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Bistum Trier
Dienstag, 12. März 2019

Mitte der Gesellschaft bei Flüchtlingsfrage mitnehmen

Ehrenamtlich Engagierte und Politiker diskutieren in Vallendar

Vallendar – „Im Moment sieht es so aus, als ob wir, meine Generation, euch den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden.“ Der Moderator und Chefredakteur der Trierer Bistumszeitung Paulinus, Bruno Sonnen, stellte die bekannte Videobotschaft des deutschen Astronauten Alexander Gerst an den Anfang des politischen Abends des Katholikenrates in Vallendar.

Werner Huffer-Kilian von der Kreisgruppe Koblenz des Bundes für Umwelt- und Naturschutz zeigte Zusammenhänge zwischen Menschenrechten und Fluchtursachen auf. „Unsere lokale Gruppe engagiert sich in vielen öko-sozialen Projekten, etwa indem wir gegen Kinderarbeit protestieren“. Wer in Deutschland ankommt, solle wissen: die Flucht ist vorbei! Es gehe darum, das Innere, was die Flüchtlinge verloren haben mit Heimat zu füllen“.

Pater Jörg Gattwinkel (SAC) und das Ehepaar Christiane und Walter Groos stellten die Arbeit der Initiative „Willkommen in Vallendar“ vor. Einerseits freuten sie sich, dass viele Flüchtlinge in Privatwohnungen statt in Gemeinschaftsunterkünften untergekommen sind, andererseits wünschen sie sich, dass die angemieteten Wohnungen „menschenwürdig“ seien – also mit Telefon, Internetzugang, im Ort gelegen und ohne Schimmel, Flugameisen oder Rissen in den Wänden. Außerdem sollten amtliche Schreiben so verfasst werden, dass deren Sprache auch verständlich sei. Diese Forderung nach einer „leichten Sprache“ unterstützte Katja Büchner, Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Andernach. Ihr Verein habe eine Broschüre herausgebracht, in der etwa Bräuche wie Karneval oder Halloween in leicht verständlicher Sprache erklärt würden. Außerdem präsentierte sie ein T-Shirt mit dem Logo „I love Andernach“, das unter anderem ein Herz mit zehn verschiedenen Sprachen zeigt.

Pater Wolfgang Jungheim (SSCC) von der Initiative Ordensleute für Kirchenasyl warb dafür, nahe an den Schicksalen der Flüchtlinge zu sein und sie auch in „Härtefällen“ nicht im Stich zu lassen: „Fehlentscheidungen müssen gemeldet und geprüft werden“.

„Kirchenasyl lehne ich ab“, entgegnete der Koblenzer CDU-Bundestagsabgeordnete Josef Oster. Er sei „zwar Katholik, aber niemand steht über dem Gesetz, auch die Kirche nicht“. Der deutsche Rechtsstaat sei ein „hohes Gut“. Es gebe auch andere Methoden und Gremien gegen Abschiebentscheidungen vorzugehen.

Die CDU-Landtagsabgeordnete Hedi Thelen forderte dazu auf Positionen der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ernst zu nehmen. Vielen Menschen in Deutschland fühlten sich durch die Flüchtlingswelle „bedroht und bedrängt im eigenen Land.“ Viele Ostdeutsche seien nie in Gesamtdeutschland angekommen, der Klimawandel und unberechenbare Politiker wie Trump, Kim Jong-un oder Putin machten Angst. „Wir müssen diese Sorgen ernst nehmen und Antworten geben“. Sie kämpfe für ein starkes Europa, das sich (wieder) auf gemeinsame Werte besinne.

In Kleingruppen wurde heftig darüber diskutiert, ob Kirche als Gesprächspartner in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen überhaupt noch ernstgenommen wird, oder sie ihre Rolle wegen der Missbrauchsdiskussion nicht eingebüßt hat. Andere Teilnehmende trieb die Frage um, wie mit der AfD und ihrem menschenfeindlich-unchristlichen Weltbild umzugehen sei.

Die vom Katholikenrat im Bistum Trier veranstaltete politische Reihe „Für eine Welt, in der wir gut und gerne leben“ wird fortgesetzt: am 19. März in Waxweiler (19.30 Uhr) und am 14. Juni (19 Uhr) in Waldbreitbach. Weitere Infos gibt es auf www.bistum-trier.de/katholikenrat/.

(red)