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PastoralreferentInnen als qualifizierte Co-Createure mit Gründergeist: Vortrag von Florian Sobetzko

"Ich weigere mich, eine sterbende Kirche zu führen"

Beim Jubiläums-Festakt "40 Jahre Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten im Bistum Trier" hat Florian Sobetzko zu Gründer-Geist aufgerufen und eingeladen. Wir dokumentieren seine Rede hier in Auszügen - das vollständige Manuskript der Rede (mit Anmerkungen...) finden Sie hier.

Um es vorwegzunehmen: ich werde mich Ihnen heute in einer seltsamen Sprache nähern, was damit zu tun hat, dass ich meine Inspirationen aktuell bevorzugt aus Technologie- und Innovationsmanagement, Wirtschaftspsychologie und Entrepreneurship-Forschung beziehe. Das ist in unseren postmateriellen Kreisen normalerweise misstrauisch beäugt – ein riskanter Flirt mit der BWL?

Bitte seien Sie aber versichert, ich bin tatsächlich ein eigentlich ganz normaler Kollege, Theologe und Pastoralreferent. Wie so viele von Ihnen hier heute bekannt haben, habe auch ich mir meine Sporen in der Jugendseelsorge und Schulseelsorge verdient mit Besinnungstagen, Taizégebeten, Ferienfahrten und Firmvorbereitungen. Und bin zugleich in der glücklichen Lage, mich als Gemeindegründer einer Hauskirchengemeinde von jungen Erwachsenen wiederzufinden, der heute pastorale Gründerinnen und Gründer unterrichten darf und am ZAP in Bochum das Privileg genießt, mit wirklich klugen Leuten zusammen zu forschen, vor allem aber zu lernen, wie Kirche in Zukunft gehen könnte. Und da und dort habe ich gefunden, dass wir im interdisziplinären Dialog ungemein viel lernen können.

  • Fehlerkultur etwa: von erfolgreichen Technologiemanagern habe ich mir den Vorschlag gemerkt, neue Fehler zu machen statt immer die alten – am liebsten natürlich jeden nur einmal….
  • Oder dass Innovationsmanagement Teil der Eignerstrategie ist – das geht nur Top – Down richtig gut und übersetzt sich kirchlich wie folgt: für pastorale Innovation braucht es nicht nur Erlaubnis, sondern Auftrag und Sendung, damit die lokalen Akteure nicht ständig in Stellvertreterkonflikten absorbiert werden.

Mit dieser Vorbemerkung zum Thema:

PastoralreferentInnen früher und heute 

(Aber) ... wie konnte ich so leichtsinnig sein, mich genau zu diesem Thema hierher einladen zu lassen? Mit dieser Frage saß ich kürzlich in meiner Wohnküche in Aachen … und nippte nervös an meiner Tasse mit italienischem Kaffee aus der Gaggia® Siebträgermaschine, die übrigens seit 1977 nahezu unverändert gebaut wird – taugt sie vielleicht schon zum Gleichnis? Ich bitte Sie vorweg um Verzeihung, denn ich werde das arme Maschinchen heute vor Ihren Augen rücksichtslos ausnutzen wie ein Unternehmensgründer eine gute Geschäftsgelegenheit – aber zu Ihrer und meiner Entlastung: ich werde Ihnen nicht erzählen, die Kirche sei eine Kaffeemaschine. Trotzdem birgt das Motiv einige Inspiration, finde ich – denn: Wie kann es sein, dass ein Produkt 37 Jahre Designgeschichte, die fundamentale Heterogenisierung marktlicher Nachfrage und sogar zwei Unternehmensübernahmen (Gaggia wurde von Saeco® gekauft, Saeco von Philipps®) nahezu unbeschädigt überlebt?...

Die Menschen haben neue / verschiedene Erwartungen

Die Menschen kommen zwar immer noch zur Kräutersegnung, aber sie … wollen nicht in den Sozialraum von Kirche eintreten und Teil der Pfarrfamilie werden, sie suchen dort etwas anderes. …. Und ich hab' meine Gaggia …  gekauft – anno 2014 übrigens – weil sie wie meine Frau eine echte Italienerin ist, weil sie – ebenfalls wie meine Frau – für mich mit weitem Abstand die Schönste ist, italienisches Design eben, weil sie als Siebträgermaschine der Kapselkatastrophe entgegentritt und weil… ja weil sie meine Eintrittskarte in die Welt der Barista war: die Kunst des guten Espresso …

Wer sich heute so ein Ding kauft, will nicht einfach Kaffee kochen.

Der Markt … ist unübersichtlich geworden. Die industrielle Autoproduktion ist das beste Beispiel, es gab zu Beginn ein einziges Ford-Modell, das Modell T; hier nahm die moderne industrielle Massenfertigung von Automobilen ihren Lauf. Frei nach Henry Ford: Jeder Kunde kann sein Auto in einer beliebigen Farbe lackiert bekommen, solange die Farbe, die er will, schwarz ist. Das kann man so machen, wenn es keine Wettbewerber und eine planbare und homogene Nachfrage seitens der Kundschaft gibt.

Heterogenisierung der Nachfrage

Über die Jahrzehnte erlebte die Welt nun in allen Sparten und auch religionssoziologisch das, was man wirtschaftswissenschaftlich als Heterogenisierung der Nachfrage bezeichnet: unterschiedliche Menschen wollen immer unterschiedlichere Dinge – wir bei Kirche sprechen da gerne von Konsumismus, Individualismus, Relativismus, wenn jemand ein anderes Schwarz wünscht. Autos dagegen werden heute vom Kunden im Internet konfiguriert und nach mehr oder weniger individuellen Bedürfnissen gefertigt, man spricht von kundenindividueller Massenfertigung mit erweiterten Lösungsräumen. …

Herausforderung: Die Kunden bestimmen mit

Im Internet lernen die Maschinenbauer von den für sie besonders interessanten unzufriedenen Kundeninnovatoren …, wie die ihre Siebträgermaschine mit alternativen Sieben, Siebträgern, Heizelementen und Milchaufschäumdüsen so optimieren, dass der perfekte Kaffee gebrüht wird. …

Das ist für die Anbieterseite eine wirklich beanspruchende Herausforderungslage…. So viele verschiedene Kunden und ihre Lebens- und Kaffee-Stile, so viele verschiedene Bedürfnisse, so viele direkte und indirekte Wettbewerber – derart herausgefordert gefühlt haben sich viele von uns schon damals nach dem Lesen der ersten SINUS®-Milieuhandbücher: Zielgruppengottesdienste für sieben verschiedene Milieus? Vier verschiedene Kommunionvorbereitungen? Maßgeschneiderte Exequien für moderne Performer, die nun nicht mehr performen? Und die nicht abreißende Nachfragevervielfältigung macht ja bei sieben oder neun Milieus nicht halt. Denn längst – Sie haben es vermutlich längst bemerkt oder eben davon gehört – nutzen Unternehmen moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, um kundenindividuelle Produkte und Dienstleistungen zu erbringen.

Ach wären wir in der Pastoral doch wirklich die Gaggia Classic des Herrn, die nur ein paar harte Jahre überstehen muss, bis die wahren Kenner wieder ihre Qualitäten loben und sie zum Kundenliebling der Leitmilieus machen! Wie schafft sie das nur? Oder besser gefragt: welche Lerngelegenheiten verbergen sich für uns meist postmaterielle Pastoralreferentinnen in dem genussvollen Gleichnis der 1977er Espressomaschine in einer postmodernen Welt?

Bitte folgen Sie mir entlang drei pragmatischen und durchaus persönlichen Schlussfolgerungen; sie heißen erstens Qualität und Qualifikation, zweitens Co-Kreation und drittens Gründergeist.

  • Ich traktiere Sie schon wieder mit einem Fremdwort aus dem Produktivgewerbe, Sie haben es vielleicht von der Stiftung Warentest schon einmal gehört: „Geplante Obsoleszenz“ nennt man es, wenn Ihr Drucker nach einer heimlich vorprogrammierten Zahl ausgedruckter eMails einfach nicht mehr weiterdruckt und sich tot stellt; wenn Ihr Auto nach Ersatzteilen verlangt, obwohl das Original noch nicht verschlissen ist; wenn Glühbirnen nach einer festgelegten Leuchtzeit von 1000 Stunden durchbrennen... Die Gaggia Espressomaschine dagegen läuft und läuft und läuft wie ein alter VW Käfer – und es gibt immer noch Ersatzteile, von wegen „verstecktes Haltbarkeitsdatum“!

    Was hat das mit uns zu tun? Ist das bei Kirche nicht genau umgekehrt? Wir sehen für die Umwelt derzeit nicht überall sehr frisch aus, obwohl wir doch eigentlich ein unsichtbares unbegrenztes Haltbarkeitsdatum tragen… Aber es handelt von uns, denn aus der Beobachtung können wir lernen: Kunden und meinungsführende Produkttester hassen geplante Obsoleszenz wie die Pest.

    Wenn wir nun als institutionelle Kirche aus unevangelistischer Angst oder Ratlosigkeit nach Pastoralkonzepten und -plänen verfahren, denen man ihr Verfallsdatum schon ansieht, so ist das aus Nachfragerperspektive ärgerlich und frustrierend. Bei aller modernen Begeisterung für zeitlich begrenzte Projekte und Engagements formuliere ich es persönlich mit dem US-Autor Paul Nixon, der sagt: „I refuse to lead a dying church!“ …- ich weigere mich, eine sterbende Gemeinde zu führen. Ich weigere mich – und möchte Sie werben, das auch zu verweigern – Kirche so zu führen, dass ich ihr sehenden Auges elegant ins Grab helfe. Diese Qualität und die dazu nötigen Qualifikationen darf jeder Christ von seiner Kirche verlangen….

    Kirchliche Qualität und pastorale Exzellenz statt geplanter Obsoleszenz beginnt tief in unseren Herzen und im gemeinsamen Schulterschluss. Mein katholischer Lieblingspastor aus Saint Sabina Chicago würde Sie jetzt in autoritativem Ton auffordern, sich Ihrer Nachbarin, Ihrem Nachbarn zuzuwenden und sich gegenseitig zu sagen: „Neighbour, Nachbar oder auch Nächster, I refuse to lead a dying church – ich weigere mich, eine sterbende Kirche zu führen!“ – auch wenn das nicht unsere Tonalität ist; vielleicht wollen Sie sich doch mal umsehen und das Funkeln in den Augen der KollegInnen sehen – und wenn niemand zurückfunkelt, machen Sie vielleicht einfach ein heimliches Selfie mit Ihrem Dienstsmartphone, um sich mit einem Foto daran zu erinnern: ich weigere mich, der Kirche ins Grab zu helfen. Von wegen, begrenztes Haltbarkeitsdatum!

  • Wenn ich in Aachen für meine Frau einen maßgeschneiderten Cappucino mit laktosefreier Milch zubereite …, so nennt man das eine Co-Kreation. Giovanni Achille Gaggia und ich arbeiten da quasi Hand in Hand – ohne seine Patente und Entwicklungen wäre das genauso wenig möglich wie ohne mein Zutun. Und … ich musste sorgfältig erarbeiten, wie die vielen Faktoren rund um Arabicabohne und wohltemperiertes Druckwasser zu rekombinieren sind.

    Co-Kreation nennt man es innovationstheoretisch …, wo externe Partner mit ihrem Lösungswissen oder ihrem Bedürfniswissen in Produktions- und Innovationsprozesse involviert werden. An die Stelle der Kundenorientierung tritt die Kundenintegration, will sagen: statt „wir wissen, was gut für Euch ist, weil wir es direkt von Gott wissen“ oder „wir wissen, was gut für Euch ist, weil wir Leute wie Euch gefragt und Marktforschung betrieben haben“ tritt nun die direkte Zusammenarbeit und gegenseitiges Lernen. Unternehmen und Kulturanbieter lernen in dieser Dekade, ihre Leistungserbringung nicht hinter dicken Labortüren zu vollziehen und dann über die Fabrikmauer zu werfen. Versorgungslogiken werden ergänzt oder ersetzt durch Interaktionslogiken.

    Offenbarung ist & braucht Co-Kreation

    Offenbarung ist eine kommunikative Co-Kreation von Gott und Mensch in seiner jeweiligen Gegenwartskultur. Heilige Schrift, Kirchengeschichte und in prägnantester Form das Vaticanum II lehren mich: das Evangelium Jesu Christi ist kulturbedürftig. Kirche ist für mich der Inbegriff einer Co-Kreation des Volkes Gottes. Egal ob Sie die Berichte von Gründerinnen etwa von neuen Gemeinden, Projekten, Aufbrüchen oder eben jungen Berufen wie dem unseren erzählen hören, es handelt sich immer um genuin co-kreative Prozesse.

    Wenn ich die Zusammenarbeit von Mensch und Gott, Priestern und Laien, Frauen und Männern, Haupt- und Ehrenamt, Jung und Alt, Institution und Individuum und allen jeweils dazwischen Befindlichen als Co­Kreation erschließe, dann servieren sich – im Bild gesprochen – bald all die unterschiedlichen Facetten und Geschmacksnuancen des dunkelschwarzen Espressouniversums – und von den kunstvollen Mischgetränken mit aufgeschäumter Milch habe ich noch gar nicht groß gesprochen; der alte Henry Ford hätte es mit der Angst bekommen, aber er war ja auch kein Pastoralreferent.

  • Wenn man die faszinierenden Video-Statements der ersten PastoralreferentInnen hört, könnte man den Eindruck bekommen, damals sei alles ganz entwicklungsoffen gewesen, heute sei alles weitgehend reguliert. „Wir hatten keine Vorgänger, wir mussten den Beruf quasi neu erfinden.“ Eine neue Idee? Liefern Sie mir einfach ein Konzept, vielleicht trägt es ja. Was ist, was tut, was macht, was darf, was kann ein Schulseelsorger, der kein Priester ist?

    Ein Kollege berichtete geheimnisvoll aus dem Mittelbau der 90er Jahre, dass er im ersten Büro erstmal Bastelutensilien früherer Bewohner entsorgen musste – anscheinend weigerte er sich zu Recht, in einem Hobbykeller zu arbeiten; das Bild sagt etwas aus über die Breite der möglichen Vollzugsgestalten unseres Berufes… – was wird wohl der Nachfolger meines Nachfolgers in Aachen über das altertümliche Audio-/Videoproduktionsstudio aus 2012/13 sagen, wenn er es in den Container entsorgt, um dort mit jungen Erwachsenen die in der pastoral gängigen diakonischen Drohnen zu bauen? Technikmuseum? Pastoralarchiv?

    Aber zurück zu den Gründerinnen und Gründern der Berufsgruppe und etwa dem klerikalen Machismo, mit dem eine Kollegin in Gremien und Gottesdiensten eingeführt wurde: „Ich habe die Madame mitgebracht. So weit ist es mit der Kirche gekommen, dass in der Pastoral Laien, ja sogar Frauen…“ wurde eben ein früherer Dechant zitiert. …

    Wenn ich … studiere, welchen pastoraltheologischen Lauf die Entwicklung der seelsorglichen Berufe seit dem Konzil genommen hat, welche wundervollen Projekte und Initiativen, welche starken Persönlichkeiten und ausdauernden Bergarbeiter diesen wundervollen Beruf geprägt haben, so kommt mir das ca. 900 Jahre alte Gleichnis der Riesen in den Sinn, auf deren Schultern wir jüngeren KollegInnen heute als Zwerge stehen. Ihre Reiseberichte aus der Berufsgeschichte der Pastoralreferentinnen und ­referenten wecken große Neugier, wie die Gründerjahre wohl gewesen sein mögen.

    Not lehrt gründen

    Zugleich … – ich bin extrem dankbar, in so einer krisenhaften Zeit Pastoral mitverantworten zu dürfen. Die fetten Jahre – wenn es sie denn je gab – sie wären nichts für mich gewesen... Sie erfahren es hier in Trier durchaus auch schon spürbar. Die Not lehrt nicht nur beten, sie lehrt auch das pastorale Gründen. Sie lehrt fragen: wie können wir besseren Espresso brühen? Wie werde ich wieder erfolgreich als Barista des Herrn, auch wenn 2017 die kurzfristig kirchensteuerfetten Jahre wieder vorbei sind?

    Die für mich wichtigsten Lektionen ziehe ich persönlich dafür nicht aus der Espressologie, sondern wiederum aus der wirtschaftswissenschaftlichen Entrepreneurship-Forschung. Hier ist in den letzten Jahren immens wichtiges Wissen produziert worden: in Studien über das Entscheidungsverhalten sehr erfolgreicher Unternehmensgründer – und vergleichbares stellen wir bei den pastoralen Gründerinnen und Gründern fest – wurde gezeigt, dass sie in Ungewissheitsszenarien effektivere Strategien haben als das klassische Management mit Zielvereinbarungs- und –erreichungsprozessen ….

Co-Creation: Wenn Kunden in die Produktion integriert sind...

  • Mit Ungewissheit umgehen Switch

    Ungewissheit? Der Chicagoer Wirtschaftswissenschaftler Frank Hyneman Knight beschrieb es 1921 anhand von Urnengefäßen …. Stellen Sie sich mal folgendes Bild vor: In einem ersten Gefäß sind 100% blaue Kugeln – wenn ich Sie frage, was Sie mit geschlossenen Augen wohl herausfischen werden, steht vorab fest: eine blaue Kugel.

    Unsichtbar und gut gemischt finden sich in einer zweiten Urne nun 20% blaue und 80% rote Kugeln – wenn ich mit den roten Kugeln handeln will, habe ich es mit einem kalkulierbaren Risiko zu tun – ich kann Vorhersagen über die Zukunft machen und entsprechend planen.

    Im dritten Gefäß nun sind ebenfalls blaue und rote Kugeln – mir ist aber deren Mengenverhältnis nicht bekannt. Vorhersagen und entsprechende Planungen sind hier eigentlich schon nicht mehr möglich – man spricht von Unsicherheit.

    Als vollkommene oder auch Knightsche Unsicherheit bzw. als Ungewissheit bezeichnet man es, wenn ich mir beim vierten Gefäß noch nicht mal sicher sein kann, ob Kugeln drin sind. Wenn ich hineingreife, finde ich vielleicht eine blaue Kugel, vielleicht aber auch eine lila Nespresso®-Kapsel, einen Weihwassersprengel oder eine grüne Tomate. Sicherheit – Risiko – Unsicherheit – Ungewissheit – das sind sehr unterschiedliche Herausforderungen.

  • Unsicherheits-Herausforderungen (zum Nachhören) Switch

  • Der Blick in den Kühlschrank Switch

    Gute Entrepreneure und Ekklesiopreneure bearbeiten marktliche bzw. pastorale Ungewissheitsszenarien … radikal mittelorientiert, schreiben keine Einkaufsliste mit den exakten Zutaten für das perfekte Omelette, sondern sie entscheiden beim Blick in den Kühlschrank, was man aus dem Inhalt heute kochen könnte. Sie arbeiten nicht auf ein entferntes und unsicheres Ziel in einer unsicheren Zukunft hin, sondern sie erschließen mit dem, was sie jetzt haben und sind und einzusetzen bereit sind, zusammen mit den Leuten, die sie jetzt kennen und erreichen, eine Vielzahl möglicher Ziele, von denen aus sich wieder neue Möglichkeiten ergeben.

    Zufall ist nicht Ihr Feind, den es durch worst case Szenarien zu umschiffen gilt – Zufall ist möglicherweise glückliche Fügung – theologisch gesprochen: Heiliger Geist.

    Der Kollege im Video berichtet es aus seinen Anfangstagen in der Frühzeit unserer Berufsgruppe: „ich musste als Nicht-Priester erklären, welche Qualifikationen ich habe“. In unserer Kirchenära gilt das für jede Seelsorgerin und jeden Seelsorger, geweiht wie ungeweiht, ja für die gesamte Institution Kirche, die noch gewohnt ist, sich wie ein lokales Elektrizitätswerk oder ein örtlicher Wasserversorger zu präsentieren: Sie brauchen Energie oder Frischwasser? Dann schließen Sie sich bei uns an, wir sind da. Auch, wenn die Stromdiscounter mit Vorauszahlungsrabatten samt Ihrer Vorauszahlung wieder verschwunden sind.

    Und die gute Nachricht lautet für mich: das geht so nicht mehr… Wir sind als Volk Gottes gerufen, mittel- oder meinetwegen manna-orientiert und co-kreativ mit dem zu kochen, was wir jetzt im Kühlschrank haben – bevorzugt Speisen, die damit richtig gut gelingen und nicht die, für die uns das wichtigste Gewürz zu fehlen scheint.

Von den Gründern lernen heißt dann etwa auch, Gäste einzuladen, die eigene Zutaten mitbringen – aber eben auch eigene Rezepte. Und wenn das gelingt, vielleicht sagen dann hinterher alle: „Wow, das war so gut, da kann man ja angstfrei Freunde mit hinnehmen“ – wiederum mit Zutaten und Rezeptideen. Und Sie ahnen es: im Bild ist dann auch irgendwann der Kühlschrank wieder etwas voller, es gibt unterschiedliche Speisen, vielleicht gibt es sogar ein Vorratsfach, womöglich wird ein Gästehaus draus – um nicht Paroikía oder gar Pfarrei zu sagen. Da wäre ich dann gerne Barista...

Gute Entrepeneure (Gründer eben)...

Gratulation

Sehr geehrter Herr Bischof, sehr geehrter Herr Generalvikar, liebe Kolleginnen und Kollegen, verehrte Damen und Herren! Zum Berufsgruppenjubiläum der Trierer PastoralreferentInnen gratuliere ich Ihnen von ganzem Herzen und wünsche Ihnen und allen Menschen in Ihrem Bistum Gründergeist und Gottes Segen.

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