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Bistum Trier
Freitag, 21. März 2014

„Wer verdient schon, was er verdient?“

Nell-Breuning-Gedenken der KEB diskutierte zu gerechten Löhnen

Dillingen – Demnächst 8,50 Euro brutto pro Stunde als Mindestlohn auf der einen Seite und auf der anderen 14 Millionen Euro Jahresgehalt für Spitzenmanager. Das ist die aktuelle Spannbreite bei der Entlohnung von Erwerbsarbeit in Deutschland. „Gibt es einen gerechten Lohn?“ Diese Frage stand am 20. März über der 12. Nell-Breuning-Gedächtnis-Veranstaltung, zu der die Katholische Erwachsenenbildung im Kreis Saarlouis e.V. gemeinsam mit dem Themenschwerpunkt Arbeit der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Trier in die Dillinger Stadthalle eingeladen hatte. KEB-Vorsitzender Horst Ziegler begrüßte als Experten den katholischen Sozialethiker Dr. Arnd Küppers aus Mönchengladbach, Albert Hettrich, Präsident des Verbandes der Saarhütten und Generalbevollmächtigter der Stahl-Holding Saar, Landtagsmitglied Eugen Roth, Vorsitzender des DGB Saar und Thomas Berenz, vom Themenschwerpunkt Arbeit im Bistum Trier, der die Diskussionsleitung übernahm.

„Dem Arbeiter den ihm gebührenden Lohn vorzuenthalten ist eine Sünde, die zum Himmel schreit“. Dieser kirchlichen Lehrmeinung schloss sich Sozialethiker Küppers in seinem Vortrag vor den rund 40 Interessierten an. Das Problem sei aber, dass „Gerechtigkeit“ nicht umfassend zu definieren sei, wohl aber konkrete Ungerechtigkeit. „Wer verdient schon, was er verdient?“, fragte Küppers deshalb und bezeichnete den Mindestlohn von 8,50 Euro für eine Frisörin als ungerecht. Das sei zuwenig nach einer dreijährigen Ausbildung und bei diesem „Knochenjob“. Auf der anderen Seite sei es „geschmacklos“, wenn Vorstandsmitglieder das Vierhundertfache eines einfachen Arbeiters erhielten. Das sende ein „verheerendes Signal“ in die Gesellschaft. Küppers forderte, dass der Abstand nur so groß sein dürfe, dass noch eine Relation zwischen den Bezahlungen bestehe. Es gebe also einen ungerechten Lohn am oberen und am unteren Ende der Skala. In den letzten Jahren nehme die Bevölkerung verstärkt wahr, dass die Relation zwischen oben und unten nicht mehr stimmt. Da ändere auch die Einführung des Mindestlohnes nichts. Ein weiteres Kriterium für gerechte Bezahlung sei es, dass der wirtschaftliche und der soziale Fortschritt miteinander Schritt halten müssen. Der Wohlstand müsse gerecht verteilt werden. Gerechtigkeit bedeute Teilhabe aller an der Entwicklung.

DGB-Vorsitzender Roth plädierte für den Mindestlohn, auch wenn der das Armutsproblem nicht lösen werde. Der DGB sei dafür, weil zunehmend die Tarifautonomie in immer mehr Fällen nicht mehr für eine gerechte Bezahlung sorgen könne, weil immer mehr Unternehmen ihre entsprechenden Verbände verließen. Wenn Gewerkschaften und Unternehmensverbände noch flächendeckend funktionieren würden, hätte man den Mindestlohn nicht gebraucht. Als Herausforderung für die Tarifpolitik bezeichnete Roth die Bezahlung von Frauen, die für gleiche Arbeit und bei gleicher Qualifikation im Schnitt 22 Prozent weniger bekämen als Männer. Auch Unternehmervertreter Hettrich lobte die Tarifautonomie als Königsweg. Er warnte vor negativen Auswirkungen des Mindestlohnes, etwa dass dessen Einführung den Mangel an Fachkräften noch verstärken könnte. Im Übrigen werde man die Auswirkungen des Mindestlohnes beobachten können. Wenn die dadurch entstehenden Mehrkosten an die Kunden weiter gegeben werden könnten, dann könne man von einem erfolg sprechen.