die Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen besucht. Gemeinsam mit Pfarrer Dr. Hanno Schmitt und Kooperator Pfarrer Peter Schwan feierte er einen Gottesdienst in der Freisener Kirche St. Remigius und kam anschließend im Kolpinghaus mit den Pfarreiangehörigen ins Gespräch. Die Situation in der Pfarreiengemeinschaft ist seit Jahren belastet durch Auseinandersetzungen, die sich infolge eines Missbrauchsverdachts gegen den früheren Pfarrer von Freisen verschärft hatten. Da sich der Verdacht nach einer kirchenrechtlichen Voruntersuchung des Bistums erhärtet hatte, ist derzeit gegen den früheren Freisener Pfarrer ein Strafverfahren am kirchlichen Gericht des Erzbistums Köln anhängig wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs.

Ackermann sagte bei der Begegnung im Kolpinghaus, zusammen mit seinen Mitarbeitern in Trier habe er die Bedeutung und Komplexität des Konflikts in der Pfarreiengemeinschaft geraume Zeit unterschätzt: „Ich bedaure, dass wir nicht schneller und klarer genug agiert haben.“ Er bezog sich dabei vor allem auf die die kritischen Hinweise gegenüber dem früheren Freisener Pfarrer und späteren Kooperator in der Pfarreiengemeinschaft. Ackermann wiederholte das Eingeständnis, dass von Seiten des Bischofs und des Bistums mit dem bereits im Jahr 2006 gegenüber Pfarrer M. erhobenen Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs proaktiver und entschiedener hätte umgegangen werden müssen. Heute gebe es dazu strukturierte Verfahren. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass es in solchen Verfahren immer auch gelte, die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu wahren. „Dazu gehört besonders die gebotene Diskretion, die in der Öffentlichkeit nicht selten als mangelnde Transparenz wahrgenommen wird.“

Dank an Pfarrer und Kooperator
für "treuen Dienst unter schwierigen Bedingungen"

Der Bischof betonte, ihm sei bewusst, wie sehr die lang andauernde kirchenrechtliche Voruntersuchung die Pfarreiengemeinschaft und besonders auch Pfarrer Dr. Schmitt belastet habe. Er wies das Gerücht zurück, M. habe die Pfarreiengemeinschaft verlassen müssen, weil Pfarrer Schmitt ihn „weggemobbt“ habe: „Vielmehr hat das Verhalten des früheren Freisener Pfarrers selbst zu der Situation von Beurlaubung, Ruhestand und schließlich auch zum Verbot der öffentlichen Ausübung des priesterlichen Dienstes geführt.“ Auch wenn das Ergebnis des kirchlichen Strafverfahrens gegen den Priester ausstehe, müsse er als Bischof schon heute „schmerzlich feststellen, dass er Menschen für seine persönlichen Zwecke eingespannt, ja instrumentalisiert hat: ein Verhalten, dass sich mit dem Ethos eines guten Seelsorgers nicht verträgt“. Ackermann betonte, dass es M. untersagt sei, sich in das pastorale Leben der Pfarrei einzumischen. Gleichzeitig verurteilte er aufs Schärfste, dass Pfarrer Schmitt und andere Personen bis heute durch anonyme Briefe verunglimpft werden; diese sei „feige und hinterhältig“. Er dankte Pfarrer Schmitt und Kooperator Schwan ausdrücklich „für ihren treuen Dienst unter diesen so schwierigen Bedingungen“.

Die Pfarrangehörigen bat der Bischof, Wege zueinander zu suchen: „Mit Gottes Hilfe kann Versöhnung wachsen.“ Er dankte allen, die sich dafür auch durch die Kraft des Gebets einsetzen, und den Mitgliedern der Gremien, die sich um Dialog und Verständigung mühten. „Gemeinschaft kann man nicht verordnen, auch nicht der Bischof durch ein vermeintliches ‚Machtwort‘. Vielmehr braucht es das vertrauensvolle offene Gespräch.“

In ihrer Begrüßung im Gottesdienst hatten auch die Vorsitzende des Pfarreienrates, Andrea Müller, und ihre Stellvertreterin Liane Bonenberger die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, der Besuch von Bischof Ackermann möge der Pfarreiengemeinschaft dabei helfen, weiter zusammenzuwachsen: „Wir wollen Instrumente des Friedens sein und Werkzeuge der Versöhnung“, zitierte Müller ein Wort von Kardinal Marx anlässlich des Katholikentags im Mai in Münster. Auch der Freisener Kirchengemeinderatsvorsitzende Burkhard Becker, der die Begegnung im Kolpinghaus geleitet hatte, ermutigte die Angehörigen der Pfarreiengemeinschaft, sich am Pfingsttag auf den Weg zu machen „wozu wir Christen gesandt sind: den Geist Jesu zu leben“. Der Bischof dankte ihnen, den Pfarrern Schmitt und Schwan sowie den pfarrlichen Gremien, die das Zusammentreffen möglich gemacht hatten.

Den Heiligen Geist als heilende Macht anrufen

Im Gottesdienst hatte Ackermann erklärt, er sei gerne gerade an Pfingstmontag in die Pfarreiengemeinschaft gekommen. „Wenn wir an Pfingsten auf den Ursprung der Kirche schauen, tut das gerade in Konfliktzeiten gut.“ Am Anfang stehe Gottes Geist, „seine schöpferische Kraft, aus der wir leben“. Wenn Christen an Pfingsten immer wieder „Komm, Heiliger Geist“ rufen, sei ihnen bewusst, dass sie Geist-begabt seien, aber auch Grenzen hätten. „Wir rufen den Geist an als heilende Macht“, sagte Ackermann – gegen den Ungeist von Konflikten, Streit, Terror und Unterdrückung, der das Leben von Menschen, ihre Beziehungen und die Schöpfung verschleiere. Gleichzeitig erinnerte Ackermann daran, dass diese Bitte bedeute, dafür offen zu sein, dass Dinge geschehen, mit denen man vielleicht nicht rechnen: „Sind wir bereit, mit den Wirkungen zu leben und ihnen zu folgen?“ Nicht zuletzt sei es „ein Ruf an uns selber: Komm, Heiliger Geist, tritt aus uns heraus und präge unser Denken, Fühlen und Handeln“. Wenn alle Christinnen und Christen auf der Erde, die in Taufe und Firmung mit dem Heiligen Geist beschenkt seien, diesem Geist nur für einen Tag Raum gäben, würde sich die Welt komplett verändert, betonte der Bischof: „Dann würde sich das Antlitz der Menschen und damit das Antlitz der Erde erneuern.“

(JR)